Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Herzogenbusch.[]

[1]
Herzogenbusch (Bois-le-Duc), auch schlechtweg im Busch genannt, eine befestigte Stadt im Königreich der Niederlande, mit 3200 Häuser und 13300 Einwohnern, am Zusammenfluß der Dommel und Aa, welche durch ihre Vereinigung die Diest bilden, 5" 9' Länge von Greenwich, 51" 40' nördlicher Breite. Herzog Gottfried von Brabant ließ im J. 1184 hier einen Theil des Waldes ausrotten, und legte den Grund zu diesem nachmals in starken Mauern und sieben sich gegenseitig flankirenden Bastionen, vorzüglich aber darin, daß die ganze Umgebung nach Willkühr unter Wasser gesetzt werden kann. Zu seiner sonstigen Vertheidigung dienen die Forts Creve-Coeur, Isabella und St. Anton nebst der im 18ten Jahrhundert erbauten Citadelle Papen-Briel. Die Stadt hat vier Thore und drei Eingänge zu Wasser. Die Cathedralkirche ist eine der schönsten in die Niederlanden. Herzogenbusch, welches in den Religionskriegen des 16ten Jahrhunderts viel gelitten, kam erst 1620 an Holland. Den 14. Sept. 1794 siegten die Franzosen über ein englisches Truppencorps. Den 9. Oct. desselben Jahres ging es an Pichegru über. Im Jan. 1814 nahm es der preußische General v. Bülow.


Festung.[]

[2]
Hertogenbosch, eine starke Vestung in Brabant an der Dommel und der Md. der Aa, welche beide durch die Stadt fließen, und die Graben mit Wasser anfüllen. Die Citadelle Papenbril an der Nordseite, die Isabellen- und St. Antonius-Schanze an der Südseite. Die niedrige Umgegend ist mit Bächen und Graben sehr durchschnitten. Fabriken und Handel. Vier Land- eben so viel Wasser-Thore, 5 öffentliche Plätze, 3700 Häuser, 14'000 E.


Von Reisende.[]

Dr. Johann Friedrich Droysen.

[3]

[1801]

Amsterdam, den 25sten Jun. 1801..

Herzogenbusch, oder Bois le Duc liegt in einer großen, von Canälen und Flüssen durchschnittenen Wiese, auf welcher uns ein langer, krummer Damm, über manche Zugbrücke in das saubere niedliche Städtchen einführte. -- Die schönen geraden Straßen sind an den Häusern mit kleinen gebrannten Steinen, oder Klinkern auf der hohen Kante gepflastert, die Häuser ebenfalls von diesen Steinen erbauet und selten übergetäucht; jedes Haus hat sein Schild, das oft seltsam genug gewählt ist. Auf dem Markte steht vor dem Stadthause ein zierlicher Freyheitsbaum. Der junge grüne Baum ist mit einem Würfel eingefaßt, auf dem die Römischen Fasces stehen, die eine Seite dieses Würfels hat die Inschrift: Eindelyk uyt de Onderdrukking (endlich aus der Unterdrückung); die zweyte einen mit Blumen bekränzten Altar, auf welchem ein Buch liegt mit der Inschrift: Vryheit van de Godsdienst (Freyheit des Gottesdienstes); die dritte eine Embleme der Freyheit und die vierte die der Gleichheit, mit Blumen geziert. Oben am Baume sind vier Medaillons mit den Köpfen Brutus, Hugo-Grotius, der Gebrüder de Witt und Oldenbarneveld aufgehängt. An der Kirche hat General Mercier, der hier an seinen in der Schlacht mit den Engländern und Russen erhaltenen Wunden starb, ein Denkmahl: eine einfache Marmortafel verewigt seinen Nahmen.

Auf den stark besuchten Kaffeehäusern, wo ein ungeheurer Tobacksdampf herrschte, stand ebenfalls mit goldenen Buchstaben aurea libertas, und diese war hier wirklich zu Hause. In den Buchläden, die ich durchsuchte, fand ich wenig neues wissenschaftliches, mehrentheils nur Französische Werke, Uebersetzungen guter und schlechter Romane aus allen Sprachen; und theologische Untersuchungen noch am häufigsten, diese Dinge gehen, nach der Aussage des Buchhändlers, am besten, politische Schriften wenig, noch weniger aber wissenschaftliche Abhandlungen.

Den andern Morgen verließen wir Herzogenbusch, gingen eine Stunde hinter Herzogenbusch in einer Fähre über die Maas, bey Bommeln in einer fliegende Brücke über einen Arm des Rheins der hier Waal heißt, hinter Geldermassen, wo wir drey Stunden Mittag machen mußten, über den Lech, einen zweyten Arm des Rheins und kamen Abends in Utrecht an.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Lehrbuch der Militär-Geographie von Europa, eine Grundlage bei dem Unterricht in deutschen Kriegsschulen, von A. G. Hahnzog, Divisionsprediger und Lehrer an der Kriegsschule in Magdeburg. Magdeburg, bei Ferdinand Rubach 1820.
  3. Dr. Johann Friedrich Droysen's Bemerkungen gesammelt auf einer Reise durch Holland und einen Theil Frankreichs im Sommer 1801. Göttingen bey Heinrich Dieterich. 1802.
Advertisement