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Bestand der Oesterreichischen Landmacht.Bearbeiten

Bei der jetzigen Krisis, in welcher sich Wolken auf Wolken an dem politischen Horizonte thürmen, deren Ausbruch sehr nahe ist, dürfte eine Darstellung der Streitkräfte, welche der Oesterreichischen Monarchie zu Gebote stehen, unsern Lesern nicht uninteressant seyn, und zu manchen Parallelen Veranlassung geben. Wir theilen solche aus zuverläßigen Quellen mit, und haben zugleich dabei vorzüglich ein erst kürzlich erschienenes statistisches Werk benutzt, *) von welchem wir im nächsten Monatsstücke eine umständlichere Anzeige geben werden.


1) Infanterie 291,871 Mann.
Diese besteht:
1. aus Linientruppen . . . . 63 Regimenter . . . .193,587 Mann.
2. Grenadiers 14,364 Mann.
3. Jäger 1 Regiment 2,140 Mann.
4. Grenztruppen 17 Regimenter 53,000 Mann.
5. Tyroler Landmiliz 4 Regimenter 20,000 Mann.
6. Garnisontruppen 3 Regimenter 7,000 Mann.
7. Invalidencorps 1,780 Mann.

Jedes Regiment Linientruppen ist aus 2 Grenadiercompagnien, 2 Feldbataillons zu 6, und 1 Depotbataillon zu 4 Compagnien zusammengesetzt; jede Grenadiercompagnie besteht aus 99, und Primaplana aus 114 Köpfen; jede Füseliercompagnie ist 182, und ein ganzes Regiment mit dem Staabe 3175 Mann stark. Die Grenadiers bilden ein Corps für sich, welches den Kern der Armee, und das schönste Militär in Europa ausmacht. Von den Linientruppen haben 39 Regimenter in Oesterreich, Böhmen, Mähren und Oesterr. Schlesien, 7 in Gallicien und 5 in Venedig ihre Standquartiere und Werbebezirke, zu welchem Behufe diese Provinzen in Kreise eingetheilt sind. Die Grenadiers werden aus der Infanterie ergänzt. Ungarn aber, dessen 12 Regimenter ein Truppencorps von 46,284 Köpfen bilden, completirt sich selbst; jedes Regiment hat auf die Compagnie 40 Ueberzählige, daher sind diese Regimenter 640 Mann starker.

Ein in den Oesterreichischen Staaten ganz besondres Corps, sind die Nationalgrenztruppen oder Croaten, welches völlig regulirt und exercirt ist, denen statt des Soldes gewisse Ländereien an den Grenzen des Osmanischen Reichs angewiesen sind, und welche 17 Regimenter ausmachen, jedes zu 2 Feldbataillons und 2 Compagnien Scharfschützen, wovon 8 in Croatien, 3 in Sclavonien, 2 in Bannate, und 4 in Siebenbürgen stehen. Ihre Stärke ist nicht bestimmt, und richtet sich nach der Bevölkerung der von ihnen bewohnten Bezirke, wo jeder Mannsperson vom 17ten Jahre an Soldat ist und bleibt. Man schätzt jedoch jedes Regiment auf 3000 Mann, welche Dienste thun. Die beiden Bannatregimenter sind 4000 Mann stark.

Die Tyroler Landmiliz ist erst 1804 organisirt, und 2000 Mann stark. Die 3 Garnisonregimenter haben ihre Standquartiere in Galizien und in der Bukowina; das Invalidencorps zu Tyrnau und Leopoldstadt.


2. Cavallerie 50,800 Mann.
1. Cuirassiers 8 Regimenter 9,600 Mann.
2. Dragoner 6 Regimenter 7,200 Mann.
3. Chevaux legers 6 Regimenter 9,480 Mann.
4. Husaren 9 Regimenter 14,240 Mann.
5. Ulahnen 3 Regimenter. 4,740 Mann.
6. Szeklerhusaren . . . . 3 Regimenter . . . . 4,740 Mann.
7. Staabs-Dragoner 800 Mann.

Die Cavallerie wird aus den deutschen und Galizischen Erbstaaten ergänzt. Ungarn aber completirt allein 10 Regimenter zu 16,980 Köpfen. Die Szeklerhusaren gehören zu den Grenztruppen, Nationalen, die völlig regulirt sind, aber statt des Soldes gewisse Ländereien benutzen.


3. Artillerie.

Die Artillerie, welche aus der Infanterie ergänzt wird, besteht aus 4 Regimenter Feldartillerie, 12,800 Mann, 4 Compagnien Artillerie-Füselier, 4 Compagnien Mineurs, 3 Compagnien Sappeurs, 2 Compagnien Bombardiers, 1 Bataillon Pontonniers, und 200 Ingenieurs. Zusammen 15,994 Mann.


4 Besondere Corps.
1. Der Generalstaab oder das
Feldingenieurcorps 800 Mann.
2. Das Fuhrwesencorps 8,000 Mann.
3. Das Tschaikenbataillon 1,200 Mann.
4. Die Reserve 2,000 Mann.


5. Garden.
1. Die adeliche Deutsche und damit
verbundene Arcieren Leibgarde 102 Mann.
2. Die Ungarsche Nobelgarde 69 Mann.
3. Die Leibgarde zu Fuß 109 Mann.


Nach dieser Liste ist also die ganze Oesterreichische Heersmacht 370,945 Mann stark, bei welcher sich 9 General-Feldmarschälle, 31 Generalfeldzeugmeister und Generale der Cavallerie, 125 General-Feldmarschall-Lieutenants, 246 General-Majors, und 286 Obersten befinden.

Vor ungefähr einem Jahrhunderte, im Jahre 1706, bestanden die regulären Truppen unter Joseph I. aus 133,000 Mann. Unter der Regierung Marien Theresiens, im Jahre 1745, war die reguläre Armee 200,000 Mann stark, und ungefähr ein halbes Jahrhundert nachher, im Jahre 1800, hatte Franz II. eine Landmacht, welche aus 495,000 Mann bestand. Die Zahl der Ausländer, welche sich unter diesen Bewaffneten befindet, beträgt etwa 30 bis 40,000 Mann.

Die Unterhaltung dieser Heersmacht kostet dem Staate 26 Millionen Gulden, und im Kriege zwischen 50 bis 60 Millionen. Mit der Vermehrung der Armee aber haben auch die Staatseinkünfte ansehnlich zugenommen, um den großen Kostenaufwand zu bestreiten. Marie einzunehmen, und unter dem jetzigen Kaiser betragen selbige zwischen 115 bis 120 Millionen Gulden, und werden sicher noch höher ausgebracht werden können, wenn Oesterreich erst seine großen Hülfsquellen ganz zu benutzen im Stande ist. -

Quellen und LiteraturBearbeiten

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1805.
  • Statistischer Umriß der sämmtlichen Europäischen Staaten, in Hinsicht ihrer Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung xc. von Georg Hassel. Braunschweig 1805. bei Vieweg.
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