Die Oesterreichische Armée unter Fürst Schwartzenberg.


Truppenstärke.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wien, den 8ten November. [1]

Folgendes ist der jetzige Bestand der österreichischen Armee: 14 Feldmarschälle, 184 Generale von allen Graden, die jetzt in Thätigkeit sind, 224 pensionirte oder nicht pensionirte Generale, 63 Regimenter Linieninfanterie, 11 Regimenter Gränzinfanterie, 19 Bataillons Grenadiere, 9 Divisionen Jäger, 4 Regimenter Artillerie ausser der Garnisonsartillerie, 8 Regimenter Kürassiers, 6 Regimenter Dragoner, 6 Regimenter Chevauxlegers, 12 Regimenter Husaren und 3 Regimenter Uhlanen.


Truppenbewegungen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wien, den 1sten April.

Nach Gallizien marschirten noch immer Truppen aus den verschiedenen Provinzen unserer Monarchie. Da der grösste Theil der hiesigen Besatzung abgezogen ist, so hat nunmehr unser zahlreiches und schön organisirtes Bürgermilitär die meisten Wachen übernommen. Bey Kaschau in Oberungarn formirt sich ein Reservekorps, meist aus ungarischen Regimentern. Bisher ist es noch nicht bekannt, wer die in Gallizien versammelte Armee kommandiren wird.


Wien, den 30sten April.

Verschiedene Infanterie- und Kavallerieregimenter z. B. Devaux, Vogelsang, Frölich, Kollowrath, Erzherzog Louis, Giulay, Prinz Koburg und Weidenfeld Infanterie, ferner Kaiser Husaren, Erzherzog Ferdinand und Fürst Moritz Lichtenstein Kürassiers, werden einen Kordon zwischen Siebenbürgen und Gallizien formiren.


Wien, den 2ten May.

Das Hauptquartier der Observationsarmee in Gallizien kommt nach Stanislawow; die Infanterie dürfte bey eintretender guter Witterung in verschiedene Lager zusammen gezogen werden, die Kavallerie aber vor der Hand in Kantonnirungen bleiben. Noch ist der kommandirende General nicht ernannt, und der Fürst Reuß, als Kommandirender in Gallizien, besorgt unterdessen die Geschäfte.

Von den ungarischen Infanterieregimentern sind die Kadres der dritten Bataillons, und von den Husarenregimentern der vierten Divisionen nach Ungarn zurückgekommen, um die beurlaubten und Rekruten an sich zu ziehen, und sich zwischen Mischkoly und Kaschau neu zu organisiren. Es sind Vorschläge eingereicht worden, die Straßen aus Ungarn nach Gallizien zur Armee dadurch abzukürzen, daß man den Weg von Munkaks über die Karpathen durch das Strythal nach Zydaczow in eine Chausse verwandelte.

Nach Siebenbürgen sind unlängst 2 Bataillons Grenztruppen, Broder und Gradiskaner, aus Slavonien marschirt; ihnen folgen aus Ungarn 2 Kavallerieregimenter. Bey Mehadia im Bannat wird ebenfalls ein Observationskorps aufgestellt.

Man spricht von einer königlichen Proposition, vermöge welcher Ungarn 30,000 Rekruten, 10,000 Pferde u. s. w. stellen soll.


Wien, den 23sten May.

Der Feldmarschall, Fürst von Schwarzenberg, ist gestern zu der Armee nach Gallizien abgereiser. Herr Stürmer, der vormals bey der Ambassade zu St. Petersburg angestellt war, begleitet ihn. Mehrere Artillerietrains, viele Pferde, Wagen und Feldbagage sind zu dieser Armee abgegangen.

Der Feldmarschalllieutenant Frimont, und der Generalmajor, Prinz von Hessen-Homburg, gehen gleichfalls nach Gallizien ab.

Der Fürst von Hohenzollern wird ein Reservekorps kommandiren.


Leipzig, den 1sten Juny.

Unsre Zeitung enthält Folgendes: "Zuverlässigen Nachrichten zufolge, hat der kaiserl. österreichische Hof an den östlichen Gränzen der Monarchie drey Armeekorps aufgestellt, deren jedes aus 30,000 Mann besteht, und zwar das erste und zweyte in Gallizien unter dem Kommando des Feldmarschalllieutenants, Fürsten Karl von Schwarzenberg, und das dritte in Siebenbürgen unter dem Kommando des Feldmarschalllieutenants, Barons von Stipsicz."


Wien, den 3ten Juny.

Der General von Mayer ist zum Generalquartiermeister bey dem Fürsten von Schwarzenberg, Kommandanten en Chef unserer Observationsarmee in Gallizien ernannt.


Wien, den 6ten Juny.

Zur Observationsarmee in Gallizien sind kürzlich starke Transporte von Zugpferden abgegangen. Es sind auch mehrere junge Aerzte und Chirurgen angenommen, und zu dieser Armee gesandt worden.


Wien, den 10ten Juny.

Der Oberst Geppert ist zum Chef des Generalstaabs in Gallizien ernannt.


Wien, den 18ten Juny. [2]

Das Hauptquartier unserer Armee ist, nebst zwey Grenadierbataillonen, am 11ten von Lemberg nach Zolkiew aufgebrochen, wohin sich auch der Fürst von Schwarzenberg begeben wird. Die Infanterieregimenter Großherzog Würzburg, Ludwig Lichtenstein und Kaiser, und das Husarenregiment Kaiser, sind auch weiter vorwärts gegangen.


Aus Ungarn, den 22sten Juny. [3]

Das in Gallizien zurückgebliebene Observationskorps befehligt der General, Fürst von Hohenzollern, welcher sein Hauptquartier zu Lemberg hat. Das gallizische Landesgeneralkommando behält der Fürst von Reuss; es ist von Lemberg nach Jaroslaw verlegt worden. Beym Schwarzenbergschen Korps ist Generalmajor von Stutterheim, beym Hohenzollernschen Oberst Göppert, Chef des Generalstabs.


Aus Gallizien, vom 3ten July. [4]

In der Gegend von Lemberg hat sich bereits eine Reservearmee von 80,000 Mann gesammelt; der General der Kavallerie, Fürst Hohenzollern, kommandirt sie und befindet sich in Lemberg.


Wien, den 4ten July. [5]

Von den Armeen hat man noch keine Nachricht. -- Die kaiserl. österreichische Observationsarmee in Gallizien ist neuerdings mit einigen Regimentern verstärkt worden. Ausser dem 30,000 Mann starken Hauptkorps, welches unter dem Fürsten Schwarzenberg in das Herzogthum Warschau gerückt ist, und zum Korps des Königs von Westphalen stoßen wird, bleibt noch ein bedeutendes Reservekorps zurück.


Lemberg, den 6ten July. [6]

Vergangenen Freytag ist das Infanterieregiment E. H. Großherzog Würzburg auf seinem Durchmarsch hier eingetroffen.


Wien, den 8ten July. [7]

Unsere in Polen eingerückten Truppen werden von Oesterreich immer komplet erhalten, und, so viel es thunlich ist, von Gallizien aus verpflegt werden, weshalb man auch Magazine und Schlachtochsen nachführt. In Gallizien ist eine beträchtliche Truppenzahl zurückgeblieben, welche ein Observationskorps an der Gränze bildet. Schon seit einigen Wochen kamen häufig französische und westphälische Officiers nach Lemberg; unter andern der Oberst Flahaut, einer der Adjutanten des Fürsten von Neufchatel.


Aus Ungarn, vom 5ten August.

Das österreichische in der Gegend von Lemberg aufgestellte Armeekorps des Fürsten von Reuß besteht aus 29 Bataillons und 6 Kavallerieregimentern, zu welchen noch das siebente, nämlich Palatinalhusaren, kommt, welches bereits von Wien nach Gallizien aufgebrochen ist. Der bey diesem Korps angestellte General er Kavallerie, Fürst Hohenzollern, soll statt des Feldmarschalllieutenants v. Stipsitz, welcher den Fuß gebrochen hat, als Kommandirender nach Siebenbürgen kommen; Hohenzollern soll in Gallizien durch den General der Kavallerie, Baron Kienmayer (dermalen als Inspekteur in Ungarn angestellt), ersetzt werden. Von dem Schwarzenbergischen Korps hat man wenig sichere Nachrichten; es heißt, die Division Trautenberg sey zu Dekkung des Warschauischen zurückgeblieben; der Rest des Korps aber sey am 28sten July bey Pruszanna aufgestellt gewesen; die Avantgarde soll bis Pinsk vorgedrungen seyn, und Kaiser Husaren daselbst eine äusserst beträchtliche Beute gemacht haben.


Wien, den 13ten August. [8]

Vier Regimenter haben neuerdings Befehl erhalten nach Gallizien zu marschiren. Gestern wurde hier ein Officier von Rang in Verhaft genommen, und dessen Papiere versiegelt.

In ganz Böhmen bemerkt man bedeutende Rüstungen. Fast alle Regimenter haben ihre Beurlaubten einberufen, und sollen eilig mobilisirt werden.


Wien, den 17ten August. [9]

Das österreichische Reservekorps, welches der Fürst von Reuss kommandirt, und welches sich in Kantonnirungen bey Lemberg befindet, besteht aus 29 Bataillons und 6 Regimentern Kavallerie, wozu noch das Husarenregiment des Erzherzogs Palatinus kommt, welches von Wien nach Lemberg aufgebrochen ist. Der General, Fürst von Hohenzollern, der die Kavallerie dieses Korps kommandirt, hat die Bestimmung erhalten, den Oberbefehl in Siebenbürgen an die Stelle des Generals von Stipsitz zu führen, der ein Bein gebrochen hat. Der Prinz von Hohenzollern wird in Gallizien durch den General, Grafen von Kienmayer, ersetzt werden.


Wien, den 5ten September. [10]

Zu unserer Armee in Polen sollen noch mehrere Regimenter stoßen.


Aus dem Oesterreichischen, vom 24sten September.

Es sollte am 22sten September eine große Rekrutirung vorgenommen werden, die am 6ten Oktober beendigt seyn muß. Die Kadres der dritten Bataillons sollen bey dieser Gelegenheit ganz kompletirt werden.


Wien, den 26sten September. [11]

Man meldet von verschiedenen Seiten, daß unsre Regierung neue Maßregeln getroffen habe, um die Anzahl der österreichischen Truppen, welche gegenwärtig unter den Befehlen des Fürsten von Reuss in Gallizien befindlich sind, zu vermehren. Mehrere Bataillons sind auf dem Marsch, um sich dahin zu begeben, und man versichert, einige von den im östlichen Ungarn versammelten Regimenter hätten Befehl erhalten, zum Marschiren bereit zu seyn. Man läßt allgemein den Talenten und der Thätigkeit des Fürsten von Schwarzenberg und seiner Generale Gerechtigkeit wiederfahren, welche sich bemühen, ausser dem Beyfall unserer Regierung noch das Lob des ersten Feldherrn unsers Jahrhunderts zu erlangen, welcher gegenwärtig ihre Bewegungen leitet. Da das Korps des Fürsten komplet gehalten werden muß, so sind bereits einige Verstärkungstruppen zu denselben auf dem Marsch.


Wien, den 6ten Oktober.

Die Rekrutirung wird mit aller Thätigkeit fortgesetzt, und wie es heißt, soll auch die Landwehr wieder aufgestellt werden.


Pesth, den 8ten Oct. [12]

Von hier und Ofen marschiren die Infanterieregimenter Bellegarde und Strauch, so wie aus dem Sumegher Comitat das Husarenregiment Frimont nach Gallizien. Pesth erhält dagegen das von Budweis aus Böhmen kommende Infanterieregiment Reisky, Ofen das von Brünn in Mähren ausmarschirte Infanterieregiment Lindenau in Garnison.

Man will neuerdings von einer Recrutenaushebung von 25,000 Mann in Ungarn wissen.


Wien, den 10ten Oktober. [13]

Die Rekrutirung geht in diesen Tagen zu Ende; die ausgehobene Mannschaft wird 4 Wochen lang in den militärischen Handgriffen unterrichtet und geübt, alsdann aber wieder auf Urlaub entlassen. Jedes der in Niederösterreich einen Werbbezirk habenden Infanterieregimenter hat dadurch einen Zuwachs von ungefähr 1300 Mann erhalten.


Wien, den 24sten Oktober. [14]

Alles läßt vermuthen, daß wir einen thätigern Antheil wie bisher, an dem Kriege nehmen werden. Nicht nur sind mehrere Korps auf dem Marsche, um zu der Armee des Fürsten von Schwarzenberg zu stoßen, sondern die Truppen an den siebenbürgischen Gränzen werden auch ansehnlich verstärkt. Man nennt den Baron von Hiller als den Obergeneral, der dieses Observationskorps befehligen soll, und sagt, es werde auf 80,000 Mann gebracht werden. Die Russen sind auf dieser Seite wenig zahlreich.


Wien, den 3ten November. [15]

Die Regimenter Alvinzy und Colloredo, die in diesem Feldzuge gelitten, sind abberufen, und beym Vorpostendienst durch 8 Jägerbataillone ersetzt worden.

Die Rekrutenaushebung wird mit Thätigkeit fortgesetzt. Sie begreift auch die Fremden; und die zahlreiche Klasse der Handwerker, die nicht Landeseingeborne sind, muß ihr Kontingent stellen. Man kann indeß vom Dienste befreyt werden, wenn man für zwey Ersatzmänner bezahlt; der Ertrag dieser Maßregel wird zum Besten des erforderlichen Ganzen verwendet. Man bemerkt vorzüglich, daß Tyroler suchen, als Ersatzmänner einzutreten.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 282 Sonnabend, den 23. November/5. December 1812.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 165. Mittewoch, den 10. July 1812.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 183. Mittewoch, den 31. July /12. August 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 191. Freytag, den 9/21. August 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 172. Donnerstag, den 18/30. July 1812.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 183. Mittewoch, den 31. July /12. August 1812.
  7. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 183. Mittewoch, den 31. July /12. August 1812.
  8. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 206. Dienstag, den 27. August /8. September 1812.
  9. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 209. Freytag, den 30. August /11. September 1812.
  10. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 223. Montag, den 16/28. September 1812.
  11. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 236. Dienstag, den 1/13. Oktober 1812.
  12. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 270 Sonnabend, den 9. /21. November 1812.
  13. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 252. Sonnabend, den 19/31. Oktober 1812.
  14. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 265 Montag, den 4. /16. November 1812.
  15. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 275 Freytag, den 15. /27. November 1812.


  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 114. Sonnabend, den 11. May 1812.
  • Leipziger Zeitung Nr. 212. Mittwochs den 28. October 1812.
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