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Sagan.Bearbeiten

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Sagan, Fürstenthum in Niederschlesien, zwischen dem Fürstenthum Glogau und der Lausitz; welches den Fürsten von Lobkowitz seit 1646 gehört, indem es K. Ferdinand III. an dieses Haus käuflich überließ. Seit 1786 besitzt es Herzog Peter von Curland. Er starb 1800, 13ten Januar, und seine älteste Tochter Katharine Friedrike Wilhelmine trat in die Erbschaft von Sagan ein. Das Land ist nicht sehr fruchtbar, hatte im J. 1796. 33,615 meist katholische Einwohner. Die Haupt- und Residenzstadt

Sagan, liegt am rechten Ufer des Flusses Bober. Es ist da eine ansehnliche Augustinerabtey, ein Collegium und Seminarium des aufgehobenen Jesuiterordens, noch 4 kathol. Kirchen und ein Seminarium, eine evangelische Gnadenkirche und Schule, ein ansehnliches Residenzschloß, in welchem sich die herzogliche Familie befindet. Seit 1768 ist hier eine ordentliche Poststation nach Frankfurt an der Oder und nach Berlin angelegt worden. Die Stadt hat 504 Häuser und 4,515 Einwohn., (im J. 1805) Katholiken und Lutheraner, welche die größere Zahl ausmachen. Die Tuch- und Leinwandmanufakturen dieser Stadt sind von großer Wichtigkeit, so wie der Getreidehandel.


Zeitgeschichte der Stadt.Bearbeiten

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. . . Kaum hatten sich die guten Saganer von diesem Ungemach etwas erholet, so mußten auch sie die Theuerung von

1805 bitter schmecken und dann

1806 - 1812 die Folgen des unglücklichen Kriegs zwischen Preußen und Frankreich mit empfinden, weil auch sie das beliebte Aussaugungs-System der Franzosen traf und ihren Nahrungsstand zurücksetzte. Vor dem Waffenstillstande

1813 genoß die Stadt Ruhe, obgleich der Feind in der Nachbarschaft vorbeizog und überall nach bekannter Weise verfuhr. Nach dem Waffenstillstande aber begannen vom 10. Juni an die Durchmärsche des Victorschen Corps, 12000 Mann stark und bald waren alle Vorräthe von Lebensmitteln aufgezehrt, oder weggeschleppt. Am 11. Juni legte sich General Latour-Maubourg mit seinem Stabe in die Stadt, die, ob sie gleich nur 300 Mann bequartirte, doch bald ein Lazareth für 300 Kranke und im Stiftshofe 5 Backöfen einrichten mußte. Jeder Tag brachte neue willkührliche Forderungen der unverschämten Commissarien mit sich. Die Schule nebst den Amtswohnungen der Lehrer dienten zum Lazareth, das Augustinerstift zum Magazin. Zu den Natural-Lieferungen an Brot, Wein, Bier, Branntwein, Leinewand, Tuch, Wäsche und Arznei, anderer Nebensachen nicht zu erwähnen, (welche oft von den Commissarien bald wieder verkauft, oder gleich Geld als Werthbetrag dafür genommen ward,) kam eine Kriegssteuer von 25,000 Rthlr., dann 65000 Rthlr. und endlich am 8. Aug. 5500 Rthlr. Diese hatte der Intendant auf die Stadt und den Kreis vertheilt. Doch rechnete er die erste bei der zweiten zu gute und die dritte wurde baar zurückgegeben, wozu folgende Begebenheit beitrug:

Maubourg forderte gedachte Summe, um am auf den 10. Aug. verlegten Geburtsfeste seines Gebieters jedem Offizier im Corps 5 Napoleond'ors und jedem Gemeinen 15 Sous zu schenken. Die Stadt machte Gegenvorstellungen, aber umsonst; denn der Ordonateur drohte 7 angesehene Bürger zu verhaften, wenn man das Geld nicht herbeischaffe. Dies erfuhren drei sächsische Kü assier-Offiziere von Latours Corps, gingen zu ihrem Oberst und dieser entsagte persönlich beim französischen Befehlshaber im Namen der Sachsen des Antheils an jenem Geschenke. Seinem Beispiel folgten die Pohlen und nun mußten die Franzosen sich schämen; daher wurde die am 9. Aug. erpreßte Summe von 5500 Rthlr. der Stadt wieder zurückgezahlt, aber nicht baar, sondern in Pfandbriefen zu 63 p. C. -- so verfuhren die gebenedeiten Franzosen!!

Wohl Sagan, daß sie zwischen den 12. und 16. Aug sich entfernten! -- Die gegenwärtige Häuserzahl dieser Stadt ist 592 und sie enthält 4100 Einwohner.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Zeitgeschichte der Städte Schlesiens mit Abbildungen herausgegeben von D. Christ. Friedrich Emanuel Fischer und Carl Friedrich Stuckart. Schweidnitz bei Carl Friedrich Stuckart. 1819.
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