Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Auszug des 78. Bulletins der Französischen Armee.[]

Heilsberg den 12. Jun.

"Gefecht bey Spanden. Am 5. Jun. setzte sich die Russische Armee in Bewegung. Die Divisionen ihres rechten Flügels griffen den Brückenkopf von Spanden an, welchen der General Frere mit dem 27. Regiment leichter Infanterie vertheidigte. Zwölf Russische und Preussische Regimenter strengten sich vergeblich an; siebenmahl stürmten sie, und siebenmahl wurden sie zurückgetrieben. Mittlerweile hatte der Prinz von Ponte Corvo sein Armeekorps zusammengezogen; allein ehe er hervorbrechen konnte, hatte ein einziger Angriff, den das 17. Dragonerregiment, unmittelbar nach dem siebenten Sturme, auf die Brückenschanze machte, den Feind gezwungen, das Schlachtfeld zu verlassen, und sich zurückzuziehen. So griffen einen ganzen Tag lang 2 Divisionen fruchtlos ein Regiment an, das freylich verschanzt war. Der Prinz von Ponte Corvo erhielt, als er die Verschanzungen in der Zwischenzeit der Angriffe persönlich besichtigte, um sich von dem Zustande der Batterien zu unterrichten, eine leichte Wunde, die ihn einige Wochen von seinem Kommando entfernt halten wird. Unser Verlust in diesem Gefechte war unbeträchtlich, der Feind verlor 1200 Mann, ausser vielen Verwundeten."

"Gefecht bey Lomitten. In demselben Augenblick griffen 2 Russische Divisionen vom Zentrum den Brückenkopf von Lomitten an, den General Ferry vom Korps des Marschalls Soult mit seiner Brigade vertheidigte. Das 46. und 37. Linienregiment schlugen den Feind den ganzen Tag über zurück; die Verhaue und Schanzen blieben mit Russen bedeckt. Der Russische General verlor mit 1100 der Seinigen das Leben. Die Franzosen machten 100 Gefangene, und hatten ungefähr 120 Todte und Verwundete; die Zahl der Russen, die in diesem den ganzen Tag über dauernden Treffen verwundet wurden, war sehr groß. Während dieses vorfiel, griffen der Russische Oberfeldherr und der Großfürst Konstantin mit der kaiserl. Garde, und 3 Divisionen den Marschall Ney in seinen Stellungen bey Altkirchen, Guttstadt und Wolfsdorf an. Sie wurden überall zurückgeworfen; als aber der Marschall wahrnahm, daß der ihn angreifende Feind über 40,000 Mann stark sey, so begab er sich, den vorher erhaltenen Vorschriften gemäß, mit seinem Armeekorps nach Alkendorf."

"Treffen bey Deppen. Den 6. Jun. griff der Feind das 6. Armeekorps in seiner Stellung bey Deppen an der Passarge an. Er wurde geworfen. Die Manövres dieses Armeekorps, die bey dieser Gelegenheit durch den Divisionsgeneral Marchand und dessen Offiziere entwickelten Talente, und die Unerschrockenheit, die der Marschall Ney seinen Untergeordneten einflößte, machen dies Treffen so ruhmvoll als merkwürdig für die Korps, die Theil daran nahmen. Der Feind verlor nach seinem eigenen Geständnisse mehr als 2000 Todte, und hatte über 3000 Verwundete. Unser Verlust betrug 160 Todte, 200 Verwundete, und 250 Gefangene, die größtentheils von Kosaken, die am Morgen des Angriffes sich in den Rücken der Armee geschlichen hatten, aufgehoben wurden. Gen. Roger, der verwundet vom Pferde gefallen war, wurde bey einem Kavallerieangriff zum Gefangenen gemacht. Der Brigadegeneral Dutaillis verlor einen Arm durch eine Kanonenkugel."

"Gefechte am 8. Juny. Kaiser Napoleon langte den 8. zu Deppen beym Korps des Marschalls Ney an. Seinem Befehle zufolge rückte das 4te Korps gegen Wolfsdorf; es stieß daselbst auf die Russische Division Kamensky, die zum Armeekorps stossen wollte. Es griff dieselbe an, setzte 4 bis 500 Mann ausser Stand, Dienste zu leisten, und nahm ihm 150 Gefangene ab. Des Abends nahm das Korps eine Stellung bey Altkirch."

"Treffen am 9. Am 9. Juny begab sich der Kaiser nach Guttstadt mit den Korps der Marschälle Ney [xxx], Davoust [xxx] und Lannes [xxx], mit seiner Garde und der Reservekavallerie. 10,000 Mann Reiterey, und 15,000 Mann Fußvolk, die zum feindlichen Nachtrab gehörten, nahmen zu Glottau eine Stellung, und wollten den Weg streitig machen. Der Großherzog von Berg [xxx] zwang sie, ihre Stellungen eine nach der andern zu verlassen; die Brigaden der leichten Kavallerie der Generale Pajol, Bruyere [x] und Dürosnel, und die schwere Reiterdivision des Gen. Nansouty [xx], vereitelten alle Anstrengungen des Feindes. Die Französ. Truppen drangen mit dem Degen in der Faust um 8 Uhr Abends in Guttstadt ein, nachdem sie 1000 Gefangene gemacht, alle Stellungen vor Guttstadt erobert, und das feindliche Fußvolk in die Flucht getrieben hatten. Besonders litten die Kavallerieregimenter von der Russischen Garde sehr."

"Gefechte am 10. Juny. Am 10. nahm die Armee ihre Richtung auf Heilsberg; sie eroberte die verschiedenen Lager des Feindes. Ungefähr eine Viertelstunde jenseits dieser Lager zeigte sich der feindliche Nachtrab, bestehend aus 15 bis 18,000 Mann Reitern und mehrerer Linieninfanterie, in Ordnung aufmarschirt. Die Kuirassiere von der Division des Gen. d'Espagne [xx], und die Dragonerdivision des Gen. Latour-Maubourg, machten mehrere Angriffe, und gewannen Terrain. Um 2 Uhr war das Korps des Marschalls Soult aufgestellt. Zwey Divisionen marschirten auf den rechten Flügel, und die Division Legrand auf den linken, um sich der Spitze einer Gehölzes zu bemächtigen, deren Besetzung nöthig war, um die linke Flanke der Reiterey zu unterstützen. Die ganze Russische Armee war damals zu Heilsberg versammelt, und schickte zahlreiche Verstärkungen sowohl ihrer Reiterey als ihrem Fußvolke zu, um ihre Stellung vor dieser Stadt zu behaupten. Aber die Französische Heftigkeit ließ sich weder durch diese Hindernisse, noch durch das Feuer von 60 Kanonen, welches die feindlichen Kolonnen unterstützte, zurückhalten; die Feinde wurden mit einer seltenen Unerschrockenheit zurückgetrieben; mehrere Russische Divisionen wurden in Unordnung gebracht, und Abends um 9 Uhr befand sich die Armee unter den Verschanzungen des Feindes. Die Füsseliers von der Garde, den Gen. Savary an der Spitze, unterstützten die Division St. Hilaire [xx], und benahmen sich auf die glänzendste Art. Die Division des Gen. Verdier [xx] von der Reserve-Infanterie des Marschall Lannes [xxx] verwickelte sich auch in das Gefecht, als die Nacht schon eingebrochen war; sie überflügelte den Feind, um ihm den Weg nach Landsberg abzuschneiden, welches ihr vollkommen gelang. Der Feuereifer der Truppen war groß, daß mehrere Kompagnien Linieninfanterie selbst die Verschanzungen der Russen angriffen. Einige Tapfere fanden den Tod in den Gräben der Redouten und am Fuß der Pallisaden. Der Kaiser brachte den ganzen 11. Juny auf dem Schlachtfelde zu; er ordnete daselbst die Armeekorps, um eine entscheidende Schlacht zu liefern, welche den Krieg zu Ende bringen könnte. Die Rusische Arme, zu Heilsberg ganz versammelt, hatte daselbst auch alle ihre Magazine. Diese, schon von Natur starke Stellung war noch mehr durch vier Monat lange Arbeiten des Feindes befestiget. Um 4 Uhr Nachmittags ließ der Kaiser den Marschall Davoust [xxx] die Fronte verändern. Durch diese Bewegung erhielt er gegen die Nieder-Alle seine Richtung, und verlegte gänzlich den Weg nach Eylau. Jedem Armeekorps war seine Rolle angewiesen; sie waren alle vereinigt, bis auf das erste, welches noch an der Nieder-Passarge manövrirte. So sahen sich die Russen, welche die Feindseligkeiten angefangen hatten, gewissermassen in ihrem verschanzten Lager eingeschlossen, und man bot ihnen die Schlacht gerade in der Stellung, die sie selbst gewählt hatten, an. Auch liessen sie sich, während der Französ. Armee ihre Disposizionen traf, in der Mitte ihrer, mit Kanonen bespickten Verschanzungen in Kolonnen gestellt sehen. Aber ungeachtet ihrer Demonstrazionen vom 11. Juny, welche glauben liessen, daß die diesen Tag angreifen würden; ungeachtet der zahlreichen Artillerie, womit ihre Verschanzungen besetzt waren, fiengen sie um 10 Uhr des Abends an, sich auf das rechte Ufer der Alle zu begeben, und das ganze Land auf dem linken Ufer des Flusses sammt ihren Verwundeten, ihren Magazinen und Verschanzungen der Willkühr des Ueberwinders zu überlassen; sey es nun, daß sie plötzlich das Zutrauen in ihre Verschanzungen verlohren, oder daß der Muth und das Feuer, welches die Franzosen sie am 10. merken liessen, ihnen so viele Achtung eingeflößt hat. Am 12. Morgens bey Tages Anbruch setzten sich alle Armeekorps nach verschiedenen Richtungen in Bewegung. Heilsberg und die umliegenden Oerter sind voll Russischer verwundeter. Vom 5. bis zum 12. hat die Russische Armee gegen 30,000 Mann verlohren; sie hat in den Händen der Franzosen 3 bis 4000 Gefangene, 7 oder 8 Fahnen, und 9 Kanonen gelassen. Nach der Aussage der Kriegsgefangenen und der Bauern sind einige der ausgezeichnetsten Russischen Generale getödtet, oder verwundet. Unser Verlust beläuft sich auf 6 bis 700 Todte, 2000 bis 2200 Verwundete, und 2 bis 300 Gefangene. Der Divisionsgeneral d'Espagne ward verwundet, und dem General Roussel, Chef des Etatmajor der Garde, als er sich mitten unter den Füselieren befand, der Kopf durch eine Kanonenkugel weggenommen. Er war ein sehr ausgezeichneter Offizier. Dem Großherzog von Berg wurden 2 Pferde unterm Leibe erschossen. Hr. Segur, einer seiner Adjutanten, verlor einen Arm. Hr. Lameth, Aide de Camp des Marschalls Soult, wurde verwundet. Der Oberste Lagrange, vom 7. Jägerregimente, erhielt eine Flintenkugel. Man wird in umständlichen Berichten, die der Etatmajor zu verfertigen hat, die tapfern Thaten, durch welche sich eine grosse Menge Offiziere und Soldaten auszeichneten, so wie die Nahmen derjenigen, welche an dem denkwürdigen 10. Jun. verwundet wurden, bekannt machen. In den Magazinen zu Heilsberg fand man mehrere 1000 Zentner Mehl, und viele andere Vorräthe."


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Quellen und Literatur.[]

  • Wiener-Zeitung Nro. 55. Sonnabend, den 11. Julius 1807.
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