Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Der Adel, der in Spanien sehr zahlreich ist, denn im J. 1787 zählte man 480,589 Edelleute, wird in den hohen und niedern Adel abgetheilt. -- Der hohe Adel besteht aus den sogenannten Grandes von Spanien, welche in drei (nach Anderen jetzt nur in zwei) Classen abgetheilt sind, deren Verschiedenheit aber kaum bemerkbar ist. Diese Grandes haben den Titel Excellenz, und das Recht, in Gegenwart des Königs den Hut aufzusetzen. Dies sind aber auch beinahe alle ihre Vorrechte; zwar versehen sie auch meistens die vornehmsten Hofämter, und die Kammerherrenstellen; doch steht es in der Gewalt des Königs, auch andere Edelleute zu solchen Stellen zu ernennen. Der König erhebt zu der Würde der Grandezza, wen er will; aber nicht immer mit dem Rechte, in seiner Gegenwart sich zu bedecken; auch ist die ertheilte Würde nicht immer erblich. Die Grandes unterscheiden sich daher auch in Grandes von alter und in Grandes von neuerer Abkunft. Die ersteren dutzen sich unter einander. -- Die Grandes haben meistens den Titel als Herzoge (Duque), Marquis (Marques) und Grafen (Conde). Aber nicht alle Marquis und Grafen sind auch Grandes von Spanien. Der größte Theil derselben ist nur das, was man Titulirte (Titulos) von Castilien nennt. Diese castilianischen Titel beweisen keine höhere Adelsstufe, sondern nur die Gnade des Königs, womit er irgend einen geleisteten Dienst belohnen will; gewöhnlich wird demjenigen, der mit einem solchen Titel beehrt wird, verstattet, denselben einem von seinen Gütern beizulegen. Zuweilen wird auch noch eine Benennung beigefügt, welche den geleisteten Dienst bezeichnet; auf diese Weise hat in unseren Zeiten, der aus dem Staube emporgehobene, und zum Herzoge von Alcudia ernannte Günstling des Königs und der Königin den Beinamen Friedensfürst (Principe de la Paz) erhalten. *)

Die betitelten Edelleute erhalten das Prädikat: Euer Herrlichkeit (Vuestra Señoria, kurz zusammengezogen Ussia). Den Erzbischöffen, Bischöffen und hohen Magistratspersonen wird den Titel: Euer erlauchteste Herrlichkeit (Vuestra Señoria illustrima) gegeben, welcher aber für geringer, als der Excellenztitel gehalten wird.

Dit Würde eines Grande von Spanien, so wie die Titel Marquis, Graf u. s. w., welche der König ertheilt, tragen demjenigen, welcher sie erhält, nicht nur nicht das Mindeste ein, sondern werden gewöhnlich nicht einmal unentgeldlich ertheilt. Die Taxe für die Würde eines Grande beläuft sich nebst den Kosten und Kanzleigebühren auf ungefähr tausend Carolins, ein für alle Mal; doch muß der Erbe dieser Würde bei dem Antritte derselben auch wieder eine Taxe bezahlen, die sich aber nach der nähern oder entfernteren Verwandtschaft des Erben mit dem Erblasser richtet. Ueberdies sind die in Spanien wohnenden Grandes zu einer jährlichen Abgabe verpflichtet, welche die Lanzen (Lanzas) heißt, weil sie den ehemaligen Vasallendienst ersetzen soll.

Es giebt ferner auch Vicomten (Viscondes) und Freiherren (Barones). -- Vor Zeiten hießen die Edelleute in Spanien blos reiche Leute (Ricos hombres). Die Personen vom niedern Adel werden in Castilien Hidalgos (Söhne der Vornehmen, Junker), auch wohl Cavalleros und Escuderos (Ritter und Schildknappen) und in Catalonien, Hombres de Pareja (Ritterleute und Turnierleute) genannt. -- Nicht nur die Edelleute, sondern auch Gelehrte und andere Honoratioren setzen das Wörtchen Don vor ihren Namen.

Der hohe Adel ist größtentheils ungemein reich und die Grandes haben sehr weitläuftige Güter, welchen sie den stolzen Namen Staaten geben. Sie leben aber nicht in ihren Staaten, sondern beinahe alle in der Hauptstadt; nur einige wenige sind in Provinzialstädten ansässig.


Quellen und Literatur.[]

  • Neueste Kunde von Portugal und Spanien. Nebst einer allgemeinen Einleitung zur neuesten Länder- und Völkerkunde. Aus Quellen bearbeitet von Th. Fr. Ehrmann. Prag 1808. in der Diesbachischen Buchhandlung.
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