Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Luftschiffkunst.[]


Luftschiffkunst (Aëronautik) [1] ist diejenige Kunst, durch welche man es bewirkt hat, sich vermittelst eines mit künstlicher Luft angefüllten Ballons in die Höhe zu erheben. Schon die Alten scheinen Begriffe von der Möglichkeit einer solchen Kunst gehabt zu haben: Dädalus und sein Sohn Icarus erhoben sich, wie die Fabel sagt, mit Hülfe wächserner Flügel in die Luft, und Archytas verfertigte eine Taube von Holz, die sich ebenfalls in die Luft erhob. Auch in den neuern Zeiten finden sich Spuren von einer solchen Kunst; in der letzten Hälfte des 13ten Jahrhunderts soll ein Künstler gelebt haben, der eine Flugmaschine mit künstlich schlagenden Flügeln gebaut hatte; nachher verfertigte Johann Müller (Regiomontanus, † 1476) einen hölzernen Adler, der dem Kaiser Friedrich III. entgegenflog, nebst einer eisernen Fliege, die eine gewisse Werst sich durch die Luft bewegte. Alle diese Versuche, selbst wenn deren historische Wahrheit erwiesen wäre, können aber für keine Vorbereitung zur Luftschiffkunst angesehen werden. Einen erheblichen Schritt in dieser Kunst that Johann Baptista Dantes aus Perugia, der sich zu Ende des 15ten Jahrhunderts Flügel machte, mit welchen er mehrmals über den trasimenischen See flog. Der Benedictine Olivier de Malmesbury in England und der Jesuit Backwelle von Padua stellten ähnliche Versuche an, verunglückten jedoch bei denselben. Julius Cäsar Scaliger that 1557 Vorschläge, wie man die fliegende Taube des Archytas nachmachen, und Magnus Pegelius behauptete 1604, daß man durch die Luft schiffen könnte. Aus dem Satze des Mandoza, daß das Feuer leichter, dünner und feiner als die Luft sey, schloß schon Caspar Schott († 1666), daß die Luft, da wo sie ans Feuer grenzt oder dünner als der Aether wird, schiffbar sey, so wie das Wasser da schiffbar wird, wo es an die Luft grenzt. Hierauf ließ der Jesuit Franziscus Tertius Lana (de Lanis) eine Schrift drucken, die den Plan zu einem hölzernen Luftschiff enthielt. Fabri hatte gar den Einfall, durch zusammengepreßte Luft Körper zu heben und in die Luft steigen zu lassen. Kurz darauf machte Lohmeyer eine Schrift von der Kunst, die Luft zu durchschiffen, und ein Geistlicher in Brasilien 1709 sein Vorhaben bekannt, daß er mit einer Maschine in 24 Stunden 200 Meilen durch die Luft fahren wollte. Der Pater Galien zu Avignon hatte 1755 den Einfall, daß ein großer Sack von gefütterter Leinwand, der mit Theer und Wachs bestrichen seyn müßte, in der Luft schwimmen würde, wenn man solchen auf eine hohe Luftgegend brächte und mit der daselbst befindlichen leichtern Luft anfüllte. Als Cavendish die große Leichtigkeit der brennbaren Luft entdeckte, kam Black in Edinburg 1766 auf den Gedanken, daß dünne Blasen mit brennbarer Luft angefüllt, aufwärts steigen müssen. Auch Kratzenstein kannte seit 1776 nicht nur die specifische Leichtigkeit der brennbaren Luft, sondern auch das Aufsteigen der mit ihr aufgetriebenen Seifenblasen, und Cavallo stellte 1782 sogar practische Versuche in Kleinen an. So weit war diese Erfindung gediehen, als die Gebrüder Stephan und Joseph von Montgolfier, Papierfabrikanten zu Annonay in Vivaris, im November 1782 Säcke von Papier mit brennbarer Luft füllten und im November desselben Jahrs ein hohles Parallelepipedum aus Taffent, nachdem es inwendig durch brennendes Papier erhitzt worden war, 36 Fuß hoch in die Luft steigen ließen. Eine größere Maschine, von 650 Cubikschuh Inhalt, stieg mit gleichem Erfolge. Nun verfertigten sie eine mit Papier gefütterte Maschine von Leinwand, die 25 Schuh im Durchmesser hielt, 450 Pfund wog und 400 Pfund Last mit sich emporhob, welche Maschine am 5. Junius 1783 zu Annonay in weniger als 10 Minuten eine Höhe von 1,000 Toisen erreichte und 7,200 Schuhe weit von dem Orte des Aufsteigens niederfiel. Das Mittel, wodurch sie diesen Ball zum Aufsteigen brachten, war ein unter der Oeffnung der Maschine angezündetes Strohfeuer. Charles, Professor der Physik zu Paris, fiel zuerst darauf, die Versuche der Montgolfiers mit brennbarer Luft, die er aus Eisenfeilen und Vitriolöl entwickelte, nachzumachen. Der Versuch mit diesem Ballon ward am 27. August 1783 angestellt und gelang vollkommen. Charles Methode, den Ballon zu füllen, ward von Blanchard verbessert und dieser füllte nun in Zeit von zwei Stunden, worauf jener drei Tage zugebracht hatte. Der erste Mensch, der sich mit einem solchen Ballon in die Luft erhob, war Pilatre de Rosier, der am 15. Oct. 1783 aufstieg, aber seinen Ballon noch an Stricken halten ließ. Nachdem er noch einen dergleichen Versuch gewagt hatte, stieg er endlich am 21. Nov. 1783 in Gesellschaft des Marquis d'Arlandesse auf, ließ aber den Ballon nicht mehr halten, schwebte 25 Minuten in der Höhe und ließ sich 5000 Toisen weit unbeschädigt wieder auf die Erde nieder. Blanchard erfand nun auch Flügel und Steuerruder, die er an dem Ballon befestigte und nach Gefallen bewegen konnte, und flog darauf mit einem auf diese Art leitbaren Ballon über den Canal nach England. In der Revolution wollten sich die Franzosen des Luftballons auch zu militärischen Zwecken bedienen, und während der Schlacht bei Fleurus schwebte wirklich am 26. Juni 1794 der, General Etienne in einem Luftballon über der österreichischen Armee, und correspondirte mit der französischen Generalität über die Stellung und Bewegung des Feindes. Auch in den Feldzügen von 1795 und 1796 folgten den Armeen Luftballons nach. Da man sich aber bald von ihrer Unzweckmässigkeit überzeugte, so wurde ihr militärischer Gebrauch wieder aufgehoben.


Aerostat nach Montgolfier.


Einzelne historische Züge und Anekdoten.[]

[1806]

[2]
Das unglückliche Ende des Luftschiffers Mosment, der als ein Opfer seiner Erfahrungen im 26sten Jahre bei Lille umkam, erregte eine allgemeine Theilnahme. Man errichtet dem jungen Physiker auf der Stelle, wo sein Körper gefunden wurde, ein Denkmahl. Der Ballon wurde zwischen Charleville und Charleroi in einem sehr guten Zustand gefunden. Der bekannte Aeronaut Garnerin, dessen Urtheil in diesem Stücke competent ist, giebt über Mosment's Unglück folgende Ausschlüsse: "Es scheint mir erwiesen, daß Mosment, durch keine Inconvenienzen, die mit aerostatischen Versuchen verknüpft sind, sondern allein durch seine Unvorsichtigkeit sein Leben eingebüßt hat. Die hiernächst würkenden Ursachen waren die zu große Leichtigkeit des Nachens, die Niedrigkeit des Randes, und die Entfernung von dem Netze, welches den Ballon bedeckte, und mit zu wenigen Seilen daran befestigt war. Mosment verlor sein Gleichgewicht, als er ein Thier in dem Fallschirm herabließ; der Nachen, der nicht schwer genug war, um den verrückten Schwerpunct wiederherzustellen, wird umgeschlagen seyn, und der Aeronaut, der sich weder an dem Kreise des Netzes noch an dem Rande des Nachens festhalten konnte, wird in diesem Augenblicke gefallen seyn. Dies ergiebt sich daraus, daß der Ballon von diesem Augenblicke an einen sehr schnellen Schwung erhielt und sich plötzlich aus dem Gesichtskreise verlor, und daß Augenzeugen bemerkten, daß etwas aus dem Nachen fiel, welches man für einen Sack mit Ballast hielt. Das schnelle Aufsteigen von diesem Moment an entstand dadurch, daß das Gewicht des Körpers des unglücklichen Luftseglers entzogen wurde.

Dieser neue Zufall darf ein Schauspiel nicht verbannen, dessen Entdeckung Frankreich ehrt; er führt nur zu der Ueberzeugung, daß m n bloß unterrichteten Personen diese Versuche gestatten sollte. Mosment hatte den Muth eines Soldaten, allein die Talente eines Physikers mangelten ihm. Immer war es die Unvorsichtigkeit der Aeronauten, die ihren Untergang veranlaßte. Ein jeder sah vorher, daß die Vereinigung der Mongolfiere mit Ballons von entzündbaren Gaz, so wie die Vergoldung des Ballons, welche die Materie und die Elektricität der Wolken an sich ziehen konnte, das Leben von Pilatre des Rosieres bedrohete.

Die vergoldeten oder übersilberten Ballons sind sehr schön, aber sehr gefährlich. Zambeccari, der sich derselben Mittel bediente, hat jedesmal schreckliche Unfälle erlitten; und es ist unbegreiflich, daß er nicht als Opfer seiner gehäuften Mittel gefallen ist. Lunardi, der in London einen Ballon mit Gaz anfüllte, ließ ihn von einem jungen Menschen halten, der sich die Seile um die Hände schlang. So wie der Ballon anschwoll, stieg auf die Kraft des Aufsteigens, der Ballon geht schnell in die Höhe, führt den mit den Händen daran befestigten jungen Menschen in die Höhe, er leidet eine Revolution, die ihn seines Netzes beraubt, und der unglückliche fällt todt auf die Erde nieder. In Spanien wollte sich Herr Bouche mit einer Mongolfiere erheben, seine Gefährten entsagen der Reise, als er aufsteigen will. Bouche erschrickt sich, verliert den Kopf, will allein aufgehen, befiehlt daß man den Ballon loslasse, vergißt aber das Seil abschneiden zu lassen, welches ihn oben zurückhielt; der Ballon erhebt sich, schlägt um. Boche fällt und bricht die Beine. In Orleans stieg Olivari mit einer Mongolfiere von Papier und einem Nachen auch, der von Weingeist und entzündbaren Essenzen angefüllt war, alles entzündet sich wie es geschehen mußte, und Olivari vermehrt die Zahl der Opfer der aerostatischen Kunst.

A. J. Garnerin, der Aeronaut.



Schreiben von E. Robertson.[]

[1812]

[3]

Der Verlust des Herrn Grafen von Zambeccari kann weder verwundern, noch der aerostatischen Kunst Eintracht thun. Geboren mit einer feurigen Einbildungskraft, wobey er oft die dem Menschen vorgeschriebenen Gränzen überschritt, brachte er in seiner Jugend ein großes Vermögen durch, und hernach glaubte er in einem Elemente, welches so leicht ist, wie seine Einbildungskraft, die Hülfsmittel zu neuem Glück wieder zu finden. Dieser Physiker wähnte hartnäckig, daß es zu jeder Zeit in der Atmosphäre zwey entgegen gesetzte Luftströme gäbe. Er bildete sich mithin ein, daß wenn er nach dem Süden zu abreisete, er von der Nordseite der zurückkommen würde, und daß es bloß darauf ankäme, die Zone anzutreffen, wo sich dieser entgegengesetzte Luftstrom befände. Wir haben aber bey diesem falschen System gesehen, daß uns der Graf Zambeccari den Beweis des Gegentheils gegeben; indem er zweymal ins adriatische Meer herabfiel, verlor er die Hände und fast das Leben. Diese beyden fehlgeschlagenen Versuche machten ihn aber nicht klüger noch vorsichtiger. Im Jahre 1806 kam er nach Wien und ließ mittelst einer Subskription einen großen seidenen Aerostaten, 38 Fuß im Durchmesser, verfertigen, der mit einer Montgolfiere von 30 Fuß verbunden werden sollte. Man arbeitete ein halb Jahr lang an diesen beyden Sachen und verwandte 18,000 Fr. darauf; allein da noch 4400 Pfund Vitriolsäure und 3500 Pfund Zink fehlten, so gebrach es an Gelde, und der Graf sah sich genöthigt, dieses riesenmäßige Projekt nach einem wirklichen Verlust von 20,000 Franken aufzugeben. Der dritte und letzte Versuch des Grafen Zambeccari beweiset übrigens, daß man bloß dem Verfahren der Montgolfieren die Unglücksfälle in der Aerostatik zuschreiben muß. Ein Montgolfiere verursachte den Verlust der unglücklichen Pilatres du Rosier und Romain. Blivari kam zu Orleans in einer ähnlichen Maschine um, die in einer großen Höhe in Brand gerieth. Zu Madrid brach sich Herr Bouche ein Bein. Der Mechaniker, Herr Bittorff, war nicht glücklicher. Ich will nicht von den Unglücksfällen sprechen, die ich zu Warschau, zu Petersburg, Wien, Kopenhagen und Dresden erlebt habe; ich will bloß anführen, daß in Frankreich, welches die Wiege der aerostatischen Kunst ist, die Regierung die Feuersballons sogleich verboten hat, wie die Physik und Chemie das sichere Verfahren der Aerostaten von gummirten Taft und mit Gaz-Hidrogene angefüllt bekannt gemacht haben; ein Verfahren, welches ich stets angewandt habe und auch nächsten Sonntag wieder anwenden werde.

E. Robertson,
Mitglied der Galvanischen Societät zu Paris und der Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe zu Hamburg.


Zeitungsnachrichten.[]

[1812]

Kopenhagen, den 31sten März. [4]

Lorenz Clausen, aus Sundewitt im Schleswigschen, hat eine Art, den Luftballon durch Schwingen zu leiten, erfunden; er hat auch die Congreveschen Brandraketen verbessert, und ein Mittel gefunden, eine feindliche Flotte durch eine Mongolfiere in Brand zu stecken.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 257. Freytag, den 25. Oktober/6. November 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 85. Montag, den 8ten April 1812.
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