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Actie.Bearbeiten


Actie,[1] (ein holländisches Wort, franz. Action,) ist eine bestimmte Summe, die man in eine Handlungscompagnie legt, und deren mehrere zusammen das Capital derselben ausmachen.

Der Antheil am Gewinn, welche der Gläubiger der Handlungsgesellschaft nach dem Verhältniß seines eingelegten Gelds bekommt, heißt Dividend oder Dividende.

Actie heißt auch die schriftliche Obligation, die dem Gläubiger für sein eingelegtes Capital ausgestellt wird, welche er nach Belieben an einen andern, mit Gewinn oder Verlust, verhandeln und verkaufen, und sich überhaupt derselben im Handel anstatt des baaren Geldes bedienen kann. Es ist dabey zu bemerken, daß nicht alle und jede, welche einer solchen Compagnie Geld vorschiessen, oder Actien an sich handeln, von dem Gewinn der Compagnie ordentlich participiren, also daß der durch die Handlung gemachte Profit unter alle und jede, nach dem Verhältniß der Einlage, ausgetheilt werden müsse, sondern es kommt dießfalls auf die Einrichtung einer jeden Compagnie an.

Also konnte z. E. niemand bey der französischen missisippischen Compagnie ein Mitglied derselben und Participant ihres Gewinnsts seyn, der nicht 50. Actien hatte. Weil nun jedermann von den sehr herrlich scheinenden Privilegien dieser Compagnie zu profitiren, und die Zahl seiner Actien, wodurch er zu einem Mitgliede und Participanten werden konnte, zusammen zu bringen suchte, so lässet sich begreifen, wie solche Actien endlich vierzigmal über ihren ersten Werth steigen und z. E. für 1000. Livres, 40000. bezahlt werden konnten, indem ein solcher Käufer Hofnung hatte, daß ihm alle solche Unkosten, wenn er ein wirkliches Mitglied und Participant der Compagnie würde, reichlich und mit großem Profit würden ersetzt werden; da hingegen ein anderer, so dergleichen Mitglied oder Participant nicht war, sich jährlich mit 3. 4. höchstens 5. Procent begnügen sollte.

Dieser Actienhandel wurde durch den berüchtigten Johann Laws, einen Schottländer, nach errichteter Missisippischen Handlungscompagnie, in Frankreich, in den Jahren 1718. bis 19. auf das äusserste übertrieben, und dadurch unzählige Summen gewonnen und verloren; es hat aber der Ausgang erwiesen, daß die Handlung dadurch ruiniret, der Credit gefallen, ein ganzes Drittheil des baaren Geldes aus dem Lande gezogen, unzählige Familien an den Bettelstab gerathen, und das ganze Königreich in große Verwirrung gesetzt worden ist.

Bey der Südcompagnie in England ward auch dergleichen Actienhandel im J. 1720 getrieben. Die Gewinnsucht machte, daß man eine Actie von 130. Pf. Sterling mit 1000 Pf. bezahlte. Aber der Ausgang war eben so betrübt, wie in Frankreich, so, daß die Nation in die äusserste Verlegenheit kam, und kaum Mittel zu finden wußte, den Credit wieder herzustellen.

Auch in Holland ließ man sich damals von dieser Seuche anstecken, wiewohl nicht in dem Grade, wie die Franzosen und Engländer. Die Folgen von diesem ausschweifenden Unsinn waren häufige Bankrotte, Betrügereyen und Diebereyen von aller Art und Verderbniß der Sitten, welche die Frucht der zügellosen Habsucht ist.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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