Rückkehr des Kaisers Alexander nach St. Petersburg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der letzte zweimonatliche Krieg hat die bemerkungswerthe Eigenthümlichkeit gehabt, daß während desselben sowol in Deutschland als in Italien nur Eine Schlacht geliefert worden. Die Vorfälle bei Ulm waren nur einzelne Actionen. In vorigen Kriegen zwischen großen Mächten wurden Schlachten gewonnen und verloren, und die Anstrengungen der Kämpfenden wiederholt erneuert. In diesem Kriege ist, bei den vorhergegangenen Unfällen, und bei der übrigen eingetretenen Lage der Dinge, die Schlacht bei Austerlitz, so wie ehemals die bei Marengo, völlig entscheidend geworden. Sie zersprengte die Kette, welche die Alliirten verband, und verhinderte ihre Erweiterung. Ein Glied trat aus, und dies hatte die weitere Trennung zur Folge.

Nachdem Kaiser Franz am 4ten December den Kaiser Napoleon besucht hatte, und die Einleitung zu dem Waffenstillstande zwischen Oesterreich und Frankreich getroffen worden war, faßte Kaiser Alexander auf der Stelle den Entschluß, sich aus dem Streite zurückzuziehen, an welchem er, ohne alles persönliche Interesse, fürs Allgemeine und zum Besten seiner Alliirten Theil genommen hatte. Er nahm am 5ten Dec. von dem Kaiser Franz II., seinem unglücklichen Freunde, zu Holitsch in Mähren Abschied, und kehrte nach St. Petersburg zurück, wo er am 21sten Dec. des Morgens um 4 Uhr eintraf.

Nie ward ein Monarch, nach einer kurzen Abwesenheit, von seinem Volke mit größerm Jubel und mit Beweisen innigerer Verehrung empfangen, als der edle Beherrscher Rußlands. Beide Kaiserinnen waren ihm (sagt ein geschätztes öffentliches Blatt) am Tage vor seiner Ankunft bis nach Gatschina entgegen gefahren, und kamen in aller Frühe mit ihm in der Residenz an, die überall erleuchtet war. Sie stiegen in der Hauptkirche zur Mutter Gottes von Casan ab, verrichteten ihr Gebet und bezogen den Winterpallast. Gegen 12 Uhr Mittags erschein der Monarch auf der Parade. Eine unglaubliche Menge Volks hatte sich auf dem großen Schlossplatz versammelt, um Ihn, den herzlich Geliebten, zu sehen und zu bewillkommen. Endlich erschien er, -- alle Nahstehende drängten sich an ihn, küßten seine Füße, umfaßten seine Knie, -- und ein tausendfaches Hurrah! ertönte durch die Lüfte. Er küßte einige, die ihm zu nächsten standen, -- welches Leute von der geringsten Klasse waren. Thränen der Rührung entflossen seinem Auge. "Ich danke Euch, Ich danke Euch, für Eure Liebe und Anhänglichkeit, meine Kinder!" sagte er gerührt. Er wollte ins Exercierhaus gehen, wo die Wache aufgestellt war; allein das Gedränge war zu groß, er mußte stehen bleiben, und ließ blos die Wache vorbei defiliren. Er zeigte sich nachher wieder am Fenster des Pallastes, und Alles schrie noch einmal Hurrah! -- Keine einzige Unordnung ging dabei vor; Alles schien nur Einen Gedanken, nur Eine Empfindung, die der Freude, zu haben. Abends und die folgenden Tage war die Stadt aufs schönste illuminirt. Als der Monarch des Sonntags auf der großen Parade erschien, empfieng ihn wiederum Alles mit einem freudigen Hurrah!

Noch ehe Alexander in St. Petersburg zurückgekommen, war in die dasige Hofzeitung nachstehender Artikel aus Holitsch vom 5ten Dec. eingerückt worden:

"Die erschöpften Kräfte des Wiener Hofes, die demselben zugestoßenen Unfälle, so wie auch der Mangel an Lebensmitteln, haben den römischen Kaiser, ohngeachtet der starken und tapfern Unterstützung der Russischen Truppen, genöthigt, mit Frankreich eine Convention abzuschließen, welcher auch der Friede bald folgen muß. Se. Kaiserl. Maj. hatten, indem Sie ihrem Bundesgenossen zu Hülfe kamen, keinen andern Zweck, als die eigentliche Vertheidigung desselben und die Abwendung der Gefahren, die seinem Reiche drohten. Da Se. Maj. der Kaiser bei den jetzigen Umständen die Gegenwart Ihrer Truppen in den Oesterreichischen Staaten nicht mehr für nöthig halten, so haben Allerhöchstsie zu befehlen geruht, selbige zu verlassen, und nach Rußland zurückzukehren."


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
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