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Czernitschef.Bearbeiten


PortretGrafTschernitscheff RIJKS

Czernitscheff,[1] ein durch seine kühnen und stets glücklich ausgeführten Unternehmungen berühmt gewordener russischer General.

Er befand sich vor dem Ausbruche des Krieges bei der russischen Gesandtschaft in Paris und hatte einen Hauptantheil an der Bestechung Michels, welcher ihm die Tabellen über den Bestand und die Stellungen der französischen Armeen mittheilte.

Darauf stand er als Obrist und General-Adjutant des Kaisers bei der Moldauarmee, und wurde, als diese Armee zu derselben Zeit, wo die Franzosen ihren Rückzug aus Moskau antraten, ihren Marsch nach dem russischen Polen richtete, um in dem Rücken des Feindes zu operiren, von dem Oberbefehlshaber Admiral Tschitagow, mit einem Kosackenregiment abgeschickt, um dem Grafen Wittgenstein, welcher von Witepsk her vordrang, Nachricht von dem Anrücken und den Marschdispositionen der Moldauarmee zu geben. Der Auftrag war höchst schwierig, denn es kam darauf an, einen Marsch von mehr als hundert Meilen im Rücken der französischen Armee durch ein von ihr occupirtes Land zu machen, und ebenso wichtig, daß nur durch gemeinschaftliche Zusammenwirkung von beiden entgegengesetzten Seiten die feindliche Armee nachdrücklich bedrängt werden konnte. Czernitscheff vollzog den Auftrag mit dem ausgezeichnetsten Erfolg. Nachdem er Tag und Nacht durch die feindlichen Truppen marschirt, über vier Flüsse schwimmend gesetzt, eine Menge von Proviantfuhren der Franzosen vernichtet, drei Cabinetscouriere mit wichtigen Depeschen aufgefangen, die in Gefangenschaft gerathenen Generale Winzingerode und Swetschin nebst verschiedenen andern Offizieren befreit hatte, erreichte er glücklich das Armeecorps des Grafen Wittgenstein.

Er nahm an den Operationen desselben Antheil, machte zu Anfang des Jahrs 1813 einen kühnen Angriff auf Berlin, wo er den Marschall Augereau allarmirte, und that sich später unter dem Kronprinzen von Schweden in der Schlacht bei Dennewitz rühmlich hervor. Bald nachher wurde er von demselben mit einigen tausend Mann Cavallerie zu einer neuen wichtigen Unternehmung abgeschickt. Sein Auftrag war, Cassel zu überfallen, um wo möglich den König von Westphalen gefangen zu nehmen. Schnell und gewandt führte ihn Czernitscheff aus. Zwar entging ihm der König, aber die Wirkung, die seine Erscheinung in Cassel auf die Gemüther machte, war von den wichtigsten Folgen. Das Königreich Westphalen war von dem Augenblick an schon als aufgelößt zu betrachten.

Nach der leipziger Schlacht, an der er ebenfalls Antheil nahm, eilte er mit seiner leichten Reiterei der fliehenden französischen Armee voraus, so daß ein geistreicher Schriftsteller ihn scherzhaft den Quartiermeister Napoleons genannt hat, that ihr bedeutenden Abbruch, fing mehrere Couriere mit wichtigen Depeschen (welche zum Theil im Druck erschienen sind) auf, und zog endlich siegreich mit in Paris ein. Von da begleitete er seinen Kaiser nach London, dessen besonderes Vertrauen er zu besitzen scheint.


Bericht von der General von der Cavallerie, Graf Wittgenstein, vom 6. November 1812.Bearbeiten

Der General von der Cavallerie, Graf Wittgenstein, berichtet Sr. Kaiserlichen Majestät aus dem Flecken Tschaschniky vom 6. November d. J. Folgendes: [2]

Ich habe das Glück, Ew. Kaiserlichen Majestät eine Abschrift von dem an mich gerichteten Rapport des Flügel-Adjutanten Ew. Majestät, Obersten Tschernitschew, hierbey vorzulegen, aus welchem Allerhöchst-Dieselben zu ersehen geruhen werden, daß er von dem Admiral Tschitschagow mit einem Kosaken-Regimente beordert ward, mein Corps aufzusuchen, welchen wichtigen Aufrag er, mit ausgezeichnetem Erfolge, nach Überwindung vieler Schwierigkeiten und Gefahren, wie folget, in Erfüllung gesetzt hat. Nachdem er bey Tag und Nacht durch die feindlichen Truppen marschirt, über vier Flüsse schwimmend gesetzt und unter Weges eine große Anzahl von Fuhren mit Vorrath verschiedener Gattung vernichtet hatte, theilte er die erste Nachricht von den Operationen der Tschitschagowschen Armee und von dem Zustande der französischen Truppen mit; überdieß fing er drey Cabinetts-Couriere mit wichtigen Papieren auf, befreyte den in die Gefangenschaft gerathenen General-Lieutenant, Baron Winzingerode, und zugleich mit ihm den General-Major Swetschin den 3., den Rittmeister vom Isumschen Husarenregimente, Narischkin, den Essaul Kniasew und den Commissionaire von der zwölften Classe Poloutow, welche am heutigen Tage ihre Reise nach St. Petersburg antreten werden. Der Admiral Tschitschagow muß, wie es aus der beygelegten Marschroute zu ersehen ist, gestern in Minsk eingetroffen seyn.

Die kluge und günstige Erfüllung dieser so kühnen, exemplarischen und für uns so vortheilhaften Expedition, vorzüglich durch die Nachrichten von den Operationen der Armee des Admirals Tschitschagow, und dem Zustande der feindlichen Truppen, verdient mit allem Rechte eine besondere Allergnädigste Aufmerksamkeit Ew. Kaiserlichen Majestät, welcher ich mir die Freyheit nehme, den Obersten Tschernitschew Allerunterthänigst anzuempfehlen.


Porträts.Bearbeiten

Quellen.Bearbeiten

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Actenstücke und Materialien zu der Geschichte des großen Kampfes um die Freyheit Europa's in den Jahren 1812 und 1813. Germanien, bey Peter Hammer. 1813.
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