Altona.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Altona, eine ansehnliche offene Handelsstadt in Holstein, an der Elbe, eine Viertelstunde von Hamburg entfernt und dem König von Dänemark gehörig. Die daselbst herrschende Toleranz macht sie für Viele zu einer Art von Freistätte. Sie war anfangs ein bloßes Dorf, erhielt aber 1664 Stadtrecht. Altona, das eigentlich seinen Namen von der allzunahen Lage bei Hamburg hat, indem es vom Hamburger Berge bloß durch einen Graben sich scheidet, zählt 30,000 Einwohner, hat einen wichtigen Land- und Seehandel, Schiffsbauereien und bedeutende Manufacturen (z. B. Zuckerrafinerien, Sammt-, Seidenzeug-, Ledermanufacturen xc.), und ist der Sitz der königl. Heringsfischerei, so wie es auch an dem grönländischen Wallfischfang Antheil nimmt. Auch ist hier eine 1777 etablirte Giro- und Zettelbank. Ein Gymnasium, eine Bibliothek, das Zucht- und Waisenhaus sind ebenfalls bemerkenswerth. Das Dorf Ottensen, wo Klopfstock ruht, hängt fast mit Altona zusammen.


Von Reisenden.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Gottlob Küttner.

[2]

Im December 1797.

Da ich Sie noch einmal aus der Stadt in die Gegenden umher geführt habe, sollte ich Ihnen wohl einmal ein Wort über Altona sagen, eine Stadt, durch die ich vielleicht vierzig Mal gefahren und gegangen bin, ohne mich je lange da aufzuhalten. Anfangs betrachtete ich sie bloß als eine Einwendung gegen die schönen Gegenden, und gegen die herrlichen Landhäuser, die unter Hamburg an der Elbe liegen, und an die man nie gelangen kann, ohne Altona in seiner ganzen Länge zu durchfahren, wofern man nicht einen sehr großen Umweg machen will. -- Das sie für Bevölkerung, Wohlstand, und die Geschäfte, die da getrieben werden, die zweyte Stadt in den gesammten Dänischen Staaten ist, fiel mir selten dabey ein. Gleichwohl ist Altona in mehreren Rücksichten eine merkwürdige Stadt. Sie soll jetzt über zwanzig tausend Seelen enthalten, manche bestehen sogar auf fünf und zwanzig tausend, hat eine beträchtliche Zahl theils reicher, theils wohlhabender Einwohner, und eine Menge Fremde aus mancherley Ländern. -- Ihr Handel war schon längst nicht mehr verächtlich; er hat aber seit der Französischen Revolution, und hauptsächlich seit dem Ausbruch des Krieges zwischen England und Frankreich sehr zugenommen. Man sagt, daß ein Theil der Geschäfte nicht auf die ehrenvollste Art getrieben wird. Altona, als eine Dänische Stadt, ist neutral, und durch ihre Lage an der Elbe, wird sie zu einem Seehafen. Nur ist es sehr natürlich, daß Kaufleute verschiedener Länder durch die Vermittlung von Altona gewisse Geschäfte zu machen suchen, die sie unter ihrem eignen Namen, oder unter ihrer Flagge nicht machen könnten. In dieser Stadt also sucht man vorgebliche Eigenthümer, falsche Pässe, und Menschen, die sich entschließen können, einen falschen Eid zu schwören. Freylich konnte das nicht so ganz unbekannt bleiben, und die Mächtigern auf der See griffen gelegentlich zu, und erregten viel Geschrey über Anmaßung, Ungerechtigkeit, und verletzte Unabhängigkeit neutraler Völker. -- Daß gewisse Geschäfte auf diese Art getrieben werden, weiß ich; daß die kriegführenden Mächte bisweilen ungerechter Weise zugegriffen, und Handel und Schiffahrt neutraler Völker gestört haben, will ich gern auch glauben.

Altona ist, als eine neue Stadt, nicht eben schön. Indessen hat sie ein paar hübsche Plätze, mehrere gute Gassen, und eine Menge seiner Häuser, die noch immer zunehmen. Die mehresten Gassen sind indessen schlecht, und bestehen größtentheils aus sehr kleinen, unansehnlichen Häusern. Die schlechtern erinnern mich an die geringern Häuser der Städte in Irland, so wie ich in den bessern das Bild der schlechtern Englischen sehen. Ich bin nie durch diese Stadt gefahren, daß ich nicht eine lebhafte Erinnerung von den Landstädten beides in England und Irland hatte. Was noch zur Täuschung beyträgt, ist das Zeichen des Phoenix-Office, das ich an so vielen Häusern angeschlagen finde. Es ist dieses, wie Sie wissen, eine Londner Feuer-Assecuranzgesellschaft, bey der eine Menge Häuser in Hamburg, Altona und in der ganzen Gegend umher versichert sind. Die so versicherten Gebäude bekommen ein kleines Schild, welches das Zeichen oder Wappen der Gesellschaft ist.

Altona hat ein stehendes Schauspiel, und ein Theater, das ein ziemlich ansehnliches Gebäude ist, wenigstens gehört es unter die bessern der Stadt. Die Gesellschaft, ohne schlecht genannt zu werden, kann nie sehr vorzüglich seyn, weil die bessern Schauspieler und Schauspielerinnen das größere Hamburg immer vorziehen werden. Jetzt spielt unter andern auf der Altonaer Bühne Madam Bürger, Wittwe des wohlbekannten Dichters.

Man findet hier sehr gute Gesellschaft, wovon sich ein Theil mit der Hamburgischen mehr oder weniger mischt. Manche Hamburger haben sich auch hier niedergelassen. Unter den merkwürdigern Männern, die ich hier kenne, will ich Ihnen den Doktor Mumßen nennen, einen guten Arzt, einen denkenden Kopf; einen Mann von mannigfaltigen Kenntnissen, und dabey bieder, edel und gutmüthig. –

Auch der Emigrierten giebt es hier eine große Zahl. -- Während daß Altona auf der einen Seite eine gute und interessante Gesellschaft hat, so findet sich hier auf der andern ein Auswurf von Menschen aller Art und aller Länder. Es ist eine Grenzstadt; und die Dänische Regierung schien zu allen Zeiten nichts so sehr zu beabsichtigen, als daß ihre Bevölkerung zunehme.

An dem einen Ende der Stadt befindet sich ein großer Platz, oder wenn Sie wollen, eine sehr breite Gasse, in deren Mitte alte und hohe Bäume einen angenehmen Spaziergang darbieten. Es war wohl ursprünglich eine sogenannte Maillebahn; dergleichen man hin und wieder, besonders in den Holländischen Städten findet. Hier trifft man Abends einen Theil der schönen Welt von Altona. -- Nahe dabey ist ein Kirchhof, auf welchem Klopstocks erste Gattin begraben liegt. Sie hat einen Leichenstein, auf dem man folgende Aufschrift liest:

"Saat von Gott gesäet, am Tage der Garben zu reifen."
Margarethe Klopstock -- erwartet da, wo der Tod nicht ist, -- ihren Freund, ihren Gatten, ihren Mann, -- den sie so sehr liebt, -- und von dem sie so sehr geliebt wird. -- Aber hier aus diesem Grabe -- wollen wir mit einander auferstehen, -- Du, mein Klopstock und ich und unser Sohn -- den ich dir nicht gebären konnte. -- Betet den an, -- der auch gestorben, begraben und auferstanden ist.

Sie starb schon 1758.


Reisende.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1812]

Altona, den 25sten September. [3]

Der Herr Graf von Dernath, welcher sich als königl. dänischer Gesandte nach Dresden begiebt, ist auf seiner Reise dahin hier angelangt.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[4]

Miscellen.

Ein am Nachmittage des 30. Julius nach 6 Uhr, im Schauspielhause zu Altona bey der Vorstellung eines sogenannten militärischen Stückes auf dem Theater ausgebrochenes Feuer, welches wahrscheinlich durch Abfeuern von Gewehren entstanden war, ist zwar durch die herbeygeeilte schleunige Hilfe sogleich gelöscht worden: es hat sich aber dabey der Unfall ergeben, daß durch das grosse Gedränge, welches bey der Feuersgefahr auf der Gallerie Staat hatte, verschiedene Personen auf derselben theils erdrückt, theils mehr oder weniger beschädigt worden sind. Von den in den Logen und auf dem Parterre befindlich gewesenen Zuschauern ist niemand verletzt worden. Die Zahl der Erdrückten kann mit Gewißheit in 6 bestimmt werden, so wie die Zahl der mehr oder weniger Beschädigten wenigstens 10 beträgt. Das ganze Ungl ck würde vermieden worden, und kein Mensch dabey zu Schaden gekommen seyn, wenn bey dem allgemeinen Bestreben der zahlreichen Zuschauer der Feuersgefahr zu entgehen, Kaltblütigkeit und Gelassenheit geherrscht hatte, welche aber leider bey solchen Unfällen immer nur zu sehr fehlen.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

<reference/>

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Reise durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und einen Theil von Italien, in den Jahren 1797. 1798. 1799. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1801.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 238. Donnerstag, den 3/15. Oktober 1812.
  4. Wiener Zeitung. Nro. 66. Sonnabend, den 16. August 1806.
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