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N. 3. Regiment Renouard.Bearbeiten

(Magdeburgische Inspektion.)

Garnison. Halle; Quedlinburg (Gr.).

UniformHorvathInfanterie03

Uniform. Ponceaurothe Aufschläge und Kragen, keine Rabatten. Die Officiere haben auf jeder Klappe 12 knöpfe, um den Huth eine schmale goldne Tresse; die Gemeinen aber nur 7 Knöpfe auf jeder Klappe, unter denselben, so wie auch hinten, 2 schwarz- und weißdurchschlungene Schleifen mit Puscheln.

Canton. Die Grafschaft Mansfeld excl. die Städte Mansfeld und Gerbstädt; der Saalkreis, das Chatoulamt Rosenburg im ersten District des Holzkreises im Herzogthum Magdeburg; der weserlinger, westerhäuser und ermslebensche Kreis im Fürstenthum Halberstadt; die Stadt Halle mit deren 2 Vorstädten und die Städte: Wettin, Löbegin, Könnern, Leimbach und Schraplau. Es hat in diesem Canton zusammen 14359 Feuerstellen. Es giebt Einländer an die Füsilierbataillone N. 19 u. 20.

Stamm. 1665 wurde dieses Reg. aus lauter neuen, im Reiche angeworbenen Leuten, auf 3 Bat. errichtet, wovon jedes 6 Comp. stark war. Churfürst Friedrich Wilhelm gab es dem Ob. v. Förgel, mit dem Rechte, die Officiere selbst dazu zu ernennen, und ohne Anfrage die Hofe die peinliche Gerichtsbarkeit auszuüben. Dieses Recht wurde ihm aber 1676 wieder genommen. 1685 gab das Reg. zur Errichtung des Reg. N. 12. einige Mannschaft, so wie ihm auch 1698 ein Bat. angenommen wurde. 1699 erhielt es durch 6 Comp. wieder einen Ersatz. 1702 gab es 2 Comp. zum Reg. Nr. 9., erhielt sie aber 1703 wieder. 1718 warb der G. F. M. Fürst Leopold v. Anhalt-Dessau in seinem Lande noch 1 Bat. dazu. 1787 mußte das aus 15 Musq. und 3 Gren. Comp. bestehende Reg. 6 Comp. zu Formirung der neuen Füsilierbat. abgeben, und ist also, wie alle andere Infanterieregimenter formirt.

Feldzüge. 1670 nahm das Reg. von der Grafschaft Regenstein Besitz. 1672 machte es seine erste Campagne unter Churfürst Friedrich Wilhelm am Rhein, um den Holländern wider Frankreich beizustehn. 1674 marschirte es nach dem Elsaß, und befand sich in dem Gefechte bei Türkheim. 1675 war es in Pommern bei der Einnahme von Wollgast, Usedom, Garz und Tribbesee. 1676 half es Anklam, Demmin und Wollin einnehmen. 1677 ward es zur Belagerung und Einnahme Stettins, so wie 1678 zur Eroberung der Insel Rügen und zur Belagerung Stralsunds gebraucht. 60 Mann stießen zu den Truppen, welche im härtesten Winter die Schweden aus Preussen nach Liefland vertrieben. 1686 befand sich das Reg. in Ungarn bei der Belagerung und Eroberung von Ofen. 1688 kam 1 Bat. in holländ. Dienste; die andern befanden sich 1689 in der Bataille bei Ordingen, bei der Einnahme von Neuß, bei der Eroberung von Rheinbergen, Kaiserswerth und Bonn. 1690 war das in holländ. Diensten stehende Bat. im Treffen bei Fleury, so wie in den Gefechten bei Brüssel, Löwen und Namur. 1692 that das Reg. im Treffen bei Steenkerken auf dem linken Flügel den Angriff, und verlor dabei viel Leute. 1693 war es in der Schlacht bei Neerwinden. 1694 half es Mastricht und Lüttich decken, und Huy erobern. 1695 ward es zur Belagerung und zum Sturm von Namur gebraucht. Im span. Erbfolgkriege unterstützte es die Eroberungen von Kaiserswerth, Venlo, Lüttich, Campen und Rüremonde, und die Belagerung von Rheinbergen. 1703 befand es sich bei der Einschließung von Geldern, im Sturm auf Bonn, und stieß darauf zur Reichsarmee in Franken, wo es unter dem kaiserl. General Styrum dem Gefechte bei Hochstädt beiwohnte. 1704 focht es unter dem Prinzen Eugen in der berühmten Schlacht bei Hochkirch, und ward im nämlichen Jahre bei der Einnahme von Landau gebraucht. 1705 marschirte das Reg. nach Italien, hielt sich sehr tapfer in der Schlacht bei Cassano, focht 1706 bei Calcinato, war bei der Eroberung von Reggio, im Treffen und bei Entsatz von Turin, und bei den Eroberungen von Novarra, Mailand, des Passes Ghiera und Pizzighitone. 1707 stand es vor Toulon, und war bei der Einnahme von Susa. 1708 diente ein Theil des Reg. im Kirchenstaate, der übrige aber im Delphinate bei den Eroberungen von Exilles und Fenestrelles. 1715 trat das Reg. den Marsch nach Pommern an, wo es der Belagerung von Stralsund beiwohnte. Im ersten schlesischen Kriege war die 1ste und 2te Gren. Comp. beim Sturm von Glogau, desgleichen in der Schlacht bei Molwitz. Im zweiten war 1744 das Reg. mit Inbegriff der 3 Gren. Comp. bei der Belagerung und Eroberung Prags, und 1745 in den Schlachten bei Hohenfriedberg und Soor. In der Actionen bei Habelschwerd waren die Gren., und die 3 Musq. Bat. in der Schlacht bei Kesselsdorf. 1756 befand sich das ganze Reg. in der Schlacht bei Lowositz. 1757, in der Bataille bei Prag, waren die 3 Musq. Bat., so wie die 3 Gren. Comp. und das 3te Bat. bei der Belagerung dieser Stadt. In der Schlacht bei Collin focht das 1ste und 2te Bat. In der Attaque am Moysberge bei Görlitz, so wie auch in den Schlachten bei Breslau und Leuthen, befanden sich die Gren. 1758 waren sie beim Ueberfall von Hochkirch. 1759 wohnten die 3 Musq. Bat. der Schlacht bei Kay (Züllichau) bei. 1760 wurde das ganze Reg. zur Belagerung von Dresden gebraucht, wo einige Piquets den Unfall hatten, aufgehoben zu werden. Drei Wochen nachher, in der bei Liegnitz vorgefallenen Schlacht, in welcher das ganze Reg. eine beispiellose Tapferkeit bewies, und das mehreste zum Siege beitrug, söhnte sich König Friedrich II über den dresdner Vorfall gänzlich mit dem Reg. aus. In der noch in diesem Jahre bei Torgau vorgefallenen blutigen Schlacht befanden sich die Gren. 1762 waren die 3 Bat. Musq. in den Actionen bei Adelsbach und Leutmannsdorf, wie auch bei der Belagerung von Schweidnitz. Dem baierschen Erbfolgekriege wohnte das Reg. unter den Befehlen des Prinzen Heinrich bei. 1792 nahm König Friedrich Wilhelm II das ganze Reg. mit nach Frankreich, wo es sich in der Kanonade bei Valmy in Champagne, bei der Uebergabe von Landau, beim Bombardement und bei der Uebergabe von Verdün, so wie bei der Einnahme von Frankfurt am Main befand. Das 2te Bat. nahm das Dorf Eschersheim an der Nied. 1793 wohnte es dem Gefechte bei Stromberg bei, und rückte zur Blokade vor Mainz, wo es die Trancheen eröfnete. Eben so war es bei der Blokade und dem Bombardement von Landau. 1794 befand sich das Regiment in den Gefechten bei Kaiserslautern, Trippstadt und Lautern, und machte, beim Rückzuge der Armee über den Rhein bei Mainz, die Arriergarde auf der Petersau.

Chefs:

1665 Ob. v. Förgel, starb.

1670 G. F. M. Fürst v. Anhalt Dessau, starb.

1693 -- -- -- Fürst Leopold v. Anh. Dessau, starb.

1747 -- -- -- Fürst Maximilian v. Anh. Dessau starb.

1751 Pr. Franz v. Anh. Dessau jetzt reg. Fürst, erhielt den gesuchten Absch. Ende Oct. 1757.

1758 G. M. v. Kahlden, blieb bei Zorndorf.

1759 -- -- Fürst v. Anh. Bernburg, starb als G. L.

1784 -- -- v. Leipziger, erhielt Pension.

1788 -- -- v. Thadden, wurde als G. L. Gouv. in Spandau.

1800 Ob. v. Renouard, jetzt G. M.


Chronik der Stadt Halle und des Saalkreises.Bearbeiten

[1799]

Regiment.

Nachdem Se. Excellenz der Hr. Generallieut. von Thadden, wegen Ihrer Gesundheit um Ihre Entlassung angehalten, so haben Se. Königl. Majestät sie Demselben nicht nur in den gnädigsten Ausdrücken ertheilt, sondern zugleich Se. E. zum Gouverneur von Spandau ernannt, wobey wir jedoch Hoffnung haben, diesen uns allen verehrungswürdigen Mann ferner in unsern Mauern zu behalten. Das durch diese Veränderung vacant gewordene Regiment, ist dem Hrn. Obristen von Renouard ertheilt worden, welcher auch in diesen Tagen hier eingetroffen ist. Er ist der zehnte Chef des Regiments, seit dessen Errichtung im Jahr 1668.


Bekanntmachungen.Bearbeiten

[1807]

Bey meiner Abreise ins Preußische empfehle ich mich allen meinen Freunden und Bekannten.

Halle, d. 16. Oct. 1807. Ludw. v. Löfen. Lieutn. Im Regim. v. Renouard.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Stammliste aller Regimenter und Corps der Königlich-Preußischen Armee. Berlin, 1801. Bei Christain Friedrich Himburg.
  • Hallisches patriotisches Wochenblatt. Sechstes Stück. Den 9ten November 1799.
  • Hallisches patriotisches Wochenblatt zum Besten der Armen. Viertes Quartal. 43. Stück. Den 24ten October 1807.
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