Richelieu.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Richelieu (Herzog) Enkel des Marschalls Richelieu, verließ sehr jung Frankreich und begab sich nach Petersburg, wo ihn sein Name die Aufnahme bey der Kaiserinn Katharina II. verschaffte. Er trat in ihre Dienste und wurde in kurzer Zeit Generallieutenant; er hatte von dem mißtrauischen Charakter Pauls I. vieles zu dulden, wurde aber von dessen Nachfolger Alexander mit Gunstbezeigungen überhäuft. 1801 kam er nach Paris um von der Emigrantenliste ausgestrichen zu werden, da aber die französische Regierung zur Bedingung machte, daß er die russischen Dienste verlassen sollte, kehrte er nach Petersburg zurück. Bey seiner Wiederankunft in der Hauptstadt wurde er zum Gouverneur von Odessa und den umliegenden Küsten ernannt. Die Provinzen unter seinen Gouvernement sind schon in einem blühenden Zustande, und werden eines Tages eine Quelle des Reichthums und Wohlstands für das russische Reich abgeben. Richelieu hat in seiner Gouvernementsverwaltung glückliche Eigenschaften und eine beyspiellose Thätigkeit an Tag gelegt, und ist von seinen Unterthanen und seinem Souverain geliebt. Seitdem er Gouverneur von Odessa ist, versichert man, er habe die Ausstreichung seines Namens von der Emigrantenliste erhalten.


Der Herzog von Richelieu.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Der neue französische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Herzog von Richelieu, ist in Frankreich und Europa bekannt. Ueberall kennt man seinen edeln Charakter, die im Rufe stehenden, von ihm herrührenden Einrichtungen, die Dienste, die er einem großen Reiche geleistet hat, die schmeichelhafte Erkenntlichkeit, und die prächtigen Belohnungen eines großmüthigen Monarchen. Nach dem Beyspiel jener zum Krieg und Ruhm gebornen, alten französischen Diener, die, weil sie diesen edlen Ehrgeitz in ihrem Vaterlande, welches die Segnungen des Friedens genoß, nicht befriedigen konnten, einer fremden Macht ihren Degen anbothen, und unter einem erfahrnen Feldherrn fochten, gieng auch der Herzog von Richelieu noch sehr jung aus Frankreich, und diente mit dem Grafen von Langeron und dem Grafen Roger de Damas unter Suwarows Fahnen gegen die Türken, Diese jungen Franzosen zeichneten sich durch glänzende Tapferkeit aus, die vom General und den russischen Soldaten bemerkt wurde. Die erstern in Frankreich ausgebrochenen Unruhen riefen ihn in sein Vaterland zurück; er eilte als guter Bürger zurück, aber zu einer Zeit, wo schon alle guten Bürger als Feinde behandelt wurden. Jedoch erhielt er ein Regiment, welches er commandirte, lange Zeit dem Könige getreu. Eines Tages drang er, durch tausend Hindernisse und Gefahren bis zu dem unglücklichen Monarchen. um ihm heilsame Rathschläge zu geben. Als Endlich in Frankreich alles verloren war, suchte er Mittel, seinem Vaterland außerhalb zu dienen; er gieng zu den Fahnen der würdigen Nachkommen des großen Conde. Aber bald schien dieses Vaterland unter den Nahmen der Freyheit, unwiederbringlich in Sclaverey versunken zu seyn.

Der Herzog von Richelieu glaubte Frankreich entsagen zu müssen, und ging in ein fremdes Land, was jedoch ihm nicht ganz fremd war; er ging in die Dienste Rußlands, wo er seine Laufbahn angefangen hatte. Bey dieser Macht suchte er Zuflucht, er fand ein wahres Vaterland, und nichts ist ehrenvoller, als die Art, wie er aufgenommen wurde. Hier schenkte ihm ein großer Souverän sein besonderes Wohlwollen. Der Herzog entsprach diesem ehrenvollen Zutrauen; die wichtige Handelsstadt Odessa, am schwarzen Meere, ist durch seine Sorgfalt, neu geschaffen worden. Familienangelegenheiten, und ohne Zweifel auch der in dem Herz eines Franzosen nie erlöschende Wunsch, den Boden, auf welchem er geboren worden, wieder zu sehen, führten ihn in den ersten Jahren der Buonapartischen Tyranney nach Frankreich zurück. Buonaparte wandte alle Schmeichlerkünste an, um ihn in Frankreich zu behalten, aber der Herzog von Richelieu, der unter den väterlichen Gesetzen Alexanders leben durfte, und mit der Gnade dieses Fürsten überhäuft war, verachtete die Gunst des Tyrannen seines Vaterlandes und der Räubers des Thrones seiner Könige. Nach der wunderbaren Wiederherstellung dieses Thrones, eilte der Herzog von Richelieu zu dessen Dienste herbey. Aber das unglückliche Frankreich, fiel zum zweyten Mahl unter das Joch des Usurpators. Alle guten Franzosen betrachteten den Herzog von Richelieu, der dem besten, unglücklichen König nach Gent gefolgt war, als eine der festesten Stützen des Thrones, dessen Widerherstellung sie hofften, und sehnlich wünschten. Schon damahls hoffte man, er werde Minister werden. Selbst der Nahme des Herzogs von Richelieu, ist eine glückliche Vorbedeutung. Man erinnere sich, aus welchem Wirrwarr Frankreich durch einen, aus dieser hohen Familie stammenden Minister gezogen wurde, zu welchem Glanz er Frankreich erhob, und welche Größe er ihm vorbereitete. Man erinnere sich, daß der erlauchte Vorfahrer Alexanders, bey dem Grabe des Kardinals Richelieu ausrief: "O großer Mann! lebtest Du noch, die Hälfte meines Reiches wollte ich Dir geben, wenn Du mich lehrtest, die andere Hälfte zu regieren."


Herzog von Richelieu.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[3]
Richelieu (N. N. Herzog von) gegenwärtig (1817) erster Minister Ludwigs XVIII.

Er wanderte in den ersten Jahren der Revolution mit den Prinzen aus, und wendete sich späterhin nach Russland, wo er von Catharina II. und ihren Nachfolgern Paul I. und dem jetzt regierenden Kaiser die ehrenvollste Aufnahme fand, und von ihnen zu den wichtigsten Geschäften gebraucht wurde. Er nahm endlich russische Staatsdienste an, und wurde zum Gouverneur von Odessa ernannt, in welchem bedeutenden Posten er sich durch Einsicht und Thätigkeit auf das ruhmvollste auszeichnet und sich die größten Verdienste um den immer gestiegenen Flor dieses für den russischen Handel so außerordentlich wichtigen Handelsplatzes erworben hat. Nach der Rückkehr der Bourbons in Frankreich kehrte er ebenfalls dahin zurück. Er wurde zum Pair ernannt, und nach der zweiten Rückkehr Ludwigs und der Entfernung Talleyrands und Fouché's zum Principalminister ernannt, in welcher Eigenschaft er auch den zweiten Frieden mit den Ministern der vier großen Mächte unterhandelte und abschloß.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Rückblicke auf die neuesten Ereignisse unserer Zeit. Bruchstücke politischen, historischen und statistischen Inhalts, für gebildete Leser. Gesammelt von J. W. Arndt. Pesth, 1816. Bey Joseph Müller, Buchhändler.
  3. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.