Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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1808.[]


Senatssitzung vom 5. Sept.[]

[1]
Aus dem Moniteur vom 7. Sept. erfährt man nun den Gegenstand der ausserordentlichen Senatssitzung am 5. Sept., worin der Prinz Erzkanzler den Vorsitz führte, und welcher die Prinzen Erzschatzmeister, Vize-Großwahlherr und Vize-Konnetable beywohnten. Es wurde darin nachstehende kaiserl. Bothschaft verlesen:

"Senatoren, mein Minister der auswärtigen Angelegenheiten wird die verschiedenen auf Spanien Bezug habenden Traktate, und die von der Spanischen Junta angenommenen Konstituzionen Ihnen vor Augen legen. Mein Kriegsminister wird Sie mit den Bedürfnissen und der Lage meiner Armeen in den verschiedenen Theilen der Welt bekannt machen. Ich bin entschlossen, die Angelegenheiten in Spanien mit größter Thätigkeit zu betreiben, und die Armeen, welche England in diesem Reiche gelandet hat, zu vernichten. Die künftige Sicherheit meiner Völker, das Wohl des Handels und der Seefriede, sind in gleichem Masse an diese wichtige Operazionen geknüpft. Mein Bündniß mit dem Kaiser von Rußland läßt England keine Hoffnung in seinen Entwürfen. Ich glaube an den Kontinentalfrieden; aber ich will und darf nicht von den falschen Berechnungen und den Irthümern der andern Höfe abhängen, und weil meine Nachbarn ihre Armeen vermehren, so liegt es in meiner Pflicht, auch die meinigen zu vermehren. Das Reich von Konstantinopel ist den schrecklichsten Umwälzungen zum Raube geworden; der Sultan Selim, der beste Kaiser, den die Ottomannen seit langer Zeit hatten, ist vor Kurzem von der Hand seines eigenen Neffen gefallen. Diese Katastrophe hat mich gerührt. Ich lege meinen Völkern mit Zutrauen neue Opfer auf; sie sind nöthig, um ihnen beträchtlichere zu ersparen, und uns zu dem grossen Resultat des allgemeinen Friedens zu führen, der allein als der Zeitpunkt der Ruhe angesehen werden darf. Franzosen, ich habe in meinen Entwürfen nur Einen Zweck, euer Glück und die Sicherheit eurer Nachkommen; und wenn ich euch recht kenne, so werdet ihr eilen, dem neuen Ruf, den das Interesse des Vaterlandes fordert, zu entsprechen. Ihr habt mir so oft gesagt, daß ihr mich liebtet! An dem Eifer, welchen ihr in Unterstützung von Entwürfen zeigen werdet, die mit euren theuersten Interessen, mit der Ehre des Reichs und mit meinem Ruhm so eng verbunden sind, werde ich die Wahrheit eurer Empfindungen erkennen. Gegeben in unserm kaiserl. Pallast zu St. Cloud den 4. Sept. 1808. (Unterz.) Napoleon. Durch den Kaiser,

(unterz.) der Minister Staatssekretär, Maret."

Alsdann legten die Minister der auswärtigen Angelegenheiten und des Kriegs dem Senat folgende Aktenstücke vor:

I. Bericht des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten an den Kaiser, datirt Bayonne den 24. April 1808, über die Unräthlichkeit, die Spanische Nazion ihrem Schicksal zu überlassen, und sie dadurch England zur Beute hinzugeben, woraus die Nothwendigkeit für den Kaiser gefolgert wird, einen grossen Entschluß zu fassen.

II. Der zweyte Bericht desselben Ministers schließ also: "Frankreich und Rußland machen gemeinschaftliche Sache gegen England. Dänemark besteht mit Ehre einen Kampf, zu dem es nicht herausforderte. Schweden, verrathen und verlassen von seinem Bundgenossen, hat bereits wichtige Provinzen verloren, und geht der unvermeidlichen Wirkung der Allianz und Freundschaft Englands, seinem Untergange, entgegen. Dieß wird auch das Schicksal der Spanischen Insurgenten seyn. Der Wiener Hof hat stäts Ew. Maj die freundschaftlichsten Gesinnungen gezeigt Unwillig über Englands Politik, hat er seinen Gesandten zu London abberufen, den Englischen Gesandten zu Wien zurückgeschickt, seine Häfen England verschlossen, und sich in ein feindliches Verhältniß mit demselben gesetzt. Er that seitdem noch mehr; verbot die Zulassung der Schiffe in seinen Häfen, welch, unter neutraler Flagge, nur die Kolporteurs Englischer Waaren sind. Ew. Maj. hat diese wohlwollenden Gesinnungen erwiedert; Sie hat dem Wiener Hofe Freundschaft und Vertrauen gezeigt, und mehrmals ihm zu erkennen gegeben, daß Frankreich an seinem Wohl wahren Antheil nehme. Indeß hat diese Macht in den letzten Zeiten ihre Kriegsmacht sehr vermehrt. Ihre Armeen sind gegenwärtig ausser Verhältniß mit ihrer Bevölkerung und ihren Finanzen. Ihre Minister, Sire, wollen dieß nur bemerken, um Ew. Maj. die Nothwendigkeit fühlbar zu machen, Ihre Macht zu vermehren, um stets die relative Ueberlegenheit, welche zwischen der Macht und Bevölkerung beyder Staaten besteht, zu behaupten. Eine neue Revoluzion brach zu Konstantinopel aus. Sultan Mustapha wurde abgesetzt. Die Amerikaner, dieses Volk, das sein Glück, seinen Wohlstand und beynahe sein Daseyn allein in den Handel setzt, gaben das Beyspiel eines grossen und muthvollen Opfers. Sie untersagten sich lieber, durch ein Embargo, allen Handel, alle Schiffahrt, als daß sie sich jenem schimpflichen Tribut unterworfen hätten, den die Engländer der Schiffahrt aller Nazionen aufzuerlegen sich anmassen. Deutschland, Italien, Schweiz und Holland sind ruhig, und erwarten nur den Seefrieden, um sich ganz ihrem Gewerbefleiß zu überlassen. Dieser Frieden ist der Wunsch der Welt; aber England widersetzt sich ihm, und England ist der Feind der Welt."

Diesem Berichte sind beygefügt:

A. Das zu Bayonne am 5. May geschlossene Abkommen, wodurch der König Karl IV. dem Kaiser Napoleon den Spanischen Thron abtritt. Ihm wird das Schloß Chambord eigenthümlich, auf Lebenszeit aber das Schloß zu Compiegne, und eine Zivilliste von 30 Mill. Realen jährlich, nach seinem Tode der Königin ein Witthum von 2 Millionen, und jedem Infanten für sich und seine Nachkommen eine jährliche Rente von 400,000 Fr. stipulirt.

B. Das zu Bayonne am 10. May geschlossene Abkommen, wodurch der Prinz von Asturien zu Gunsten des Kaisers Napoleon seinen Rechten auf die Krone von Spanien entsagt. Er für seine Person behält in Frankreich den Titel königl. Hoheit, und den Rang der Prinzen von Geblüt, seine Nachkommen bleiben Prinzen, aber nur mit dem Prädikat Durchlaucht (Altesse sérênissime) und dem Rang der Französischen Reichsdignitarien. Er bekommt zum vollen Eigenthum das Schloß Navarre, und eine jährliche Appanage von 400,000 Fr.; ausserdem auf Lebenszeit eine Rente von 600,000 Fr. Die Infanten, seine Brüder, erhalten jährlich Appanagen von 400,000 Fr. xc.


Rede von der Senator, Graf Lacépède.[]

[2]
Am genannten Tage hat der Senator, Graf Lacepede, im Namen der Kommission den Bericht abgestattet; er sagte darin unter anderem: England hat geschworen, daß der Handel des Kontinents vernichtet werden, daß die Industrie Frankreichs zu Grunde gehen, daß es allein das Monopol des Welthandels führen solle. Seine Schwüre werden eitel seyn. Bereits liefern sich unsere wahrhaften Feinde, durch ihren thörigten Stolz verblendet, in die Hände des Helden Frankreichs. Der Ozean umgab ihren Sicherheitsort mit einer Schutzwehr, welche ihre Schiffe als schwer zu übersteigen, ansehen liessen. In dem Wahnsinne ihrer eiteln Projekte haben sie dieselbe selbst zu überschreiten gewagt, und sich an den Spanischen Küsten gezeigt. Ach! Möchten sie nur dismal der der Weise ihrer trügerischen Bündnisse und treuloser Freundschaft entsagen, mögen sie nur nicht plötzlich die verirrten Spanier im Stiche lassen, wie sie alle diejenigen im Stiche gelassen haben, die auf ihrer Treue zählten; wenn sie nur nicht zu fliehen eilen, wie zu Toulon, zu Dünkirchen, auf Quiberon, auf dem Helder, im Hannover, in Kalabrien, und überall, wo sie den Flug der Französischen Adler von weitem erblickten; möchten sie nur alle auf der Spanischen Halbinsel, die Französischen Soldaten erwarten; möchte das Ende des Spanischen Kriegs zugleich das Ende des Krieges der Welt werden.


Quellen.[]

  1. Wiener-Zeitung. Nro 77. Sonnabend, den 24. September 1808.
  2. Wiener-Zeitung. Nro 79. Sonnabend, den 1. Oktober 1808.
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