Fandom


Officielle Nachricht von den Ereignissen in Spanien.Bearbeiten


[1] Die Anzahl der aufgeklärten Männer, die liberale Ideen lieben und die ihr Vaterland durch eine Verfassung regiert zu sehen wünschen, welche der Nation ihre Rechte sichert, ist in Spanien sehr groß. Dies Land enthält viele Personen, die den verschiedenen Scenen der französischen Revolution mit ihren Wünschen gefolgt sind. Ein Dritttheil des Bodens gehört den Weltgeistlichen; die Mönche, die beynahe sämmtlich ohne Kenntnisse und im höchsten Grade fanatisch sind, haben auf die untern Volksklassen einen erstaunlichen Einfluß. Diese leben in einer noch tiefern Unwissenheit, als an irgend einem andern Orte der Welt, und haben unter einer solchen Leitung seit länger als einem Jahrhunderte blos Fortschritte in dem Geschmacke an abergläubischen Ceremonien und in der Faulheit gemacht.

Die Ereignisse im Escurial und zu Aranjuez, welche die dem Throne schuldige Ehrfurcht so auffallend verletzten; die Zusammenberufung einer Junta zu Bayonne, um sich über die Grundlagen einer Verfassung zu berathschlagen; die außerordentlichen und unvorhergesehenen Vorfälle den 2. Mai zu Madrid; alle diese Umstände regten die Leidenschaften auf und trieben Furcht und Hoffnung auf den höchsten Grad. Die englische Partey benutzte diese Lage der Dinge. In den Häfen war sie von jeher sehr thätig und mächtig. Ihr Einfluß erstreckte sich beständig sogar bis nach Madrid. Durch die allgemeine Lage des festen Landes und durch die Opfer, welche diese Lage von dem spanischen Handel forderte, hatte sie noch mehr Gewalt erlangt. Alle ihre Ränke giengen daher dahin, die Idee rege zu machen, die französische Allianz zu verlassen und sich mit England zu verbinden. Dieser geheime Wunsch hatte sehr vielen Antheil an den Ereignissen zu Aranjuez und an den darauf folgenden Vorfällen.

KostumSpaansche1

Der größte Theil der Eigenthümer und der aufgeklärten Männer, sowohl unter dem Adel als unter der höhern Geistlichkeit, war von dem besten Geiste und von den edelsten Gesinnungen beseelt. Allein die Parteyen der Inquisition und der Mönche, welche die zahlreiche Agenten in Bewegung setzten, die England in Spanien unterhielt, benutzten die Unwissenheit und die Verblendung des Volks, verführten es durch falsche Gerüchte, gaben der ärmsten Volksklasse die Waffen in die Hände, und der Aufstand brach zu Ende des Mais in eben dem Augenblicke aus, als man alle Anordnungen in Betreff Spaniens beendigt hatte, die Junta sich zu Bayonne versammelte, und ihre Arbeiten begann.

Zu Saragossa, Valladolid, Valencia, Sevilla, u. a. a. O. machte man feyerlich Wunder bekannt. Diese Gaukeleyen, die der Religion zur Schande gereichen und die bey keinem andern Volke auf dem festen Lande etwas ausrichten würden, machten auf die Einwohner Spaniens den größten Eindruck. An den Küsten entflammte eine zahlreiche Partey, die durch ihren Haß gegen Frankreich bekannt ist, und die man aufforderte, mit England gemeine Sache zu machen, um den freyen Handel wieder zu erhalten, die Leidenschaften des Volks rege und that, als ob sie an seinen abergläubischen Irrthümern Theil nehme. Diese Stimmung war die Veranlassung zu den schrecklichsten Unordnungen, welche beynahe in einem und demselben Augenblicke in den südlichen Provinzen, in Navarra, Arragonien, Estremadura, in beyden Castilien, in Leon, Asturien und Gallicien ausbrachen.

Den 27. Mai nahmen sie in den südlichen Provinzen ihren Anfang. Der Staatsrath Don Miquel von Saavedra war Generalcapitän des Königreichs Valencia. Er wollte sich den Absichten der Insurgenten widersetzen; da aber sein Leben in Gefahr kam, so flüchtete er sich nach Requena. Die Insurgenten erfuhren seinen Aufenthaltsort, begaben sich in Schaaren dahin, ergriffen ihn, brachten ihn nach Valencia zurück und ermordeten ihn beym Hotel des Grafen von Cerbellon, der ihr Zutrauen zu haben schien, ihn aber doch nicht retten konnte. Den Kopf des Don Miquel von Saavedra steckte man auf eine Pike, trug ihn in allen Straßen herum, und legte ihn nachher oben auf eine Pyramide auf dem Platze San Domingo. Den Marquis von Arneva sollte das nämliche Loos treffen, allein es gelang ihm, den Insurgenten zu entwischen.

In den ersten Augenblicken der Insurrektion zu Valencia hatten die Insurgenten verlangt, daß alle Franzosen, die im Königreiche angesiedelt wären, auf die Citadelle gebracht, und ihr Vermögen confiscirt würde. Einige Tage darauf schleppten sie die Mannschaft eines französischen Schiffes ins Gefängniß, das eine englische Fregatte verfolgte, und das sich an die spanische Küste gerettet hatte. Den 14. Juni bemächtigten sie sich in einem neuen Anfalle von Wuth dieser Gefangenen und ermordeten sie. Den 17. Juni klagten die Mitglieder der Junta, die bey Todesstrafe gezwungen worden waren, Theil an diesem Ausschuß zu nehmen, den Urheber dieser Grausamkeiten, durch eine feyerliche Akte an und weiheten ihn der allgemeinen Verwünschung. Als solchen nannte die Junta einen gewissen Balthasar Calbo, Pfarrern und Mitglied des Capitels von San Isidoro zu Madrid. Zu Cuenca wurden der Corregidor und der Intendant von den zusammengelaufenen Landleuten in Ketten geworfen und fortgeschleppt. Ehe diese aber die Stadt verließen, plünderten sie die Häuser, und mißhandelten auf eine grausame Weise die Familien dieser beyden würdigen Magistratspersonen.

Zu Carthagena ermordete das Volk den Gouverneur, der lange Zeit die öffentliche Achtung genossen hatte. Den 30. Mai langte zu Grenada der Gouverneur von Malaga, der General Truxillo, an; das Volk ermordete ihn, schleppte seinen Leichnam auf der Straße herum, hieb denselben in Stücken und verbrannte ihn nachher.

Den 2. Juni wurde zu Algesiras der französische Consul ins Gefängniß geworfen. Das aufrührische Volk verlangte seinen Kopf und bloß die Standhaftigkeit der rechtlichen Leute verhinderten dies neue Verbrechen. Zu San Lucar de Barameda wurde den 4. Juni der Gouverneur der Stadt, ein General, der sich durch seinen Rang und seine Verdienste auszeichnete, von dem Pöbel ermordet.

Zu Jaen zwangen die Landleute die Einwohner, ihre Häuser und ihre Güter zu verlassen, ermordeten den Corregidor und plünderten die Stadt. Sevilla steckte die Fahne des Aufstandes auf, errichtete eine Junta und ein Theil von den Soldaten aus dem Lager von St. Roch und von Cadix, welche der starke Sold herbeilockte, den die Insurgenten versprachen, desertirte und vereinigte sich mit den Insurgenten. Als ersten Versuch ihrer Gewalt ermordeten diese den Grafen Aquila, der Einer der angesehensten Männer von Sevilla war; ein Capitän der Schleichhändler wurde zum Anführer ernannt, und die Insurgenten, welche aus Mönchen, Deserteurs und Schleichhändler bestanden, machten sich bewaffnet auf den Marsch, um den Eingang in Cordova zu vertheidigen.

Zu Cadix erregte das Volk den 27. und 28. Mai gegen den Generallieutenant Solano, Marquis del Socorro, einen Aufstand, der Generalcapitän der Provinz und Gouverneur der Stadt und bisher allgemein beliebt gewesen war. Die Insurgenten nahmen aus den Casernen die Gewehre und auf dem Walle eine Canone weg, griffen das Hotel des Gouverneurs an, bemächtigten sich seiner Person und ermordeten ihn auf die grausamste Weise.

Zu Carolina wollte sich der Corregidor den Unordnungen widersetzen, wurde aber von dem Volke enthauptet. Eben solche schreckliche Vorfälle fielen in den Provinzen Navarra, Arragonien und Catalonien vor. Zu Saragossa erschossen die Landleute den spanischen Obristen von dem Dragonerregimente des Königs und drei und dreißig andere Officiere von ihrer Partei, gegen welche sie sich empörten, wurden von ihnen ergriffen und auf die grausamste Art ermordet. Der nämliche Haß gegen jede Art von Autorität und gegen alle Beamte und angesehene Männer war die Veranlassung von keinen geringern Grausamkeiten in Estremadura und in den beiden Castilien.

Zu Badajoz brach des Morgens am 30. Mai der Aufruhr aus und hatte in einem Augenblicke den höchsten Grad erreicht. Man überfiel das Hotel des Gouverneurs, des Grafen de la Torre des Fermo. Die Insurgenten verlangten, daß man sie in ordentliche Corps bilde und ihnen Waffen gebe. Der Gouverneur erschien auf dem Balkon, um sie zur Ordnung und Ruhe zu ermahnen. An seiner Seite stand der Bischof. Die wüthenden wollten von nichts hören. Sie vertrieben die Wache des Pallastes, drangen in das Zimmer des Gouverneurs ein, packten ihn und schleppten ihn bis an das Thor der Palmen, wo sie ihn mit Stöcken und Messerstichen ermordeten; seinen nackten und blutigen Leichnam brachten sie seiner Gemahlinn und steckten den Pallast in Brand.

In Valladolid wurde den 5. Juni der General Miquel Ceballos, Commandant des Geniecorps zu Segovia vermöge eines Befehls des General Cuesta in die Gefängnisse nach Carbonero geführt. Die Insurgenten schleppten ihn aus seinem Gefängnisse weg, hieben ihn auf dem Campo Grande vor den Augen seiner Gemahlin und seiner Kinder in Stücken, steckten seinen Kopf auf eine Pike und theilten sich in seine Gliedmassen, die sie im Triumphe durch alle Straßen schleppten.

Den 5. Juni wollte der Corregidor zu Talavera die Anführer zu Paaren treiben; sie verlangten seinen Kopf, und bloß der Entschlossenheit einiger rechtlichen Leute, hatte er das Glück seiner Rettung zu verdanken.

In den Provinzen Leon und Asturien fielen zur nämlichen Zeit eben solche blutige Auftritte vor. Zu Corogna wollte den 29. Mai der General Filangieri gute Worte anwenden, um die zusammengelaufenen Landleute wieder zur Ordnung zu bringen. Er wäre aber beinahe durch einen Flintenschuß getödtet worden, wenn sich nicht ein Artillerieofficier vor ihm gestellt und ihm das Leben gerettet hätte. Den Tag darauf, den 30., bemächtigten sich die Insurgenten des Pallastes des Gouverneurs, der sich in das Kloster San Domingo geflüchtet hatte, und der Pallast wurde zerstört. Zu Ferrol wurde das Haus des Generallieutenants der Marine, Obrejon, geplündert. Dieser Officier, den man in den Fabriken zu Isquiendo entdeckte, wurde in die Gefängnisse nach St. Antonio geschleppt.

Im Königreiche Leon begaben sich den 22. Juni die Landleute in Schaaren in mehrere Städte, Flecken und Dörfer und schlugen den vornehmsten Bürgern die Köpfe ab. Man machte bekannt, daß der Gouverneur von Corogna, der Corregidor von Leon, und der Obriste der Landmiliz von Valto, der Graf von Castro Fuerte, die sich in der Gewalt des Generals Cuesta befanden, den Händen des Scharfrichters übergeben worden wären.

An allen Orten bezahlten die Männer die vermöge ihrer Aemter, ihres Ranges, ihrer Tugenden und ihres Reichthums im Besitz der öffentlichen Achtung waren, ihren muthigen Widerstand gegen die Unterdrückung und ihre Vaterlandsliebe mit dem Leben. Insurrektionsausschüsse bemächtigten sich der Cassen, organisirten sich und setzten die rechtlichen Leute in das grausamste Schrecken.

Die Minister, die Mitglieder der Junta zu Madrid und die Regierungscommission wandten alle Mittel der Aussöhnung an, aber vergeblich; sie waren nicht im Stande, unwissende und fanatische Menschen zur Gehorsam zurück zu bringen, die der Aberglaube und die Schlauheit irre führten und die die Lust zum Plündern und die Herrschsucht unwiderstehlich anzog.

Diese Aufwallung war eine nothwendige Folge des Zustandes von Ungewißheit, Leiden und Elend, in den eine elende Regierung die spanische Nation gestürzt hatte. Durch die Ränke und Bestechungen Englands und durch die Unordnungen in den öffentlichen Ideen war die vorbereitet und zum Ausbruch gebracht worden. Die Letztern aber rührten von der Schwäche der Regierung, von der Verirrung der öffentlichen Meinung und den Parteien her, welche sich gegen die oberste Gewalt gebildet hatten. Man mußte zu den Waffen greifen, um den Ausschweifungen Einhalt zu thun, und die Uebelgesinnten zum Schweigen zu bringen.


Der Marschall Bessieres [xxx] war der Erste, der verschiedene Abtheilungen seiner Truppen auf Lograno, Saragossa, Segovia, Valladolid und Saint Ander marschieren ließ. Die Colonnen, die sämmtlich nicht zahlreich waren, erhielten allenthalben ohne bedeutenden Verlust den vollkommensten Sieg.

Die Stadt Lograno hatte sich in Insurrektion gesetzt und zum Anführer einen Steinhauer gewählt, der allenthalben als Einer der schlechtesten Menschen des Bezirks bekannt war. Der General Verdier [xx] erhielt Befehl, sich mit zwei Bataillons in Marsch zu setzen. Den 6. Juni umringte er die Stadt, schlug die Insurgenten, nahm ihnen sechs elende Canonen ab, die sie aufgetrieben hatten, ließ die ärgsten Aufrührer bestrafen und stellte an die Spitze der Stadtregierung die vornehmsten Bürger, die ins Gefängniß geworfen worden waren. Hierauf kehrte er nach Vittoria zurück.

Der General Frere [xx] war gegen Segovia marschirt, wo sich auch Volksbewegungen gezeigt hatten, in der Entfernung einer Viertelstunde von der Stadt schickte er den 7. Juni einen Parlementair an die Obrigkeit, um sie zu ersuchen, daß sie die Insurgenten wieder zur Ordnung und zum Gehorsam bringen möchte. Die Anzahl derselben belief sich auf 5000 Mann mit dreißig Canonen, die sie aus dem Artilleriepark zu Segovia weggenommen hatten. Den Parlementair ließen sie nicht weiter, und empfiengen ihn mit Canonenschüssen. Sogleich gab der General Befehl zum Angriff; der Ort wurde mit Sturm eingenommen, und viele Insurgenten kamen im Gefechte um. Eine große Anzahl wurde zu Gefangenen gemacht und man nahm ihnen alle ihre Canonen ab. Die Stadt, die man von den Insurgenten befreit und sich selbst wieder gegeben hatte, unterwarf sich.

Der General Lasalle [xx] marschirte von Burgos auf Torquemada, wo sich 6000 Insurgenten befanden, die er den 7. von 700 reitenden Jägern angreifen ließ. Diese Insurgenten wurden zerstreut und ließen 1200 Mann auf dem Schlachtfelde liegen. Das kleine Dorf Torquemada wurde in Brand gesteckt. Den 8. marschirte der General Lasalle [xx] auf Palencia. Bei seiner Annäherung brachte ihm eine Deputation, an deren Spitze der Bischof stand, die Unterwerfung der Stadt, welche sogleich zu ihrer Pflicht zurückkehrte. Den 9. und 10. entwaffnete der General die Stadt und Provinz Palencia. Den 12, nahm er seinen Weg auf Duennas, wo er sich mit dem General Merle [xx] vereinigte und von wo er seinen Marsch auf Valladolid fortsetzte. Diese Stadt hatte die Fahne der Insurrektion aufgesteckt, und der Generalcapitän, der General Cuesta, hatte sich an die Spitze der Mißvergnügten gestellt. Er hatte mit 7000 Insurgenten und 6 Canonen seine Stellung zu Cabezon genommen.

Nachdem der General Lasalle [xx] die Stellung der Insurgenten recognoscirt hatte, ließ er sie durch den General Sabatier im Sturmmarsch angreifen, während der General Merle [xx] Anstalten traf, ihnen den Rückzug auf Valladolid abzuschneiden. Das Feuer dauerte bloß eine halbe Stunde. Die Insurgenten wurden völlig geschlagen, sie zerstreuten sich nach allen Richtungen und ließen auf dem Schlachtfelde ihre Canonen, 4000 Flinten und ungefähr 1000 Todten zurück.

Der Bischof von Valladolid kam mit den vornehmsten Pfarrern der Stadt dem General Lasalle entgegen, und bat um Verzeihung für die Stadt und ihre Einwohner. Die Franzosen rückten in Valladolid mitten unter einer großen Menge Volks ein, das eine strenge Züchtigung verdient hätte, aber mit Bewunderung die französische Milde und Großmuth sah. Die Stadt und die Provinz wurden entwaffnet. Zehn Mitglieder von den Municipalitäten zu Palencia, Segovia und Valladolid wurden als Abgeordnete an Ihre catholische Majestät nach Bayonne geschickt, um Sie um Gnade zu bitten und Ihr das Pfand der Treue Ihrer Mitbürger zu überbringen.

Da der Bischof von Saint Ander seine Pfarrkinder zum Aufstand aufgefordert und sich selbst allen Ausschweifungen überlassen hatte, so nahm der General Merle [xx] seinen Marsch nach den Gebirgen von Saint Ander, wohin sich auch der General Ducos begab. Den 21. Morgens um 3 Uhr griff er die Insurgenten von Lantuenno an, vertrieb sie aus allen ihren Stellungen und nahm ihnen zwei Achtzehnpfünder ab, die bloß zweimal mit Kartätschen hatten abfeuern können, welche aber keinen Schaden thaten. Der Verlust der Insurgenten war beträchtlich.

Der General Ducos war den 20. zu Soncillo angekommen. Hier hatte er die Insurgenten über eine Stunde lebhaft zurück getrieben. Den 21. hatte er sie wieder angegriffen, und auf der Straße nach der Venta de l'Escudo in Unordnung gebracht, die von 3000 Mann mit 4 Canonen vertheidigt wurde. Den 22. befand er sich 4 Stunden von Saint Ander, den 23. rückten die Generale Merle [xx] und Ducos in Saint Ander, der Eine auf der Straße von Torre de la Vega, der Andere auf jener de l'Escudo, ein. Nach der Ankunft der französischen Truppen sah man allenthalben die Landleute wieder in ihre Häuser und die Einwohner von Saint Ander wieder in die Stadt zurück kommen.

Die Stadt Saint Ander unterwarf sich und leistete Sr. catholischen Majestät feierlich den Eid der Treue, wie es vorher Segovia, Palencia und Valladolid gethan hatten.

In wenige Tagen hatten also die Truppen unter den Befehlen des Marschall Bessieres [xxx] 30 Canonen und 50,000 Flinten erobert, und Palencia, Valladolid und das Gebirgsland entwaffnet. Hierdurch wurde die Ruhe in Navarra und in Guipuscoa, in Alava und Biscaya aufrecht erhalten *).

*) Bei dieser Gelegenheit haben 19 Officiere und Gemeine den Orden der Ehrenlegion erhalten, und 31 Generale und andere Officiere sind befördert worden. Der Brigadegeneral Darmagnac ist Divisionsgeneral geworden.


Während der ersten Operationen des Marschalls Bessieres [xxx] hatten sich auch an der Südgränze von Navarrra und in Arragonien Unruhen gezeigt. Der General Lefebvre des Nouettes brach an der Spitze von 3000 Mann von Pampelona auf, die größtentheils aus polnischen Lanzenträgern und dem ersten Regimente von der Weichsel bestanden.

Er nahm seinen Marsch auf Tudela, wo es eine Zusammenrottung von 3 bis 4000 Menschen gab, die von Saragossa gekommen waren. Er griff sie den 9. Juni an und zerstreute sie. Er eroberte 6 Canonen und ließ die Anführer der Insurgenten erschießen. Die Brücke über den Ebro, die man abgebrannt hatte, ließ er wieder herstellen und marschirte an der Spitze der polnischen Lanzenträger auf Mallen, wo ein neues Corps von Hülfstruppen, das die Stadt Saragossa den Insurgenten geschickt, seine Stellung genommen hatte.

Den 13. langte er daselbst an und begann sogleich den Kampf. Ein einziger Angriff der polnischen Lanzenträger war hinreichend, die Insurgenten zu werfen, die die Flucht ergriffen, und ihre fünf Canonen im Stiche ließen. So ging es auch den 14. zu Alagon, wo die Insurgenten 3 bis 4000 Mann hatten. Sie wurden geschlagen, und verloren ihre Canonen. Den 16. leisteten sie in den Oelgärten und den Vorstädten von Saragossa keinen Widerstand weiter.

Den 23. und 27. hatten die Gefechte zu Epila und Monte Torrero ähnliche Resultate. In diesen verschiedenen Gefechten hatten die Insurgenten 2 bis 3000 Mann Todte und viele Verwundete. Man hat viele Gefangene gemacht und hat ihnen alle ihre Canonen, d. h. etliche dreyßig Stück, abgenommen. Unser Verlust war unbedeutend, er belief sich auf 20 bis 30 Todte und auf 60 bis 80 Verwundete.

Der General Verdier [xx] stieß vor Saragossa zu dem General Lefebvre und fing den Ort einzuschließen an. Nachdem man einige Bomben geworfen hatte, ließ er den 2. Juli das Kloster St. Joseph angreifen und wegnehmen, das einen Theil der Ringmauer von Saragossa deckte.

Vom 2. bis 13. wurden Veranstaltungen getroffen, die Insurgenten immer enger einzuschließen, und die Materialien herbei zu schaffen, welche zum Bau einer Brücke von Floßen über den Ebro erforderlich waren.

Den 11. drangen die Truppen mit Gewalt über den Fluß und setzten sich auf dem linken Ufer fest, um den Bau der Brücke zu erleichtern, die den 12. zu Mittage fertig war. Unterdessen hatten sich verschiedene Insurgentencorps auf dem Lande versammelt, um die Verbindung zu erschweren. Sie wurden aber zu Almunia, Catalayud und Tauste auf der Straße nach Tudela geschlagen, und verloren in diesen einzelnen Gefechten viele Leute und Munition.

Die Truppen, welche das linke Ufer des Flusses vor Saragossa besetzt hatten, wurden auch mehrmals von Abtheilungen von Insurgenten angegriffen, die aus der Stadt kamen. Dieselben aber wurden jedesmal mit großem Verlust und dem Bayonette im Nacken zurückgeschlagen und verloren in diesen verschiedenen Gefechten, besonders zu Jouslival, viele Leute und mehrere achtpfündige Canonen.

Die Blokade des Orts, in den sich mehrere Troups von Insurgenten geworfen, welche sich vergeblich bemühet hatten, das offne Feld zu halten, war alsdann gänzlich zu Stande gebracht *).

*) Die Anzahl derjenigen, welche wegen Auszeichnung in diesen verschiedenen Gefechten den Orden der Ehrenlegion erhalten haben, beläuft sich auf 25, wovon der größte Theil Polen sind. Befördert sind worden 87.


Der General Duhesme [xxx] befehligte in Catalonien und sein Hauptquartier war zu Barcellona. Auch in einigen Bezirken seines Commandos fanden Versammlungen von Insurgenten Statt.

Die ersten Spuren der Insurrektion zeigten sich in den Städten Manresa und Tarragone. Er ließ eine Aufforderung an sie ergehen, und sie versprachen, sich zu unterwerfen. Da sie aber das Versprechen nicht erfüllten, so besetzte der General Schwartz [xx] Italienische und Neapolitanische Cavalerie..... Manresa und der General Chabran [xx] Tarragone.

Der General Schwartz [xx] Italienische und Neapolitanische Cavalerie..... hatte Befehl auf der Straße nach Lerida vorzurücken und den Monserrat zu untersuchen, wo man Nachricht hatte, daß daselbst Versammlungen statt fänden. Den 6. Juni traf er die Insurgenten zu Bruck an, schlug sie und tödtete ihnen viele Leute. Aehnliche glückliche Gefechte lieferte er zu Esparquera, Martorel und zu Molinos del Rè.

Andere Zusammenrottungen von insurgirten Landleute hatten sich am Flusse Llobregat mit Canonen verschanzt; sie hatten sich der Artillerie bemächtigt, welche sich an den Küsten befunden hatte. Der General Duhesme [xxx] ließ sie angreifen. Sie wurden von 8. bis 10. Juni allenthalben geschlagen und es wurde ihnen ihre Artillerie abgenommen. Diese Unternehmung endigte sich ohne Verlust von unserer Seite und mit großem Verluste auf Seiten der Insurgenten.

Neue Versammlungen, die von dem Gebirge herabgekommen waren, hatten die Straße nach Montgat und Moncada gesperrt und das kleine Schloß Montgat eingenommen, wo sie sich verschanzt hatten. Den 17. wurden sie angegriffen und fast augenblicklich zerstreuet. Das Schloß Montgat wurde mit Sturm eingenommen. Die Insurgenten verloren viele Leute, ihre Fahnen und 20 Canonen von jedem Caliber.

Der General Lecchi [xx], der die Flüchtlinge verfolgte, langte in der Stadt Mattaro an, die in Vertheidigungsstand gesetzt und verschanzt worden war. Er griff sie mit der nämlichen Schnelligkeit an, bemächtigte sich derselben und bekam 10 Stück Batteriegeschütz.

Der General Duhesme [xxx] marschirte mit der nämlichen Colonne nach den engen Pässen von St. Paul; den 10. griff er diese an, eroberte sie und nahm 10 Canonen, ohne daß die Truppen sich kaum aufhalten durften.

Nach diesen verschiedenen Gefechten, die die Sicherung der Communication zur Absicht hatten, kehrte der General Duhesme [xxx] nach Barcelona zurück. Er hatte bloß hundert Verwundete und Todte. Der Verlust der Insurgenten war sehr beträchtlich.

Während dieser Operationen hatte sich hinter dem Llobregat eine neue Insurgentenlinie gebildet. Der Schnee war geschmolzen, auch hatte es mehrere Tage im Gebirge geregnet, und der Fluß war daher angeschwollen. Zu Molinos del Rè hatten die Insurgenten eine Batterie von drey Canonen, mit der sie die steinerne Brücke vertheidigten, in welche sie an mehrern Orten Löcher gemacht hatten. Alle Stellen, wo man durchwaten konnte, waren bis an die Mündung des Flusses verschanzt; der rechte Flügel der Insurgenten lehnte sich ans Meer, zwey angespannte Feldstücke zogen hinter der Linie herum.

Den 30. Juni Morgens setzten sich die Truppen in Marsch, um die Insurgenten anzugreifen. Der General Goullus und der Brigadegeneral Bessieres [xx] marschirten an die Mündung des Flusses, erzwangen den Uebergang, zogen am rechten Ufer herauf und nahmen im Rücken alle Stellungen der Insurgenten, die keinen widerstand leisteten und einen beträchtlichen Verlust erlitten. Zu gleicher Zeit griff die Division des Generals Lecchi [xx] die Brücke von Molinos del Rè an, bemächtigte sich derselben, und nahm die drey Canonen, die die Uebergang vertheidigten. Die Trümmer der auf allen Seiten geschlagenen Zusammenrottirungen zogen sich auf Martorel zurück, das ihnen zum Sammelplatze diente. Der General Lecchi [xx] verfolgte sie unaufhörlich, zerstreute sie und nahm die Stellung ein. Ihr Verlust an Menschen läßt sich nicht bestimmen. Auf dem Schlachtfelde hat man 4000 Flinten zusammengelesen, und man hat ihnen alles abgenommen, was sie noch von Canonen übrig hatten.

Auf der Seite von Figueras hatten sich Trupps von Landleuten gebildet, um die Communication mit dieser Stadt zu unterbrechen. Der Divisionsgeneral Reille marschirte den 5. Juli von Bellegarde dahin, und nachdem er die Insurgenten geschlagen und zerstreut hatte, verproviantirte er den Ort und verstärkte die Besatzung *).

*) Die Anzahl der Soldaten, welche wegen Auszeichnung bei diesen verschiedenen Gefechten den Orden der Ehrenlegion erhalten haben, oder befördert worden sind, beläuft sich auf 22.


Während die Vorfälle, die wir eben erzählt haben, in Biscaya, Navarra, Arragonien und Catalonien vorgingen, war auch die Insurrektion im Königreiche Valencia ausgebrochen, wohin sich der Marschall Moncey mit seinem Corps in Bewegung setzte.

Den 21. Juni stieß er auf die Insurgenten, die sich in den schönen Stellungen verschanzt hatten, welche das Dorf Pesguera umgeben, und vertheidigten mit 4 Canonen die Brücke über den Fluß Cabriel und den Eingang in den engen Paß. Die Brücke und der Paß wurden erobert; die Insurgenten verloren ihre Canonen und 500 Schweizer und spanischen Garden gingen zu uns über.

Die Insurgenten vereinigten sich mit ihrer Hauptarmee und zogen sich nach las Cabreras vorwärts Siete Annas zurück, wo sie sich in einer Stellung verschanzten, die sie für unbezwingbar hielten.

Den 24. Juni erblickte sie der Marschall Moncey [xxx] und sie hatten wirklich eine sehr steile und sehr schwer zu ersteigende Stellung. Man griff sie aber mit dem größten Ungestüm an und sie wurden von Anhöhe zu Anhöhe vertrieben, verloren nach und nach alle ihre Stellungen, flohen in Unordnung und ließen ihre Canonen, deren Anzahl sich auf zwölf belief, ihre Munition und fast alles ihr Gepäck im Stiche.

Die Armee setzte ihren Marsch auf Valencia fort, wo sich eine Insurrektions-Junta gebildet hatte. Anderthalb Stunden von dieser Stadt stieß sie auf die Insurgenten. Diese hatten sich hinter dem Canale verschanzt und vertheidigten die Brücke der großen Heerstraße mit Canonen, die durchs Dorf Quarte geht; dieselbe war durchlöchert. Die Truppen marschirten Colonnenweise auf mehrern Punkten vor, und in weniger als einer Stunde waren die Linien durchbrochen, die Brücke hergestellt, das Dorf Quarte genommen, fünf Canonen erobert und die Insurgenten gänzlich zerstreut.

Den Tag darauf, den 28., marschirte der Marschall Moncey [xxx] auf Valencia. Die Gegend um diese Stadt ist von einer großen Menge Canäle durchschnitten und mit Gärten und Häusern bedeckt; die Vorstädte gehen bis an die Thore. Der Marschall Moncey befahl anzugreifen; der französische Ungestüm überwand alle Hindernisse; die Vorstädte wurden erobert und lagen voll Todter. Man bekam 20 Canonen, aber die Wälle, die durch Wassergräben gedeckt waren, waren gegen einen Ueberfall gesichert. Der Marschall schlug ein Lager auf, und wollte die Ankunft einiges schweren Geschützes abwarten.

Einige Tage darauf erhielt er die Nachricht, daß eine Division von 5 bis 6000 Insurgenten sich im Felde halten wolle. Er marschirte gegen sie, und begab sich auf das rechte Ufer des Xucar. Man greift sogleich die Anhöhen an und nimmt sie weg. Die Insurgenten werden zerstreut; sie verlieren mehrere Canonen und werden bis zum Col von Almanza verfolgt.

Den 3. werden sie in diesem engen Passe angegriffen; eine große Menge fand da ihren Tod. Unsere Truppen eroberten Almanza, wo der Marschall Moncey Befehl erhielt, seine Stellung zu San Clemente zu nehmen. Er hatte das nöthige schwere Geschütz zusammengebracht, um Valencia anzugreifen, und er war eben im Begriffe, gegen diese Stadt aufzubrechen, als die Vorfälle in Andalusien andere Maaßregeln nöthig machten.

Bei diesen verschiedenen Bewegungen, wo der Marschall Moncey [xxx] sechs Gefechte geliefert, hat er dem Feinde viele Leute getödtet, funfzig Artilleriestücke und drei Fahnen abgenommen. Sein Verlust beträgt zweihundert Todte und fünfhundert Verwundete *).

*) Dem Marschall Moncey sind 40 Zeichen der Ehrenlegion zugeschickt worden, um sie an die Soldaten zu vertheilen, die sich am meisten ausgezeichnet haben, und die von ihm werden genannt werden.


Während dieser verschiedenen Operationen hatte sich die Einwohner von Cuença die größten Mißhandlungen gegen einen französischen Officier und gegen mehrere französische Soldaten erlaubt. Der Brigadegeneral Caulaincourt erhielt Befehl, sich in Marsch zu setzen, um sich zu bestrafen. Er brach den 1. Juli von Tarançon auf und traf den 3. um 4 Uhr Nachmittags zu Cuença ein. Die Insurgenten schienen die nahgelegenen Gegenden der Stadt vertheidigen zu wollen, sie waren 3 bis 4000 Mann stark und hatten 2 Canonen. Der General Caulaincourt ließ sie auf der Stelle angreifen, sie verloren ihre Artillerie, und wurden in eine solche Unordnung gebracht, daß sie nicht mehr an die Vertheidigung der Stadt dachten; sie warfen sich nach allen Richtungen in die Berge, und ließen ihre Waffen und sieben- bis achthundert Todte oder Verwundete liegen. Die Stadt, welche alle Einwohner bei Annäherung der Franzosen verlassen hatten, wurde der Plünderung Preis gegeben.

Der General Dupont [xxx], der zu Ende des Mais von Madrid aufgebrochen war, hatte sich gegen Andalusien in Marsch gesetzt. In den ersten Tagen des Juni war er durch die Sierra Morena marschirt und hatte seinen Weg nach dem Guadalquivir genommen. Bei seiner Ankunft zu Andujar erfuhr er, daß sich zu Sevilla eine Insurgentenjunta gebildet habe, daß sie die Provinzen Cordova, Grenada, Sevilla und einen Theil von Jean in Bewegung setze, und daß sich in der Gegend von Cordova zahlreiche Insurgentencorps zusammen ziehen sollten. Er setzte sich daher sogleich in Marsch. Den 6. Juni nahm er Montoro, Carpio und Bugalence ein, ohne daß er die Insurgenten angetroffen hätte, er erhielt aber bei einer Recognoscirung, die er nach Alcolea hin, nicht weit von Cordova vorgenommen hatte, die Nachricht, daß sie daselbst in Menge wären, und daß sie ihm den Uebergang über den Guadalquivir streitig machen zu wollen schienen.

Die Brücke von Alcolea ist sehr lang, und man kann ihr nur mit Mühe nähern; sie wurde durch einen Brückenkopf, durch Batterien auf einer Anhöhe und durch Infanterie vertheidigt, die von einem Ufer auf das andere ein sehr lebhaftes Kleingewehrfeuer unterhielt. Den ersten Angriff machte man den 7. mit Tagesanbruch. Man sah, daß die Brücke nicht durchlöchert sey, und sogleich erfolgte der Befehl zum Angriff der Verschanzungen, die sehr tiefe Graben hatten. In sehr kurzer Zeit wurde der Brückenkopf und das Dorf Alcolea eingenommen. Die Insurgenten flohen in der größten Unordnung und ließen ihre Canonen und eine große Menge Todter und Verwundeter zurück.

Alles, was sich aus dem Gefechte bei Alcolea rettete, zog sich nach Cordova zurück, ohne daß dasselbe wagte, sich in dem Lager festzusetzen, das die Insurgenten vorwärts der Stadt hatten, wo man sehr sonderbare und ungewöhnliche Waffen, Piken und englische Flinten fand.

Als das Hauptcorps vor Cordova anlangte, ließ der General den Corregidor zu sich kommen, und schickte den Prior eines Klosters an die Einwohner, mit der Ermahnung, keinen Widerstand zu leisten und die angebotene Gnade anzunehmen. Da diese Maaßregeln nichts fruchteten, und die Insurgenten, die aus 15,000 ausgehobenen Insurrections- und aus 2000 regulären Truppen bestanden, auf allen Seiten Feuer gaben, so schoß man Breche; die Thore wurden eingehauen und die Stadt wurde mit Sturm eingenommen.

Der Sieg war an diesem Tage vollständig; der feind verlor viel Leute, und die Ruhe war in der Stadt hergestellt.

Den 19. wurde der Capitän Baste mit einer Colonne von 900 Mann Infanterie und 100 Mann Cavallerie und Artillerie ausgeschickt, um zu Jaen Lebensmittel zu holen. Er sandte zwei Parlementaire voraus, auf welche die Insurgenten Feuer gaben. Den Tag darauf um 6 Uhr Morgens griff er das verschanzte Lager, das feste Schloß und die Stadt an. Der Angriff war lebhaft; alle Stellungen wurden genommen. Die Insurgenten verloren 200 Mann an Todten und 500 an Verwundeten. Die Colonne hatte bloß 5 Verwundete *).

*) Bei dieser Gelegenheit haben vier Officiere höhere Beförderungen erhalten.

Unterdessen waren zwei Divisionen Schleichhändler, die ungefähr 3000 Mann ausmachten, nach der Sierra Morena vorgerückt und hatten die Communication mit Madrid abgeschnitten. Der Herzog von Rovigo (Savary), der nach der Abreise des Großherzogs von Berg das Commando übernommen hatte, setzte den General Vedel mit seiner Division und mit der Division Gobert im Marsch. Den 26. Juni langte der General Vedel [xx] bei den engen Pässen von Penna-Pennon an. Den Feind zu Gesicht bekommen, ihn angreifen, und ihn in Unordnung bringen, war das Werk eines Augenblicks. Die Insurgenten verloren 900 Mann, ihre Artillerie, ihren Mundvorrath und ihre Munition. Wir hatten 2 Todte und 10 Verwundete. Die Verbindung des General Vedel [xx] mit dem General Dupont [xxx] ward auf diese Art bewirkt.

Der General Dupont postirte den General Vedel [xx] nach Baylen, und den General Gobert [xx] nach Carolina. Er besetzte mit seiner ersten Division Andujar am Guadalquivir, wo er einen Brückenkopf errichtete. ein anderer Brückenkopf wurde im Dorfe Monjibar auf dem Wege von Jaen nach Baylen angelegt.

Die Behauptung des Posten Jaen war von Wichtigkeit, weil derselbe näher an der Communicationslinie lag als Andujar und diese letztere Stellung nicht mehr haltbar war, sobald der Feind Jaen besetzt hatte. Der Brigadegeneral Cassagne wurde nach Jaen geschickt. In den ersten Tagen des Juli hatte er mehrere Vorpostengefechte, wo er jedesmal siegte.

Die Lage des General Dupont [xxx], die anfänglich Besorgnisse verursacht hatte, durfte nunmehro keine mehr erregen, weil der Verstärkung erhalten hatte und in einem Tage es dahin bringen konnte, daß sich die engen Pässe der Sierra Morena zwischen ihm und dem Feind befanden. Er hatte mehr Truppen, als er brauchte, wenn auch nicht die Provinz zu unterwerfen, doch um gegen jedes unangenehme Ereigniß gesichert zu seyn.


Dies war die Lage der Sachen gegen den 20. Juli, als der König nach Spanien kam. Allenthalben waren die Insurgenten zerstreuet, entwaffnet, zum Gehorsam gebracht oder im Zaume erhalten. Nirgends hatte sie einen bedeutenden Widerstand geleistet.

Die Arbeiten bey der Belagerung von Saragossa wurden mit Thätigkeit betrieben. Die nöthige Artillerie war von Bayonne und Pampellona angelangt. Den 23. Juli hatten die Insurgenten einen Ausfall auf die Truppen gethan, welche das linke Ufer des Ebro besetzt hielten. Den 30. war ein Corps, wovon das dritte Battaillon der Freywilligen von Arragonien den Kern ausmachte, vorgerückt, um zu versuchen, ob es in die Stadt kommen könne, um sie zu unterstützen. Die Insurgenten aber waren bei allen ihren Versuchen stets mit großem Verluste zurückgeschlagen, geworfen und hart verfolgt worden.

Als man am 4. August mit Anbruch des Tages sah, daß die Bresche zum Stürmen groß genug sey, wurde Befehl zum Sturme gegeben. Das Thor San in Gracio und jenes der Carmeliter wurden weggenommen. Nach hartnäckigen Gefechten, die mehrere Tage lang dauerten, hatte man vierzehn Klöster, die befestigt worden waren, drei Viertheile der Stadt, das Zeughaus und alle Magazine erobert. Die rechtlichen Einwohner, denen die Fortschritte der Franzosen Muth machten, steckten die weiße Fahne auf, oder kamen als Parlementaire, um Vorschläge zur Unterwerfung zu thun, allein sie wurden von den Insurgenten ermordet, an deren Spitze man Mönche sah, die Hauptleute, Obristen worden waren. eine große Anzahl dieser Elenden hat den Tod gefunden, und das unglückliche Saragossa ist durch das Untergraben, die Bomben und die Feuersbrünste fast ganz zerstört worden *).

*) Bei dieser Gelegenheit haben 12 Mitglieder den Orden der Ehrenlegion erhalten, und drei sind befördert worden. Der General Lefebvre des Nouettes ist Divisionsgeneral, und der Obrist Lacoste General geworden.


Unterdessen hatte die ganze spanische Linienarmee in Gallicien und Andalusien Antheil an der Insurrektion genommen. Die Linientruppen, die sich zu Madrid, San Sebastian, Barcelona und anderwärts befunden hatten, waren desertirt und hatten sich mit den Insurgenten vereinigt. Die Franzosen waren als Freunde nach Spanien gekommen, und handelten in Uebereinstimmung mit den Ministern, Räthen, und den vornehmsten Bürgern; sie hatten die spanischen Truppen nicht entwaffnen wollen, und hatten nur zu lange gezaudert, eine feindliche Handlung vorzunehmen. Die Erfahrung hat bewiesen, welche traurige Folgen diese Großmuth gehabt hat.

Man erhielt bald Nachricht, daß ein Corps von 35,000 Mann mit vierzig bespannten Canonen zu Benavente versammelt wäre, daß es englische Commissäre und Officiere bei sich hätte, und daß alle spanischen Gefangene, die sich in England befunden, freygegeben worden wären. Die englische Regierung hatte sie nach Spanien geschickt. Man erkannte sie an der rothen Uniform, die sie zu London erhalten hatten.

Diese Armee nahm die Richtung, als ob sie sich nach Burgos begeben wolle. Der Marschall Bessieres [xxx] marschirte ihr mit den Infanteriedivisionen Mouton und Merle [xx], und der Cavalleriedivision des General Lasalle [xx] entgegen, welche Truppen zusammen 12,000 Mann ausmachten.

Den 14. stieß er mit Tagesanbruch auf den Feind, der sich auf den Anhöhen von Medina del Riosecco sehr weit ausgedehnt hatte. Sobald man seine Stellung recognoscirt hatte, entschloß sich der Marschall, ihn mit seinem linken Flügel anzugreifen; der General Darmagnac begann mit seiner Brigade den Angriff. In dem nämlichen Augenblicke war das Gefecht allgemein. Die Division des General Mouton bemächtigte sich mit dem Bajonet der Stadt Medina del Riosecco. Die Generale Lasalle, Ducos und Sabatier ermunterten ihre Corps unter dem Ausruf: Es lebe der Kaiser! Alle Stellungen wurden genommen. Man drang mit dem Bajonet in den Feind ein, und warf ihn. Die ganze Artillerie, die sich auf 40 Canonen belief, wurde erobert, und die ganze spanische Insurgenten-Armee völlig zerstreut. Man machte 6000 Gefangene. Mehr als 10000 sind auf dem Schlachtfelde geblieben. Das Gepäck und die Munition sind uns in die Hände gefallen. eine große Anzahl von den höhern Officieren ist getödtet worden. Das 10. und 22. Jägerregiment, so wie überhaupt alle Truppen haben sich mit Ruhm bedeckt. Der Obriste Pieton vom 22. Jägerregiment, ein Officier von dem größten Verdienste ist getödtet worden. Der General Darmagnac ist leicht verwundet worden, so wie auch der Major, der das 13. provisorische Regiment befehligte. Der commandirende Adjutant Guilleminot, Chef des Stabes des Marschalls Bessieres, hat viele Talente und Thätigkeit bewiesen. Der Marschall hatte blos 300 Getödtete oder Verwundete.

Der Feind floh in seiner Zerstreuung bis nach Benavente, wo er sich bloß einen Augenblick aufhielt, und von wo er sich nach Labenara, Astorca und Leon begab. Zu Villa-Pardo ließ er 5000 Pfund Pulver und 100000 Patronen für die Infanterie. Der englische Obrist, der sich bei der Armee als Commissair befand, hatte sich vor der Schlacht nach Lugo zurückgezogen.

Der Marschall Bessieres [xxx] verfolgte den Feind, und langte den 19ten zu Benavente an, wo er 10000 Flinten, 26000 Pfund Pulver und 200000 Patronen fand, welche die Insurgenten auf ihrer schnellen Flucht liegen gelassen hatten. Von den Einwohnern Zamoras erhielt er einen Unterwerfungsbrief, und den Tag darauf, den 20sten, rückte er in diese Stadt ein, von wo aus er seinen Marsch nach Majorga nahm, wo er die Nachricht erhielt, daß der General Cuesta, der bloß mit 500 Reutern nach Leon gekommen war, den Flüchtlingen den Befehl ertheilt hatte, sich daselbst zu versammeln.

Als er zu Majorga anlangte, wurde ihm eine Deputation von Leon vorgestellt; der General Cuesta hatte die Stadt verlassen, und daselbst 12000 neue Flinten, viele Pistolen, Säbel, Munition und 5 Canonen stehen lassen.

Den 26. rückte der Marschall Bessieres [xxx] in Leon ein. Der Bischof war ihm zwey Meilen weit entgegen gekommen, und die Obrigkeit empfing die Armee außerhalb der Thore; sie erklärte die Unterwürfigkeit der Einwohner, und flehte den Sieger für die Stadt und Provinz um Gnade und Schutz an.

Dieser wichtige Sieg hatte die Folge, daß sich die Provinzen Leon, Palencia, Valladolid, Zamora und Salamanca unterwarfen und entwaffnet wurden, und die Communication mit Portugal gesichert war. *).

*) Von dem Corps des Marschall Bessieres haben bei dieser Gelegenheit 108 Militärs niedere und höhere Orden der Ehrenlegion erhalten.


Alle diese Siege nebst der Ankunft des Königs zu Madrid ließen auf einen glücklichen und schnellen Ausgang der Angelegenheiten in Spanien schließen, als General Dupont nach einer Reihe von Ereignissen, die wir nicht beschreiben können, weil sie der Gegenstand von Untersuchungen, Berichten und Verhören seyn müssen, den dreifachen Fehler beging, daß er sich seine Communication mit Madrid abschneiden, und, was noch schlimmer ist, sich von zwei Dritttheilen seines Corps trennen ließ, die sechs Stunden von seiner Communicationslinie standen, und sich endlich den 19. Juli mit dem übrigen Dritttheile seiner Macht in einer nachtheiligen Stellung nach einem forcirten Nachtmarsche schlug, ohne daß es Zeit zum Ausruhen gehabt hatte.

Man findet wenig Beispiele eines solchen Betragens, das so gegen alle Grundsätze der Kriegskunst ist. Dieser General, der seine Armee nicht zu leiten gewußt, hat hierauf bei den Unterhandlungen noch weniger Entschlossenheit und Geschicklichkeit bewiesen. Wie Sabinus Titurius ließ er sich durch einen Schwindelgeist ins Verderben stürzen und sich durch die List und das Ansinnen eines zweiten Ambiorix hintergehen; die römischen Soldaten aber waren glücklicher als die Unsrigen, sie starben sämmtlich mit den Waffen in der Hand.

Diese unerwartete Nachricht, die noch bedeutender durch die Kühnheit wurde, die sie den Insurgenten einflössen mußte, die Berichte, die man erhielt, daß zahlreiche englische Landungen die Küsten von Gallicien bedrohten, und die drückende Hitze der Jahreszeit, welche die schnellen Bewegungen hemmte, die die Umstände erforderten, bestimmten den König seine Truppen zusammenzuziehen und sie in einem weniger heißen Lande aufzustellen, als die Ebenen von Neucastilien sind, und das zugleich eine angenehmere Luft und gesunderes Wasser gewährte.

Den 1. August verließ der König Madrid und die ganze Armee bezog Ausruhequartiere. Den 20. August waren die Insurgenten noch nicht in Madrid eingerückt, sie schienen ein Raub der Unordnung und der Uneinigkeit zu seyn. Den 20. befand sich der König zu Burgos und die Streifparteien, die man 15 bis 20 Stunden weit geschickt hatte, trafen in keiner Richtung einen Feind an.

Alle vernünftige Männer sehen mit Schmerz, wie es England gelungen ist, unter den Spaniern eine Bürgerkrieg zu entflammen, dessen Ausgang nicht zweifelhaft seyn kann. Aber was vermag die Aufklärung und die Vernunft der obern Classe bei einem unwissenden Volke, das eine Beute jeder Verführung des Fanatismus, populärer Täuschungen und fremder Bestechung ist!


Der General Duhesme [xxx] kehrte nach Barcelona zurück, um sein Corps zu vereinigen und diese wichtige Stadt im Zaume zu halten, dessen Forts er sämmtlich besetzt hält. Da es den englischen Schiffen gelungen war, zu Bilbao einige Agenten ans Land zu setzen, so war das Volk dieser Stadt so unsinnig, sich ebenfalls in Insurrektionszustand zu versetzen, an welchem die Kaufleute und die rechtlichen Männer keinen Antheil genommen hatten. Der General Merlin marschirte mit 2 Escadrons und 2 Regimentern Infanterie gegen diesen Ort; zwei Klöster nahm er mit Sturm ein, entwaffnete die Insurgenten, und stellte die Provinzialregierung wieder her. Der Verlust der Insurgenten belief sich auf 500 Mann. Wir hatten 3 Todte und 12 Verwundete. Dies ist eine genaue Erzählung der Ereignisse des Feldzuges in Spanien. Es hat kein Gefecht, keinen Scharmützel gegeben, worin sich nicht die Tapferkeit unserer Truppen vortheilhaft ausgezeichnet hätte. Hätte der General Dupont seine Truppen beisammen behalten, so würde er ohne Mühe die Insurgenten geschlagen haben, weil ihre Armee bloß aus 3 Divisionen bestand, die kaum 20000 Mann betrugen.

Die Versammlungen der Insurgenten verdienen kaum in diesem Kriege für etwas gerechnet zu werden. Sie vertheidigen sich hinter einer Mauer, einem Hause, halten sich aber nie im offnen Felde; eine Escadron oder Bataillon ist hinlänglich mehrere Tausende zu zerstreuen. Die Hauptarmee der Insurgenten war die, welche der Marschall Bessieres zu Medina del Riosecco vernichtete.

Alles, was die englischen Zeitungen über die Vorfälle in Spanien bekannt gemacht haben, ist falsch und abgeschmackt. England weiß recht gut, was es in dieser Hinsicht zu halten hat, es weiß auch, was es von allen seinen Anstrengungen zu erwarten hat; sein Zweck ist, Spanien zu beunruhigen, um sich hernach einiger ihm beliebigen Colonien zu bemächtigen.


Quellen.Bearbeiten

  1. Sammlung der Actenstücke über die spanische Thronveränderung. Germanien, 1808.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.