Auma.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Auma, kursächsisches schriftsässiges Städtchen am Flusse gleiches Namens, im neustädtischen Kreise, zwischen Gera und Schlaitz gelegen. 1790 brannte der ganze Ort bis auf 50 Häuser ab. Die Zahl ist aber schon wieder auf 250 gestiegen; doch giebt es noch viele Brandstellen. Die Einwohner verfertigen wollene und baumwollene Zeuge, haben auch guten Feldbau. Der kleine Fluß Auma entspringt in der Nähe des Orts, vereinigt sich bey Weida mit dem Flusse Weida, und beyde fallen in die Elster.



SLUB Dresden.


[In der Gegend von Auma.]

Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1807]

Kriegsdrangsale. [2]

Sachsen. . . . . In gleicher, ja in noch unglücklicherer Lage befindet sich die Stadt Auma von 230 Häusern und 1300 Einwohnern, deren Verlust sich gewiß auf 100,000 Thlr. beläuft. Bey dem Anfange des Kriegsgetümmels standen hier 2 Kompagnien vom Grenadier-Bataillon von Lichtenhayn geraume Zeit auf Vorposten. Nach dem verlornen Treffen bey Schleiz gieng am 9. Okt. der Rückzug der sächs. und preuß. Truppen, etwa 4500 M. an der Zahl, durch Auma, wo sie verpflegt werden mußten, und bey dem heftigsten Hunger und Durst schon fast alle Lebensmittel verzehrten. Bey dem Einrücken der franz. kais. Armee befand sich das große Hauptquartier anderthalb Tage in Auma, Der Kaiser selbst war mit dem größten Theile der Marschälle, vielen Generalen, einer Suite von 600 M. und einer Bedeckung von 2000 Mann berittener Garden da. Wie viele Truppen sich in den ersten Tagen von selbst einquartierten, ist gar nicht zu berechnen. Die Bestürzung und Verwirrung von Seiten der Einwohner überstieg alle Vorstellung, Wenn auch die Plünderung nicht ganz allgemein war, so konnte sie doch nicht verhindert werden, und die meisten Häuser sind fast gänzlich ruinirt, eines ist abgebrannt und außerdem kam täglich drey, vier und fünfmahl Feuer aus.

Der französische Kaiser logirte während seiner anderthalbtägigen Anwesenheit in Auma in dem Hause des Akzisinspektors Hasse, wo er acht Zimmer inne hatte, und bey offenen, jedoch mit starker Wache besetzten Thüren die Befehle zum Marsch nach Jena ertheilte. Wer es weiß, was die Verpflegung nur eines französischen Generals sagen will, der wird sich auch einigermaßen vorstellen können, wie viel ein kleiner Ort, wie Auma, leiden mußte, während der Kaiser mit so vielen Marschällen und Generalen anwesend war. Eine der größten Lasten fiel unstreitig auf den Akzisinspektor Hasse, der nicht allein den hohen Gast zu bedienen, sondern auch das äusserst lästige Billetiramt in Ansehung der starken Einquartierung zu besorgen hatte. Ueberhaupt sind, seitdem die franz. Hauptarmee diese Straße passirte, gegen 200,000 Mann durch Auma gegangen, und davon wenigstens 60,000 Mann in Auma einquartiert worden. Die Soldaten kamen oftmals in so überhäufter Menge zusammen, daß wohl in ein einziges Bürgerhaus eine ganze Kompagnie zu liegen kam. Und diese lastenden Einquartierungen giengen noch ganzer 11 Wochen fort, da schon in den meisten andern Orten alles wieder ruhig war, ja selbst bis jetzt haben sie noch nicht gänzlich aufgehört. Sehr oft trafen die Einquartierungen so stark zusammen, daß fast gar nicht Rath und Hülfe zu schaffen war. So befanden sich eines Tages 1200 Mann franz. Truppen in Auma einquartiert; dazu kamen aber auch noch an preußischen Kriegsgefangenen 2000 Mann gemeine Soldaten und 500 Offiziere, wovon die ersten in die Kirche und in das Rathhaus, die letztern aber in die Bürgerhäuser gelegt wurden, und Abends um 10 Uhr kam noch ein franz. Infanterieregiment von 1700 Mann, welches auch noch untergebracht und verpflegt werden mußte. Zu diesen Lasten gesellte sich der drückendste Vorspann, der in Auma geleistet oder verpflegt werden mußte. Oftmahls kamen 60 und 70 Wagen in einem Tage an, wovon Menschen und Vieh in der Stadt untergebracht werden mußten. Noch im November, Dezember und Januar, wo in andern Orten des neustädter Kreises alles wieder ruhig war, sind in Auma 615 Offiziere, 4929 Soldaten und 3014 Pferde einquartiert und verpflegt worden. Jetzt erhielten nun zwar die Wirthe aus dem Magazin-Depot auf den Mann 2 Pf. Brod, ¾ Pf. Fleisch, und für die Pferde die nöthige Fourage; damit war aber das Verlangen der einquartierten bey weitem noch nicht befriediget, sondern man kann die Verpflegung eines Offiziers sehr wohl auf 3 Thaler, und die eines gemeinen Soldaten auf 12 gl. anschlagen. Man rechne, was dieß für eine Summe für einen Ort beträgt, der bey seinem natürlichen Unvermögen schon so ungeheuer gelitten hat. Gleichwohl ist Auma nicht von der Kontribution verschont geblieben, sondern hat seinen Antheil auch entrichten müssen. Sehr billig und löblich war es aber gewiß, daß auf geschehenes Ansuchen der Schaden dieser Stadt von dem kön. Justizamte Arnshaugk zu Neustadt an der Orla am 26. Okt. untersucht und darüber ein der Wahrheit gemäßes Attestat ausgestellt wurde, dessen Durchlesung jeden gefühlvollen Mensch mit inniger Rührung erfüllen muß.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. National-Zeitung der Deutschen. 11tes Stück, den 12ten März 1807.
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