Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Zu Österreich.[]


1796.[]


Briefe. Frankfurt.

Frankfurt am Mayn, den 12 April 1796. [1]

Wir werden hier alle Tage mit widersprechenden Gerüchten, und Nachrichten von Krieg und Frieden überhäuft, und die Begebenheiten sind zum Theil eben so widersprechend. Da aber nunmehro der Erzherzog Carl, welcher vorgestern hier ankam, und gestern nach Mainz zur Armee abreiste, den Feldzug ohnfehlbar eröfnen wird; so ist wenigstens kein so geschwinder Friede zu hoffen.

Nachdem meinen besten Nachrichten sind die Umstände nicht so widersprechend, wie sie scheinen, und das räthselhafte ist klar. Der Kaiserliche Hof hat den, so lange her beabsichtigten, Besitz von Bayern, gegen eine Art von Umtausch, zur Grundlage des Friedens gemacht, so daß der Friede darauf beruht. Diejenigen, die die Regierung in Paris führen, und der geheime Dirigent Sieyes, sind auch mit dem Wiener Hofe über diesen Hauptpunct, und dessen Einrichtungen in Absicht der zurück zu gebenden Französischen Eroberungen, einverstanden, welches keinen Zweifel leidet. Aber es kommt nun auf conciliatorische Maasregeln mit den andern dabey intereßirten Höfen an, und auf die Conditionen mit London, und Turin, und den teutschen Fürsten. Auch hierinnen ist schon viel geschehen, aber der schwierigen Discußionen giebt es so viele. Inzwischen kann Oesterreich nicht stark genug am Rhein, und in Italien seyn, um der einverstandnen Parthey in Paris Gelegenheit zu verschaffen, der Gegenparthey die Nothwendigkeit des Friedens dringlich zu machen, und sie durch die Umstände zum Schweigen zu bringen.

Die vielen Conferenzen, die der Preußische Gesandte, Marquis von Lucchesini, mit dem Baron von Thugut in Wien gehalten hat, haben gewiß nicht die Polnischen Grenz-Angelegenheiten allein, welche überhaupt nichtmehr von großer Wichtigkeit sind, sondern die allgemeinen Friedens-Sachen betroffen.


Quellen.[]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1796.
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