Badajoz.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Badajoz,[1] Hauptstadt in dem Spanischen Estremadura, am Fluß Guadiana, nebst einem Bißthum unter den Erzbischof zu Compostell gehörig. Die Zahl der Einwohner geht gegen 10,000. Sie ist eine gute Gränzfestung gegen Portugal, und wird durch eine Citadelle, wie auch durch 2. Schanzen, las Pardaleras und St. Christoval beschützt. Es giebt hier viele Pomeranzen- Feigen- Oel- und Citronenbäume. Ueber die Guadiana führt eine steinerne Brücke von 28 Bogen, welche 1596. gebaut wurde. Im Jahr 1801. wurde hier zwischen Spanien und Portugal Friede geschlossen.


Von Reisende.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian August Fischer. [2]


Fünf und dreyßigster Brief.
Badajoz. May 1798.
Badajoz soll ungefähr neuntausend Einwohner haben, und ist für seinen Umfang bey weitem nicht bevölkert genug. Die meisten Straßen sind äußerst eng, die meisten Häuser klein und niedrig; aber die erstern sind gut gepflastert, und die letztern sorgfältig beweißet oder bemahlet.
Badajoz ist, wie bekannt, eine der spanischen Grenzfestungen gegen Portugall, aber die Werke sind äußerst unbedeutend, ganz nach alter Art, und nur mit einigen neuern Zusätzen vermehrt; überdem erstreckt sich das spanischen Gebiet noch eine Stunde weiter bis an einen kleinen Bach, wo die Portugiesen am andern Ufer einen Dragonerposten halten. Da nach dem oben gesagten die lange Brücke über die Guadiana ganz an die Felsen angebaut ist, so gehet der einzige Weg nach Portugall unter den zwey letzten Bogen durch, welche auf dem Ufer stehen.
Die erste portugiesische Festung (vier starke Stunden oder drey kleine Leguas von Badajoz) heißt Elvas. Die beiden Grenzgouverneurs haben die Verabredung getroffen, die beiderley Unterthanen ohne Pässe einzulassen, welche Erlaubniß sich aber nur auf die Festungen, und nicht auf das Reich erstreckte. Indessen werden durch diese nachbarliche Verbindung mehrere Handelszweige, aber am meisten die Contrebande befördert.
Was den erlaubten Handel angelangt, so hat er seit dem Kriege mit England sehr an Lebhaftigkeit gewonnen. Da nämlich der englischen Capereyen und Blokaden halber die Schifffahrt der Spanier gehemmt ist, so machen sie ihre Colonieexpeditionen theils in neutralen, theils in portugiesischen Schiffen von Lissabon aus. Letztere gehören nicht selten englischen Rhedern, die um der ungeheuren Fracht willen, ohne Bedenken die Hände dazu bieten. Sobald nun die Retouren angekommen sind, werden sie von portugiesischen Fuhrleuten bis an die Grenze gebracht, und dann von spanischen nach Cadiz, Sevilla, Madrid u. s. w. durch das ganze Reich verführt. Portugall gewinnt dabei die Ein- und Ausgangszölle, und beschäftiget seine Marine; Spanien hat wenigstens eine Nothhülfe, so theuer es auch dieselbe erkaufen muß.
Einen kleinen, aber immerwährenden, und doch nicht unbeträchtlichen Handelszweig geben die Marktwaaren ab, die, wie Früchte, Gemüse, Käse u. s. w. von den Portugiesen nach Badajoz gebracht werden. Die Gegenden um diese letztere Stadt sind entweder völlig wüst, oder doch nur mit Weizen angebaut; kaum sieht man einige Klostergärten. Aber die Portugiesen haben ihre Grenze weit besser kultivirt, und bringen Orangen, Feigen, Citronen und Kirschen, alle Arten Küchengewächse, Ziegenkäse, Truthähne, Tauben u. s. w. in Überfluß zu Markte. Außerdem wird jeden Monat in Elvas ein Fruchtmarkt gehalten, wohin auch die Einwohner von Badajoz kommen, und ganze Ladungen Orangen einhandeln, um sie dann mit großem Vortheil wieder in Madrid zu verkaufen. Das hundert der größten und schönsten wird auf diesem Markte höchstens um zwölf Realen spanisch verkauft, das etwa zwanzig Groschen sächsisch beträgt.
Die Contrebande betreffend, so erstreckt sie sich theils auf die Ausfuhr-, theils auf die Einfuhrprodukte. Die spanischer Seits nicht ausgeführt werden sollen sind folgende: Piaster, Korn, Öl, Schweine und Esel; aber man weiß durch List und Bestechung alles möglich zu machen. Die Piaster werden zwischen Eisenplatten in Kisten gepackt, und so von Madrid aus durch vertraute "Arrieros" an die Commissaire nach Badajoz gesendet. Diese sind schon längst mit den dortigen Zollbedienten einverstanden, und wissen das Geld bey sichern Gelegenheiten über die Grenze zu bringen. Auf diese Art sind zu Anfange dieses Jahres (1798) mehrere Millionen nach Lissabon, und von da nach England gegangen, und der beyspiellose Mangel an baarem Gelde läßt sich leicht erklären. Korn und Öl, das man in der Nachbarschaft ankauft, wird mit solchen Pässen nach den Gebirgsdörfern gebracht, und dann bey Nacht über die Grenze geführt. Nur in Ansehung der Esel und Schweine ist die Contrebande fast unmöglich, da z. B. kein Maulthier und kein Borrico ohne Caution über die Grenze passiren kann, und die Schweine sich nicht so leicht hinübertreiben lassen. Indessen sagt die Verläumdung, daß die Zollbedienten sich diesen Artikel ausschließend vorbehalten haben.
Noch ergiebiger ist die Contrebande mit der Einfuhr. Sie beschäftigt sich außer einigen andern amerikanischen und ostindischen Artikeln, die in Spanien zu sehr beschwert sind, hauptsächlich mit Tabak, baumwollenen Zeugen, und (seit dem Kriege) mit allen englischen Waaren. Es ist bekannt, daß der König von Spanien das Monopol des Tabaks als ein Regal besitzt, und ein Pfund, das ihm höchstens acht Groschen sächsisch kostet, um zwey Speciesthaler sächsisch verkauft. Der Schleichhändler, der das Pfund englischen- und portugiesischen Tabak um sechs Groschen einkauft, und es um einen oder anderthalb Species vereinzelt, findet daher eben so schnellen als vortheilhaften Absatz. Dasselbe ist der Fall mit den baumwollenen Zeugen, die freylich die Philippinische Compagnie, oder auch die inländischen Zeugmanufakturen nicht zu solchen niedrigen Preisen liefern können, und eben das gilt von den übrigen jetzt verbotenen und daher so gesuchten englischen Waaren.
Die Engländer verkaufen in Lissabon um funfzehn bis zwanzig Procent niedriger als ehemals, wodurch der Contrebandehändler noch mehr gereizt wird. Es ist daher kein Wunder, daß fast ganz Badajoz an diesem Handel Antheil nimmt, und kein Einwohner nach Elvas geht, wo große Waarenmagazine sind, ohne etwas mitzubringen, ja mehrere Kaufleute treiben den Schleichhandel so in das Große, daß sie ganze Kisten an ihre Commissaire nach Madrid senden.
Freylich visitiren die Zollbedienten von Zeit zu Zeit einmal streng, und selbst in den Häusern; aber nicht aus Pflichtgefühl, sondern um ihres eigenen Interesse willen. Sie müssen von Zeit zu Zeit einmal ein Exempel statuiren, um den Schein der Unthätigkeit zu vermeiden, und die Leute in der Furcht, also in der Abhängigkeit zu erhalten. Wer nämlich ein Viertel des Werthes an die Visitatoren zahlt, kann sicher auf ihre Nachsicht rechnen, nur muß er ohne Betrug dabey zu Werke gehen. Vertraute können die Contrebande am hellen Tage hereinbringen, und niemand fraget darnach. Ja. Visitatoren und Zollbediente verkaufen dergleichen Waaren selbst. Es ist daher eine alte Bemerkung, daß die Zollbedienten von Badajoz (und vielleicht von sämmtlichen Zöllen) dem Könige ein Viertel mehr kosten, als der ganze Zoll einträgt. So wenig also die Schleichhändler von den Zollbedienten zu fürchten haben, s gefährlich werden ihnen die leichten königlichen Grenzreuter, wenn die Partien ungleich sind. Man streitet dann auf Tod und Leben, und so wird dieser Handel auch hier die Quelle mehrerer Verbrechen.
Indessen befördert er bey den Einwohnern von Badajoz einen gewissen Wohlstand, besonders in Kleidern und Wäsche, den man sonst nur in Seestädte, und im Innern von Spanien gar nicht findet. eben so erstickt das allgemeine nachbarliche Verkehr den Nationalhaß, den man hier gar nicht bemerkt. Mehrere Portugiesen sind in Badajoz ansäßig, und haben Spanierinnen zu Weibern, und mehrere Mädchen aus Badajoz sind nach Elvas verheirathet; denn wenn die Portugiesen von Elvas die Spanierinnen aus Badajoz vorziehen, so halten sie diese auch ihrerseits für bessere Ehemänner. Häufig kommen Portugiesen nach Badajoz, um bey den Einwohnern als Tagelöhner und Knechte zu dienen; viele nähren sich als Wasserverkäufer. Man hört daher in Badajoz portugiesisch und spanisch sprechen, und beide Theile verstehen sich, ohne ihre Sprache zu tauschen. Überdem nähert sich hier der spanische Accent dem portugiesischen; die harten Gutturalbuchstaben werden hier lispelnd ausgesprochen, und viel portugiesische Redensarten als spanische gebraucht. Indessen unterschieden sich die Portugiesen immer durch ihre plattere Sprache, und ihre kriechende Höflichkeit. -- Auch muß nicht vergessen werden, daß trotz der häufigen Handelsverbindungen, das spanische Geld nur nach dem innern Werth genommen wird, welches bey kleinern Münzen fast zwanzig Procent beträgt.
Eine andere Folge der Nachbarschaft, die aber mit dem Kriege aufhören dürfte, sind die Desertionen von den englischen Regimentern in Lissabon. Es ist bekannt, daß England zu Anfange des Jahres 1796 mehrere Regimenter in Sold nahm, die von englischen Werbern aus Emigrirten und Deutschen, fälschlich Schweizer genannt, zusammengeraft worden waren. Man transportirte sie aus dem Reiche über Triest, Ankona und Civitavecchia nach Korsika; und nach der Räumung dieser Insel über Gibraltar nach Lissabon. Vielleicht würden diese Desertionen unmöglich seyn, wenn die Portugiesen sich nicht selbst unterstützten. Die Bauern zeigen den Deserteurs die Gebirgswege, und die Wachen in Elvas lassen sie ungehindert nach Spanien gehen; ja wenn es Musikanten oder Künstler sind, nimmt man sie selbst in Dienst. Mehrere dergleichen befanden sich in Elvas, als die Engländer einen Befehl diktirt hatten, der ihre Auslieferung verlangte, und man schickte sie sogleich mit Empfehlungen nach Badajoz, wo sie weitere Dienste fanden.
Man darf sich nicht verwundern, wenn diese Deserteurs zu zehn und zwanzig auf einmal kommen. Die Regimenter wurden aus Vagabunden und aus Unglücklichen, Betrogenen zusammengeraft; beide suchen die Freyheit, wiewohl aus verschiedenen Gründen, aber alle vereinigen ihre Klagen über die unmenschliche empörende Behandlung der englische Officiere. Da diese Deserteurs gewöhnlich in sehr traurigen Umständen ankommen, so liegt hier ein Werbekommando von den Guardias Wallones aus Madrid, das die Tauglichen freylich mit leichter Mühe und wenigerm Handgelde, aufs neue der Sklaverey überliefert.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Reise von Amsterdam über Madrid und Cadiz nach Genua in den Jahren 1797 und 1798. Von Christian August Fischer. Nebst einem Anhange über das Reisen in Spanien. Berlin, bey Johann Friedrich Unger. 1799.
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