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Pillau.Bearbeiten


Pillau,[1] eine seit 1772 auf holländische Art regelmäsig angelegte offene Stadt, und wichtiger Hafen mit einer regelmäsigen Festung zwischen dem frischen Haf und der Ostsee, in Ostpreussen, Kreis Schacken. Die Stadt hat 1,970 Einwohner, keine Felder und kein brauchbares Wasser. Die Festung dient zugleich als Gefängnis. Die Meerenge ist nur 12 Schuh tief, größere Schiffe, die nach Königsberg wollen, müssen als hier entladen werden. Die Fischerey ist beträchtlich, vorzüglich der Störfang, doch ehemals mehr als jezt. Man findet hier einen beständigen Zusammenfluß von Seeleuten und Reisenden. In der Garnisonkirche wird lutherischer und reformirter Gottesdienst gehalten.

Die Halbinsel, auf deren Spitze Pillau liegt, nennt man wegen der vortrefflichen Aussicht das Preussische Paradies. Hier ist die Störbude, wo der Kaviar zubereitet wird, und der dichte anmuthige Lustwald sehenswerth.

Der Ort Alt-Pillau, nahe dabey, besteht aus den 2 Dörfern, Alt-Pillau und Wogram. Ersteres hat eine Kirche. bey derselben ist auf einem Berge die Pfundbude, ein hohes Gebäude, das vormals ein Zollhaus war, als die Tiefe hier noch vorübergieng. Jezt dient es den Schiffern zu Zeichen, wornach sie ihre Entfernung vom Hafen beurtheilen.


Pillau (1807).Bearbeiten


Oberst von Herrmann.Bearbeiten


Der wackere Kommandant der Festung Pillau behauptet einen ehrenvollen Platz unter den Preussischen Befehlshabern, welche die ihnen anvertrauten Festungen muthig vertheidigten. Gleich an dem Tage, wo die ersten Franzosen in Königsberg einrückten, (am 23. Jun. 1807) marschirte auch schon eine Abtheilung derselben auf Pillau los, wo der Oberste von Herrmann kommandirte. Dieser muthige Veteran ließ bey Herannäherung der Feinde seine Garnison auf dem Platze der Festung einen Kreis formiren, in der Mitte desselben stand ein Sarg, und zu dem Haupte desselben der würdige 75 jährige Greis. Kameraden, sagte er, lebendig übergebe ich die Festung nicht; hier ist mein Sarg, wer von euch mich überlebt, wird, hoffe ich, die Reste seines Befehlhabers darein senken. Hier vor euer aller Augen erneuere ich den Schwur, den ich beym Anfang meiner militärischen Laufbahn meinem Monarchen und dem Staate leistete; wer ein braver Kerl ist, wiederhole ihn mit mir: Frey leben oder sterben! Begeistert von dem Muth des Kommandanten legte die ganze Besatzung diesen Schwur ab, und Pillau genießt die Ehre, nebst Colberg, Silberberg, Graudenz und Kosel nicht eingenommen worden zu seyn. Die Franzosen eröffneten inzwischen vor Pillau ihre Batterien, und forderten den Kommandanten auf, nicht länger einen hartnäckigen, vergeblichen Widerstand zu thun. Er war unbeweglich. In Königsberg, das 7 Meilen von Pillau entfernt ist, hörte man jeden Schuß auf diese kleine Festung.


Anekdoten.Bearbeiten


Während des kurzen Bombardements der Festung Pillau im Juni 1807. fielen zwei bemerkenswerthe Schüsse.

Der Franzosen hatten Alt-Pillau besetzt, die Kirche ausgeräumt und sie zum Lazareth für die Verwundeten gemacht. Bei dieser Gelegenheit ward auch das Gruftgewölbe der Kirche geöffnet, und die erste Kugel aus der Festung fiel in die Kirche, durch das Dach derselben in das offene Gewölbe und zerschmetterte den Sarg des ersten Commandanten von Pillau, Pierre de la Cove, welcher, mit den Insignien des französischen St. Michael-Ordens geziert, darin begraben lag.

Der zweite merkwürdige Schuß war folgender: eine Kanonenkugel, ebenfalls aus der Festung, fuhr in die Mündung einer französischen Kanone, welche dadurch platzte, und mehrere der Umstehenden tödete oder verwundete.


Pillau (1812).Bearbeiten


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1812]

Ein in dem Moniteur noch ferner enthaltener Bericht des Herrn Bernard, Lieutenant der 17ten Flottillenequipage, und Kommandant der Marine in Pillau, meldet, daß sich die Flottille am 18ten August eines englischen Fahrzeuges mit 3 Kanonen und 10 Mann bemächtigt, und es in den Hafen von Pillau eingebracht habe.


Paris, den 19ten September.

Nach einem Bericht, den der Lieutenant Bernard, von der 17ten Equipage der Flottille und Kommandant bey Pillau, an den Gouverneur dieses Platzes, Kontreadmiral Baste, abgestattet, hat dieser Lieutenant mit 31 Mann, die verkleidet und in 4 Fischerfahrzeugen eingeschifft waren, an der Küste in der Nähe einer feindlichen Fregatte einen Kutter genommen, ohne einen einzigen Mann zu verlieren.


Einnahme der Festung Pillau (1813).Bearbeiten


Pillau.Bearbeiten


Die erste deutsche Festung, welche die Russen ihrem rechtmäßigen Herrn, dem Könige von Preußen, wieder verschaffen, ist Pillau, nicht weit von Königsberg in Preußen, auf einer fruchtbaren Halbinsel der Ostsee, das Preußische Paradies genannt, oder an der frischen Nehrung gelegen. Diese Festung wurde 1626 angelegt, von König Friedrich Wilhelm I. aber verbessert. Es ist ein regelmäßiges Fünfeck, mit Wassergraben und casemattirten Wällen umgeben. Die Bollwerke und Außenwerke sind ansehnlich, aber der Versandung sehr ausgesetzt. Die zur Festung gehörigen Gebäude, als das Zeughaus, die Magazine, die Ammunitionshäuser xc. sind stark und schön gebaut. Sie wird als der Schlüssel von Preußen von der Seeseite angesehen. Dabei liegt die Stadt Pillau, von 129 Häusern, 2100 Einwohnern, um einem Hafen, welcher der eigentliche Hafen von Königsberg ist. Alt Pillau ist ein Dorf mit einem Leuchtthurme, nahe bei der Stadt Pillau.


Blockirung von Pillau.Bearbeiten


Nachdem die Stadt und Festung Pillau bereits seit dem 7ten Januar von den Kaiserlich-Russischen Truppen blockirt gewesen war, erhielt der Russ. Kaiserl. in Königsberg commandirende Generalmajor Graf von Sievers den Befehl, mit allen in Königsberg befindlichen Truppen und Artillerie, denen noch 2000 Mann Infanterie und 2 Batterien Artillerie von der Armee sich anschlossen, gegen Pillau vorzurücken, und die Kaiserl. franz. Garnison aufzufordern, die Stadt und Festung zu räumen, um sie der Disposition Sr. Majestät des Königs von Preußen wieder zu geben, im Weigerungsfalle aber einen ernsthaften Angriff zu unternehmen. Dem zu folge traf der Herr Generalmajor Graf von Sievers mit dem genannten Truppen-Corps, circa 6000 Mann stark, und einer verhältnißmäßigen Anzahl Geschütz, den 6ten Febr. 1813, in dem 2000 Schritt von der Festung belegenen Flecken Alt-Pillau ein. Die Truppen postirten sich theils vor diesem Flecken, theils auf denen rechts und links vor demselben gelegenen Höhen, theils gegen die Verschanzungen der Nehrungs-Spitze in gehöriger Schußweite, und der kommandirende Herr General, um Menschenblut zu schonen und den mit einem Sturm nothwendigen verbundenen Ruin der Stadt und ihrer Einwohner zu vermeiden, erließ sogleich an den Commandanten der Kaiserl. franz. Besatzung untenstehende Aufforderung zur Uebergabe der Festung und des Forts Nehrung. Dieser Versuch hatte die Abschließung der hier mitgetheilten Convention zur glücklichen Folge, nach welcher die Kaiserl. franz. Truppen am 8ten Morgens um 8 Uhr die Stadt und Festung Pillau und das Fort Nehrung, welche seit dem Monat Mai v. J. von ihnen besetzt waren, räumten und selbige ihrem rechtmäßigen Besitzer, Sr. Majestät von Preußen, zur Freude Seiner treuen Unterthanen wieder gegeben wurde.

Die ausmarschirende feindliche Mannschaft bestand aus etwa 1200 Mann; die Anzahl der zurückgelassenen Kranken beläuft sich auf 400. Die in der Stadt und Festung befindlichen Königl. Preuß. Truppen blieben allein zur Besatzung zurück, und die Kaiserl. Russ. Truppen zogen ihrer weiteren hohen Bestimmung entgegen.



Aufforderung.Bearbeiten


Mein Herr General!
Sie werden Sich überzeugen, wie sowohl die Stadt, als Festung Pillau von einer so bedeutenden Uebermacht eingeschlossen ist, daß aller Widerstand von Ihrer Seite nicht nur fruchtlos wäre, sondern auch das in diesem Kriege schon zu viel vergossene Blut vermehren und die Stadt unnütz der Verwüstung Preis geben würde.
Ich fordere Sie, mein Herr General, daher auf, die Festung zu räumen, und sie der Disposition Sr. Majestät des Königs von Preußen zurückzugeben, für die Kais. französischen Truppen aber eine Capitulation anzunehmen, welche so vortheilhaft gestellt werden soll, als es die Lage, in welcher Sie sich befinden, erlaubt.
Empfangen Sie die Versicherung der vollkommensten Hochachtung, mit welcher ich die Ehre habe mich zu zeichnen,
Mein Herr General,
Ihren ganz gehorsamen Diener.
Der Graf von Sievers,
kommandirender General der vor Pillau stehenden Kaiserl. Russischen Truppen.
Hauptquartier Alt-Pillau, den 25sten Januar (6ten Februar) 1813.
Stimmt mit dem Original,
d'Auvray,
Russ. Kaiserl. General-Major und Chef des Generalstabes.


Convention,Bearbeiten


die Räumung der Stadt und Festung Pillau und der Nehrungsspitze von den Kaiserl. französischen Truppen betreffend.


Artikel 1.
Die Stadt und Festung Pillau und das Fort Nehrung wird dem Königl. Preußischen Herrn Kommandanten zur ausschließlichen Besetzung der Königlich-Preußischen Truppen überlassen.
Angenommen.
Artikel 2.
Der Kaiserl. französische General wird mit denen unter seinem Kommando stehenden Truppen mit Gewehr, Waffen und seiner Bagage frei und ungehindert ausmarschiren, und sich entweder nach Danzig, oder dem ersten Kaiserl. französischen Armeeposten begeben.
Die Truppen werden sich nach dem linken Rheinufer begeben, wo sie aller Verbindlichkeit entbunden seyn sollen. Die Kaiserl. Russ. Unterthanen, welche sich etwa unter der Garnison in Pillau befinden sollten, werden dem Kaiserl. Russischen kommandirenden General ausgeliefert.
Artikel 3.
Die Kaiserl. französischen Kranken werden der menschenfreundlichen Sorgfalt des Königl. Preuß. Herrn Kommandanten anvertraut, und sollen nach hrer Genesung sämmtliche, in dieser Convention genannte Vortheile genießen.
Angenommen.
Artikel 4.
Ein mit einem Geleitbriefe versehener Kaiserl. Russischer Officier, wie auch ein Königl. Preußischer Stabs-Officier mit einer Escorte und ein Marsch-Commissarius werden die Colonne zu ihrer Bestimmung geleiten.
Angenommen.
Artikel 5.
Es sollen der Colonne die nöthige Verpflegung, Quartier und Vorspann auf ihrem Marsch verabfolgt werden.
Angenommen.
Artikel 6.
So viel es möglich ist, sollen die Pillau räumenden Truppen auf ihrem Marsch die von Kaiserl. Russischen besetzten Oerter nicht berühren.
Angenommen.
Artikel 7.
Es soll die Bagage oben genannter Truppen keiner Untersuchung unterworfen seyn. Die Polnischen Lanziers und die Herren Officiere behalten ihre Pferde und bekommen die Fourage dafür nach ihrem Range.
Wird jedoch nur unter Bedingung angenommen, wenn der Herr General Castella sein Ehrenwort giebt, daß die gedachte Bagage weder Contribution, Karten, Pläne oder sonst irgend etwas enthält, das aus der Provinz Kurland oder dem Kaiserl. Russ. Reiche entnommen wäre, eben so wenig etwas, das der Königl. Preußische Herr Kommandant reclamiren könnte.
Die Fourage soll verabfolgt werden, die Taschen-Munition aber gesammelt und unter Leitung eines Herrn Officiers, welchen der französische Heer Kommandant dazu ernennen wird, besonders transportirt werden.
Artikel 8.
Jede Zweideutigkeit, welche etwa in obigen Punkten der Convention enthalten seyn könnte, soll zu Gunsten der Kaiserl. französischen Truppen ausgelegt werden.
Angenommen.


Alt-Pillau, den 26sten Jan. (7ten Febr.) 1813.
Graf von Sievers,
Russ. Kaiserl. Gen. Major und commandirender General der vor Pillau stehenden Truppen.
Der General Castella.
Stimmt mit dem Original überein.
d'Auvray,
Russ. Kaiserl. General-Major und Chef des Generalstabes.
In Gemäßheit des 7ten Artikels der Convention, die Räumung der Stadt und Festung Pillau von denen Kaiserl. Französischen Truppen betreffend, erkläre ich auf mein Ehrenwort, daß in der Bagage des räumenden Corps sich keines der in der Antwort des Artikels benannten Gegenstände befindet.
Pillau, den 26. Jan. a. St. (7. Febr.) 1813.
(Unterz.) Castella.


Nachrichten aus Pillau vom 10ten Februar.Bearbeiten

Der 8te Februar dieses Jahres wird uns stets unvergeßlich bleiben. Nachdem unsere Stadt und Festung seit dem 7ten Januar blockirt worden war, schwebten wir seit dem 5ten d. M. in der bangen Erwartung eines allgemeinen Angriffs der Festungswerke durch Sturm, da ein hiezu hinreichendes Belagerungskorps versammelt war. Die Nachricht von der zu Stande gekommenen Convention, nach welcher die französischen Truppen unsere Stadt und Festung ohne Blutvergießen räumten, verbreitete allgemeine Freude. Am 8ten um 10 Uhr Morgens zogen die französischen Truppen mit Ober- und Untergewehr und ihrer Bagage aus, und sogleich rückte des Herrn General-Major, Grafen von Sievers Excellenz, die Generale d'Auvrai, Gorhunzow, Harppe und Jerebzow, begleitet von einer Menge Staabs- und Ober-Offizieren hier ein *). Sr. Excellenz der Herr General-Major von Sievers wurde vor den Thoren der Stadt von der versammelten Menge, an deren Spitze sich der Obrist-Lieutenant von Treskow, mehrere Königliche Preuß. Staabs-Offiziere und der Magistrat befanden, empfangen, wünschten dem Preußischen Herrn Commandanten zur Erhaltung der Stadt und Festung Glück und ein dreimaliges "Es lebe der Kaiser Alexander, Hurrah!" erscholl. Als Seine Excellenz die erste von preußischen Truppen besetzte Wache passirten, wurde dieses Lebehoch mit dem Ausruf: "Es lebe Friedrich Wilhelm der Dritte," erwiederte. Russische und preußische Flaggen weheten auf der Communications-Brücke, den Masten aller hier befindlichen Schiffe und auf dem Leuchtthurme, von welchem ein Chor Hautboisten die einziehenden Truppen mit Paucken- und Trompetenschall begrüßte. Eine Stunde nachher rückte das Russisch-Kaiserl. Tulascho Regiment hier ein. Obgleich durch eine fünfwöchentliche Blockade an allem was Luxus-Artikel heißt, der größte Mangel eingetreten war, so beeiferte sich doch ein jeder, seine Gäste auf das liebevollste aufzunehmen; es waren ja Retter aus der Noth! Während Se. Excellenz und die übrigen Herren Generale zu Abend aßen, wurde ihnen von der Bürgerschaft eine Musik gebracht, und die versammelte Menge rief: "Es lebe General Sievers und d'Auvrai! Es leben die braven Russen und Preußen!" Des Abends war die Stadt und der Leuchtthurm erleuchtet, allenthalben herrschte die größte Ordnung, und das Betragen der Truppen war ausgezeichnet musterhaft. Am 9ten war von der Bürgerschaft ein Ball veranstaltet, zu welchem sämmtliche Generale und russische und preussische Offiziere eingeladen waren. Heute Morgen marschirten die russischen Truppen von hier ab; unsere herzlichsten Wünsche begleiten sie. Lange noch werden wir uns dieser braven Truppen erinnern, und der 8te Februar wird für jenen von uns stets ein Tag der herzlichsten Freude seyn.
*) Dies war das Signal des lautesten Jubels.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  • Oesterreichisch-Kaiserliche privilegirte Wiener-Zeitung. Für das Jahr 1808. Nro. 57.
  • Sammlung von Anekdoten und Charakterzügen auch Relationen von Schlachten und Gefechten aus den merkwürdigen Kriegen in Süd- und Nord-Deutschland in den Jahren 1805 bis 1809. Leipzig, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung. 1810.
  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 233. Freytag, den 27. September/9. Oktober. 1812. ff.
  • Das neue Deutschland. Enthaltend größtentheils freimüthige Berichte zur Geschichte der Bedrückung und der Wiederbefreiung Deutschlands. Berlin 1813 (1814), bei den Gebrüdern Gädicke.
  • Russlands Triumph. Oder das erwachte Europa. Berlin, 1813.
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