Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Barcelona.[]


Barcelona [1] liegt unter 2° 9' 57" östl. Länge und 41° 21' 44" nördlicher Breite, ist in die obere und untere Stadt eingetheilt, und enthält mit Inbegriff der anstoßenden Stadt Barcelonetta (gegründet im J. 1752, regelmäßig gebaut und bewohnt von 10,000 Menschen, hauptsächlich Schiffswerkleuten, Matrosen und Soldaten), 360 Straßen, 10,200 Häuser und 111,500 Einwohner. Das Industriewesen von Barcelona ist sehr wichtig. Man zählt 30 Calico-Pressen, 150 Baumwollen-Manufacturen, viele Seidenwebereien; auch Spitzen, Franzen, Stickereien, Tressen, Bänder, Hüte, Strümpfe, Seife, Stahl- und Kupferarbeiten, insbesondere aber treffliche Flinten, Pistolen und Seitengewehre für die spanische Armee, früher auch für Neapel und die amerikanischen Colonien, werden hier in großer Menge verfertigt. Der Hafen ist zwar sehr geräumig, hat aber eine beschwerliche Einfahrt und ist für Kriegsschiffe nicht tief genug; er wird durch einen großen Damm geschirmt, an dessen Ende ein Leuchtthurm und ein Bollwerk befindlich sind.


Ansicht des einen Theils des Hafens zu Barcelona auf der Spitze Barceloneta.

Die Ausfuhr besteht außer den erwähnten Manufacturartikeln großentheils in Wein und Brantewein, die Einfuhr hingegen in italienischen und französischen Fabrikwaaren, Getraide, caroliner- und mailändischem Reiß, Bauholz aus der Ostsee, gelben Wachs aus der Berberei, schwedischem Eisen, Stahl aus Steiermark, Hanf aus Riga und Petersburg, Leinen, Kupfer und Eisendrath aus Deutschland. Ein wesentlicher Einfuhrartikel ist auch Stockfisch, den die Engländer aus Newfoundland einbringen. Der Gesammtbetrag des Ein- und Ausfuhrhandels wird auf mehr als 10 Millionen Thaler angeschlagen. Es ist hier der Sitz eines Inquisitionsgerichts, eines Bischofs, Suffragans des Erzbischofs von Tarragona, ferner eines General-Capitains und eines hohen Gerichtshofes. Bis zum 12ten Jahrhundert stand Barcelona unter der Herrschaft eigener Grafen, ward aber durch die Vermählung des Grafen Raymund V. mit der Tochter Ramirus II., Königs von Arragonien, mit diesem Reiche vereinigt. Im J. 1640 entzog es sich mit ganz Catalonien der spanischen Herrschaft und unterwarf sich der französischen Regierung; doch 1652 kehrte es zum Gehorsam gegen Spanien zurück, ward 1691 durch eine französische Flotte bombardirt, von einer Armee der nämlichen Macht 1697 eingenommen, im Ryswicker Frieden aber an Spanien zurückgegeben. Im spanischen Erbfolgekriege schlug sich Barcelona auf die Seite des Erzherzogs Carl, ward von Philipps V. Truppen unter dem Herzog von Berwick 1714 belagert, und nach einem tapfern, äußerst beharrlichen Widerstande erobert. Um die Einwohner für die Zukunft im Zaume zu halten, ward die früher erwähnte starke Citadelle an der Ostseite der Stadt ausgeführt. Am 16. Febr. 1808 ward Barcelona durch ein französisches Truppencorps unter dem General Duhesme durch Ueberrumpelung eingenommen, und blieb im Besitz der Franzosen, bis im J. 1814 sämmtliche Truppen dieser Nation aus Catalonien zurückgezogen wurden, um Frankreich gegen die eindringenden alliirten Mächte zu vertheidigen, worauf Barcelona von Spanien wieder in Besitz genommen ward.


Von Reisende.[]

Christian August Fischer. [2]


Drey und vierzigster Brief.

Barcelona. Oktober 1798.

Barcelona liegt in einer Ebene, die auf drey Seiten von Gebirgen eingeschlossen, gegen das Meer zu aber offen ist. Man fühlt zwar die Annäherung der spanischen Grenze, und die Nachbarschaft der Pyrenäen, aber doch hat das Clima die glückliche Temperatur dieser ganzen Breite, wozu die Nähe des Meeres und die eingeschlossene Lage wahrscheinlich beytragen.

Das Innere von Barcelona gleicht einem Labyrinthe. Diese große Stadt von mehr als 100,000 Einwohnern besteht nämlich aus lauter engen, zum Theil dunkeln Straßen, die sich unzähligemal durchkreuzen. Sie werden indessen reinlich gehalten, und ohne Unterschied der Jahrszeiten Abends erleuchtet. Die Häuser sind hoch, massiv, und verschiedentlich bemahlt, allein bey den engen Gassen einander äußerst nahe *). Wenn das eine gewisse Vertraulichkeit der Einwohner, besonders der beiden Geschlechter begünstigt, so ist der Mangel an Luft und Sonne auch eine unvermeidliche Folge davon.

*) Man kann sich zuweilen von den Balkonen über die Straße die Hände geben. Ein Liebhaber pflegt auf diese Art vermittelst eines Brettes, leicht zu seiner Geliebten zu kommen.

Dazu kommen noch die Menge Handthierungen und Arbeiten, die hier alle in offenen Buden getrieben werden, und an die lebhaftesten Straßen von Marseille erinnern. Die Mannichfaltigkeit der Werkstätte; die Mischungen der klopfenden, klingenden, rasselnden Töne u. s. w.; der abwechselnde Anblick der ausgelegten Waaren, und die reizenden Catalanerinnen im Vordergrunde; die lärmende Menschenmasse, die sich durch die engen Straßen drängt: -- alles trägt zur Vollkommenheit dieses Eindruckes bey. Es wird keine Kunst, keine Handthierung geben, die man nicht in Barcelona fände; und mehrere Handwerker, z. B. die Schuster, arbeiten für ganz Spanien *). Barcelona und Valencia sind in Ansehung der Industrie die zwey ersten Städte des Königreiches.

*) Nach Sevilla, Cadiz, Madrid, u. s. w. kommen aus Barcelona ganze Ladungen von Schuhen.

So beschränkt indessen das Local von Barcelona seyn mag, so fehlt es doch nicht an Spaziergängen. Man tritt nämlich aus den engen Gassen plötzlich auf die freye Plaza de la Mar, welche von der Börse in gutem italienischem Geschmacke, dem alten Pallaste des Generalgouverneurs (Capitan General), und dem neuen aber schwerfälligen Zollhause eingefaßt ist. Gerade aus sind die zwey Seethore; rechts steigt man auf den "Muelle de San Luis", links führt der Weg nach dem Passeo nuevo.

Der erste Anblick der Muelle de San Luis hat in der That etwas großes und feyerliches. Die unübersehbare Meeresfläche, der hohe Felsen Montjuich *) mit seinem Castele, der Mastenwald in dem Hafen, und der Leuchtthurm mit den Batterieen; der niedrige Strand mit Tavernen bedeckt, deren kleine Terrassen sich an den Wall schließen, und die schöne Häuserreihe, die denselben zur rechten einfaßt; alles giebt diesem Eindrucke eine Vollendung und eine Lebendigkeit, die man selbst in Cadiz nicht findet **).

*) Die Catalaner schreiben Montjuich, die Castilianer nach der Aussprache Monjui.
**) Man sieht nämlich in Cadiz auf einem Theile der Wälle nur den Ocean, auf dem andern nur die Bay; das Bild ist also in Barcelona größer und vollständiger.

Am schönsten ist es hier des Abends. Die Sonne sinkt hinter den Montjuich, und das Meer wallt in feurigen Abendroth. Große und kleine Fahrzeuge eilen dem Hafen zu, und der Strand wird lebendiger. Mit großem Geschrey ziehen die Fischer ihre Boote auf den Sand, und überall kommen mit der Dämmerung Lichter und Feuer zum Vorschein. Der Mond geht am Rande des Meeres auf, das Rauschen der glänzenden Wellen wird lauter, die Spaziergänger vermehren sich, und aus den erleuchteten Häusern, deren Zimmer man völlig übersiehet, tönet Gesang, Musik und Tanz herüber. Dieses Getümmel und die Ruhe des Meeres, das in stiller Kraft dahin fluthet, versetzet die Seele in eine erhabene muthvolle Stimmung, die man vergebens zu schildern sucht.

Von dem Muelle de San Luis geht der Weg links nach dem Passeo nuevo, was ehedem ein wüster Platz zwischen der Stadt und der Festung war. Um aber die seit dem Kriege weit zahlreichern Armen zu beschäftigen, beschloß der jetzige Generalgouverneur, Don Augustin de Lancaster, die Anlagen zu machen, und wurde durch eine Menge freywilliger Beyträge hinlänglich unterstützt. Es sind bis jetzt fünf Reihen Ulmen und Pappeln gepflanzt, die schnurgerade fast bis zur Puerta de Francia laufen, und noch mit zwey andern vermehrt werden sollen. Der Passeo nuevo ist weit einsamer als der Muelle, aber man hat dafür auch ländlichere Ansichten.

Rechts ab kommt man in die Citadelle, wo man sogleich den hohen dicken Thurm bemerkt, der mitten auf dem vordersten Waffenplatze steht. Er dient jetzt zum Gefängnisse der Generale und Officiere, die wegen der Übergabe von Figueras gerichtet werden sollen. Da die Catalaner bey ihrem Hasse gegen die Franzosen die Übergabe dieser Festung als ein doppeltes Verbrechen ansehen, so suchen sie alles hervor, die Lage der Gefangenen noch härter zu machen. So sind, um ihnen die Aussicht zu entziehen, alle Fenster vernagelt worden, und keinem wird außer den Gebetbüchern auch nur ein Zeitungsblatt erlaubt.

So wahrscheinlich die innere Uneinigkeit der Befehlshaber und der Einfluß ihrer furchtsamen Weiber sie zur Übergabe bestimmt haben mag, so grundlos scheinen die Gerüchte von einer Bestechung oder einem falschen Befehle des Königs zu seyn. Die Entscheidung dieses Prozesses man vielleicht durch den veränderlichen Einfluß der verschiedenen Parteien aufgehalten werden; allein die Gesetze sind zu klar, als daß die Gefangenen ohne einen Machtspruch des Königes mit dem Leben davon kommen dürften.

Plan der Stadt und des Hafens von Barcelona.

Neben dem Muelle de San Luis *) läuft unter eine schmale Seitengasse hin, durch welche man auf den Paseo de la Rambla kommt. Ich kann diesen Spaziergang nicht besser beschreiben, als wenn ich Sie an die Linden von Berlin erinnere. Es ist unstreitig die schönste Straße von Barcelona, die bis zu dem Jesuitenplatze eine halbe Stunde lang in gerader Linie fortläuft. Die Rambla dient besonders zum Winterspaziergange, denn sie ist völlig eingeschlossen und hat viel Sonne. Auch erleichtert sie Abends gewisse Liebschaften, deren eigentliches Rendezvous sie ist.

*) Das Innere desselben dient zu Magazinen, die in dieser Gasse ihren Eingang haben.

Geht man zu dem Seethore hinaus, so findet man rechts den Strand voll Weinhäuser und großer Fahrzeuge, die des gehinderten Handels wegen auf den Trocknen liegen. Weiter hin sind die Zelte und Plätze der Waarenmesser zu sehen, wo sich immer große Haufen Weizen, Bohnen, Stockfisch u. s. w. befinden. Alles ist hier in Thätigkeit, doch wird es am lebhaftesten, wenn Abends die vielen Fischerboote zurückkommen. Eine Menge Arbeiter, besonders Soldaten, drängen sich dann eifrig hinzu, um sie für ein paar Fische mit auf den Strand zu ziehen; tausend Männer und Weiber rufen auf einmal nach dem Fange. Die Knechte spannen unterdessen die Netze auf, die Knaben machen die Feuer an, und der arme Fischer, der außer seinem Boote kein Eigenthum hat, schläft in der nähe des Elements, das ihn ernährt.

Links läuft nun ein niedriger Quai hin, an welchem die Schiffe in Reihen liegen, und wo man die Thätigkeit und die Eigenheiten wieder findet, die jeder beträchtliche Hafen darbietet. Der Quai ist an tausend Schritte lang, und endigt am Fusse des Leuchtthurms, wo ein Wachhaus und einige Magazine zur Quarantaine sind. Man steigt nun auf den eigentlichen Wall oder Muello nuevo hinauf, und hat eine freyere Aussicht auf den Hafen und das Meere. Der Eingang des erstern wird auch hier durch eine Batterie geschützt, die sich mit denen von Muelle de San Luis kreuzet. Aus dem gesagten ergiebt sich übrigens, daß diese beiden Molen nebst dem breiten Strande einen halbgezirkelten Hafen bilden.

Will man nach der Stadt zurückkehren, so wird man rechts eine Reihe grün und rothbemahlter Häuser gewahr, die jenseits des breiten Fahrweges liegen. Dieses ist die vordere Façade von Barceloneta, d. i. Klein Barcelona. Man sollte bey diesem Anblick kaum glauben, daß dieser vor zwanzig Jahren angelegte Flecken 13,000 Seelen enthalte, allein er ist sehr tief gebaut, und nimmt einen ansehnlichen Raum am Strande ein. Man kann ihn als den eigentlichen Hafenflecken von Barcelona betrachten; denn die Schiffer finden hier alle nur möglichen Bedürfnisse; ja bey der leichten Contrebande werden von hier aus verschiedene Waaren weit wohlfeiler verkauft. Dieses ganze Stück Land vor dem Seethore bis an die Spitze des Leuchtthurms ist übrigens eine länglichviereckigte Erdzunge, die von der Küste ausläuft.

Ländlicher sind die Gegenden um die Stadt. Diese kann nämlich von der Puerta de Francia bis zu der de Santa Madrona fast zwey Stunden lang in einem Halbzirkel umgangen werden. Den Raum auf der Seeseite von der Puerta de Santa Madrona bis zu der de Francia nehmen der Muelle de San Luis, die Citadelle und der Passeo nuevo ein.

Jener Spaziergang um die Stadt läuft an dem Glacis weg, und besteht aus vortrefflichen Alleen. Man hat entzückende Aussichten auf die Gebirge, die fast bis an die Gipfel bebaut sind, und sich in eine reizende Ebene verlieren. Mehrere Stellen erinnerten mich lebhaft an die Gegenden von Genf bey Seligny. Winter hin, von dem Zwischenthore del Angel bis zur Puerta de Santa Madrona, findet man nichts als Gemüse- und Blumengärten mit kleinen Gartenhäusern vermischt, die außerordentlich angenehm sind. Endlich naht man sich dem Montjuich, den man schon lange von mehrern Seiten gesehen hatte, und fängt an einen steilen Weg hinan zu steigen, den das Meer bespült.

So wie man höher kommt, findet man eine Menge Lust- und Weinhäuser, die mit künstlichen Gärten umgeben, und auf die Absätze des Felsens gebaut sind. Der Weg ist mit Oleandergebüschen und Aloen bewachsen, und verliert sich endlich unter den Kanonen des Casteles. Der Horizont scheint sich in das Unermeßliche zu erweitern, man sieht Land und Meer, Stadt und Hafen tief unter sich liegen. Ein Künstler würde hier einen vortrefflichen Standpunkt haben, eine Zeichnung von Barcelona aufzunehmen.

Der Montjuich wird besonders des Sonntags besucht. Der schmale Weg am Strande ist alsdann mit unzähligen Obstverkäufern besetzt, und man glaubt mitten auf einem Fruchtmarkt zu stehen; der ganze Felsen scheint mit Menschen bedeckt zu seyn. Hier hat sich ein Haufen an einem niedrigern Abhange gelagert, um zu angeln, dort sitzt ein anderer Kreis um eine große Weinflasche; hier wird der Ball geschlagen, dort nach der Kugel gespielt *). Hier ringen ein paar rüstige junge Fabrikarbeiter, und dort schlüpft ein zärtliches Paar in eine Felsenspalte: -- wohin man blickt, erkennt man Wohlstand und Fröhlichkeit, die glücklichen Folgen der Indüstrie.

*) Das bekannte "Jeu de boule."

Dasselbe bemerkt man an der Tracht der Einwohner; der Überfluß an selbst verfertigten Zeugen ist überall sichtbar. Diese Tracht hat aber etwas characteristisches. Die Weiber tragen bunte Cattunröcke, seidene Mieder, seine gestreifte Leinwandschürzen, geflammte seidene oder wollene Strümpfe, gelbe und grüne Schuhe, lange mit Troddeln besetzte Haarnetze von bunter Seide, und goldene Ohrringe mit falschen Steinen. Die Männer haben Beinkleider und kurze Jäckchen von Manchester oder Satin in allen Farben; große schwarze Haarnetze und rothe wollene Mützen darüber, blaue und rothe Schärpen, ungeheure dreyeckigte Hüthe mit abgestumpften Spitzen; und in den untern Classen nichts als Alpargatas, oder hänfene Schuhe ohne Strümpfe.

Weiber und Männer sind groß und stark. Ihr Körperbau, ihre Züge, alles hat einen derben, festen und kräftigen Character. Die Weiber haben nicht das graziöse, aber wohl die schöne Farbe der Valencianerinnen; sie sind ernsthafter, stolzer, aber nicht weniger haushälterisch. Die Männer haben eine Art schweizerischer Geradheit, und eben so viel Freyheitsliebe. Der kühne edle Geist ihrer Vorfahren erbt noch immer von Vater auf Sohn, wie ihre Gewehre, und der spanische Edelmuth scheint seine Wiege in Catalonien zu haben.

Der Catalaner hat einen tödtlichen Haß gegen die Franzosen; aber Engländer und Deutsche sind seine Lieblinge. Was die Geschichtskundigen vermuthen, das finden die Reisenden dieser Nationen sehr angenehm bestätigt. Eine geheime Vorliebe für die deutsche Linie des alten französischen Hauses scheint sich noch immer unter den Catalanern zu erhalten; aber so sehr die Franzosen auf eine kleine Partey in dieser Provinz gerechnet hatten, so vielen Widerstand würden sie bey der Majorität gefunden haben.

Freylich kann die gegenwärtige Lage der Dinge diese Nation nicht beliebter machen. Der Catalaner betrachtet sie als die Ursache des Krieges mit England, und sogleich seines verfallenden Handels. Seine Exporte häufen sich auf, seine Fabriken und Manufakturen fangen an zu stocken, oder doch wenigstens zu verlieren; seine Importen kommen besonders bey seiner Position gar nicht, oder nur sparsam und zu unerhörten Preisen an, und die freundschaftliche englische Flagge, die seine Häfen sonst so sehr belebte, weht nur noch auf Capern, die seine Küsten beunruhigen und seine Cabotage völlig vernichten.

Indessen scheinen die Engländer catalanisches Eigenthum doch immer noch mit einiger Schonung zu behandeln. Mehrmals sind catalanische Schiffe schon im offenen Meere umsonst, oder für unbedeutende Summen zurückgegeben worden; und manche catalanische Matrose, der auf französischen Schiffen gefangen wurde, kam gutgekleidet und mit Reisegeld in seine Provinz zurück. Doch im allgemeinen können sich die catalanischen Kaufleute nur der fremden neutralen Flaggen, besonders der griechisch-türkischen *) bedienen. Unter letztern bekommen sie statt des nordischen, sehr viel taurischen und syrischen Weizen, und machen sogar Versendungen nach Amerika. Man sagte mir, daß ein solches Schiff für die Hin- und Herreise zwischen Barcelona und Buenos Ayres 80,000 Piaster reinen Gewinn an Fracht gemacht habe. Die Griechen haben daher auch einen eigenen Agenten und Dollmetscher hier, der als ein ganz junger Mensch einige Jahre in Leipzig gelebt hatte, und noch etwas deutsch sprach.

*) Daß die neuen Verhältnisse der Pforte auch hier eine große Veränderung gemacht haben, ist zum Nachtheil des spanischen Handels leider schon jetzt zu bemerken.

Man kann in Barcelona alle Flaggen des mittelländischen Meeres, und alle Schiffsformen sehen, die demselben eigen sind. Dahin gehören denn auch Maltheserschiffe, die diesen Hafen häufig besuchen. Eben hatten zwey derselben, die mit Baumwolle aus dem Archipel gekommen waren, ihre Quarantaine geendigt, als der französische Consul und einige Capercapitains seiner Nation, ein Fest veranstalteten, um Maltha's Vereinigung mit der Republik zu feyern. Das geschah am Eingange des Hafens; Wein, Flaggenbäume und Pulver wurden nicht gespart; allein die Einwohner von Barcelona waren über das Fest nicht weniger, als über die Veranlassung erbittert.

Einige Tage nachher traf durch ein afrikanisches Fahrzeug die Nachricht von der Schlacht bey Abukir ein, und wurde wie ein spanischer Triumph, unter Frohlocken durch die Stadt verbreitet. Die Matrosen des einen Maltheserschiffes fingen sogleich an gegen ihren Capitain zu rebelliren, rissen die französische Flagge herunter, besudelten sie, und hingen sie an das Boogspriet in das Wasser. Die Equipage des andern Schiffes folgte bald nach, und beide riefen: Maltha für England! Der französische Consul klagte zwar bey dem Marinecommissair, ward aber wegen der Unbestimmtheit so vieler Gerüchte frostig zur Geduld verwiesen; eben so wurden den beiden französischen Capern alle Gewaltthätigkeiten untersagt.

Unterdessen hatten sich die Nachrichten von der Niederlage der Franzosen mit jedem Tage vermehrt, und waren zur völligen Gewißheit gekommen. Die Matrosen beider Schiffe fingen an zu entlaufen, und den Capitains blieb kein anderes Mittel übrig, als auf die Rhede zu gehen. Da aber die Mannschaft eine englische Flagge aufsteckte, und trotz des Zurufens nicht streichen wollte, so befahl der Generalgouverneur auf sie zu feuern. Dieß und der Mangel an Provision zwang sie endlich nachzugeben. Es ward ein Vergleich geschlossen, daß bis auf weitere Nachrichten von Maltha's Schicksal die französische und malthesische Flagge zugleich auf den Schiffen wehen sollte. Diese Nachrichten waren für Frankreich günstig; mehrere Matrosen wurden in Fesseln gelegt, und der Consul berichtete den Vorfall seiner Regierung. Welche Wendung diese Sache genommen habe, ist mir nach meiner Abreise nicht bekannt geworden.

Sie werden leicht glauben, daß die Catalaner auch bey dieser Gelegenheit ihren Haß gegen die Franzosen nicht verbargen; denn ihre Antipathie ist unbeschreiblich groß. Aus eben dem Grunde scheinen auch Sitten und Lebensart mehr den italienischen als den französischen zu gleichen. Alles zeigt hier vom Einflusse des mildern östlichen Clima's. Der Teint der Weiber ist noch frischer als in Valencia, die Farbe der Haare wird schon blässer, die Schleyer erinnern an die Form der italienischen. Die Kochkunst, die Meublen, die Einrichtung der Zimmer und ihre Verzierung, die Zubereitung der Speisen, und die größere Menge von Sedien, verrathen dieselben Annäherung.

Barcelona enthält eine Menge wissenschaftlicher und artistischer Anstalten, wovon ich Ihnen die vornehmsten nennen will. -- Real Academia de buenas letras, wurde im Anfange dieses Jahrhunderts gestiftet, und erhielt 1702 das königliche Privilegium. -- Real Academia de Ciencias naturales, y Artes, seit 1765. Sie hat Lehrstellen *) für Algebra und Geometrie, Statik, Hydrostatik und Meteorologie; Electricität, Optik und Pneumatik; Chimie und Naturgeschichte, Botanik und Ackerbau. -- Real Academia de Jurisprudencia teórico practica. -- Real Academia Medicopractica. -- Escuela gratuita **) de Nautica. -- Escuela gratuita de las nobles artes. -- Dazu kommen drey Klosterbibliotheken und die bischöfliche, welche täglich fünf Stunden geöffnet werden. Barcelona hat überdem seine eigene Zeitung, die aber der Madrider an Druck und Papier weit nachsteht; auch ein Diario oder Intelligenzblatt, und ist außer Madrid auch die einzige Stadt, wo ein eigener Adreßkalender oder Guia de Forasteros gedruckt wird.

*) Ich behalte die Ordnung des Lectionskatalogs bey.
**) Freyschule für die Schifffahrtskunst.

Eben so reichlich ist für die körperlichen Bedürfnisse gesorgt. Die hiesigen Lebensmittel sind vortrefflich, und die ausländischen, z. B. Stockfisch, geräuchertes und gesalzenes Fleisch, Käse, Butter u. s. w. werden in Menge herbeygeschaft. Überall sieht man Weingewölbe und Garküchen, Weiber mit kleinen Öfen, die Pfefferkuchen backen, Würste oder Schnecken *) braten u. s. w. Der Wein ist der hohen Abgaben wegen weit theurer als selbst in Madrid, die Kanne kostet an drey Groschen sächsisch. Überdem ist er äußerst zusammenziehend, legt einen Bodensatz an, und wird häufig mit Kalk vermischt, was die Catalaner von den Italienern gelernt haben. Die meisten Weine, die in den nordischen Ländern als französische verkauft werden, sind eigentlich catalanische, und der Gesundheit keinesweges zuträglich.

*) Diese sind hier ein sehr gebräuchliches Gericht. Man bratet sie in einem verschlossenen Tiegel, oder breitet sie auch nur auf der Erde aus, und zündet mehrere Lagen Stroh darüber an. Sie zischen während des Bratens wie siedendes Wasser. Sobald sie gar sind, d. h. sich aus den Schaalen ziehen lassen, werden sie mit Öl und Pfeffer gespeiset. Es bleibt immer eine sehr grausame Zubereitung.

Caffehäuser giebt es in Barcelona in großer Menge, doch werden sie fast alle nur von Italienern (meistens Genuesern) gehalten. Das vornehmste befindet sich in der Nähe des "Palacio" oder der Wohnung des Generalgouverneurs (Capitan General). In und vor demselben kann man täglich von zehn bis ein Uhr sämtliche Schiffer und Schiffsmäckler beysammen finden.

Bey der Vereinigung so viel politischer, merkantilischer und gesellschaftlicher Vortheile, dürfte Barcelona einem Fremden vor allen übrigen spanischen Städten ohne Ausnahme zu empfehlen seyn, wenn nur das ächt-castilianische hier gesprochen würde. Dieses geschieht zwar in den Canzleyen, und auch unter den Vornehmen; allein die allgemein herrschende Sprache ist ein "Patois" das einigermaßen dem Provenzalischen gleicht, und wobey die Aussprache und die Endungen spanischer und französischer Wörter oft sehr komisch vermischt werden. Man hat eine Menge kleiner Nachspiele (Sagnetes) in diesem Dialekte, deren "Vis comica" nicht wenig dadurch vermehrt wird.


Ansicht des neuen Platzes und Eines der alten Thore zu Barcellona.


Von Reisende..[]

Alexander Laborde. [3]

Barcelona liegt in einer Ebene, die nordwärts und nordwestwärts von niedrigen Gebirgen eingeschlossen wird, während sie in Ost, in Nordost und in Südost gegen das Meer geöffnet ist. Nördlich und nordöstlich wird sie vom Bezos, südlich vom Llobregat begränzt. Die Stadt ist mit Festungswerken versehen, die keinesweges unbeträchtlich sind. Dieß gilt besonders von denen auf der Landseite, indem des seichten Wassers wegen von der Seeseite kein Angriff zu besorgen ist. Jene Festungswerke sind noch durch eine Citadelle und das Fort Mont-Jouy gedeckt, doch ist im Grunde nur das Letztere von Wichtigkeit.

Die Citadelle, die sonst sehr gute Werke hat, liegt nämlich viel zu tief, so daß sie weder die Stadt noch die benachbarte Gegend bestreichen kann. Das Fort Mont-Jouy hingegen südwestlich von der Stadt auf einem hohen Berge, der denselben Namen führt, beherrscht Stadt und Hafen, die ganze Gegend, einen großen Theil der Küste und des Meeres, ja zu gleicher Zeit die Citadelle selbst. Dieses Fort ist übrigens groß, schön, geräumig und in allen Theilen mit vieler Einsicht angelegt. Die Kunst hat sich mit der Natur vereinigt, so daß es eigentlich nicht mit Gewalt zu nehmen ist, sondern blos ausgehungert werden muß.

Die gegenwärtige Bevölkerung von Barcelona wird auf 130,000 Seelen geschätzt, worunter aber die oft 9 - 10,000 Mann starke Garnison noch keinesweges mitbegriffen ist. Die Stadt scheint im Ganzen wohl gebaut, weil fast zwey Drittheile derselben aus neuen Häusern bestehn, die in den letzten dreyßig Jahren entstanden sind, indessen erwarte man keine großen Prachtgebäude, keine Palläste nach italiänischer Art, überhaupt keine Meisterstücke der Architektur. Die Häuser sind einfach, meistens 4 - 5 Stock hoch, und wie gewöhnlich mit Balconen versehen; sehr viele zeichnen sich durch artige Fresco-Gemälde aus.

Von öffentlichen Gebäuden verdienen blos folgende einige Aufmerksamkeit: die Domkirche, das Kloster der barmherzigen Brüder, das Franciscaner und Dominikaner-Kloster, das Rathhaus, das Palacio del General, (die Wohnung des Generalcapitains) der alte Pallast der Grafen von Barcelona und der Könige von Aragon, das neue Zollhaus (als Muster des schlechtesten Geschmacks), endlich die Börse (ein majestätisches Ganze) und das Schauspielhaus (das schönste in Spanien). Die Straßen von Barcelona sind in der Regel eng und winklicht, besonders in dem alten oder obern Theile der Stadt, indessen machen mehrere, z. B. la Calle de la Porta Ferißa, la Carrer amplo, la Calle de St. Paul, de San Antonio u. s. w., besonders aber die ganz neue Straße Calle del Conde del aßalto, wohl eine Ausnahme davon.

Das Pflaster ist nicht das beste, die platten viereckichten Steine sind schlecht zusammengefügt, und geben sich daher leicht aus einander, was eine Menge Ungleichheiten verursacht. Da nun in der Altstadt eine Menge Cloack-Schleußen darunter befindlich sind, so kann man denken, was für ein unerträglicher Gestank durch jene Zwischenräume herauszusteigen pflegt. Die Beleuchtung der Straßen scheint übrigens nicht zum Besten eingerichtet zu seyn, weil die Laternen noch an den Häusern befestigt sind. Von großen Plätzen endlich hat Barcelona nur einen einzigen aufzuweisen, es ist die Placa del Palacio. Sonst werden allerdings eine Menge kleiner unregelmäßiger Plazuelas (Plätzchen) gezählt.

Außerhalb Barcelona, zwischen dem Seethore und dem Hafendamme, befindet sich eine neue kleine zu Barcelona gehörige, und darum Barcelonetta (Klein Barcelona) genannte Stadt. Der Raum, den sie einnimmt, war ehedem eine große wüste Sandfläche, wo man nur einige Fischerhütten sah. Allein in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ließ der damalige Generalcapitain, der Marqvis de la Mina, die gegenwärtige Anlage machen, und nahm dabey besonders das Beste der Schifffahrt zum Augenmerk. Das Ganze besteht aus einem vollkommenen Viereck, das, in 24 regelmäßige Straßen, jede von ohngefähr 25 Fuß Breite, abgetheilt ist. Funfzehn von diesen Straßen laufen parallel und gerade aus, die neun übrigen durchschneiden sie dagegen in gleicher Entfernung, was natürlich eine sehr regelmäßige Abtheilung giebt.

Die Häuser, alle von Backsteinen gebaut, haben auch alle dieselbe Höhe, dieselbe Façade, kurz die vollkommenste Gleichförmigkeit. Zwey Plätze, zwey große Casernen, eine ziemlich prächtige Kirche, worin auch das Grabmal des Marqvis de la Mina zu sehen ist, machen die übrigen Merkwürdigkeiten von Barcelonette aus. so sehr übrigens dieses Städtchen auch auf den ersten Anblick gefallen mag, so bald ermüdet doch das Auge durch diese ewige Gleichförmigkeit. Noch wollen wir bemerken, daß der größte Theil der Einwohner Fischer, Matrosen, Lootsen u. s. w. sind, wozu noch eine Menge Schenkwirthe, Crämer u. s. w. kommen, denen die Nähe des Hafens sehr viel Vortheile bringt. Die Casernen sind für einen Theil der Garnison von Barcelona und einige Artillerie-Compagnien bestimmt.

Der Hafen von Barcelona befindet sich am östlichen Ende der Stadt, so daß er im Nothfall auch von der Citadelle bestrichen werden kann. Es ist im Grunde nur ein künstliches Bassin, das durch Dämme gebildet worden ist, und auf einer Seite durch sehr solide Kays, auf der andern durch die Stadtwälle eingeschlossen wird. Gerade deshalb aber ist der Hafen auch der Versandung ausgesetzt, so daß die Tiefe wirklich, trotz allen Reinigungen, mit jedem Jahre abnimmt. Schon müssen große Kauffahrer außerhalb desselben bleiben, und Fregatten können gar nur eine halbe Legua davon vor Anker gehn.

Zu jenem Mangel an gehöriger Tiefe kommt nun noch die Beschwerlichkeit der Einfahrt selbst. Es befindet sich nämlich eine oft sehr hohe Barre daselbst, die durch den Zusammenfluß des Bezos und des Llobregat entsteht. Da sich nämlich jener Fluß hinter der Citadelle, dieser hingegen hinter dem Mont-Jouy ins Meer ergießt, so werden sie dadurch gegen einander getrieben, und setzen eine unglaubliche Menge Sandes ab. Um nun die Einfahrt weniger beschwerlich zu machen, hat es freylich nicht an Projekten gefehlt. Man hat sogar einmal an eine gänzliche Verlegung des Hafens auf die Süd- und West-Seite der Stadt gedacht. Indessen ist man jetzt bey dem Entwurfe des Brigadiers Smith geblieben, der eine Verlängerung der Hafendämme vorschlägt. Hierdurch würde man einen Vorderhafen mit 36 Fuß Tiefe erhalten, und dieß scheint wirklich die beste Idee zu seyn. Trotz allen den genannten Unbequemlichkeiten nämlich fehlt es dem gegenwärtigen Hafen gar nicht an Sicherheit.

Fragen wir nach dem Clima von Barcelona, so hören wir von den Einwohnern selbst, daß es seit einigen Jahren gar viel von seiner vorigen Milde und Schönheit verloren hat. Der Hauptcharakter desselben ist durchdringende Feuchtigkeit, was man den vorherrschenden Ostwinden zuschreiben muß, denen freylich der Zugang in dieses Thal am meisten geöffnet ist.

Diese Feuchtigkeit ist besonders im Winter und Frühling äußerst unangenehm; sie wird es selbst im Sommer, wenn bey Südost- und Südwest-Winde große Hitze dazu kommt, besonders ist jenes nach Sonnenuntergang der Fall. Der einzige wohlthätige Wind für Barcelona ist der Nordwind, der aber nur selten zu wehen pflegt, weil das Thal in Norden von Gebirgen verschollen ist. Zu dieser herrschenden Feuchtigkeit der Atmosphäre gesellen sich nun auch noch häufige Regen, und zwar in allen Jahreszeiten ohne Unterschied, was ehedem auch nicht der Fall gewesen seyn soll. Endlich wird auch über die große Unbeständigkeit der Witterung geklagt, indem man oft an einem Tage, und zwar innerhalb wenig Stunden, die äußersten extreme von Wärme, Kälte u. s. w. beobachten kann.

Gehen wir die einzelnen Jahrszeiten durch, so ergiebt sich, daß die Winter im Allgemeinen ziemlich milde sind, doch ebenfalls weniger als ehemals. Man hat fast meistens 6 - 7 Gr. Wärme (Reaum.), doch sinkt das Thermometer auch zuweilen bis auf 4 - 5 Gr. Kälte herab. In früheren Zeiten schneyte es selten oder nie, jetzt ist dieß immer regelmäßig der Fall, wiewohl der Schnee sehr bald zu schmelzen pflegt. Die Kälte ist aber freylich um so empfindlicher, da sie fast immer mit jener durchdringenden Feuchtigkeit, und in manchen Jahren mit unaufhörlichem Regen verbunden ist.

Der Frühling gilt jetzt für die allerunangenehmste Jahrszeit; Kälte und Wärme, Regen und Stürme wechseln unaufhörlich mit einander ab. Der Sommer ist heiß, die größte Hitze hält aber gewöhnlich nie über 14, Tage bis 3 Wochen an, und wird obendrein durch den Ostwind gemäßigt, der oft die Atmosphäre sehr merklich abkühlt. Der Herbst war ehedem die schönste Jahrszeit, wo man des heitersten Himmels und wahrer halcyonischer Tage genoß; seit einigen Jahren indessen wird ebenfalls über häufige Regen und anhaltende Winde geklagt. Diese große Veränderung des Climas von Barcelona scheint wirklich der Aufmerksamkeit der Physiker nicht unwerth zu seyn.

Wie sehr nun der bescheidene Zustand der Atmosphäre auf die Gesundheit wirken muß, bedarf keiner weitern Erläuterung. Die herrschende Disposition ist scorbutisch, Catharal- und Entzundungs-Fieber sind allgemein, auch kommen im Sommer häufig hitzige Gallenfieber vor. Bey allen dem ist Barcelona gar kein ungesunder Ort, und wirklich nur höchst selten Epidemieen ausgesetzt. Auch ist nunmehr bewiesen, daß der Schlagfuß hier nicht häufiger sey, als in jeder andern Stadt von gleicher Bevölkerung.

Was die öconomischen Verhältnisse von Barcelona anlangt, so ergiebt sich, daß die Lebensmittel zwar gut, aber nichts weniger als wohlfeil sind. Das gemischte Brod z. B. kostet das Pfd. von 28 Loth drey französische Sous, das weiße Brod 4¼ Sous; das Rindfleisch, das Pfd. zu 36 Unzen (oder 72 Loth), 17 Sous; das Kalbfleisch 21½ Sous; der Fisch, das obige Pfund vom Fleischgewicht, 50 - 60 Sous; ein gewöhnliches Huhn 30 Sous, ein gemästetes 50 - 60 Sous; der Wein die Kanne 8 Sous, die Milch eben soviel u. f. w. -- Die besten Wirthshäuser von Barcelona sind die Posada de las quatro Naciones, die Fonda del gran Commercio und die Fonda vieja. Man bezahlt 5 - 6 Livre den Tag, wofür man Wohnung, Mittag- und Abendessen hat. eine Mahlzeit allein wird mit 3 Livres bezahlt.

Zwey andere Wirthshäuser, die Fontana de Oro und der Escudo de Francia, waren ehedem vortreflich, stehen aber seit einiger Zeit gar sehr zurück. Noch giebt es eine Menge kleinerer Wirthshäuser, wo man ziemlich wohlfeil logiren und nach Belieben mehr oder weniger verzehren kann. Dies sind die sogenannten Becos, eine Art Garküchen, wo alles Portionenweis geht. Manche dieser Casas, z. B. die Casa de Antonio, u. s. w. sind ganz und gar nicht schlecht, und werden daher sehr häufig besucht.

Fragen wir nach den gesellschaftlichen Verhältnissen von Barcelona, so bieten sich uns eine Menge interessanter Beobachtungen dar. Eigentliche Tertulias, wie in den übrigen spanischen Städten, findet in Barcelona nur wenig, und auch diese nur unter dem Adel statt. Dafür wird aber das Schauspiel, wo man täglich abwechselnd spanische Lustspiele, und italiänische Opern giebt, desto häufiger besucht. Eben so groß ist die Leidenschaft für den Tanz, wozu es überall, besonders in der Carnevalszeit, Gelegenheit giebt. An Wein- und Caffee-Häusern, an Spaziergängen, an ländlichen Vergnügungsörtern, u. s. w. fehlt es ebenfalls nicht.

Hauptpromenaden in der Stadt sind die Muralla de Mar, die Muralla de Tiorra, die Esplanade, und die Rambla. -- Die Muralla de Mar, oder der Theil des Walles, der längs des Hafens und des Meeres hinläuft, ist eine schöne Terrasse, die in gerader Linie beynahe bis zum Fuße des Mont-Jouy hinführt, und bey einer Breite von ohngefähr 46 franz. Fuß, eine Länge von 380 Toisen hat. Rechts zieht sich eine Reihe schöner, mit artigen Frescogemälden verzierter Gebäude daran hin, links hat man eine große herrliche Aussicht auf den Hafen und das spiegelnde Mittelmeer. Zur Bequemlichkeit der Spaziergänger sind hier und da Bänke angebracht, auch wird für große Reinlichkeit gesorgt. Schade, daß man wegen der darunter weglaufenden Gewölbe u. s. w. auch wohl wegen des beschränkten Raumes, keine Alleen darauf pflanzen kann; es würde sonst eine der schönsten Wallpromenaden von Europa seyn.

Die Muralla de Tiorra, oder der Theil des Walles, der die übrigen drey Viertheile der Stadt zu Lande umschließt, fängt an, wo der erstere aufgehört hat. Er ist sehr hoch, beherrscht auf einer Seite die Stadt, auf der andern die Landschaft, und bietet dort eine große Mannichfaltigkeit von Häusern, Fabrikgebäuden u. s. w., hier die lieblichste Mischung von Feldern, Wiesen, Baumpflanzungen u. s. w. dar.

Steigt man am Ende des Landwalles wieder herunter, so kommt man auf die Esplanade, die dem Seewalle in gerader Linie gegenüber liegt, und hat auf diese Art einen Spaziergang um die ganze Stadt gemacht. Diese Esplanade ist erst seit 1801 mit Alleen bepflanzt, mit Bänken, Springbrunnen u. s. w. versehen worden, und giebt bey trocknem Wetter einen recht angenehmen Spaziergang ab. Steigt man hingegen am Ende des Seewalles herunter, ohne seinen Weg nach dem Landwalle fortzusetzen, so kommt man auf die Rambla, eine Reihe Alleen, die seit 1798. ganz verändert und verschönert worden sind.

Wer Barcelona schon ein wenig kennt, dem schlagen wir, um alle diese Spaziergänge mit einemmale zu besehen, folgenden Weg vor: -- Bey dem Seethore auf den Seewall hinauf; am Ende desselben bey den sogenannten Altarazanas, wo man auch die Casernen und die Stückgießerey besehen kann, auf die Rambla hinab, Hier nach einem Gange von etwa 300 Schritten, links durch ein Seitengäßchen wieder auf den Landwall hinauf; dann auf demselben fort, bis man die Esplanade erreicht, endlich über dieselbe hinweg, und wieder zum Seethore zurück. Man bringt auf diesem ganzen, höchst angenehmen Gange ohngefähr anderthalb Stunden zu. Uebrigens wollen wir noch bemerken, daß man auch den Hafenqvay, und den höher darüber liegenden Hafendamm, außerhalb des Seethores, zu den Spaziergängen in der Stadt rechnen kann.

Was die Spaziergänge außerhalb der Stadt anlangt, so bietet die ganz vortrefliche, äußerst reizende Gegend deren in Ueberfluß dar. Wohin man sich auch wenden mag, überall wird man Schatten und Kühlung, und die üppigste Vegetation in der lieblichsten Mischung finden, besonders wenn man den Ufern des Llobregat folgt. Dazu kommt die große Menge von Landhäusern, im Catalanischen Torres genannt, die der unkundige Reisende von weitem für eine Gruppe von Dörfern ansieht.

Diese Landhäuser nehmen fast die ganze Ebene von den Thoren von Barcelona, bis an den Abhang der Gebirge in Nordwest, und längs des Weges nach dem Bezos und Llobregat ein. Einige davon sind wirklich schön, und die meisten wenigstens artig gebaut, und mit Geschmack verziert, auch mit Wasser im Ueberfluß versehn. Die am Abhang liegenden haben die ausgebreiteste Aussicht auf die herrliche Ebene, auf die Stadt und das unaufhörlich mit Schiffen bedeckte Meer. Nur schade, daß man fast bey allen keine Alleen, keine Parks, überhaupt durchaus keine Baumpflanzungen sieht. es scheint, daß die Eigenthümer mit den Promenaden in der schönen schattigen Gegend zufrieden sind.

Eine der angenehmsten Ortschaften in der Nähe von Barcelona ist das Dorf Saria, ohngefähr fünf Viertel Stunden davon. Es liegt am Abhange eines Hügels, beherrscht die ganze herrliche Ebene, ist wegen seines reichen lieblichen Wesens berühmt, und hat eine Menge niedlicher Häuser, wo es im Sommer nie an städtischen Gästen fehlt. Ueberhaupt lieben die Einwohner von Barcelona das Landleben außerordentlich, und bringen wenigstens einige Tage in der Woche auf ihren Torres, oder in Saria u. s. w. zu. In dem genannten Dorfe befindet sich auch ein Capuciner-Kloster, das wegen seiner schönen Gartenanlage wohl gesehen zu werden verdient.

Einen vorzüglichen Lebensgenuß finden die Einwohner von Barcelona, auch bey den häufigen Kirchenfesten und Prozessionen, die keinesweges mit Stillschweigen zu übergehen sind. Um mit den Kirchenfesten anzufangen, so finden dabey immer sehr schöne Erleuchtungen statt. Dieß ist besonders in der Charwoche der Fall, wo alle Capellen aufs prächtigste decorirt, und in eben so viel besondere Oratorien verwandelt sind. Hier werden dann am grünen Donnerstage eine unzähliche Menge weißer Wachskerzen angezündet, und brennen in einem bis zum Sonnabend fort. In den Pfarrkirchen ist zugleich das ganze Schiff illuminirt, so daß sich eine Art Lichterkranz darum herzieht. Die größte Pracht indessen pflegt in der Hauptkirche zu herrschen, besonders in dem großen Oratorio, das den ganzen hintern Theil einnimmt. Hier ist alles, das Chor, der äußere Umfang des Schiffes u. s. w., mit doppelten Reihen von Wachskerzen erleuchtet, so daß man deren wenigstens 3000 zählen kann.

Ein eben so großer Aufwand findet auch bey den Prozessionen, und namentlich bey den Prozessionen der Charwoche statt. Diese Prozessionen werden am Palmsonntage, am grünen Donnerstage, und am Charfreytage gehalten, gehen jedesmal mit Einbruch der Dämmerung aus, und ziehen drey bis vier Stunden herum. es nehmen Personen von allen Ständen in großer Menge, wiewohl in verschiedener Kleidung, daran Theil. Einige erscheinen schwarz gekleidet, andere, und zwar die meisten in Penitenten-Säcken, die aus einer Art schwarzer Glanzleinwand gemacht, vorn über den Gürtel offen, und mit einer großen weissen Schnur zusammen gebunden sind, von der ein Rosenkranz herunterhängt. Hinter haben sie einen Schweif, der wenigstens fünf Fuß lang ist.

In Ansehung der Kopfbedeckung bemerkt man einen ähnlichen Unterschied. einige Personen gehen in bloßem Kopfe mit zierlich frisirtem, aber hinter herunterhängendem Haar, andere haben eine Art schwarzer Capuze auf, die vorn bis auf die Brust herabgeht, und nur zwey kleine Oeffnungen für die Augen hat, während sie hinter spitzig herunterfällt; noch andere haben eine Art kleinere Capuzen, deren vier und zwanzig Zoll hohe Spitzen gerade empor stehn. Die Adelichen unterscheiden sich durch einen großen Dolch im Gürtel, und durch Livreebedienten, die hinter ihnen gehn.

Sämmtliche Prozessionisten haben übrigens weiße Wachskerzen in der Hand, und größtentheils auch weiße Handschuhe an; sie schreiten paarweis mit großer Gravität, und wegen der langen Sackschweife, in weiten Zwischenräumen daher. Von Zeit zu Zeit, ohngefähr immer zwanzig Schritt von einander, wird man aber auch einzeln gehende gewahr. Diese tragen ebenfalls schwarze Penitenten-Säcke, jedoch mit kurzen Kapuzen, gehen baarfuß, und haben sich mit einer eisernen Kette gegürtet, die hinter ihnen auf dem Pflaster nachschleppt. Einige sind mit ziemlich schweren Kreuzen belastet, andere tragen die verschiedenen Marter-Instrumente des Heilandes in den Händen. Die Anzahl sämmtlicher Penitenten zusammen soll immer 6000 stark seyn. Dazwischen sind nun noch in den gehörigen Entfernungen, ohngefähr dreyßig schön decorirte, mit langen Draperien versehene Brancards vertheilt. Jeder derselben wird von zwölf Männern getragen, die unter der Draperie verborgen sind, und ist oben mit verschiedenen Figuren (Vorstellungen aus der Lebens- und Passions-Geschichte des Heilandes) besetzt.

Diese Figuren sind von Holz oder Pappe, zwar nicht zum besten gearbeitet, aber immer sehr richtig costumirt. Die Brancards selbst sind mit der grösten Pracht decorirt; besonders nehmen sich die schwarz sammtnen Draperien mit den vielen Franzen, Goldstickereyen, u. s. w. vortreflich aus. Den Beschluß des Ganzen macht endlich eine Kompagnie Soldaten in altem römischen Costum. Sie werden von einem Centurio angeführt, der einen Purpurmantel mit dem Buchstaben S. P. Q. R. (sen. pop. que rom.) trägt. Man braucht wohl über zwey Stunden, um diese ganze Prozession vorüber ziehen zu sehn. Der Wachsaufwand blos nur bey diesen drey Prozessionen, ist übrigens außerordentlich groß. Man schlägt ihn ohngefähr zu 30,000 Kerzen an, wovon jede 5, 6 Pfund zu wiegen pflegt.

Noch müssen wir der Frohnleichnams-Prozession erwähnen, die immer sehr lang, sehr gut geordnet, und wirklich imponirend ist. Während der Octave des Festes werden noch eine Menge kleinerer angestellt, wozu der reichere Theil der Einwohner seine Bedienten abschickt. Auch hier sind die Straßenaltäre mit großer Pracht, und oft sehr sinnreich decorirt. Der Catalonier gefällt sich in diesem frommen Zeitvertreibe so außerordentlich, daß er mit Vergnügen eine Menge Geld dazu hergiebt. Ueberhaupt machen die kirchlichen Ceremonien, und alles, was damit in Verbindung steht, einen Theil seines Lebensgenusses aus, besonders wenn recht tüchtig dabey gelärmt werden kann. Dies ist nun ganz vorzüglich am Oster-Heiligen-Abend der Fall.

In dem Augenblicke nämlich, wo die Glocken zum "Gloria in excelsis" (der Auferstehung) läuten, beginnt auf allen Straßen, in allen Gewölben, in allen Häusern das furchtbarste Charivari, das man sich denken kann; wobey es überdem nicht an Schüssen, Schwärmern u. s. w. fehlt. Ein ähnlicher Spektakel hat an der Aschermittwoche statt. Mehrere Haufen von 30 - 40 Jungen zusammen durchziehen die Stadt, und singen einen alten catalanischen Gassenhauer ab. -- Wir suchen die häßlichste alte Frau -- heißt es ohngefähr darin -- und sägen sie in der Mitte entzwey. Dabey sind einige mit Holzscheiten und Reisbündeln, andere mit Sägen, noch andere mit Körben versehn. Von Zeit zu Zeit hält nun der Trupp, besonders vor den Kramläden, still. -- Wir haben die Alte! Wir haben die Alte! -- schreit alles aus vollem Halse, und einige fangen nun jubelnd zu sägen an. Indessen werden sie bald, entweder mit einer Kleinigkeit an Geld, oder mit Eßwaaren aller Art, oder auch wohl mit einer tüchtigen Ladung -- Wasser weiter geschickt.

Jener große Hang nach Vergnügungen, der die Catalonier so auffallend charakterisirt, ist eine natürliche Folge der allgemeinen Wohlhabenheit. Diese selbst wird ihrer Seits wieder durch die mannichfaltigen zum Theil sehr beträchtlichen Manufakturen und den ansehnlichen Handel der Provinz hervorgebracht. Unter den Hauptmanufakturen von Catalonien stehen die Cattun- und Seidenfabriken oben an. Von jenen werden 214, von diesen 524 Stühle für Zeuge, und 2700 Stühle für Bänder und Borten gezählt. Die Cattune sind im allgemeinen nur von den gröbern Sorten, wiewohl es auch mitunter sehr feine giebt. Die Zeichnungen sind seit einiger Zeit verbessert worden, die Farben sind aber noch immer sehr selten ächt. An Seidenzeugen werden Tafte, Satins, Sammt, geköperte Zeuge, Gold und Silber-Stoffe, u. s. w. gemacht.

Die Stühle sind indessen nicht fabrikmäßig vereinigt, sondern bey den einzelnen Wirkern verstreut; was vielleicht der Genauigkeit und Gleichheit, in Ansehung der verschiedenen Sorten sehr hinderlich ist. Ueberdem sind fast alle diese Zeuge gewöhnlich sehr los gewebt, und haben selten einen recht schönen Glanz. Sie werden zu gleicher Zeit aus einer so schlecht gesponnenen und gezwirnten Seide fabrizirt, daß das Ganze natürlich darunter leiden muß. Dies fällt am meisten bey den seidenen Strümpfen auf. Die Maschen derselben sind häufig ungleich, dick und flockicht, man sieht sogleich, daß es von der schlecht präparirten Seide herkommt. Dabey kosten diese Strümpfe dennoch gerade soviel als die französischen, auf denen bereits der Eingangszoll liegt, und können natürlich von weit kürzerer Dauer seyn.

Auf die Cattun- und Seiden-Fabriken folgen, in Ansehung der Beträchtlichkeit, sogleich die Fabriken von baumwollenen Zeugen aller Art. Diese Zeugen sind eben so gut als wohlfeil, besonders seitdem die Spinnmaschinen eingeführt worden sind (1790). Man rechnet an 4000 Stühle, und an 100 Maschinen jener Art; es werden dabey an 10,7000 Individuen beschäftigt, und für 10,620,250 Livr. Tourn. Zeuge, Schnupftücher, Nankins, Musseline, u. s. w. fabrizirt. Eben so ansehnlich sind aber auch die Fabriken von Zwirn, Spitzen, Blonden, Netzen und leinem Band; wozu noch eine kleine Quantität von goldenen und silbernen Franzen, Tressen, Crepinen, u. s. w. kommt.

Die Stickerey in Gold und Silber geht auch ziemlich gut, es giebt beynahe keine Straße, wo nicht wenigstens ein solcher Sticker zu finden ist. Noch verdienen endlich mehrere Wollmanufakturen für gute ordinäre Decken, mehrere Hutfabriken, und zwey Tapeten-Fabriken Aufmerksamkeit. In den letztern werden die schönsten französischen Muster mit vielem Glücke nachgeahmt. Höchst wichtig ist zu gleicher Zeit die ansehnliche Schuhfabrikation von ohngefähr 700,000 Paaren jährlich; auch scheint die neue Florfabrik, so wie die neue Glasfabrik von weißen Spiegelgläsern, bereits recht zu gedeihn.

Was den Handel von Barcelona anlangt, so muß er natürlich äußerst beträchtlich seyn, da dieser Hafen der Mittelpunkt des ganzen catalanischen Commerzes ist. In Barcelona bilden die vornehmsten einheimischen Kaufleute, und eine Menge ausländischer Häuser, den ansehnlichsten Handelsstand der Provinz; von Barcelona gehen alle Geschäfte nach den andern catalanischen Häfen, und alle größeren Speculationen nach den übrigen Welttheilen aus; in Barcelona endlich fließt ein großer Theil der ungeheuren Summen zusammen, die das spanische Amerika jährlich in das Mutterland schickt. Die Anzahl der jährlich einlaufenden Schiffe wird auf tausend, die der auslaufenden beynahe eben so groß geschätzt. Außer den Landesprodukten werden an Landesfabricaten so beträchtliche Quantitäten verschifft, daß die Bilanz immer zum Vortheil der Provinz gewesen ist. Im Allgemeinen schlägt man den Betrag des ganzen Aktiv- und Passiv-Handels von Barcelona zusammen, auf mehr als 40 Millionen Livr. Tourn. an. Uebrigens bedarf es keiner weitern Erinnerung, daß auch in Barcelona, so wie in allen größern spanischen Häfen, ein eigenes Handelstribunal und mehrere fremde Consulate befindlich sind.

Fragen wir nach den öffentlichen Anstalten von Barcelona in literarischer, artistischer und philanthropischer Hinsicht, so bieten sich folgende Bemerkungen dar. Um bey den literarischen anzufangen, finden wir zuerst als Ueberreste der ehemaligen Universität, eine theologisch-philosophische Specialschule, wo die Professoren lauter geistliche sind, ferner eine chirurgische Schule, deren anatomisches Theater sehenswerth ist; endlich eine mathematische Schule, die vorzüglich für junge Offiziere u. dgl. bestimmt zu seyn scheint.

Oeffentliche Bibliotheken giebt es zwey, die eine bey der genannten chirurgischen Schule, und fast ausschließend nur für dieses Fach; die andere bey den Dominicanern (de Sta. Catharina), die außer einer Menge theologischer und juristischer Werke besonders sehr reich im historischen Fache, und hauptsächlich in der catalanischen Geschichte ist. Neue Werke findet man wenig, aber unter den ältern sehr viel kostbare darin. Eine schätzbare Naturalien-Sammlung ist die der Erben von Jayme Salvador. Dies war ein gelehrter Apotheker, der auch mit dem berühmten Tournefort in Verbindung stand, und auch von diesem ein schönes Herbarium erhielt, das noch jetzt in der Sammlung zu sehen ist. Die Sammlung scheint besonders an spanischen Marmorarten, u. s. w. ingleichen an süd-amerikanischen Produkten sehr reich zu seyn.

Noch findet man in Barcelona vier gelehrte Gesellschaften, die ohne besondere Revenüen, blos durch den Eifer und die Beyträge ihrer Mitglieder bestehn. Es ist eine juristische, medicinische, physicalische und historische Societät. Die erste zählt die berühmtesten Advocaten und Geschichtemänner der Stadt in ihrer Mitte; die zweyte hat seit 1790 sehr viel gewirkt, und steht mit der medicinischen Societät zu Paris in permanenter Correspondenz; die dritte besitzt eine sehr schöne Instrumenten-Sammlung und eine sehr zahlreiche und auserlesene Bibliothek, die sie ihrem Mitgliede und eigentlichem Stifter, dem Marquis de Llupia, verdankt. Die vierte beschäftigt sich im allgemeinen mit der Geschichte von Spanien, und insbesondere von Catalonien; sie hat schon eine Menge interessanter Materialien zusammengebracht. Der gelehrte Antiquar und Kirchenhistoriker Don Jayme Caresmar, der im Jahre 1791. verstarb, war ein Mitglied dieser Gesellschaft.

Von öffentlichen artistischen Anstalten ist nur die freye Zeichenschule zu bemerken, die in der Lonja oder Börse befindlich ist, und schon eine Menge recht brauchbarer Zöglinge gebildet hat. Bey dieser Gelegenheit ist auch die freye Lootsenschule zu erwähnen, die man in demselben Locale besehen kann. Beyde Anstalten verdankt die Stadt der hiesigen Kaufmannschaft. -- Von wichtigen Gemälde-Sammlungen u. s. w. sind uns in Barcelona keine bekannt. Was endlich die öffentlichen philanthropischen Anstalten betrift, so findet man zu Barcelona sechs Hospitäler, ein Armenhaus und ein Arbeitshaus.

Unter den Hospitälern ist eines blos für Geistliche, ein anderes für Pilgrimme, ein drittes für Waisenkinder, und ein viertes für unheilbar Kranke bestimmt. Das ansehnlichste ist das große allgemeine Stadthospital, wo man kranke von beyden Geschlechtern, und auch Findlinge aufnimmt. es hat ein eigenes Reconvalescenz-Gebäude, das nichts zu wünschen übrig läßt. Im Jahre 1790 wurde eine gewisse Anzahl Krankenwärterinnen, unter dem Namen Schwestern vom heiligen Lazarus, dabey angestellt. Sie waren fast sämmtlich aus der Provinz, und hatten, des nöthigen Unterrichts wegen, ein halbes Jahr in Paris zugebracht. Indessen solle die Erwartung nicht befriedigt worden seyn.

In dem Armenhaus finden nur eine gewisse Anzahl Pfründner ihre Unterkunft, in dem Arbeitshause hingegen nimmt man alle Arme, Männer, Weiber und Kinder ohne Unterschied, auf. Die Männer hecheln und krämpeln Flachs, Wolle, Baumwolle, u. s. w. und weben allerhand Zeuge daruas. Die Weiber und Kinder spinnen und stricken, klöppeln Spitzen, u. dgl, oder verrichten eine andere leichtere Arbeit. Von 1400 Armen, die gewöhnlich in diesem Arbeitshause leben, sind meistens nur 400 theils Alters theils Krankheits halber, von der Arbeit dispensirt. Unter den Kranken wurden 1805 an dreyhundert Wahnsinnige gezählt. Doch genug von Barcelona! Wir fügen nur noch einige Bemerkungen über die Einwohner selbst hinzu.

Hier bietet sich sogleich der allgemeine catalanische Charakter, jedoch etwas gemilderter und verfeinerter, dar; was sich leicht durch den Handel und durch den Umgang mit so vielen Fremden erklären läßt. Der Reichthum ist hier weniger auffallend, als anderswo, weil fast allgemeiner Wohlstand herrscht, und weil der Catalonier, und namentlich der Einwohner dieser Stadt, keinen unnützen Aufwand liebt. Jener Wohlstand nimmt indessen bey Seekriegen (mit Frankreich) im Steigen ist. Dort liegt nämlich der Handel darnieder, hier aber werden durch die Armeen große Summen in Umlauf gebracht. Dies hat man besonders seit dem letzten Kriege (1794) bemerkt; vorzüglich hat sich der vorher wenig begüterte Adel dabey erholt. Der Werth der Grundstücke ist um das Dreyfache gestiegen, und eine Menge neu entstandener Fabriken u. s. w. datiren sich erst von diesem Jahre her. -- In Ansehung der Kleidung bemerken wir noch, daß die Handwerker die Frisuren, die Adelichen die Stickereyen, und die Damen die französischen Moden lieben, daß man endlich -- eine Folge der vielen Manufakturen -- in keiner andern spanischen Stadt soviel wohlgekleidete Menschen sieht.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. *Reise von Amsterdam über Madrid und Cadiz nach Genua in den Jahren 1797 und 1798. Von Christian August Fischer. Nebst einem Anhange über das Reisen in Spanien. Berlin, bey Johann Friedrich Unger. 1799.
  3. *Neuestes Gemälde von Spanien im Jahr 1808. Nach Alexander Laborde, von Christian August Fischer. Leipzig, 1809, bey Heinrich Gräff.
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