Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Belagerung des Forts von Bard.

Während sich die Avantgarde Aosta und Chatillon's bemächtigte, stieg der Erste Consul von dem St. Bernhard herab, indem er sich im Schnee aufraffte, über die scheuslichsten Abgründe ging und über Ströme dahinglitt.

Da der Obergeneral Berthier vernahm, daß das Fort von Bard Mime mache, sich lange zu vertheidigen, so ließ er in der Nacht vom 17ten auf den 18ten die Artillerie dahin abführen, folgte selbst nach und bemächtigte sich bald der Anhöhen von Albard, welche das Fort beherrschen. Er befahl dem General Lannes, die Stadt zu nehmen; sogleich ließen die Sapeurs und Grenadiers die Fallbrücken nieder -- und die Stadt war unser. Drei Grenadier-Compagnien legten sich hinein, und das Fort wurde so blocquirt, das es vom Musketen-Feuer erreicht werden konnte.

Der Feind hatte dies Fort als eine unüberwindliche Schutzwehr (Barriere) betrachtet; es ist der Schlüssel zu Piemont, liegt gerade da, wo die beiden Berge, welche das Thal von Aosta bilden, sich so nahe zusammenziehen, daß nur eine Lücke von 25 Toisen zwischen ihnen bleibt. -- Fünfhundert Menschen arbeiteten mit voller Thätigkeit, um einen Weg über den Albarts-Berg zu machen; da, wo der Abhang zu steil gewesen wäre, hatte man Leitern angebracht und da, wo der Fußsteig immer schmaler wurde und zu beiden Seiten die tiefsten Abgründe zeigte, waren Mauern gezogen, um vor dem Herabfallen zu sichern; wo endlich zwischen zwei Felsen eine Schlacht war, wurden Brücken geworfen, um sie zu vereinigen; und so hat die französische Kavallerie den Uebergang über einen Berg bewerkstelligt, der seit Jahrhunderten selbst der Infanterie unzugänglich war.

Wir waren zwar Meister der Stadt, allein der Weg, welcher unter dem Fort hinführt, war einem beständigen Musketen- und Artillerie-Feuer ausgesetzt, wodurch die Vereinigung unterbrochen wurde. -- Die Avantgarde war schon im Angesicht des Feindes, hatte aber keine Kanonen bei sich; eine von den vielen Ungemächlichkeiten, welche mit dem schwierigen Berg-Uebergange verbunden waren. Ein Theil unsrer Braven wurde nun commandirt, die Artilleriestücke bei Nacht durch die Stadt unter das Feuer des Forts zu ziehen. Diese Befehl wurde mit Enthusiasmus vollführt, und war vom glücklichsten Erfolg. Alle Stücke wurden nach und nach an den gehörigen Ort gebracht, und obgleich der Kugel- Grenaden- und Steinregen nie aufhörte, so haben wir doch nur wenig Verwundete gehabt. Der General Marmont, welcher die Artillerie commandirte, hat sich bei dieser wichtigen und schweren Ausführung ganz vorzüglich hervorgethan.

Der Brigadechef Düfour bekam darauf den Befehl, das Thor des Forts zu recognosciren und die Barrieren desselben zu zerstören, während ein Piquet von 100 Mann den Feind von den mit Schießscharten versehenen Mauern treiben sollte, weil von hier aus der Hauptweg beunruhigt wurde. -- Der Angriff gelang vollkommen; die Grenadiers von der 58sten Halbbrigade haben die größte Tapferkeit bewiesen; viere von ihnen wurden getödtet und fünfe verwundet.

Ein außerordentlicher Zug von Anstrengung verdiente hier Erwähnung. Während man unaufhörlich arbeitete, dem hohen Albart einen Weg abzugewinnen, nahmen 2 Soldaten 2 Vierpfünder auf die Schultern, quälten sich damit 30 Stunden durch die scheußlichsten Felsen und gelangten dann zu dem Ziel, sie auf eine Anhöhe zu pflanzen, von wo sie das Fort beherrschten und dadurch nicht wenig zu der Uebergabe beitrugen.

Quellen und Literatur

  • Bonaparte's zweiter Feldzug in Italien im Frühjahr 1800. Nach dem Tagebuch eines Officiers vom Generalstabe der Reserve-Armee zusammen getragen von dem Bürger Foudras. Nebst einer Nachricht über den General Desaix und einer Orginal-Ode auf Bonaparte. Herbstmesse 1800.
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