Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Blicke auf Cadix und dessen Umgebungen.[]

[1]
(Nebst einem Plan.) *)

Plan der Belagerung von Cadiz.

Diese Inselstadt, die als Goldbrücke nach Mexico und Peru, und als ein wichtiger Stapelort und Marktplatz für die Erzeugnisse beyder Welten schon von jeher die bedeutendste für Spanien war, ist theils durch ihre vortheilhafte geographische Lage, theils durch die Beschaffenheit ihrer Umgebungen, besonders aber durch die aus ihrer Localität entspringenden Vortheile für die im Kampfe begriffenen Parteyen nun so bedeutend geworden, daß eine kurze Beschreibung der Umgebungen von Cadix gewiß willkommen, beynahe unentbehrlich ist, um die Ereignisse des Tages nicht, wie es größtentheils geschieht, aus einem falschen Gesichtspunkte zu beurtheilen.

*) Hierzu gehört auch der im siebenten Heft bereits mitgetheilte Plan der Belagerung von Cadix.

Die Insel Leon liegt an der südwestlichen Küste des Königreichs Andalusien, und wird durch einen Kanal gebildet, welcher drey und eine halbe Meile lang, bey hoher See 24 Fuß tief ist, und Schiffe jeder Gattung trägt. Dieser Insel war in der Mitte des 17. Jahrhunderts noch ganz entvölkert; kaum einige Hütten fand man darauf. Aber seit diesem Zeitraume hat sie sich mit einer Schnelligkeit, die kaum begreiflich ist, erhoben; und nun enthält sie eine für ihren kleinen Raum äußerst beträchtliche Menschenmenge, und ist mit Häusern und Etablissements aller Art fast überdeckt. Die Hauptstraße, welche durch die Insel führt, ist zwey Meilen lang und mit allerley kleinen und großen Gebäuden links und rechts besetzt. Man zählt über 40,000 Einwohner *) alles ist belebt, die Bewegung und die Geschäftigkeit ist immer und überall sichtbar. Auf der N. N. östlichen Seite der Insel liegt die neuerbaute noch nicht vollendete Stadt San Carlos mit ihren ausgedehnten Gebäuden, den geräumigen Kasernen für die Land und Seetruppen, Spitälern, Etablissements der Marine, der Schulen und der Übungen für die Matrosen, auch geräumigen Wohnungen für Offiziere und den größten Theil der Beamten. Von hier aus gelangt man auf einem 2 Meilen langen Wege, welcher nordwestwärts zwischen herrlichen Gärten, zahllosen schönen Gebäuden und Kaffeehäusern durchzieht, nach Cadix.

*) Diese Notizen sind aus dem Itineraire descriptif de l'Espagne des Herrn de Laborde -- Paris 1809 genommen, und es darf also kaum bemerkt werden, daß Herr Laborde die Einwohner von Cadix nicht mitgerechnet, sondern bloß die Volkszahl der Insel Leon angegeben; und daß dieselbe gegenwärtig durch die große Zahl spanischer Flüchtlinge sich beynahe verdoppelt habe.

Diese Stadt hat eine mittelmäßige Ausdehnung, sie liegt auf einer schmalen Erdzunge, die sich eine deutsche Meile weit ins Meer erstreckt, und bildet beynahe ein Viereck. Sie ist ein Handels- und Waffenplatz, durch Festungswerke jeder Art, durch gute Wälle, regelmäßige Bastionen und mehrere neue weit vorgerückte Werke wohl gesichert. Von der Meeresseite, wo besonders gegen Süden der Strand sehr steil ist, kann man der Stadt nicht nahe kommen, sie gar nicht belagern, und auf der Nordseite wird die Annäherung durch fortziehende Sandbänke, theils durch Klippen verwehrt, die unter dem Wasser bald verborgen sind, bald wieder aus demselben hervorragen. Die Bevölkerung der Stadt wird auf 70,000 Menschen angegeben, die bey einem so kleinen Raume sehr enge zusammen wohnen. Die Straßen sind nicht breit, auch nicht gerade, aber gut gepflastert, sehr rein gehalten, und während der Nacht wohl beleuchtet. Die Häuser sind einfach, aber fest und niedlich gebaut, die Plätze, besonders jener des San Antonio sehr schön und prächtig. Vier Thore öffnen sich auf der Seite des Meeres; eines auf der Land- oder Inselseite. Mehrere Hospitäler, öffentliche und Privatgebäude, Magazine, eine Promenade auf den Wällen um die ganze Stadt herum, und eine andere, mit drey Reihen von Alleen versehen, Alameda genannt, sind eben so schön, als geräumig und bequem; aber alles, was Cadix umgibt, was von seiner Höhe zu überschauen ist, liegt auf einige Meilen im Umkreise völlig kahl und öde. Die Bay von Cadix hat eine sehr große Ausdehnung, sie hält 12 Meilen im Umfange, ist nördlich und westlich vom Meere, an den übrigen Seiten von Berghöhen eingeschlossen. Sie wird vertheidigt durch das Fort San Sebastian oder Puntales -- durch das Fort Louis (jetzt Napoleon) und Matagorda, -- beyde in den Händen der Franzosen. -- Die Umgebungen dieser Bay sind äußerst schön; sie sind mit abwechselnden Anlagen, Magazinen, Landhäusern, öffentlichen Gebäuden fast übersäet. Auf einer Seite erblickt man la Caracca, wo das Marine-Arsenal und die Insel Leon, wo die neue Stadt San Carlos sich erhebt. Auf der andern zeigt sich der Hafen von Puerto real; weiter nördlich die mit ansehnlichen Gebäuden, Festungswerken, und einem guten Hafen versehene Stadt Puerto di Santa Maria, nordwestlich auf einem erhabenen Vorgebirge das Städtchen Rota, und auf der östlichen Landseite, gegen drey Viertelstunden vom St. Pedrofluß entlegen, das schöne Dorf Chiclana, das auf einer sanften Höhe eine große Anzahl prächtiger Gärten und Landhäuser, den reichen Bewohnern von Cadix gehörig, in sich faßt. –

Auch diese Meer- und Küstengegend, von kurzem noch der Tummelplatz geschäftiger Industrie, hat nun der Krieg erreicht; wo früher die Flaggen aller handeltreibenden Nazionen wehten, flattert von Schiffen, Thürmen und Forts herab -- die Kriegesfahne. –

In der 2ten Hälfte des Monats Februar 1810 war der französische Marschall Victor, Herzog von Belluno, nachdem er die südlichen Gebirge von Andalusien erstiegen, und über Medina Sidonia und Ronda jeden Widerstand der kleinen daselbst vorhandenen Insurgentenkorps entkräftet hatte, plötzlich im Angesichte von Cadix, zu Puerto die Santa Maria (Stadt und Hafen in der äußern großen Bay) eingetroffen.

Die Insel Leon wurde ohne Erfolg zur Übergabe aufgefordert. Bey dem Anscheine eines hartnäckigen langen Widerstandes wurde die Aufwendung großer Kräfte erforderlich; vor allem aber war die Nothwendigkeit vorhanden, sich selbst in eine Verfassung zu setzen, daß nicht nur eine Landung von der Inselseite oder ein Angriff der Küstenlinie verhindert, sondern daß auch von den Gebirgen von Ronda her jeder tollkühne Anfall der daselbst sich sammeln mögenden Insurgenten vereitelt, und auf solche Weise Front und Rücken gesichert werde. Deßhalb wurde vom Vorgebirge von Rota bis an die Mündung des San Pedroflusses die Befestigung der ganzen, mehrere ein- und ausgehende Winkel bildenden, Cadix und die Insel Leon beynahe bogenförmig umgebenden Küstenstrecke bey Tag und Nacht, und mit einem solchen Eifer unternommen, daß binnen kurzer Zeit, und ungeachtet eines vom 7. bis 10. März dauernden Orkans, wodurch ein Theil der Arbeit wieder zerstört wurde, nicht nur eine fortlaufende Kette der furchtbarsten Strandbatterien gebildet, sondern Puerto di Santa Maria in der äußern, und Puerto real in der innern Bay mit weitläufigen, neuern, den Hafen und die Landseite gleich beschützenden Werke versehen wurden.

Nicht genug, daß auf solche Weise die Aufstellung der Belagerer gesichert jeder Anfall von der Insel her verwehrt, die Insel selbst auf allen Punkten vom festen Lande abgeschnitten, bey einer so großen, auf ein so kleines Eyland eingeschlossenen Menschenmenge *), der Bezug der Lebensmittel vom Lande her gehemmt, und unter solchen Umständen der Fall der Insel, früh oder spät, auch ohne besondere Kraftanstrengung zu gewärtigen schien, so wurde dennoch, um dem Zufall und der Zeit nicht alles anheim zu stellen, das Dorf Chiclana in eine Festung und Hauptwaffenplatz der Belagerer umgestaltet, und auch auf andern der Insel am nächsten liegenden Punkten starke Forts erbaut, mit festen Außenwerken umgeben, und daraus auf die gegenüberliegenden nicht weniger furchtbaren Verschanzungen der Engländer und Spanier ein fortwährendes Feuer unterhalten.

*) Um diese Zeit war die Bevölkerung der Insel Leon von 40,000 -- bis nahe an 80,000 -- und die Volksmenge von Kadix von 60 -- 70,000 -- bis auf 130 000 -- 140,000 Seelen mit Einschluß der spanischen, portugiesischen und englischen Truppen angewachsen. Da die Insel Leon keine Lebensbedürfnisse, höchstens nur einige Pflanzen erzeugt, Mangel an Trinkwasser leidet, und dieses, wie auch alle Lebensmittel von den umliegenden Landstrecken bezogen wurde; so ist bey einer so großen, vom Festen Lande angeschnittenen Menschenzahl der zeitweise Mangel, wie auch die Theurung alles Lebensmittel und sonstiger Bedürfnisse natürlich.

Allein, alle diese Vorkehrungen, noch immer nicht geeignet, mehr Schaden zuzufügen, als man selbst vom Gegner zu erleiden hatte, waren nicht vermögend dem beabsichteten Zwecke näher zu führen, so lange der Feind auf der Seite des festen Landes, am Rande der von Puerto real eine halbe deutsche Meile vorspringenden und dadurch zwey abgesonderte große Bayen bildenden Erdenge das starke Fort Matagorda inne habend, für die gegenüber liegende Festung eine sichere Vormauer bilden, zugleich auch die Aufstellung seiner Schiffe und Fahrzeuge in der innern, oder Bay von Puntales, sichern konnte: sie schienen erst durch den Besitz des Forts von Matagorda ihrer Vollendung näher zu rücken. Es wurden also auf der von den Franzosen gleich beym ersten Erscheinen besetzten und am 16. März aus der Insel Leon von 900 Spaniern und 300 Engländern unter dem Schutze der Strandbatterien und einiger zwanzig Barken angefallenen, aber standhaft behaupteten Insel Trocadero neue Batterien erbaut, bedeckte Wege, Redouten, und an der untersten Spitze der Insel ein Fort angelegt, das nicht nur den Eingang in die innere Bay verhindern, die gegenüber liegende Küste bestreichen, und den Kanal des Trocadero völlig sperren, sondern in Verbindung mit den zahlreichen, auf der vorspringenden Küste (El Coto) erbauten Batterien das nachbarliche Fort Matagorda am 21. April förmlich beschießen konnte. –

Am 22ten um 4 Uhr Morgens waren die Batterien der Spitze von Matagorda schon demaskirt, und da das Feuer aus 40 Kanonen und Mörsern nun auch auf die feindlichen Schiffe gerichtet wurde, welche zur Deckung von Matagorda, zwischen diesem Fort und jenem von Puntales, am Eingange in die innere Bay sich gestellt, und die Arbeiten der Belagerer sehr erschwert hatten, so wurden sie mit brennenden Kugeln häufig und mit so gutem Erfolge beworfen, daß bald ein Linienschiff in Brand gerieth, und bey der Unmöglichkeit, ferner die See zu halten, mit mehreren stark beschädigten Bombarden, Penischen und Kanonierböten sich entfernen mußte. Das Augenmerk der Belagerer konnte nun auf Matagorda allein gerichtet werden, und wirklich wurden die bereits sehr beschädigten Werke nun so anhaltend und von allen Seiten zugleich so heftig beschossen, daß eine der großen Bomben das Pulvermagazin erreichte, und eine so furchtbare Wirkung hervorbrachte, daß durch die Explosion die meisten Werke zerstört, ein großer Theil der Besatzung getödtet, und durch diesen unglücklichen Zufall der Überrest gezwungen wurde, sich einzuschiffen, und die Ruinen des Forts den Franzosen zu überlassen.

Nun im Besitze von Matagorda und des auf dem Trocadero befindlichen Forts Napoleon den gegenüber liegenden Küsten, besonders der Stadt Cadix selbst um vieles näher gerückt; Herr eines großen Theils der äußern, Meister eines der wichtigsten Kanäle in der innern Bay; dadurch im Stande, die in den verschiedenen Buchten stationirten englisch-spanischen Schiffe und Kriegsfahrzeuge auf ihren Ankerplätzen festzuhalten, sie beym ersten Hervorbrechen in den Grund zu bohren; doch nicht zufrieden sich nur allein auf entferntes Bombenwerfen beschränken zu müssen, vielmehr bemüht, den schon zur Vollendung gediehenen Vorkehrungen auf dem festen Lande größeren Nachdruck zu verschaffen, und den Vortheilen, die den Feind durch eine disponible, auf mehreren Punkten zu verwendende Flotille ziehen könnte, gleichmäßig zu begegnen, unternahm das Belagerungskorps den Bau einer eigenen Flotille, und verwendete während dem Zeitraume, den ein Unternehmen solcher Art nothwendig erheischte, seine ganze Thätigkeit ohne Unterlaß auf die Erweiterung der schon bestehenden, auf die Errichtung neuer unermeßlicher Werke, auf die Anlegung großer Magazine, auf den Bau und die Einrichtung geräumiger Kasernen, und fand -- obgleich mehrfältige Ausfälle und Landungsversuche der Blokirten einige mehr und minder ernsthafte Gefecht bald im Kanal des Trocadero und bey Carraca, bald, und besonders nachdrückliche am Brückenkopfe von Puente Suazo, auf einige Stunden oder Tage die Arbeit unterbrachen, -- immer noch Zeit genug, durch den Bau schöner Baracken und Anlegung artiger Gärtchen und Alleen sowohl für Bequemlichkeit als für Vergnügungen zu sorgen.

Endlich gegen das Ende des Monats Oktober war der Bau verschiedenartiger Kriegsfahrzeuge schon so weit vorgerückt, daß die Zusammenstellung aller zu San Lucar de Bareneda, Puerto di Santa Maria, Puerto real, und im Kanal bey Chiclana erbauten Fahrzeuge eine beträchtliche Flotille bilden, und diese sich mit der feindlichen wohl schon versuchen konnte. Allein da es augenscheinlich war, daß die auf verschiedenen Punkten vertheilten Fahrzeuge bey einzelnen, blos theilweisen Gefechten gegen die aller Orten aufgestellten englischen Kriegsschiffe nothwendig erliegen, daß sie nur vereinigt sich dem Feind entgegenstellen, also -- um nicht durch die größeren feindlichen Kriegsschiffe erdrückt, sondern mit Vortheil gegen die gleichmäßige feindliche Flotille selbst mit Nutzen gebraucht zu werden -- sich zu Puerto real, dem sichersten und vortheilhaftesten Operationspunkte versammeln mußten; so wurde, ungeachtet man das Gefährliche des Unternehmens sich nicht verbergen konnte, dasselbe gewagt und auch glücklich ausgeführt. In der Nacht vom 31. Oktober nämlich bis zum 1. November verließen 14 Kanonierschaluppen und 17 Penischen den Hafen von San Lucar de Berrameda, und hatten, da der Wind ihnen gleich contrair entgegen blies, einige Mühe, sich zwischen dem Regel-Inselchen durchzuarbeiten. Jedoch der angestrengte Bemühung einer Abtheilung der kaiserlichen Matrosengarde gelang es längs der Küste hinzusteuren, und das Vorgebirge von Rota ohne Unfall zu erreichen, und obgleich beym Anbruch des Tages die lauernden englischen Fahrzeuge sich von allen Seiten herbey machten, so kamen sie dennoch unter dem Schutze der Batterien, die von Rota bis zum Fort Santa Catalina, und von da bis Puerto di Santa Maria ein fortlaufendes Feuer auf die feindlichen Schiffen machten, unbeschädigt zu der in diesem Hafen schon gerüsteten und bemannten Abtheilung.

War die erste Gefahr zwar glücklich überstanden, so blieb nun noch eine andere zu besiegen übrig, die zu weit mehreren Betrachtungen Anlaß gab, und die, wurde sie nicht gänzlich abgewendet, dem beabsichteten Zwecke wenig näher brachte. Die zu Puerto di Santa Maria versammelte Flotille, mußte mit jener zu Puerto real vereinigt werden. Da sie aber, um in den Kanal des Trocadero, und von da nach Puerto real zu gelangen, an der Spitze der Erdenge von Matagorda vorbey, und unter dem Feuer der feindlichen Batterien durch die Meerenge zwischen diesem Fort und dem Fort von Puntales, wie auch durch die an diesem Eingange auf ihr Erscheinen schon gierig harrenden englischen Kriegsschiffe durchpassiren, also, ohne noch für ernste Gegenwehr gefaßt und gerüstet zu seyn, bey der feindlichen Übermacht Gefahr laufen mußte, stark beschädigt oder zerstreut und genommen zu werden, so wurden, um auch die Möglichkeit der Gefahren vorzubeugen, alle zu Puerto di Santa Maria versammelten Fahrzeugen, alle zu Puerto di Santa Maria versammelten Fahrzeuge in der ersten Hälfte des Dezembers nahe und längs der Küste (El Coto) bis eine Stunde südöstlich von Puerto real, wo die Erdenge die kleinste Breite (500 Toisen) hat, reihenweise fortgerudert, ans Land gezogen, theilweise zerlegt, vermittelst ungeheurer Walzen und Vorrichtungen auf einer eigends verfertigten Fahrstraße fortgewälzt, und auf der andern Seite, im Kanal des Trocadero wieder aufgestellt. Ein Unternehmen, welches ungeachtet eines unermeßlichen Aufwands an Kräften bey der angestrengten Thätigkeit der Truppen gegen den 14. Dezember bereits vollendet war. –

Haben nach dieser glücklich zu Stande gebrachten Maßregel -- wo bey gleichen Berührungspunkten auch mehr gleichmäßige Wege, sich zu begegnen, und gleichere Mittel geschaffen wurden, sich zu schaden -- die wiederholt und mit wechselndem Erfolge gelieferten Gefechte noch immer kein entscheidendes Resultat gegeben, so müssen wir, bey der Unbekanntschaft mit der Beschaffenheit der Dinge und der Ursachen, uns selbst damit berichtigen, daß das Blokadekorps einen ernsthaften Angriff noch nicht unternommen, sondern bis jetzt sich immer noch auf die Erweiterung der ohnehin schon furchtbaren Werke, dann auf die Beschießung der Stadt mit Bomben und glühenden Kugeln *) beschränkt; die Belagerten aber erst im März 1. J. ein Unternehmen versucht haben, welches die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und worüber das öffentliche französische Amtsblatt Nachstehendes bekannt gemacht hat. –

*) Eine Batterie, die auf der äußersten Spitze des Trocadero, noch vor dem Fort Napoleon errichtet wurde, schleudert den Angaben französischer Blätter zu Folge Bomben von 80 Pf. Schwere auf 2600 Toisen in alle Theile der Stadt aus Mörsern, die, wie man versichern will, zwey Zündlöcher haben, und dadurch -- ? -- eine so große Wirkung hervorbringen sollen. –

"Am 4. März haben bey Cadix wichtige Ereignisse statt gefunden. Eine Division von 6000 Engländern und 7 - 8000 Spaniern landete gegen das Ende des Februars bey Algeziras. Diese Kolonne, welche auf solche Art 14000 Mann stark war, hatte zur Absicht den Herzog von Belluno im Rücken zu nehmen, und die Aufhebung der Belagerung von Cadix zu bewirken. Dieser Plan ist gänzlich mißlungen. Der Herzog von Belluno hat den Feind geschlagen, und ihn, nachdem er ihm 3 Fahnen, 4 Kanonen und 760 Gefangene abgenommen, auf die Insel Leon zurückgeworfen. Der 3te Theil der Engländer ist theils getödtet, theils verwundet worden. -- Am 10ten hat die Belagerung wieder mit neuer Lebhaftigkeit begonnen." -- --


Cadix von den Franzosen berennt.[]

[2]
Der 4. Februar 1810.

Albuquerque, einer der einsichtsvollsten spanischen Generäle der jüngsten Zeit, von der Junta beordert, in Eilmärschen mit seiner Division zur Rettung Sevilla's zu eilen, wählte, als er auf dem Wege dahin von der Unmöglichkeit dieses Unternehmens überzeugt wurde, das Beste für die Noth des Augenblicks. Von feindlichen Truppen schon umgangen, schlug er sich im angestrengtesten Marsche durch sie, und führte die Seinigen in das von Vertheidigern entblösste Cadix am 4. Februar, wohin auch bereits die Junta von Sevilla geflohen war. Ihm beinahe auf dem Fusse war das Armee-Corps des Marschall Victor gefolgt. der mit einem kühnen Marsche das Werk vollendet, das überraschte Cadix genommen, und ganz Andalusien Frankreich unterworfen zu haben glaubte. Allein bald verschwand dieser Hoffnung wie ein Luftbild. Der Muth der Vertheidiger von Cadix, Spanier, Engländer, Portugiesen, welche geschickt die grossen Vortheile von dessen natürlicher Lage zu benützen wussten, bereiteten hier der französischen Kriegskunst und Tapferkeit eine der schwersten Aufgaben, die ungelöst bleiben sollte. Der englische General-Lieutenant Graham, und unter ihm der Spanier Castanos leiteten die Vertheidigung. 28000 Franzosen unter Victor wurden bei der Einschliessung dieses Platzes verwendet.


Zeitungsnachrichten.[]

[1812]

Kadix, den 25sten März.

In der Nacht auf den 13ten hat der Feind aus den Forts Napoleon und Louis ein wohl unterhaltenes Feuer gemacht und verschiedene Bomben nach Kadix geworfen. Seit der Zeit hat er das Feuern fortgesetzt, einige Häuser und eine Kirche in Brand gesteckt und verschiedene Personen getödtet.

Am 16ten fing das Fort Katalina sein Feuer gegen unsere Schiffe an, ohne jedoch Schaden anzurichten.


London, den 15ten May.

Briefe aus Kadix vom 4ten May sagen, daß die Franzosen diese Stadt noch immer blokiren, daß aber ihr Feuer seit Kurzem aufgehört hat. Der Standard, ein englisches Kriegsschiff, hat 3 Millionen Piaster aus Lima nach Kadix gebracht.


London, den 17ten July. [3]

Die neuesten Briefe melden, daß die Franzosen von Zeit zu Zeit Kadix mit ihren neuen Mörsern beschießen. Vom 17ten bis zum 22sten hatte der Feind mehrere Bomben geworfen, die auf den Marktplatz fielen, wo sie 2 Leute getödtet, verschiedene verwundet und die Häuser beträchtlich beschädigt haben.

Zu Kadix ist folgende Proklamation erlassen worden:

"Da die Regentschaft benachrichtigt worden, daß die Stadt Kadix und die Insel Leon Verräther enthalten, die dem Feinde zu Spionen dienen, mit welchem sie des Nachts kommuniciren, so verordnet sie, daß man die Wachsamkeit in der Bay verdoppele, und verspricht jedem eine Belohnung von 1000 Piastern, der sich einer Korrespondenz und des Ueberbringers derselben bemächtigt. Zugleich ermahnt sie, jedes Schiff wegzunehmen, welches dem Feinde Lebensmittel zuführt."


London, den 4ten August. [4]

Die gestern von Kadix eingegangenen Nachrichten waren unangenehmern Inhalts als gewöhnlich. Die neuerfundenen Mörser haben endlich bis auf einen gewissen Punkt der Erwartung des Feindes entsprochen, der jetzt Bomben bis in die Mitte der Stadt wirft, etwa 30 an einem Tage. Dadurch sind mehrere Häuser angezündet, und neun Personen getödtet worden, worüber denn die Einwohner sehr bestürzt sind. Der Handel stockte völlig.


London, den 6ten August. [5]

(Aus dem Englishman und dem Statesman.)

Die Franzosen werfen jetzt täglich gegen 60 Bomben nach Kadix.


London, den 8ten August. [6]

Von Kadix haben wir Nachrichten von ungünstiger Art erhalten. Die Regierung ist durch die Mißvergnügten, die sich in dem Platze befinden, und durch die feindlichen Bomben so allarmirt worden, daß sie über den Rückzug der Behörden nach Ceuta berathschlagt hat. Die Bomben, die von der Batterie von Cabezuela geworfen werden, erreichen beynahe die halbe Stadt. Aus Vorsicht bedeckt man die Häuser mit wollenen Säcken, um zu verhindern, daß diese lästigen Besucher in selbige eindringen.


Barcelona, den 28sten Oktober. [7]

Es scheint, daß der revolutionäre Geist in Kadix bedeutende Fortschritte macht; man kann davon aus folgenden Stellen schließen, die aus einer Kadixer Zeitung entlehnt sind.

"Wir haben gute Soldaten, Leute aus dem Volke; aber unsere Officiere sind fast alle aus dem Adelsstande und taugen nicht viel. Die Regierung zeigt keinen einzigen Mann von Talenten; die Kortes nur sehr wenige. Das Gouvernement fürchtet die Energie der Patrioten. Mit einem Worte, die Mitglieder des obersten Standes sind zu schwach und zu entnervt, und der Aberglaube herrscht hier mit allen seinen Anhängseln, wie Mönchen, Nonnen xc."

"Der Handel ist hier in mehrerer Rücksicht in der größten Stockung. Die Kaufleute sind noch nicht recht vom Abzuge der Franzosen überzeugt, und scheuen sich, Spekulationen zu machen; denn so lange der Feind die Ufer der Bay besetzt hielt, war Jeder gezwungen, sich so arm als möglich zu stellen, um die Kontributionen, mit welchen man alle Einwohner, die einiges Eigenthum besaßen, belästigte, zu vermeiden. Alles ist hier sehr theuer, das Rindfleisch gilt 2 Schilling (16 Gr.) das Pfund, und die übrigen Lebensmittel nach Verhältniß. Gemüse und Obst stehen ungeheuer im Preise. Trauben kosten das Pfund 12 Sous (4 Gr.), welcher Artikel noch am wenigsten theuer."


Briefe.[]


Schreiben aus Kadix, vom 14ten July. [8]

Mit Bedauern melde ich Ihnen den Tod unsers lieben Freundes D. S. H - K, der durch eine Bombe getödtet ward. Die englischen und spanischen Ingenieurs glaubten nie, daß die Franzosen auf eine solche Entfernung Bomben werfen könnten. Sie sind zum Theil mit Bley gefüllt, und wiegen 90 bis 160 Pfund. Ihr armer Freund ward durch eine dieser Feuerkugeln getroffen, die, ungeachtet der Festigkeit des Hauses, durch drey Stockwerke drang. Der Thurm C -- S ward getroffen und zerstört. Die meisten Einwohner, welche bey dem Land- und dem Seethore wohnen, zogen sich nach dem Kampoch, einem offenen Raume nach Nordwesten zu, zurück. Jedermann sucht einen Zufluchtsort zu miethen.


Brief eines englischen Officiers aus der Insel Leon, vom 30sten July.

"Das Bombardement von Kadix ist sehr ernsthaft geworden, nicht sowohl wegen der Verheerungen, welche die Bomben anrichten, als wegen der Besorgnisse, die sie erregen; denn kaum ein Viertheil der Stadt ist denselben nicht ausgesetzt. Es verursacht eine gänzliche Stockung im Handel, weil der Hafendamm und das Zollhaus ihnen ganz ausgesetzt sind, so wie das Quartier, wo die Handelsleute wohnen. Wenn des Morgens früh die Bomben dahin fallen, so macht man den ganzen übrigen Theil des Tages keine Geschäfte mehr. Die, welche nicht bezahlen wollen, entschuldigen sich, daß sie nicht zu Hause sind. Glücklicherweise haben nur wenige Personen das Leben verloren; aber die Häuser wurden beschädigt. Aus militärischem Gesichtspunkte ist das Bombardement von wenig Belang; aber politisch betrachtet, bringt es schädliche Wirkungen hervor. Sollte es im Winter fortdauern, so würde es die größte Unzufriedenheit erregen. Bey der jetzigen Jahreszeit ist es dem Volke nicht lästig, auf den Straßen zu schlafen. Man hat in einem vor den Bomben sichern Quartiere Zelte aufgeschlagen, um die Armen aufzunehmen. Aber im Winter ist dies unmöglich. Ich bin nur verwundert, daß der Feind keinen Versuch macht, Bomben auf die Insel Leon zu werfen, wie er es von verschiedenen Punkten aus thun könnte, und wodurch der Schrecken aufs höchste steigen würde. Bis jetzt hat der Feind die Schiffe in Ruhe gelassen; sein Feuer ist unregelmäßig; er wirft drey oder vier Bomben, und dann hält er bey zwey Stunden lang ein; überhaupt aber ist das Bombardement bey der Nacht am thätigsten. Wir begehen die Thorheit, ihm 8 Bomben für eine zurückzuschicken, welches einen erstaunlichen Munitionsverbrauch nach sich zieht. Selten vergeht ein Tag, wo man nicht zu Puntales 8 bis 9 Verwundete zählte, besonders unter den Spaniern; ihre Batterie ist in sehr schlechtem Stande, und gewährt dem Soldaten wenig Schutz. Wir unsrerseits sind es überdrüssig geworden, den Spaniern zu Gefallen Demonstrationen zu machen; diese glauben den Feind dadurch zu allarmiren, daß sie eine beträchtliche Mannschaftszahl auf den Vorposten zeigen. Uebrigens sind wir den ganzen Tag auf den Beinen, aber mehr um uns defensiv zu verhalten als um anzugreifen. Doch sind die Spanier bey St. Petri über das Wasser gegangen, und bauen ein neues Werk, welches die Franzosen schleifen werden, sobald es ihnen beliebt.

. . .

Uebrigens genießen wir einer guten Gesundheit; ich fürchte aber, die Unreinlichkeit der niedern Volksklassen dürfte zu Kadix den Keim zu einem ansteckenden Fieder entwickeln."



Belagerung von Cadix in Spanien.


Quellen.[]

  1. Neue militärische Zeitschrift. Wien 1811. Gedruckt bey Anton Strauß.
  2. Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 188. Dienstag, den 6/18. August 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 226. Donnerstag, den 19. September/1. Oktober 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 227. Freytag, den 20. September/2. Oktober 1812.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 203. Sonnabend, den 24. August /5. September 1812.
  7. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 280 Donnerstag, den 21. November/3. December 1812.
  8. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 209. Freytag, den 30. August /11. September 1812.
  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 110. Dienstag, den 7. May 1812. ff.
Advertisement