Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Belagerung von Gerona.[]

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Gerona (Belagerung von). Gerona, an der Küste von Katalonien, beim Einflusse des Onhar in der Ter, welcher wenige Meilen von der Stadt ins mittelländische Meer ausströmt, ist in der neuesten Spanischen Geschichte durch eine fast beispiellose Vertheidigung gegen die Französischen Waffen im Jahre 1809 besonders merkwürdig geworden. Zur Befestigung des Orts hat die Natur das meiste, die Kunst ungleich weniger gethan; der Boden rund um die Stadt ist felsicht und von unzähligen Schluchten, Hohlwegen und Vertiefungen durchschnitten, welches regelmäßige Eröffnungen und Fortführung von Laufgräben und Circumvallationslinien fast unmöglich macht; überdem erschwert das Zusammenströmen zweier Flüsse die gänzliche Einschließung des Orts. Die Stadt selbst hat schlechte Festungswerke, wird aber von fünf Forts vertheidigt, unter welchen die Felsenfeste Montjoui das vorzüglichste ist. Minder bedeutend sind die Forts Connetable, Anna und Calvaria, nebst den Redouten de Capitolio. Gerona's Bewohner behaupten den allgemeinen Charakter der Katalonier; sie gelten von Alters her für ein kühnes streitbares Volk, das, einmal exaltirt, für seine Vorrechte, Freiheiten und Meinungen, sein Leben für nichts im erbittertsten, hartnäckigsten und ausdauerndsten Kampfe achtete. Haß gegen den Franzosen ist des Kataloniers Erbtheil; er zeigte sich auch schon im Spanischen Successionskriege (im Anfange des letztverflossenen Jahrhunderts), denn damals hielt fest und mit unglaublichem Steifsinn Katalonien des Oestreichischen Carls Partei gegen den französischen Philipp von Anjou. Gerona fiel nach der für Carl unglücklichen Schlacht bei Villa Viciosa, im Februar 1711 von Noailles erobert, in Französische Gewalt, und mußte auch im folgenden Jahre eine der schrecklichsten Belagerungen aushalten, als Brancas es gegen Stahrembergs Angriffe glücklich vertheidigte. Mit unsäglicher Härte wurden seine Bewohner von den Siegern behandelt. Die Tradition erhielt jene Grausamkeiten in frischem Andenken, und Gerona war der Brennpunkt der Katalonischen Insurrektion in den Jahren 1808 und 1809. Nachdem Palafox Lazan die Vertheidigung der Festung dem tapfern Mariano Alvarez überlassen, und Theodor Redings Heer von Gouvion St. Cyr im Hornung 1809 völlig aus dem Felde geschlagen war, ward Gerona von Gouvion St. Cyr's Corps, wobei auch die Deutschen Bundestruppen und eine Italienische Division unter Pino sich befanden, eng eingeschlossen. Berennt war die Stadt bereits im Mai, eröffnet wurden die Laubgräben in der Nacht vom 8. auf den 9. Jun. Allein Mariano Alvarez schrieb am 16. Juli an die Central-Junta: "Ich habe an der Spitze meiner tapfern Garnison geschworen und ich wiederhole mein Gelübde, daß der Feind nicht anders als über meinen Leichnam in die Stadt dringen soll. Schon am 2. April verordnete ich die Todesstrafe für Jeden, der von Uebergabe des Platzes sprechen würde." Angriffe und Vertheidigung waren in gleichem Maße schrecklich. Zwei Mal wurde der Montjoui vergeblich gestürmt, obgleich die Belagerer den zweiten Sturm in drei verschiedenen Absätzen wiederholt hatten. Die Elitencompagnien der Westphälischen Division litten dabei entsetzlich, und erst nachdem der Montjoui ein Haufen von Schutt und Steinen geworden, man mit unsäglichen Beschwerden sich in dem felsigten Boden à la sappe volante bis zum bedeckten Wege vorgeschoben und den Halbmond des Angriffspunkts mit Sturm genommen hatte, ward das Fort von der Besatzung, deren Rückweg in die Stadt die Belagerer nicht zu hindern vermochten, verlassen. Die Britten, Herren der See, brachten der tapfern Besatzung so oft sie konnten, Lebens- und Kriegsbedürfnisse, Insurgentenhaufen umschwärmten das Belagerungsheer, erbeuteten oft die Zufuhr, ließen, in unwegsamen Schluchten lauernd, selten eine Nacht Ruhe, und jede Entfernung der einzelnen Mannschaft vom Belagerungsheer (außerhalb der Linien) brachte den Tod. Dennoch riß Mangel ein bei Geronas Besatzung, und Blake, Kataloniens Oberfeldherr in jener Periode, hatte oft vergeblich Entsatz mit Gewalt versucht. Endlich bediente er sich der List, um wenigstens den Ort zu verproviantiren, und diese gelang. Blake griff nämlich am 30. August das Belagerungsheer in der Richtung von Brunola, mit solcher Macht an, daß Gouvion St. Cyr bewogen ward, sich mit allen disponiblen Truppen zu verstärken, selbst den größten Theil des eigentlichen Belagerungscorps herbeizuziehen, und nur eine geringe Macht zur Deckung der Belagerungsarbeiten zurückzulassen. Das eben wars, was Blake beabsichtigte, er hatte 1500 Maulthiere mit Provisionen aller Art geladen, unter Escorte von 4000 Fußgängern und 500 Reitern gegen die Festung auf anderem Wege gesandt. Garcia Conde, welcher diesen Transport führte, warf das schwache Neapolitanische Detachement in den Belagerungswerken leicht über den Haufen, zerstörte die Arbeiten, brachte den sehnlichst erwarteten Transport in die Festung, und befeuerte dadurch den Muth der Besatzung außerordentlich. Sobald der Zweck erreicht war, zog Blake sich schnell zurück, das Treffen mit dem getäuschten Gouvion St. Cyr klüglich vermeidend. Mißmuthig verließ dieser Katalonien, unter dem Vorwand seine geschwächte Gesundheit wieder herzustellen, und an seiner Stelle übernahm Augereau den Oberbefehl. Er fand ein Heer, von langen Anstrengungen ermattet, durch Krankheiten zusammengeschmolzen, und selbst an den unentbehrlichsten Bedürfnissen Mangel leidend, in dem verödeten Lande. Er sorgte schnell für Erquickung, ließ die Belagerung eifrigst fortsetzen, und Blaken, der auf den Höhen von St. Colonna und St. Itazia im festen Lager stand, durch den Unterfeldherrn Souham am 1. November desselben Jahres zurücktreiben. Dennoch setzte Blake sich wieder bei Hostalrich, südlich von Gerona am Meere, häufte dort mit Hilfe der Engländer Vorräthe, und machte neue Anstalten, der belagerten Stadt zu Hilfe zu kommen. Aber Verdier und Pino marschirten gegen ihn, warfen seine Schaaren, drangen stürmend in Hostalrich und zerstörten die Magazine, obgleich sie das starke Fort bei der Stadt nicht zu nehmen vermochten. Geronas Besatzung sah nun zwar, daß nahe Hilfe von den befreundeten Staaten nicht zu erwarten sey, denn selbst die Engländer waren von der Küste am Ausflusse des Ter vertrieben; dennoch blieb ihr, durch den tapfern Commandanten und eignen Fanatism befeuert, des Widerstandes entschlossener Muth. Wüthender wurden die Angriffe der Belagerer in eben dem Maße, als sie die Festung sich selbst überlassen erblickten. Der General Mazuchelli nahm am 2. Decbr. mit seiner Italienischen Brigade stürmend die Marien-Vorstadt, nur einen halben Flintenschuß von der Stadt entfernt; in der Nacht vom 6. auf den 7. Dec. erstürmte Pino die Redoute, welche die Verbindung der Stadt mit den Forts beherrschte, und die Westphälische Division behauptete die mit Sturm genommene Vorstadt Gironelle. Alvarez versuchte nun am 7. Decbr. den letzten Kampf. Er ließ in der Nacht einen starken Ausfall in allen Forts vorbereiten, und that solchen, als es Tag ward, mit so vielem Nachdruck, daß wirklich das Unternehmen, die verlornen Posten wieder zu nehmen, dem glücklichsten Erfolge nahe war, als General Amely, der mit seiner Brigade unterhalb Montjoui stand, im entscheidenden Augenblick herbeieilte, den Spaniern in die Flanken fiel und sie dadurch zum schnellen Rückzuge nöthigte. In dem allgemeinen Getümmel wurden noch von den Belagern die Calvarien- und Kapitols-Redoute genommen, und nun war Gerona völlig preis gegeben. Vertheidigung hinter bloßen Trümmern und Schutthaufen wäre Raserei gewesen, der Besatzung Muth war gebrochen die Kapitulationsbedingungen von beiden Theilen unterzeichnet. Die Besatzung zog mit Kriegsehren aus und wurde nach Frankreich geführt. Die Einwohner der Stadt sollten verschont, die catholische Religion geehrt, die Magazine einem Französischen Commissair treulich angezeigt und ausgeliefert werden. Dennoch verfuhren die Sieger mit Strengste gegen die aufhetzenden Mönche, zwei wurden gehenkt und die andern mit Spott überladen und abgeführt. Dagegen richtete man auch streng über die Soldaten des siegenden Heers, die sich verbotene Plünderung erlaubten. Augereau hielt am 11. Dec. seinen feierlichen Einzug. Des Siegers Beute waren 5000 Gefangene, 200 Kanonen und 8 Fahnen.


Tagebuch der Belagerung von Gerona, im Jahre 1809.[]

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May 1809.[]


Im Anfang des May 1809 stand in der Gegend von Gerona ein schwaches Corps unter dem Commando des Divisionsgeneral Grafen Reille. Es gehörte zum siebenten Armeekorps der Armee von Spanien, welches unter dem Divisionsgeneral Gouvion St. Cyr in Catalonien operirte. Jenes genannte Detaschement bestand aus

Einem Infanterie Regiment Berger 2 Batl.;
-- -- -- Wirtzburger 2 Batl.;
Einem Bataillon von den Contingenten
versch iedener deutscher Fürsten 1 Batl.;
- - - - - - -
5 Batls.;

einem Detaschement Neapolitanischer Cavallerie und drei bis vier Stück Franz. reitender Artillerie. Ein Theil dieser Truppen hatte das Schloß Mediña und ein neben dem Dorfe gleiches Namens errichtetes Lager besetzt; der Rest stand in Postirungen längs der Straße von Frankreich, und in der Gegend.

In diesem Zeitpunkte kam die Westphälische Division unter Befehl des Divisionsgenerals Morio in Catalonien an. Sie bestand aus

dem 2ten Reg. Lin. Inf. 2 Bataillons.
-- 3ten -- -- -- 2 -- --
-- 4ten -- -- -- 2 -- --
-- 1te Batal. leichter Inf. 1 -- --
- - - - - -
7 Bataillons.

und aus zwei Compagnien Artillerie. Der General Morio kam den 6ten mit der 1sten Brigade, bestehend aus dem 3ten Lin. Reg. und dem 1sten Bataillon leichter Infanterie, bei Mediña an. Diese Brigade ward auf dem Berge Costa-roza, Front gegen den alten Thurm Montagut, gestellt; die leichte Infanterie machte den linken Flügel. Nachmittags kamen fünfhundert Mann Spanischer Infanterie und vierzig Reiter aus Sarria und besetzten den Hügel zwischen diesem Dorfe und Costa-roza. Man plänkelte einige Zeit, und die Spanier nahmen einen unserer Infanteristen gefangen, der nicht auf seiner Hut gewesen war. Da der Zweck des Feindes: von diesen neuangekommenen Truppen Nachricht zu haben, erreicht war, so zog sich derselbe wieder nach Sarria zurück, und die Brigade nahm ihren Posten auf Costa-roza wieder ein.

Den 7ten kam die 2te Brigade, bestehend aus dem 2ten und 4ten Lin. Reg. im Lager bei Mediña an, und bivuaquirte auf dem rechten Flügel des Lagers.

Die Westphälische Artillerie war noch nicht bei der Armee angekommen; sie verließ Perpignan 2 - 3 Tage später als die 2te Brigade.

Man beschloß Gerona zu blockiren. Zu diesem Zwecke mußte man den Feind aus Sarria, Puente-major, vom Montagut und von den Bergen vertreiben, welche jenseits St. Märtyrer längs des Ter sich hinziehn. Den 8ten um 2 Uhr Morgens marschirte die 2te Brigade rechts ab, ließ Costa-roza links, und rückte in die Ebene zwischen diesem Berge und dem Montagut. Zu gleicher Zeit rückte die 1ste Brigade von Costa-roza hinab auf die beiden Hügel, welche zwischen diesem Berge und Montagut liegen, und von denen der rechts in Folge der weiße Hügel (mamellon blanc) genannt ward. Die Cavallerie und die reitende Artillerie stand hinter dem rechten Flügel.

Als die 2te Brigade in die Ebene hinab rückte, schickte man die Elitenkompagnien derselben ab, um den Thurm Montagut anzugreifen; dies war die Ruine eines alten Schlosses, und mit einem schwachen Vorposten besetzt, der einige Schuß that, und dann die Flucht nahm. Die zweite Brigade stieg nun den Berg hinauf, und nachdem man sich durch eine Rekognoscirung von der Sicherheit unsers Rückens überzeugt hatte, so marschirte sie, den linken Flügel an den Montagut gelehnt, auf dem Bergrücken auf.

Während dessen rückte ein Trupp Spanischer Schützen aus Sarria, formirte sich der ersten Brigade gegenüber in eine ausgedehnte Linie, und feuerte in sehr großer Entfernung auf dieselbe. Eine auf dem andern Ufer des Flusses und unserm linken Flügel gegenüberstehende Spanische Kanone schoß zu gleicher Zeit gegen letzere, jedoch ohne den mindesten Erfolg. Jetzt rückte unsere Cavallerie und Artillerie vor; ihr Anblick scheuchte die Spanier sogleich nach Sarria zurück. Die Artillerie beschoß und bewarf dieses Dorf; man sahe Leute aus Puente-major nach Gerona flüchten, und auch die Spanische Kanone retirirte.

Das Bataillon leichter Infanterie, welches auf dem linken Flügel stand, rückte in Colonne und mit klingendem Spiel in Sarria ein; man fand das Dorf verlassen. Unser Geschütz feuerte jetzt auf Puente-major, welches sodann, wie Sarria, von der leichten Infanterie besetzt ward. Der Feind stellte seine Kanone auf die Chaussée nahe bei der Pulvermühle, und fuhr fort nach unsere Artillerie zu schießen, welche sich neben der Kirche von Sarria gesetzt hatte. Die Cavallerie patrouillirte das Feld bis an jenen Bach ab, der von St. Märtyrer kommt, und sich in der Ter ergießt; die Vedetten wurden längs dieses Grundes gestellt, und plänkelten mit den Spanischen Schützen, die in den Gebüschen zwischen dem Ter und dem Mühlgraben lagen.

Die zweite Brigade marschirte rechts ab, ging bei St. Märtyrer vorbei und auf den Bergrücken hin, bis in die Nähe der Festung. Die erste Brigade rückte in die beiden Dörfer, und besetzte den Ausgang von Puente-major nach Gerona zu. Die leichte Infanterie besetzte die erste Brücke auf dem Geroner Wege, ferner den Galgen und einen links desselben liegenden Oehlgarten. In dieser Stellung plänkelte man den Rest des Tages über mit den Spaniern, die ziemlich stark auf dem Plateau diesseit des Forts Ludwig standen; letzteres kononirte unsere Batterie, jedoch ohne Erfolg. Endlich kam das Regiment Wirzburger an; es war unter Costa-roza durch den Ter und durch Campoduro den Berg herauf gegangen, rückte nun auf dem Bergrücken oberhalb des Galgens fort, und zwang hierdurch den Feind sich mit dem sinkenden Tage nach Gerona zurückzuziehen. Das Bergische Regiment war zu gleicher Zeit mit jenem bei Mediña durch den Ter, dann über die Berge beim Kloster der heiligen Engel gegangen, und stellte sich dem Fort Narziß gegenüber. Die Westphälischen Truppen behaupteten ihre Posten, die sie mit Verlust von 22 Todten und Verwundeten erkämpft hatten. Unter den erstern befand sich ein Offizier der leichten Infanterie.

In dem Ausgange von Puente-major legte man eine Traverse an, und besetzte sie mit einer Haubize. Der Thurm Montagut blieb ebenfalls besetzt.

Den 9ten wurden die Vorposten oberhalb des Galgens bis an den Grund vorgerückt. Vergebens suchte es der Feind zu verhindern.

Der Divisionsgeneral Verdier kam den 13. im Hauptquartier Mediña an. Der General Graf Reille, welcher nach Deutschland berufen war, übergab ihm das Commando des Belagerungskorps.

In der Nacht vom 14ten zum 15ten kam die Italienische Division Lecchi, die bisher bei Vic gestanden hatte, vor Gerona an; sie war zu einer Rekognoscirung in diese Gegend bestimmt, und ging den 16ten wieder nach Vic zurück.

Bis zu Eröffnung der Belagerung in der Mitte des Juny machte man nur eine Verschanzung auf dem Gipfel des hinter dem grünen Hügel (mammellon verd) liegenden Berges, (so ward der Hügel genannt, hinter dem man in der Folge die Mörserbatterie anlegte). Wahrscheinlich diente diese Schanze uur zu einer Demonstration. Der Feind begnügte sich, unsere Läger fast unaufhörlich zu bombardiren, und Granaten nach Puente-major, Sarria und nach den kleinsten Trupps zu werfen, welche üb~r die Ebene zwischen diesem Dorfe und St. Märtyrer gingen.

Mit den bewaffneten Bauern der umliegenden Gegend waren wir fast täglich im Gefecht, sey es daß sie kamen und unsere Vorposten neckten, oder daß wir in ihren Dörfer fouragirten.

Der gewöhnliche Schauplatz dieser kleinen Gefechte war die außerordentlich durchschnittene Gegend jenseits St. Märtyrer und Montagut. Gewöhnlich jagten wir die Bauern von drei bis vier Bergen, worauf man von beiden Seiten, wie durch Uebereinkunft, wieder nach Hause ging. Von beiden Seiten bestand der Verlust in zwei oder drei Todten und einigen Verwundeten.

Die Verbindung mit Frankreich wurde beständig beunruhigt. Die Transporte bedurften starker Bedeckung, und noch mußten die wichtigsten Punkte längs der Straße besetzt werden, wodurch dem Belagerungskorps viel Truppen entzogen wurden.

Den 24. Abends kam die Division Lecchi wieder an, und vereinigte sich mit dem Belagerungskorps; sie postirte sich auf dem rechten Ufer des Ter in die Ebene bei Salces. Den 25. ward eine Brücke bei diesem Dorfe erbaut, und auf beiden Seiten durch Pallisaden-Tambours gedeckt.

Den 25ten marschirte General Morio mit dem 2ten Linien Regiment, dem Bataillon leichter Infanterie, einem Bataillon Berger und einem Regiment Italienischer Cavallerie ab, um die Gegend von Bisbal und Palamos zu durchstreifen. Dies Detaschement kam den 28sten zurück und brachte Vieh mit.

Den 26sten kam die Franz. Brigade Guillot auf Costa-roza an.

Den 31ten griff das 1ste Bergische Regiment unter Befehl ihres Brigadiers, des Obersten Muff das befestigte und vom Feind besetzte Kloster der heiligen Engel an. Die Tapferkeit dieser Truppen überwog die hartnäckige Vertheidigung; aber sie siegten nicht ohne Verlust.

Nach der Einnahme dieses Klosters nahm die Brigade Guillot ihren Posten dem Kapuziner-Fort gegenüber. Die Westphälische Division hielt die Linie zwischen St. Ponce und Costa-roza besetzt; die Brigade Jouba stand in Puente-major, die Berger, mit einem 2ten Regiment verstärkt, und die Wirzburger auf Anhöhen Front gegen die Redouten Ludwig und Narziß, und die Italiener, welche durch die Division Pino und durch eine Division Neapolitaner waren verstärkt worden, in der Ebene von Salies Das Hauptquartier war in St. Märtyrer.


Junius 1809.[]


Den 8ten Juny fing man an die Mörserbatterie zu bauen. Ohngeachtet sie durch das Feuer der auf dem linken Ufer der Oña liegenden Bastionen flankirt war, so verlohren wir dich glücklicher Weise nur sehr wenig Menschen.

Die Breschbatterie gegen die Redouten Ludwig und Narziß wurde denselben 8ten angefangen, und, so wie die Mörserbatterie, den 13ten vollendet. In der folgenden Nacht um 12 Uhr fing letztere an zu werfen; jene feuerte erst von Tages Anbruch an.

In der Nacht vom 15ten zum 16ten nach Mitternacht rückte das Bataillon des 16ten Franz. Lin. Inf. Regiments, welches zur Brigade Jouba gehörte, in aller Stille aus Puente-major, um die Vorstadt Pedret anzugreifen. Der Spanische Vorposten von 1 Offizier und etwa vierzig Mann, die alle im tiefen Schlafe waren, ward überrumpelt. Sie mußten über die Klinge springen; die Franzosen jagten den Feind aus der Vorstadt und bauten in den Eingang derselben eine Traverse. Sie hatten hier nur Einen Verwundeten.

Den 16ten wurden die andern beiden Breschbatterien gegen die Forts Ludwig und Narziß, letzterm näher als die erste, angefangen.

Den 17ten etwa um 8 Uhr Morgens, machten die Spanier einen Ausfall, um die Vorstadt wieder zu nehmen. Eine Colonne Infanterie von 1500 Mann kam aus dem Fort Montjuis, warf die Französischen Vorposten zurück, welche längs dem Kamm des Berges oberhalb der Vorstadt standen, stieg hier hinab, und zerstörte die Traverse. Zu gleicher Zeit kam ein Trupp Cavallerie aus dem Französischen Thore. Die Spanier nahmen 1 Hauptmann und 36 Mann vom 16ten Regiment gefangen, und würden sich in der Vorstadt behauptet haben, wenn nicht die Truppen, welche den Oehlgarten und den Galgen besetzt hatten, ihnen in die Flanke gekommen wären. Dies, und das Feuer der Westphälischen Elitenkompagnien, welche unter Befehl des Obersten Legras aus der Mörserbatterie kamen und bis an den Ter vorrückten, bewog die Spanier wieder in das Französische Thor zurück zu kehren. Auf beiden Seiten hatte man Todte und Verwundete; vorzüglich hatte die Westphalen durch das Feuer vom Wall aus verlohren.

Den 19ten Morgens fingen die beiden neuen Breschbatterien an zu feuern. Gegen Mittag, als man die Bresche des Forts Ludwig für gangbar hielt, ward ein Detaschement Französ. Infanterie zum Sturm hinauf geschickt. Die schwache Spanische Besatzung erwartete den Angriff nicht; sie verließ die Redoute und zog sich in's Fort Montjuis zurück. Das Fort Narziß ward denselben Tag und auf dieselbe Weise genommen. Beide Forts wurden vom Bataillon des 16ten Regiments und von Wirzburgern besetzt.

Jetzt ward links vom Fort Ludwig eine Batterie gegen das Fort Daniel errichtet, und jene oberhalb des Forts Narziß richtete ebenfalls ihr Feuer gegen das zweite Fort. Den 21ten Morgens fingen diese Batterien mit solchem Erfolg an zu feuern, daß der Feind das Fort zu Mittag verließ.

Das Bombardement dauerte Tag und Nacht. Den ersten Tag ward dadurch das Militair-Hospital von Gerona in die Asche gelegt; aber in der Folge ward jede Feuersbrunst gelöscht, sobald sie sich zeigte.

Gegen Ende des Juny kam der General St. Cyr mit dem Rest seines Armeekorps von Barcelona an. Er nahm sein Hauptquartier in Fornell und deckte die Belagerung.

Nach der Einnahme der drei Redouten ward die große Breschbatterie gegen das Fort Montjuis erbaut; sie ward den 22ten angefangen, und bekam den Namen der kaiserlichen Batterie (batterie Impériale). Da der felsige Boden nicht erlaubte, einen Graben zu machen, so mußte die Brustwehr von Sandsäkken erbaut werden. Der Feind beunruhigte unsere Arbeiten durch Bomben und Granaten. Diese Batterie ward mit 20 Stück 16 und 24 Pfündern besetzt, und fing den 3ten July an zu feuern. Ihre Wirkung war sichtbar. Allein da mehr als die Hälfte des Walles durch das Glacis bedeckt war, so konnte man bei dieser Entfernung von der Batterie aus nur den obern Theil der äußern Böschung sehn und treffen; der Fuß des Walles blieb unverletzt. Diese beträchtliche Entfernung verhinderte auch, das Feuer des Nachts fortzusetzen, und erlaubte dem Feinde, das herabgerollte Erdreich wegzuräumen, sobald das Feuer aufhörte.

Eine andere, gegen das Ravelin oder den halben Mond des Fort Montjuis gerichtete Batterie ward im Innern des Forts Ludwig erbaut, und fing den 26ten Juny an zu feuern.

Den 4ten July in der Nacht versuchte man das Fort durch Ueberraschung wegzunehmen; es mislang. Daher ward für den 8ten Morgens der Sturm beschlossen, und dazu 1 Bataillon vom 16ten Linienregiment, 1 vom 32ten leichten Inf. Reg. und alle Elitenkompagnien des Belagerungskorps bestimmt. Ein sehr lebhafter und selbst durch etwas Cavallerie unterstützter Angriff, den der Feind den 7ten Nachmittags gegen Montagut machte, verhinderte den Sturm nicht; denn die Centrums-Kompagnien der Westphälischen Bataillons waren hinlänglich, den Feind mit dem sinkenden Tage zurück zu treiben, und die Eliten blieben im Lager, bis zur Nacht, wo die ganze Colonne sich bei Puente-major versammelte. Sie rückte zum Fort Ludwig hinauf, und bivuaquirte die Nacht durch hinter dem Kamm des Berges rechts der kaiserlichen Batterie. Man befahl den Truppen: nicht zu schießen, sondern Alles mit dem Bayonnet auszumachen. Kaum brach der Tag an, so ward Alles Compagnien-Weise in Eine geschlossene Colonne gestellt. Die Französischen Bataillons waren an der Spitze; hierauf folgten alle Grenadiers und dann die Voltigeurs. Eine Reserve war nicht da. Der Bergische Oberste Muff kommandirte die Colonne.

Das Gefecht ward durch einen verstellten Angriff vom Fort Daniel aus eröffnet. Sobald man das Feuer derselben bei der Colonne hörte, rückte sie im Sturmschritt vor. Aber als sie auf dem Kamme des Glacis ankam, stockte sie. Die Ursache war, daß die niedergeschossene Erde der Bresche nicht zugereicht hatte, den Graben auszufüllen. Die Kontreskarpe war unversehrt, so daß man nur auf einer jener kleinen Treppen, wie man sie in den Futtermauern findet, in den Graben hinab steigen konnte; diese Treppe war für zwei Mann zu schmal. Faschinen, um den Graben zu füllen, waren nicht da, und die vorhandenen Leitern zu kurz und ihrer zu wenig. Wie war es also möglich durch den Graben zu kommen? Von allen Truppen klimmten Tapfere den Anlauf der Bresche einzeln hinauf; aber sie fielen, bevor sich ein Trupp, stark genug, um sich dort zu halten, vereinigen konnte. Während dessen stand die Colonne auf dem Kamme des Glacis einem vierfachen Feuer ausgesetzt. Eine Haubitze stand in dem Abschnitt, den der Feind auf dem Kamme der Bresche gemacht hatte, und schleuderte mit jedem Schuß der Spitze der Colonne eine Menge Flintenkugeln zu. Die rechte Flanke derselben ward vom Fort St. Johann aus mit Kartätschen beschossen, und die linke vom halben Mond aus; der Graben ward von der nächsten Bastion aus bestrichen. Ueberdies warfen alle Mörser der Stadt ihre Bomben nach dieser Gegend. Die Colonne wich daher etwas, ward durch die Offiziers wieder vorwärts geführt, wich abermals, und dies wechselte so zwei oder drei Mal. Viele Offiziers und fast alle Stabsoffiziers wurden getödtet oder verwundet. Endlich lößte sich die ganze Colonne auf, formirte eine ausgedehnte Linie längs des Glacis, und plackerte gegen das Fort. Der Oberste Muff fand zwei noch formirte Westphälische Voltigeurkompagnien, und befahl ihnen noch einmal anzugreifen. Bevor sie den Graben erreichten, waren die Offiziers derselben schon verwundet; die beiden schwachen Compagnien, ohne alle Unterstützung, wurden durch den ältesten Feldwebel zurück geführt. Da der Oberste Muff in demselben Augenblick war verwundet worden, so zog sich Alles zurück. Der Feind gab den Stürmenden das Geleite nur durch sein Feuer, ohne daß er Lust bezeigte, sie zu verfolgen.

Das Belagerungskorps hatte bei dieser Gelegenheit 3080 Todte und Verwundete, davon 11 Offiziers todt und 66 verwundet. Auf Rechnung der Westphalen kamen 219 Todte und Verwundete, davon 9 Offiziers todt und 12 verwundet. Unmittelbar nach dem Gefecht flog das Fort St. Johann, dessen Pulvermagazin Feuer gefangen hatte, in die Luft. Es war ein bastionirter Thurm auf einem gemauerten Fußgestelle, alles von Quadern.

Der unglückliche Ausgang dieses Sturms zeigte die Nothwendigkeit die Laufgräben bis an den Graben des Forts zu treiben; man hatte dies bisher entweder für unnöthig oder, wegen des felsigen Bodens, für unmöglich gehalten. Man überwand jedoch dies Hinderniß, indem man den Verbindungsgraben benutzte, welcher den Hügel zwischen der Redoute Ludwig und dem Montjuis durchschneidet. Man deckte ihn durch Traversen, welche, so wie die Brustwehren aller Batterien und Laufgräben vor diesem Fort, aus Sandsäcken bestanden. Man mußte die Sand- und Erde-Säcke in dem Thale diesseit des Forts Ludwig füllen, und sodann den Weg hinauf klettern, um sie zu ihrer Bestimmung zu tragen; dies hemmte die Fortschritte der Belagerung sehr. Um sie so viel als möglich zu beschleunigen, kommandirte man täglich so viel Mannschaft zu den Schanzarbeiten, daß dem Soldaten nur wenig Ruhe blieb. Da die deutschen Truppen dem Montjuis am nächsten standen, so arbeiteten fast unausschließlich die Westphalen, Berge und Wirzburger in den Laufgräben. Ueberdies erforderte die durchschnittene Gegend beim Montagut viel Wachen und Vorposten gegen die bewaffneten Bauern. Diese Anstrengungen trugen viel dazu bei, die Krankheiten zu vermehren, welche seit dem July der Westphälischen Division viel Menschen kosteten, ungerechnet des beträchtlichen Verlustes, den das lebhafte und anhaltende Feuer der Belagerten verursachte.

Den 12ten ward die Breschbatterie gegen den halben Mond angelegt, und den folgenden Tag feuerte sie. Man setzte hier auch den Mineur an, ohngeachtet der Swierigkeiten des steinigen Bodens. Die beiden kleinen Mörserbatterien, so wie die Batterie, welche zwischen den Forts Daniel und Narziß liegt, wurden in der Nacht vom 31ten auf den 1ten August angefangen. Die letztere war bestimmt, die Courtine des Forts zu reinigen.

Zu Ende July verließ General Morio die Armee wegen Krankheit; die Westphälische Division ward jetzt durch den Brigadegeneral von Ochs kommandirt.

Den 2ten August ward die Mine gegen den halben Mond mit Erfolg gesprengt.

Den 3ten ward das Kloster St. Daniel mit Sturm genommen. Der Major Maisonneuve, welcher den Angriff kommandirte, blieb. Einige Stunden darauf machten die Spanier einen Ausfall, um es wieder zu nehmen, wurden aber tapfer zurück geschlagen.

Den 4ten fing die Batterie beim Fort Daniel an aufs Fort Calwary zu feuern.

Denselben Tag Abends versuchte der Feind einen Ausfall; aber in demselben Augenblicke erstürmten 200 Eliten vom 2ten und vom 56ten Franz. Lin. Reg. den halben Mond, und ließen die Besatzung über die Klinge springen. Man logirte sich in diesem Werke.

Um die Verbindung zwischen dem Montjuis und der Stadt zu beunruhigen, ward ein Bataillon Westphalen in Bivuacq bei den Ruinen des Forts Johann gelegt. Den 5ten ward dies Bataillon durch die aus dem Fort kommenden Spanier angegriffen; aber der Hauptmann Bode, der es kommandirte, warf sie zurück. Wir hatten einigen Verlust.

Den 5ten ward eine Mine gegen den Wall des Forts gesprengt.

Den 10ten machte der Feind zwei Ausfälle; einen gegen das Kloster St. Daniel, wo er von dem tapfern Regiment Wirzburg zurück getrieben ward. Der andere war gegen die von Westphälischen Truppen besetzten Laufgräben gerichtet. Der erste Anlauf der Spanier war so heftig, daß es ihnen gelang einiges Geschütz zu vernageln, und die Faschinen und Schanzkörbe in Brand zu stecken. Aber bald kam die Reserve der Westphalen an; das Gefecht erneuerte sich mit Heftigkeit, man schlug sich mit dem Bayonnet, und der Feind ward mit Verlust zurück geworfen. Der unsrige bestand in 11 Todten und 48 Verwundeten.

Endlich sah der Feind, daß er das Fort Montjuis nicht mehr behaupten konnte, weil die Bresche gangbar und der halbe Mond in unserer Gewalt war. Den 11ten Abends sah er die Ablösung der Wache in den Laufgräben. Er hielt diese Bewegungen für die Anstalten zum Sturm, und verließ in der Nacht das Fort. Vor dem Abmarsch legte er eine brennende Lunte an das Pulvermagazin, welches aufflog, ohne uns Schaden zu thun.

Den 12ten übergab der General von Ochs das Commando der Westphälischen Division dem aus Westphalen gekommenen, ältern [[Brigadegeneral von Hadeln]].

Den 13ten verlegte General Verdier sein Hauptquartier von St. Märtyrer nach Sarria.

Die Spanier errichteten Batterien auf dem Fort Connetabel, um das Thor des Montjuis zu beschießen. Unserer Seits wurden Breschbatterien gegen die Stadtmauer angelegt. Drei Breschen sollten geschossen werden; eine in der Caserne der Deutschen (quartier des Allemands), eine in der Bastion St. Christoph die dritte in dem Theile der Mauer, welcher diesseits des Thals liegt. Durch Fernröhre, entdeckte man in der Mauer zwischen den beiden ersten Breschen Schießscharten, welche mit Sandsäcken zugelegt waren. Man schoß dahin; die Mauer fiel ein, und mit ihr das dort stehende Geschütz. So entstand eine vierte Bresche, von der nicht mehr die Rede seyn wird, weil sie nie bestürmt ward.

Die Arbeiten kosteten uns Menschen. Der Feind beunruhigte sie so viel er nur konnte. Die Westphälische Division gab täglich beinahe 900 Arbeiter.

In der Nacht vom 14ten zum 15ten schlich sich ein Detaschement von 800 Spanischen Bergjäger (micaletes.) durch unsere Posten auf dem linken Ufer des Ter, ging durch den Fluß und gelangte in die Stadt. Man gab diesen Fehler der Nachlässigkeit eines Reiters Schuld, der an dieser am schwächsten besetzten Stelle unserer Linie auf Vorposten gewesen war.

Den 19ten fingen unsere Batterien ihr Feuer gegen die Stadt an. Es ward bis Ende des Monats fortgesetzt.

Den 22. fing eine auf dem Walle des Montjuis errichtete Batterie an, das Feuer des Connetabel zu beantworten.

Der Feind hatte auf dem Gewölbe der Cathedralkirche eine Batterie errichtet und sie mit zwei schweren Kanonen besetzt, welche die Verbindung zwischen dem Montjuis und unsern vordern Batterien beschossen. Um dem Uebel anzuhelfen, machte man einen bedeckten Weg.

Zu Ende des August ward General St. Cyr von der Ankunft eines Spanischen Corps unter General Blake benachrichtigt, welches aus Arragonien kam. Zufolge dieser Nachrichten sollte es von der Gegend von Hostalric her sich nähern um die Stadt zu entsetzen. Der Erfolg zeigte, daß General St. Cyr durch falsche Spione hintergangen war. Er ging mit dem Observationskorps, und mit dem größten Theile der Belagerungstruppen unter dem Befehl des General Verdier, dem Feinde entgegen.


September.[]


Den 1sten September erschien General Blake auf dem linken Ufer des Ter. Mit Tagesanbruch fing er an, die Mitte der Westphalen zu necken, und fiel sodann mit Uebermacht auf beide Flügel dieser schwachen Division, die noch viele Wachen für jene Truppen hatte besetzen müssen, welche mit General Verdier gegangen waren. Die Westphalen, zu schwach das ausgedehnte und durchschnittene Terrain vom Schloß Montagut bis zum Ter zu vertheidigen, zogen sich nach Sarria zurück, nachdem sie dem General von Hadeln durch einen Flintenschuß verlohren hatten. General von Ochs, der seit einiger Zeit krank war, stieg ohngeachtet eines Fieberanfalles zu Pferde, um das Commando zu übernehmen. Die Division Lecchi, welche auf dem rechten Ufer der Ter stand, zog sich zu Anfange des Gefechts nach Fornell zu zurück. Der Feind besetzte die Stellung der Westphalen, und warf 2 - 3000 Mann unter dem Brigadier Odonel, und einen Transport von 6 bis 800 Maulthieren, die mit Munition und Lebensmitteln beladen waren, in die Stadt.

Von der Westphälischen Division blieben, ausser den übrigen Todten und Verwundeten, der General von Hadeln und drei Offiziers.

General St. Cyr hatte keinen Feind gefunden. General Verdier kehrte mit seinen Truppen in der Nacht des 1sten ins Lager zurück. Den folgenden Morgen sollte General Blake angegriffen werden, aber er hatte sich in die Gebürge zurück gezogen.

Der Brigadier Odonel legte seine Truppen in Bivuacq beim Fort Connetabel. Seine Absicht war den Colonnen in die Flanke zu fallen, welche, nach seiner Voraussetzung, die Breschen von der Caserne der Deutschen und der Bastion Christoph stürmen würden. Er blieb hier einige Tage, ohne daß der Sturm unternommen ward. Nun fürchtete er, durch einen längern Aufenthalt der Garnison und den Bürgern zu viel von den nöthigen Lebensmitteln zu entziehen, und beschloß daher, das Weite zu suchen. Er schlich sich wirklich mit seinem Corps durch die Posten der Belagerer nach Fornell hin; und ohngeachtet er entdeckt ward, bevor er völlig durch unsere Stellung gekommen war, so entkam er doch mit geringem Verlust.

General Blake hatte sich nur 2 - 3 Stunden von unsern Lägern zurück gezogen. Er hatte eine Stellung auf dem linken Ufer des Ter. Den 6ten ward die Westphälische Division und das 32te leichte Infant. Reg. auf rekognoscirung dahin geschickt. Man plänkelte mit dem Feind; der Franz. General Jouba blieb.

Den 14ten fingen neue Breschbatterien an zu feuern.

Den 19ten Nachmittags ward die Stadt in vier Colonnen bestürmt. Die Colonne des rechten Flügels, bestehend aus dem Reg. Wirzburg, war bestimmt die Bresche oberhalb des Franz. Thors zu stürmen. Das 3te Westphäl. Reg. stand in Reserve in der Vorstadt Pedret, um in das genannte Thor zu dringen, sobald der Angriff der Wirzburger gelänge. Die 2te Colonne, von Franz. Truppen, war gegen die Bastion St. Christoph gerichtet; die 3te Berger, gegen die Caserne der Deutschen. Die 4te, Italiener und Neapolitaner, sollten den Thurm von Geronella umgehen, um dessen Besatzung zu beschäftigen, und dann in das Hülfsthor (porte de secours) dringen, sobald die 2te und 3te Colonne siegen würde. Dies war die Disposition.

Die Colonne vom rechten Flügel kam in der Bresche an, und sah sich nun auf dem Rande eines steilen Felsens, hinter welchen sich der Feind wüthend in den Abschnitten vertheidigte, die er in den Trümmern eines durch unser Geschütz eingestürzten Klosters angelegt hatte. Unsere Truppen, überzeugt daß sie nichts ausrichten konnten, gingen zurück. Die andern drei Colonnen gingen unterhalb des Klosters Daniel über den Bach, und stiegen den steilen Berg hinauf. Die gegen die Bastion Christoph bestimmte Colonne war kaum an den Anlauf gekommen, als sie durch das Feuer der Sarazenenbatterie (batterie des Sarrazins) in die Flanke genommen, und dadurch bewogen wurde, sich zurück zu ziehen. Die Colonne der Bergischen Truppen kletterte wirklich bis in die Bresche der Caserne der Deutschen hinauf; aber ihre Ordnung ward durch die Hindernisse einer steilen, 30 Fuß hohen Böschung unterbrochen; Bomben, Granaden und Pulversäcke regnete es auf sie, sie mußten daher weichen. Die vierte Colonne hatte indeß mit der Besatzung des Thurms von Geronella geplackert, kam nach dem Abzug der Bergischen Truppen wieder hervor, und versuchte noch einmal die Caserne der Deutschen zu ersteigen; aber alles war umsonst, und diese Colonne zog ab wie die andere. Die vier Colonnen verlohren an Todten und Verwundeten über sechs hundert Mann.

Von diesem Zeitpunkte an hörten die Arbeiten auf; die Belagerung ward in Blokade verwandelt. Krankheiten und Mangel an Lebensmitteln schwächten die Armee; mehrere Male hatte der Soldat nur eine halbe Portion Schiffszwieback.


October.[]


Gegen die Mitte des Octobers kam der Marschall Augereau, Herzog von Castiglione, aus Frankreich bei der Armee an, und übernahm das Commando des 7ten Armeekorps.

Um einem Nachtheile, gleich dem des 1sten Septembers, vorzubeugen, baute man zwei Redouten, die eine auf dem weißen Hügel (mammellon blanc) die andere auf dem Hügel südlich von St. Märtyrer. Sie wurden mit Geschütz versehen, und von den Westphalen besetzt.


November.[]


General Verdier verließ den 4ten November das Belagerungskorps, um das Commando der Division Souham zu übernehmen. Er ward durch den General Amey ersetzt.

Während dessen nahm der Hunger in Gerona von Tage zu Tage zu. So groß war das Elend, daß man alles Zug- und Last-Vieh, und selbst Ratten aß, und von letztern das Stück mit einem Spanischen Franken (pezeta) bezahlte. Ueberdies hörte das Bombardement von unserer Seite nie ganz auf. Alles dies war noch nicht genug, die Hartnäckigkeit der Spanier zu brechen. Der Marschall ließ die Stadt mehrere Male zur Uebergabe auffordern, aber immer umsonst; die Parlementärs wurden nicht mehr angenommen, man wieß sie mit Kanonenschüssen ab. Man ließ Proklamationen an die Bürgerschaft ergehen; der Hauptm. von Uslar schlich sich des Nachts an die Mauer, und warf Pakete davon in die Stadt -- aber Alles blieb ohne Wirkung.


Dezember.[]


Den 2ten Dezember ward die Belagerung mit Nachdruck erneuert. Alle Batterien feuerten, und des Abends nahmen die Italiener die auf dem rechten Ufer der Oña liegende Vorstadt (de la marine) mit Sturm. Eben so wenig als wir sparte der Feind seine Munition.

Den 3ten wurden zwei neue Batterien gebaut. Die eine lag am Ufer des Ter; das kleine Fehrhaus welches man mit Erde gefüllt hatte, deckte ihr wie eine Traverse, die Flanke. Diese Batterie war bestimmt, die Bresche oberhalb des Franz. Thors in den Rücken zu nehmen. Die andere Batterie war in der Vorstadt auf dem linken Ufer der Oña angelegt, und beschoß das Carmeliterthor (porte des Carmes) und den Thurm, der es flankirt. Dieses Thor war verschlossen und vermauert; und hätte man es dennoch gesprengt, so würde man eine Traverse mit einem tüchtigen Graben gefunden haben. Auf dem Thurme standen zwei Stück Geschütz.

In der Nacht vom 6ten zum 7ten überrumpelten und erstiegen einige 40 Italiener die Redoute der Stadt (redoute dela ville). Die Spanische Besatzung ward nieder gemacht. Zu gleicher Zeit bemächtigten sich die Berger und Wirzburger der Vorstadt Geronella.

Den 7ten Mittags machte der Feind einen heftigen Ausfall, um die Redoute wieder zu nehmen. Die Italiener vertheidigten sich wie Löwen; die Spanier waren dem Siege nahe, als eine Colonne aus der Vorstadt herauf kam, sie in die Flanke angriff und mit starkem Verlust in die Stadt zurückwarf. Während die allgemeine Aufmerksamkeit auf diesen Punkt gefesselt war, nahmen die Berger und Wirzburger unter Befehl des Obersten Gayter das Fort Calvary und die Capitelsredoute (redoute du chapitre) fast ohne allen Verlust ein. Jetzt war jede Verbindung zwischen der Stadt und den Forts abgeschnitten.

Den 8ten ward das Fort Connetabel zur Uebergabe aufgefordert; aber umsonst.

Den 9ten fingen unsere neuen Batterien an zu feuern. An den Thurm von Geronella wurde der Mineur angesetzt. Um die Stadtmauer und den Thurm vom Feinde zu reinigen, welcher von da aus diese Arbeiten hätte beunruhigen können, wurden Schützen in die Häuser der Vorstadt Geronella gelegt, welche ohne Unterlaß gegen die Stadtmauer schießen mußte.

Den 10ten ward das fürchterliche Feuer von unserer Seite fortgesetzt. Der Feind beantwortete es nur schwach; Nachmittags um 1 Uhr schwieg sein Feuer ganz, und er verlangte zu unterhandeln. Den Abend kam die durch die Zeitungen bekannte Capitulation zu Stande. Den 11ten zog die Besatzung mit Kriegsehren aus, streckte das Gewehr, und ward kriegsgefangen nach Frankreich geschickt.

Die Alliirten fanden bei ihrem Einrücken in Gerona Beweise genug, daß man Luft gehabt hatte, sich von einer Straße in die andere zu vertheidigen. Alle bedrohte Punkte, die Breschen, die Thore, waren durch zwei bis drei Reihen Abschnitte vertheidigt; die Straßen welche hier hin liefen, waren durch Traversen gesperrt. Nur der Hunger und der Mangel an Munition konnte die Hartnäckigkeit der Spanier brechen.

Die Namen derer, welche diese denkwürdige Vertheidigung leiteten, verdienen bekannt zu werden. Der Gouverneur hieß Don Alvarez, ein Mann von unbiegsamen Character, der nur der härtesten Nothwendigkeit wich. Herr Furnaß that den Dienst als Festungsingenieur, und leitete die Arbeiten. Zu Anfang der Belagerung war er Hauptmann im Regiment Bourbon, und bei der Uebergabe der Festung hatte er den Rang als Brigadier.


Einnahme der Festung Girona in Spanien.[]

[3]
Der zehnte December 1810.

Nachdem die Franzosen Hostalrich eingenommen hatten, so wurden ihnen dadurch die Schwierigkeiten erleichtert, die sich der Eroberung von Girona entgegen gestellt hatten. Der Festungs Gouverneur, Mariano Alvarenz, hatte der Junta das Wort gegeben, daß der Feind nicht anders als über seinen Leichnam in die Stadt rücken sollte und er blieb unstreitig bey diesem Vorsatz; allein man hat in der Folge gar nichts von ihm gehört.

Eben die Truppen, welcher man sich zur Eroberung von Hostalrich bedient hatte, wurden vor Girona verwendet. Am Abend des 2ten Decembers nahm die italienische Brigade die Marine-Vorstadt, einen halben Flintenschuß von der Festung. Vier tage später eroberte General Pino eine Redoute auf einer Anhöhe, die die Communication zwischen der Stadt und den Forts beherrschte. Zu gleicher Zeit nahmen die deutschen Bundestruppen unter dem General Amey die Vorstadt la Gironella. Obwohl die Garnisonen der Stadt und der Forts noch am 7ten December Mittags einen allgemeinen Ausfall thaten, um sich der verlornen Posten wieder zu bemächtigen, so war dies doch ohne Nutzen; denn sie wurden mit Verlust zurückgetrieben und verloren noch zwey Redouten. Nun sank den Belagerten der Muth. Die Festung wurde am heutigen Tage den Franzosen übergeben und am folgenden von dem Herzog von Castiglione besetzt. Was die Ursache dieser schnellen Uebergabe war, ist nicht bekannt. Die Franzosen eroberten acht Fahnen und zweyhundert Artilleriestücke, die fünftausend Mann starke Garnison streckte auf dem Glacis das Gewehr und wurde gefangen nach Frankreich abgeführt.


Die Amazonen in Gerone.[]

[4]
Als die Festung Gerone von den französischen und verbündeten Truppen belagert wurde, befanden sich unter der Besatzung derselben auch zwei Kompagnien solcher Amazonen. Gerone hat vor den eigentlichen Festungswerken mehrere kleine isolirte Forts, welche nach maurischer Art angelegt sind. Diese wurden theils von den Soldaten, theils von den Weibern vertheidigt. Nur eine Kompagnie von diesen schönen Heldinnen war bewaffnet, die andere hatte eine nicht minder ehrenvolle Bestimmung, sie mußte nämlich ihren Kameradinnen die Lebensmittel auf den gefährlichsten Posten zutragen, und für ihre Pflege sorgen. Da diese dem beständigen feindlichen Feuer von den gerade über liegenden feindlichen Feuer von den gerade über liegenden Anhöhen ausgesetzt waren, so war der Dienst dieser Nichtbewaffneten öfters mit großer Gefahr verbunden. Mehrere der waffenlosen Frauen waren schon ein Opfer ihrer Fürsorge für ihre Waffenschwestern geworden. Dieses erschüterte endlich ihren Muth, und sie erklärten kurz weg, daß sie künftig durchaus keine Lebensmittel in die gefährlichen Forts mehr tragen würden.

Anfangs half Zureden; da aber bald wieder einige auf der Wallfahrt das Leben verloren, so war auch dieses fruchtlos. Sie beriefen sich nun auf ihr längst anerkanntes Recht, das ihnen von jeher die Exemtion von allen Gefahren zugestanden habe. Die Spanischen Officiere waren zu artig, als daß sie da mit Strenge hätten befehlen sollen, wo der gute Wille allein wirken sollte. Die Sache gewann ein schlimmes Ansehen, da auch die noch dienstthuenden Weiber nun aufstützig wurden. Eine List half hier plötzlich. Eine ehrwürdiger Mönch ließ die ganze Schaar zusammenrufen und hielt eine sehr eindringende Rede an die Widerspenstigen. Da diese nichts fruchtete, so erklärte er endlich, daß alle die, welche zu ihrer Pflicht zurückkehrten, einen 40 tägigen Ablaß haben sollten. Plötzlich gingen sie in sich. Sie waren sämmtlich einer solchen Wohlthat höchst benöthigt, und gingen mit einem Eifer, den keine Gefahr schwächen konnte, von jetzt an, von Neuem an das große Werk.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Tagebuch der Belagerung von Gerona, im Jahre 1809. Als Erläuterung zum Plane dieser Festung von A. W. Bucher, Hauptmann in Königlich Westphälischen Diensten. 1812.
  3. Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  4. Beiträge zur neuesten Kriegsgeschichte in Spanien und dem Norden von Europa in den Jahren 1811, 1812 und folgenden, mit Rückblicken auf die Kriege in den Jahren 1805 bis 1810. Leipzig, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung. 1813.


Literatur.[]

  • Tagebuch der Belagerung von Gerona, im Jahre 1809. Als Erläuterung zum Plane dieser Festung von A. W. Bucher, Hauptmann in Königlich Westphälischen Diensten. 1812.
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