Relation von der Belagerung von Kosel durch ein bayersches Corps d' Armee unter dem Kommando des Herrn General Lieutenant von Deroy.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Den 20sten Jan. a. c. lief die erste Nachricht ein, daß ein feindliches Korps, von Oppeln her, im Anmarsch sei. Den 23sten wurde die Festung von diesem Korps schon würklich eingeschlossen. Der Feind fand die Besatzung auf den Wällen, und wurde, so wie er der Festung auf einen nur einigermaßen würksamen Kanonenschuß nahe kam, von demselben beschossen. Die Festung war, so gut es die Zeit, die Mittel und Kräfte erlaubte hatten, in Vertheidigungsstand gesetzt; die umliegende Gegend auf die Weite von 900 Schritt von allem, was der Vertheidigung hinderlich seyn konnte, geräumt; die nahe gelegenen Dämme waren abgetragen, und die Gegend, so weit es nur möglich war, durch Anspannungen der kleinen Gewässer, die in die Oder fallen, überschwemmt.

Den 24sten Jan. um 11 Uhr Vormittags erschien der bayersche General von Raglowich als Parlamentair und überbrachte ein Schreiben von dem kommandirenden Generallieutenant von Deroy, worin der Obrist und Kommandant von Neumann aufgefordert wurde, die Festung zu übergeben. Der Herr General von Raglowich wurde nach Verlauf einer halben Stunde mit einer schriftlichen abschlägigen Antwort an den Generallieutenant von Deroy, vom Obrist und Kommandanten wieder abgefertiget. Der Feind wandte itzt alle möglich Mittel an, die Festung auf allen Seiten zu rekognosciren, und die Patroullen näherten sich den Festungswerken so sehr und so ofte, daß fast alle Tage auf die gefeuert werden mußte. Bei Neuhof legte der Feind seinen Artilleriepark an, woraus man aber nicht schlüßen konnte, welche Seite der Festung derselbe eigentlich angreifen würde.

Am 27sten Jan. sah man den Feind hinter dem Klodnitzkanal, auf der pohlnischen Seite der Oder, fleißig arbeiten. Um zu wissen was dort vorgenommen würde, wurde den 28sten Jan. vom Fort Friedrich Wilhelm aus, ein Ausfall gemacht, wodurch diese vorgesetzte Absicht vollkommen erreicht wurde. Es wurden mehrere Häuser, die dem Feinde zum Schlupfwinkel dienten, abgebrannt, der Feind bis hinter den Schiffskanal vertrieben, und gefunden, daß die Arbeiten desselben nur zu seiner eigenen Sicherheit dienen sollten.

In der Nacht vom 28sten bis zum 29sten Jan. eröffnete der Feind den ersten Laufgraben auf dem erst ohnlängst abgetragenen Dembower Damm, in der Weite von 1500 Schritt vom Hauptwalle der Festung.

Mit diesen Arbeiten fuhr dieser bis in die Nacht vom 3ten bis auf den 4ten Febr. fort, wo alsdann die Batterien gegen die Kobelwitzer Redoute, der Rattiborer und Reinschdorfer Fronte und der Wiegschützer Redoute beendiget waren. Auch auf der andern Seite der Oder hatte der Feind mehrere Batterien angelegt, die jedoch mehr zu seiner eigenen Sicherheit als zum Angriff dienen konnten.

Den 4ten Febr. fing der Feind um ¼ auf 8 Uhr Morgens zum ersten Male an, die Stadt und Festungswerke heftig zu bombardiren und mit glühenden Kugeln zu beschießen, und fuhr damit bis Nachmittags um ¼ auf 3 Uhr fort. Um 3 Uhr erschien ein Parlamentair, die Festung von neuem aufzufordern, den aber der Obrist und Kommandant schon am Thore mit einer abschlägigen Antwort abfertigte. Den 6ten Febr. Morgens fing der Feind das Bombardement und das Beschießen der Stadt und der Festungswerke wieder an, und fuhr damit Tag und Nacht, jedoch mit pausen, bis zum 9ten Febr. des Morgens um 7 Uhr fort. Da der Feind sahe, daß er auf diese Weise mit seinen Batterien die Festung nicht zur Uebergabe zwingen würde; so rückte er nun mit seinen Batterien auf der Weite von 900 Schritt, ja selbst auf 450 Schritt an die Festungswerke heran.

Den 11ten Febr. erschien der 3te Parlamentair, die Festung aufzufordern, und gab zum Grunde dieser Aufforderung, was auch schon der zweite Parlamentair versucht hatte, große und wichtige Siege, welche die französische Armee über die Preußen und Russen erfochten haben sollten, an; auch behauptete er, die Festung Schweidnitz habe sich ergeben, deshalb die Vertheidigung von Kosel fernerhin unnöthig seyn würde. Er wurde aber auf Befehl des Kommandanten eben so wenig, als der zweite, in die Stadt gelassen, sondern durch dazu kommandirte Officiers mit der Antwort angewiesen: daß der Obrist und Kommandant nach dem Befehle seines Königes die Festung bis auf das äußerste zu vertheidigen genau zu erfüllen suche, ohne sich im geringsten durch das, was außerhalb der Festung vorfiele, davon abhalten zu lassen. Es war seit etlichen Tagen Thauwetter eingefallen. Die Oder fing an zu wachsen, und ein großer Theil der feindlichen Batterien wurde, wenn auch nicht grade unter Wasser gesetzt, doch die Kommunikation dahin um so beschwerlicher gemacht. Ueberdieß schien der Feind, durch das viele und heftige Schießen, Mangel an Munition zu leiden, weshalb das Feuern desselben bis zum 24sten Febr. fast gänzlich unterblieb, und nur dann und wann feuerte er auf unsere Arbeiter, wo dieselben sich zu sehr zeigten. Während dieser Zeit setzte er seine näheren Batterien in den bessern Zustand und erhöhete seine Kommunikationen.

Den 24sten Febr. Morgens um 7½ Uhr fing der Feind das Bombardement und Beschießen der Stadt und der Festungswerke von neuem an, und fuhr damit, mit allem seinem Geschütz bis zum 4ten März, Morgens um 6½ Uhr Tag und Nacht, jedoch mit abwechselnden Pausen fort.

Den 28sten Febr. war der General von Raglowich wieder als Parlamentair vor der Festung erschienen, um ein Aufforderungsschreiben des Generallieutenant von Deroy dem Obristen und Kommandanten zu übergeben. Dieses Schreiben wurde dem Herrn General vor der Wiegschützer Barriere auf Befehl des Obristen und Kommandanten durch dazu kommandirte Officiers abgenommen, er selbst aber nicht in die Stadt gelassen, und am 1sten März von dem Kommandanten abschlägig beantwortet. Durch diese Unterhandlung wurde das gegenseitige Feuer weiter nicht, theils nur auf etliche Stunden unterbrochen.

Den 4ten März schien der Feind sich völlig erschöpft zu haben, und den Gedanken, die Festung zur Uebergabe zu bringen aufgegeben. Sein Batterienfeuer hörte von jetzt an auf; doch fuhr er noch einige Tage fort mit kleinem Gewehr auf die Kobelwitzer Redoute zu feuern.

Den 6ten März wurde man vom Stadtthurme gewahr, daß bei Neuhof eine Menge Wagen versammlet waren, die den Artilleriepark abzufahren anfingen, und den 7ten konnte man deutlich sehen, daß mehrere Kanonen in den Batterien aufgeprotzt und zum abfahren bereit standen. Um ihm dieses so beschwerlich, als möglich zu machen, wurde Tag und Nacht mit dem Schießen aus der Festung fortgefahren, und den 8ten ein Ausfall gemacht, um dem Feind die nächsten Batterien zu demoliren. Der Ausfall gelang in so fern, daß etliche Schießscharten ruinirt und zugeworfen wurden. Die Artillerie that nun bei Tage alles mögliche und wandte allen Fleiß an, die Batterien des Feindes völlig zu ruiniren. Da man gewahr wurde, daß der Feind seine Laufgräben immer schwächer zu besetzen anfing, wurde am 13ten März wieder ein Ausfall gemacht, unter dessen Schutz die feindlichen Batterien völlig demolirt wurden, ohnerachtet sich der Feind immer mehr in seinen rückwärtsliegenden Laufgräben sammelte und die Demolirung seiner Batterien zu verhindern suchte. Vom 13ten an bis heute sind alle Tage Arbeiter mit Bedeckung aus der Festung herausgeschickt worden, um die Batterien und Laufgräben den Feindes völlig zu demoliren, wogegen sich der Feind nunmehr wenig widersetzte. Seit dieser Zeit sind wir erst recht gewahr worden, wie würksam unser Artilleriefeuer gewesen ist; die Scharten der feindlichen Batterien waren zum Theil völlig zusammengeschossen, und die Laufgräben zu denselben sahen aus, als wenn allenthalben Schießscharten darein eingeschnitten wären; auf jeder Stelle der Laufgräben und in den Batterien liegen von uns abgeschossene Kugeln und Stücke von gegossenen Granaten und Bomben.

Unser Artilleriefeuer ist um so würksamer gewesen, da es durch seine Stellung die feindlichen Batterien von vorn und von der Seite gepackt hatte und überdieß der feindlichen Artillerie beständig überlegen war und blieb. Um dieses zu erreichen, hatte der Oberst und Kommandant, trotz der schwachen Besatzung, und ohngeachtet zu Anfange der Belagerung die Graben gefroren waren und mit aller Anstrengung nicht alle Gräben, besonders die äußersten nicht, wegen ihres großen Umfanges aufgeeist werden konnten, doch alle detachirte Werke und den Hauptwall besetzt, und postirte auch einen Theil des Geschützes des Hauptwalles, sogleich auf der Stadtenveloppe, sobald sich das Thauwetter einstellte und es leichter wurde mit weniger Besatzung die Enveloppe zu vertheidigen. Hierdurch gingen die Vortheile der Festungswerke über das innliegende Terrain nicht verloren, und der Feind durfte es nicht wagen, während dem Froste die Festungswerke der Stadt zu stürmen. Nach allen Nachrichten soll der Feind von der Festung sehr viel Leute verloren haben.

Den 14ten März fing der Feind an, das rechte Ufer der Oder zu räumen und sich gänzlich und allein auf das linke Ufer zusammen zu ziehen. Jetzt steht derselbe in und bei den nahegelegenen Dörfern Rogau, Komorno, Wiegschütz und Reinschdorf, von wo er alle die ihm nahe gelegenen Dörfer abpatrouillirt. An mehreren Orten hat der Feind noch Exekutionskommando's stehen, selbst noch auf dem rechten Ufer der Oder. Daraus ist zu schließen, daß der Feind sich bei Reinschdorf und Wiegschütz verschanzt habe; die Verschanzungen aber scheinen nicht gegen die Stadt gekehrt zu seyn.

Den 10ten April wurde ein Ausfall gegen Reinschdorf und Wiegschütz gemacht, um den Feind, welcher auf dem Wiegschützer Damm einen Durchschnitt zum Wasserabfall gemacht hatte, und auch zum Hinterhalt seiner Wachen diente, daraus zu vertreiben. Auch wurde dadurch erlangt, daß der Durchschnitt und die anderen Hinterhalte zugeworfen, und der Feind bis in die Dörfer getrieben wurde.

Den 11ten kam die Nachricht, daß sich der Feind wieder auf das linke Ufer der Oder ziehe.

Den 16ten April ließ der hiesige Kommandant eine Patrouille von 15 Mann Husaren und 6 Jägern nach Klodnitz reiten, um zu wissen, ob der Feind das Dorf stark besetzte. Im Dorfe war nur eine feindliche Wache von 15 bis 20 Mann, welche sogleich in die Flucht getrieben wurden und 4 Bayern wurden von unsern Husaren gefangen.

Vom 17ten bis 18ten April des Nachts wurde ein Ausfall nach Dembowa gemacht, um die noch auf dem Vorwerk daselbst befindlichen Kühe und Kälber in Beschlag zu nehmen; was denn auch erlangt wurde.

Die Fortsetzung nächstens.


Belagerung von Kosel.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Der Fall von Brieg vereitelte sowohl die vorgeschlagene Zusammenkunft des Fürsten Anhalt-Pleß mit dem Prinzen Jerome zu Pampitz, als auch den Wunsch des Fürsten, einen dreimonatlichen Waffenstillstand zu erhalten. Denn mit Brieg hatte der preußische Befehlshaber in Schlesien zugleich ein Entschädigungsmittel verloren, welches er für Bewilligung der Waffenruhe anbieten konnte. Prinz Jerome richtete daher den Blick auf die Eroberung der Vesten Kosel und Schweidnitz.

General Deroy wandte sich gegen Kosel. Mit seiner Division waren die Batterien Roppelt, Göschel, Vandouve. Ihm zur Rechten zog die Brigade Mezanelli nebst den leichten Bataillonen Braun und Taxis, zur Sicherheit vor feindlichen Wagstücken von Neisse her. Er kam vor Kosel an. (23ten Jänner) Die Vestung war, nach Montalembert's Vertheidigungsweise in Rechtwinkeln, gänzlich umgewandelt, mit trefflichen Kasematten versehen, und von tiefen mit Caponnieren gedeckten Graben umringt. Darinn befehligte der tapfere Oberst Neumann an der Spitze vieler Braven.

Gleichwie Deroy die Stadt mit dem 5ten und 10ten Regiment, auch dem zweiten Bataillon vom 4ten Linien-Regiment und drei Geschwadern des zweiten Chevauxlegers-Regiments auf dem linken Oderufer umschloß: so that dasselbe auf dem rechten Ufer der General Siebein. Dieser war, der Brigade Raglowich über Oppeln folgend, mit seiner Brigade, und begleitet von der Batterie des Hauptmanns Peters, vor Kosel erschienen. Man verlegte die Mannschaft auf die benachbarten Dörfer umher, und stellte nur die Pikets auf Kanonenschuß-Weite in die Ortschaften Rogau, Klodniz, Kobelviz, Reinsdorf, Pogerzellitz und in das Jägerhaus. Denn die winterliche Witterung war äußerst rauh, der Frost strenge. Aber eben diese Kälte machte es nur möglich, sich einer Stadt belagerungsweise zu nahen, die bei milderer Witterung vermittelst eines vortrefflichen Wasserspiels rings umher den Boden überschwemmen kann, der ohndem so sumpfig ist, daß man fast überall, wo man einschreitet, schon bei anderthalb Fuß Tiefe Wasser erblickt.

Der Generallieutenant Deroy hatte sein Hauptgelager in Comorn, Siebein zu Januskowitz, Raglowich in Reinsdorf, Mezanelli zu Oberglogau, von wo er Verbindung mit dem kleinen Beobachtungs-Corps des französischen Generals Lefebre zu Oppeln (nachmahls bei Strehlen) unterhielt, welcher die Belagerung von Schweidnitz zu decken hatte.

In den ersten Tagen begnügte man sich einzelne Kanonenschüsse zu wechseln, die Umgebungen der Vestung zu untersuchen, das von Breslau kommende Belagerungsgeschütz unterwegs zu sichern, die ersten Batterien vor dem Dorfe Klodnitz, hinter dem Damm und an der äußeren Brücke anzulegen, Streifzüge auszusenden, um allfälligen Bewegungen des Feindes nachzuspähen, und bei Pogerzellitz eine Ueberfahrt der Oder und damit bessere Verbindung des Belagerungsheeres herzustellen. Auch trafen zur Hülfe 30 französische Sappeurs mit zwei 50 Pfünder Mörser ein.

Die Belagerung drohte von langer Dauer zu werden. Der Befehliger der Vestung hatte jede Aufforderung abgeschlagen und erklärt, nicht an Uebergabe zu denken, bis ihm das Tuch in der Tasche brenne. Er beschloß fortwährend, wenn auch ohne Erfolg, die ausgestellten Posten, brannte erst eins der Häuser von Klodniz, jenseits des Mühlbachs, endlich (26 Jänner) das Dorf Klodniz selbst durch Haubitzgrenaden ab. Endlich (28. Jänner) fiel er sogar mit 300 Mann, zwei Kanonen und einiger Reiterei aus, vermuthlich um die Stellung der Brigade Siebein, die sich rechts an die Oder lehnte, zu umgehen, und sich der bei der sogenannten Eisen-Niederlage befindliche Artillerie zu bemächtigen. Gebüsche verbargen anfangs den feindlichen Zug, bis er eine kleine Höhe vor dem montalembertischen Thurm erreicht hatte, von da er das heftigste Feuer gegen das Piket bei der Eisen-Niederlage richtete. In verschiedenen Haufen rückte indessen sein Fußvolk gegen den Kanal von Klodniz.

Allein die ausgestellten Posten, alle vom ersten Linien-Infanterie- oder Leibregiment, thaten ihre Pflicht. Der Lieutenant Baron Griessenbeck warf sich mit seinem schwachen Piket dem Feinde kühn entgegen. Er selbst, obgleich schon im Halse verwundet, nahm mit eigner Faust zwei Preußen gefangen. Hauptmann Peters ließ eine seiner Kanonen schleunigst auf den Kanaldamm führen, und sie furchtbar spielen. Hauptmann Hofstetten stellte mit nicht geringerm Erfolg eine Kanone vor den Eingang des Dorfes. Der Lieutenant Anton Baron Gumppenberg bedrohte mit seinen Schützen vom ersten Bataillon des Feindes rechte Seite, während der Oberstlieutenant Graf Waldkirch rasch sämmtliche Abtheilungen des Leib-Regiments in Bewegung setzte, jedem möglichen Unfall seiner bedrängten Pikets vorzubeugen. Also ward der Feind über den Kanal zurückgeworfen. Auch das Feuer des am linken Oderufer stehenden Pikets (ein Unteroffizier und neun Mann) vom zweiten Bataillon des 4ten Linien-Regiment s wirkte kräftig zum Rückzug der Belagerten; denn die Oder ist dort nicht zu breit.

Erst am 4ten Februar konnte das Belagerungs-Geschütz aus allen Batterien thätig werden. Der französische Oberst Blein leitete das Geniewesen. Das Wasser in den Laufgräben hatte alle Arbeiten sehr verzögert. Aber weder die Beschießung an diesem Tage, wodurch nur die Gebäude der kleinen Stadt Kosel sehr beschädigt wurden, noch die an den folgenden Tagen, brachte den Feind, der von den Wällen lebhaft antwortete, auf andern Sinn. Sein Geschütz traf wirksam gegen die baierischen Batterien, brachte der Mannschaft Verlust, und tödtete unter andern auch den selbst von den Franzosen hochgeschätzten, verdienstvollen Artillerie-Major Grafen von Spretti in seiner Batterie, durch das Stück einer zersprungenen Grenade.

Während der Befehlshaber von Kosel die ihm anvertraute Veste so ehrenvoll zu vertheidigen wußte, übergab der preußische Oberstlieutenant Haack, die äußerst wichtige Vestung Schweidnitz, als Befehlshaber derselben, an den General Vandamme (7ten Februar), doch unter der Bedingung, daß die Besatzung erst am 16ten Februar kriegsgefangen seyn solle, wenn bis dahin Entsatz erfolgen würde. . . .

Die Belagerung und Beschiessung von Kosel hatte inzwischen ihren Fortgang gehabt. Die Stadt war dadurch viel beschädigt worden. (Eine auf die Hauptwacht gefallene Bombe tödtete vier Mann und verwundete eben so viele). Auch war die Zahl der preußichen Ueberläufer sehr groß. (bis zum 18ten Februar schon über 500 Mann.) Demungeachtet ward mit dem Allen für den Generallieutenant Deroy wenig gewonnen. Denn nun traten, zum Glück der Belagerten, Thau- und Regenwetter ein. (Den 11ten Februar). Bald stand die ganze Ebene rings um Kosel unter Wasser. Die Verbindung zwischen den Pikets ward unterbrochen. Das Geschütz konnte aus mehreren Batterien nur noch mit großer Mühe zurückgezogen werden, eh' es ersäuft ward. Das vom Obersten Blein bei Kanterszin angelegte Werk, dem Feinde das Trinkwasser abzuschneiden, gieng dabei gänzlich zu Grunde. Mehrere Posten an der Oder und bei der Ziegelhütte mußten wegen der wachsenden Ueberschwemmung eingezogen werden. Zuletzt da die Oder immer mächtiger anschwoll, konnte man sogar die Beschiessung des Platzes nicht einmahl mehr fortsetzen, weil Laufgräben und Batterien unter Wasser standen, und nur mit Gefahr und Mühe, (wegen des feindlichen Feuers von den Wällen,) nachmahls ausgebessert werden konnten, als die Wasserhöhe wieder abnahm.

Zu diesem allen trat ein neuer Umstand, welcher den Gang der Belagerung lähmte. Prinz Jerome, der um diese Zeit erfahren hatte, daß ein starkes russisches Corps gegen Schlesien im Anzug sey, wollte eiligst einen Heerhaufen von 10 bis 12,000 Mann bei Oels zusammen ziehen. Dahin mußten auch die Generale Lefebre und Mezanelli mit dem größten Theile ihrer Truppen aufbrechen. So wurde sowohl das Belagerungs-Corps vor Kosel, als der bey Oberglogau zur Beobachtung aufgestellte Heerhaufe ungemein geschwächt, und damit den Zurückbleibenden der beschwerlichste Dienst aufgebürdet. Zum Glück dauerte dieser Zustand nicht lange. Die Siege Napoleons in Preußen zerstreuten bald alle Sorge vor dem Erscheinen der Russen in Schlesien. Was nach Oels gezogen war, kehrte zu den frühern Bestimmungen zurück. Nur das erste und sechste Linien-Regiment giengen als Besatzung nach Breslau; das siebente besetzt Ohlau; das vierzehnte (mit Ausnahme von drei vor Kosel stehenden Compagnien) Schweidnitz; das fünfte leichte Bataillon Lamotte die Festung Brieg. Und wie Deroy die Veste Kosel, so belagerte Vandamme mit den Würtembergern Neisse.


Bericht des Divisions-Generals Hedouville.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Bericht des Divions-Generals Hedouville, Chef des Generalstabes des 9. Korps an Se. kaiserl. Hoheit den Prinzen Hieron..mus Napoleon: [3]

"Die Preussischen Truppen, welche die Festung Kosel vertheidigen, hatten am 10. d. M. um 6 Uhr Morgens einen Ausfall gemacht. Ihre Stärke betrug 600 Mann Infanterie, beynahe 100 Mann Kavallerie und 4 Kanonen. Der Angriff war auf die Dörfer Rogau, Wiegschütz und Reinsdorf gerichtet, woselbst der General Raglowich, Kommandant der Blokade von Kosel, unsere Vorposten hingestellt hatte. Das leichte Bataillon von La Motte, welchem die Vertheidigung von Kosel aufgetragen war, hielt den Angriff mit der größten Standhaftigkeit aus, und zwang den Feind, sich mit Verlust zurückziehen. Das Piket, welches auf der grossen Strasse vor dem Dorfe Wiegschütz aufgestellt war, behauptete sich in seiner Stellung bis zu dem Augenblick, wo der Feind 2 Kanonen vorrücken ließ. Alsdann zog es sich zu den im Dorfe befindlichen Truppen zurück. Die Wirkung unserer Artillerie, verbunden mit der festen Haltung der Infanterie, nöthigte den Feind sich eiligst zurückzuziehen. Der Hauptangriff geschah auf Reinsdorf, auf welches Dorf der Feind mit 2 Kanonen und dem größten Theil seiner Infanterie losgieng. Er versuchte hier einen geraden Angriff, und machte zu gleicher Zeit den Versuch das Dorf zu umgehen, und die Truppen, welches es vertheidigten, in die Flanke zu nehmen. Aber dieser Versuch glückte ihm eben so wenig, als der auf das Dorf Wiegschütz. Die Artillerie und die Pikets vom 5. Lin. Inf. Regimente haben ihn anhaltend zurückgeschlagen. Ein Preussisches Detaschement, welches unter grossem Geschrey auf der Strasse von Kosel nach Reinsdorf, diesseits des Durchschnittes eines Dammes, vorrückte, wurde von dem Hauptmann Seedus mit der größten Lebhaftigkeit angegriffen, und gezwungen in der aussersten Unordnung wieder über die Brücke zurückzuziehen. So sind also die Preussen, deren Vorsatz es war, unsere Vorposten zu entfernen, auf allen Punkten lebhaft zurückgeschlagen worden, obgleich die Dörfer Rogau, Wiegschütz und Reinsdorf dem Festungs-Artilleriefeuer ausgesetzt sind. Der Verlust des Feindes ist beträchtlich, wir haben auf unserer Seite nicht mehr als 2 Todte und 7 Verwundete, worunter sich ein Offizier befindet. Der Lieutenant Fuß, vom 6. leichten Bataillon von Taxis, hat sich in dieser Affaire vorzüglich ausgezeichnet. Er war nehmlich mit einer Kompagnie abgeschickt worden, um den Posten von Reinsdorf zu verstärken, schickte aber, da er bemerkte, daß ein Detaschement durch, einen Morast zu gehen versuchte, um einen Angriff auf unsere linke Flanke zu machen, nicht mehr als die Hälfte seiner Kompagnie ins Dorf, und stieß mit der andern Hälfte auf den Feind, welchen er, ungeachtet der Schwierigkeiten, welche ein morastiger Boden ihm darboth, worin die Soldaten bis an die Knie wateten, in gänzliche Unordnung brachte. Ein Tambour, 15 Jahre alt, mit Nahmen Olkebay, hat sich bey dieser Gelegenheit besonders bemerkbar gemacht: indem er mit den Tirailleurs vorwärts marschirt war, und zum Angriffe schlug, befand er sich so tief im Moraste, daß er nicht wieder zurück konnte. Er lehnte die Hilfe der Soldaten von sich ab, und sagte zu ihnen, daß er, trotz seiner Lage, es dich versuchten würde, sich hören zu lassen, und daß es ihren Beystand nicht eher annehmen würde, als bis der feind zurückgeschlagen sey.

Im Hauptquartier Sr. kaiserl. Hoheit des Prinzen Hieronymus Napoleon, im Lager vor Glatz, den 18. April 1807.

Der Divisions-General, Chef des Generalstabes des 9. Korps. T. Hedouville."


Ueber die Vertheidigung von Cosel, von dem Hauptmann von Wostrowsky.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[4]
Es ist bis jezt noch in keiner Zeitschrift ein auf authentischen Angaben beruhender Bericht über die Vertheidigung der Festung Cosel erschienen, und was darüber hin und wieder gesagt worden, ist zum Theil ganz unrichtig, zum Theil auch dabei die Vertheidigung von Cosel ins Dunkle gestellt. So finde ich so eben in dem 4ten Bande der vertrauten Briefe, über die innern Verhältnisse am Preußischen Hofe, einen Aufsatz, in welchem der Vertheidigung von Cosel nur gedacht zu seyn scheinet, um die Vertheidigung der Festung Neisse, besonders durch die Behauptung, daß Cosel nur dadurch erhalten worden, mehr zu heben.

Der Einsender beruft sich dabei auf ein Journal, über die Vertheidigung der Festung Cosel, dessen Richtigkeit er verbürgen will. Seine Behauptungen könnten wohl hier und da Glauben finden.

Der Zeitpunkt, wo ein vollständiger Bericht über die Vertheidigung von Cosel ins Publikum gegeben werden kann, scheint noch nicht gekommen zu seyn; die mancherlei falschen Nachrichten und Behauptungen können aber von der Garnison der Festung Cosel nicht ganz mit Stillschweigen und Gleichgültigkeit übergangen werden. Ich liefere deshalb nur zur Widerlegung unrichtiger Angaben und Behauptungen über Cosel, hier einige Nachrichten, deren Richtigkeit ich als Augenzeuge durch meinen Namen verbürge.

Es ist keinesweges meine Absicht, die Vertheidigung der Festung Neisse zu tadeln, und den ihr mit allem Rechte gebührenden Ruhm beeinträchtigen zu wollen, und eben so wenig geht meine Absicht dahin, die Behauptungen des Neisser Einsenders über Neisse anzugreifen, sondern nur was unrichtig von Cosel behauptet wird, will ich widerlegen.

Die feindlichen Batterien, welche über die Hälfte die Festung umgaben, standen nicht isolirt da, sondern waren durch Laufgräben verbunden, zu welcher Communications-Gräben führten. Aus diesen Batterien wurde die Festung Cosel in der Zeit vom 4ten Febr. bis 5ten März 1807 nicht 19 mal in 9 Tagen sondern 25 mal in 15 Tagen bombardirt, kanonirt und darunter mit glühenden Kugeln beschossen. Nach der Behauptung des Neisser Einsenders, daß Neisse 123 starke Bombardements ausgehalten, scheint es wohl, als sey das Bombardement von Cosel in gar keinem Vergleich mit Neisse zu setzen; allein wie aus dem herausgekommenen Tagebuche von der Belagerung der Festung Neisse, geführt von einem Preußischen Offizier, hervorgeht, sind bei der Angabe der Bombardements von Neisse oft einzelne Würfe von ambulanten Haubitzen, zu der Ehre eines Bombardements erhoben, und mit gezählt worden. Bei den 25 Bombardements, welche Cosel erlitten, wurde die Festung von allen feindlichen Batterien niemals unter 5 Stunden, öfters unausgesetzt 12 Stunden beworfen und beschossen. Der Unterschied der Heftigkeit beider Bombardements wird also so groß nicht seyn, doch sey dieß auch, so ist Neisse auch im vieles grösser als Cosel, und Bomben und Kugeln fielen dort nicht auf einen so kleinen Raum als hier. Außer jenen 25 Bombardements wurden hier noch öfters einzelne Werke von mehreren feindlichen Batterien beschossen, oder beständig mit kleinem Gewehr Feuer beunruhigt. Wie viel Pulver und Kugeln aus der Festung dabei verschossen worden, weiß der Artillerie genau, ich halte es aber für überflüssig dieß anzuführen, da sich daraus gar nicht auf den Werth der Vertheidigung schließen läßt, und vieles Schießen oft der Vertheidigung nur nachtheilig wird, und wenn daraus Mangel an Pulver entsteht, selbst den Fall der Festung nach sich ziehen kann -- hier wurde sehr wirthschaftlich mit dem Pulver umgegangen, alles unnütze Schießen aus einzelne Leute, wodurch man doch nichts effectuirte, vermieden, nur gegen die Arbeiter bei den feindlichen Batterien, und gegen die Batterien selbst wurde nichts gespart.

In der Mitte des Februars wurde ein Theil der feindlichen Lauf- und Communications Gräben von dem Wasser überschwemmt. Da aber die Batterien des Feindes durchgehends auf kleinen Erhöhungen angelegt waren, so blieben diese, eine einzige ausgenommen vom Wasser verschonet.

Der Feind zog während des großen Wassers sein Geschütz nicht zurück, sondern schoß daraus auf unsere Arbeiter, sobald sie sich nur blicken ließen. Auch hatte der Feind während des großen Wassers auf einige Erhöhungen näher an der Festung neue Batterien angelegt, wozu er sich die Communication aus Laufgräben durch Anfüllungen von Fachinen möglich machte, und fing, nachdem am 24sten Febr. das große Wasser wieder abgelaufen war, das Bombardement von neuem wieder an, welches er bis zum 5ten März, 9 Tage und 10 Nächte so heftig fortsetzte, als wohl selten eine Festung bombardirt und beschossen worden ist. Da der Feind von den vielen Ueberläufern erfahren haben mochte, daß die Stadt durch das bis dahin erlittene Bombardement schon völlig ruinirt wäre, so richtete er in diesen Tagen des März seine Mortiers auch nicht mehr auf die Stadt, sondern ließ sie gemeinschaftlich mit seinem andern Geschütz auf die Festungs-Werke spielen.

Wie lange sich Cosel bei einem fortgesetzten anhaltenden Bombardement erhalten haben würde, wenn der Feind nicht am 12ten März die Belagerung hätte aufheben müssen, läßt sich freilich nicht bestimmen, aber so viel kann mit Bestimmtheit behauptet werden, daß der Commandant von Neumann, das äußerste erwarten haben würde, so wie es in der Folge der Commandant von Puttkammer that.

Die Garnison von Cosel bestand aus zwei dritten Musquetier-Bataillons, zwei neu errichteten National-Reserve-Bataillons, zwei Invaliden-Compagnien, der Festungs-Artillerie-Compagnie, nebst einem Artillerie-Commando, welche zusammen 11 Bombardiers und 106 gemeine Canoniers enthielten, aus einem 174 Mann starken unberittenen Dragoner und 40 berittenen Cavalleristen-Depot und einigen 30 Landjägern. Die Summe aller Köpfe die zum Militär-Etat gehörten, betrug im Anfange der Belagerung incl. der Artillerie-Knechte und sonstiger Nicht-Combatanten 4230 Mann.

Aus dem 3ten Musquetier-Bataillon hatten die Regimenter bei ihrer Mobilmachung die tauglichsten und zuverlässigsten Leute an sich gezogen; die National Bataillons waren erst kurz vor Einschließung der Festung errichtet, sie bestanden theils aus schon verabschiedet gewesenen Invaliden-Soldaten, theils aus Rekruten, von denen eine Anzahl Ende Novembers 1806, die meisten im Dec., viele auch erst im Januar 1807 aus den Kreisen oft mit Gewalt ausgehoben worden waren; sie waren bei dem Anfange der Belagerung größtentheils noch nicht montirt, nur mit schlechten Waffen versehen, hatten, da zum wirklichen Exerciren keine Zeit war, statt dessen nur einigemal mit Pulver geschossen, und mußten bei der strengsten Jahreszeit ihren Dienst in Bauerkitteln und mit Pudelmützen versehen.

So wurde Cosel am 23sten Januar berennt; der starke Frost bei allen Gräben, und die vor der Festung veranstaltete Ueberschwemmung fest gefroren, erheischte einen strengen Dienst, da auch bei der größten Anstrengung der wenigen Mittel wegen die Festungs-Gräben nur zum Theil aufgeeiset werden konnten, und gleichwohl mußte der Dienst von zum Theil noch nicht montirten und größtentheils noch gar nicht einmal einexercirten Truppen geleistet werden. Die Unzulänglichkeit der Kräfte, die Festungs Gräben alle offen zu erhalten, machte es auch der damals äußerst unsichern Garnison möglich, bis dahin wo die Festungs-Gräben nicht mehr zufroren, zu 40, 60 ja bis 90 Mann zu desertiren, so daß ganze Wachen mehrmals in einer Nacht ganz von neuem besetzt werden mußten, ohngeachtet kein Mittel unversucht blieb, dieser Desertion vorzubeugen. Als die Festungs-Gräben nicht mehr gefroren waren, entstanden Complotts, welche sich so vergrößerten, daß im Anfange des März fast die ganze Garnison im Complott begriffen war, dessen gänzlicher Ausbruch nur durch die exacteste Wachsamkeit und gleich ergriffenen strengen Maaßregeln vorgebeugt wurde. Ein Theil in der Stadt hatte schon den Versuch gemacht, durch Ueberfallung der Wache, und durch Abschlagung der Schlösser an den Brücken sich einen Weg aus der Festung zu bahnen. Auf einem detaschirten Posten brachen die Complotteurs wirklich mit offenbarer Gewalt durch und entkamen; auf einem andern auswärts detaschirten Posten, sollte in derselben Nacht der Capitän mit seinen ihm untergebenen Officiers ermordet werden, damit die Complotteurs desto ungehinderter ihr Vorhaben ausführen konnten; der Capitän entdeckte das Complott, entwaffnete und arretirte zu rechter Zeit die ganze ihm untergebene Mannschaft, durch Hülfe einiger in der Nähe stehenden Compagnien und verhinderte dadurch so das treulose Vorhaben.

Erst als 5 dieser Aufrührer erschossen waren, wurden die übrigen abgeschreckt und haben zum Theil nachher durch Treue und Bravour sich ausgezeichnet, so daß nun der Commandant sich gewiß auf seine Garnison verlassen konnte.

Vom Einschluß der Festung bis zum Ende des Bombardements, oder vom 23sten Januar  bis zum 5ten März, sind 856 Mann desertirt. Nun verminderte sich zwar die Desertion, allein nun hatten wir desto mehr mit Krankheiten zu kämpfen, die auf die, durch den schweren Dienst erlittenen Fatiguen unausbleiblich folgen mußten, und unter denen ein bösartiges, galligtes Nerven-Fieber sich besonders auszeichnete.

Das Lazareth war auf höhern Befehl nur auf 500 Mann eingerichtet und auf 3 Monate mit Medicin versehen. Schon im Februar fingen die Krankheiten an einzureißen, von Anfang des Monates April an, waren nie viel weniger als 700 Mann im Lazareth und am 1sten Mai belief sich die Krankenzahl laut Rapports auf 799, worunter 32 Officiers. So sehr man auch bemühet gewesen war, Anstalten zu treffen, um mehreren Raum für mehrere Kranke zu gewinnen, so reichte der Platz bei dieser Vermehrung der Krankenzahl doch nicht hin, dazu kommt, daß die Arzneyen sehr abgenommen hatten, daß die Lagerstäten nicht zureichten, und die Madratzen unter den Kranken verfaulten, so daß viele auf der bloßen Diehle liegen mußten, dies bestimmte die Chirurgen, die Leute, sobald es nur irgend möglich war, wieder aus dem Lazareth zu entlassen, und der Mangel an Mannschaft zum Dienst, nöthigte den Compagnie Chef die Leute sogleich zum Dienst anzustellen, ungeachtet noch lange Zeit nachher die von dem Nervenfieber zurückgebliebene Schwäche fort dauerte. In den Monaten April, Mai und Anfang Junius, wurden im Durchschnitte täglich 15 Mann begraben, zuweilen sogar 20. In der Mitte des Junius belief sich die Anzahl der Kranken, auf 650 Mann und der tägliche Abgang war im Durchschnitt auf 14 Mann zu rechnen. Es waren in der Mitte des Junius noch ungefähr 1500 Mann von der ganzen Garnison zum Dienst, diese waren noch zum größten Theil durch die erlittenen Nervenfieber, von denen sie, bei dem immermehr zunehmenden Mangel an Lebensmitteln sich nicht erhohlen konnten, so ermattet, daß man auf ihre physischen Kräfte sich gar nicht verlassen konnte, dies ging soweit, daß zuweilen Leute auf ihren Posten todt niederfielen. Das an und für sich nicht schwache -- Blokade Corps war nun um so stärker gegen eine so durch Mangel, Fattiguen und Krankheit ermattete Garnison; das Elend war unglaublich, konnte aber den Vorsatz des Commandanten nicht ändern, die Festung aufs äußerste zu halten.

Neisse capitulirte den 31sten Mai. Dies wurde uns sogleich von dem Feinde bekannt gemacht, Cosel capitulirte den 18ten Julius, nicht weil Neisse übergangen, sondern weil jezt die angetragene Capitulation das einzige Mittel war, dem Könige die Festung noch länger zu erhalten, und die Hoffnung eines Entsatzes für uns noch auf längere Zeit auszudehnen, als es ohne Capitulation möglich gewesen seyn würde. Dies scheint paradox und ist doch richtig. Den 1sten Junius war alle Butter, alles was Fett heißt, als Speck, Talg, Oehl xc in den Magazinen ausgegangen, Hopfen und Hafer fehlten schon längst, das sogenannte Bier, eigentlich nichts als gekochtes Gesten Wasser, was also am 1sten Tage widerlich süß, am folgenden schon sauer, Gutes Trinkwasser hatten wir schon seit längerer Zeit nicht mehr. Aus der erst während der Blokade eingerichteten Branntwein Brennerey wurde wenig gewonnen; denn die Schrotung konnte, weil der Feind unsre Mühle außer Stand gesezt hatte zu mahlen, nur durch Handmühlen bewirkt werden, und Mehl, welches statt des Schrotes genommen werden mußte, gab wenig aus; der Soldat erhielt deshalb nur noch etwa die Hälfte der ihm sonst bestimmten, bei der Gewöhnung des Oberschlesischen Landmannes zu diesem Getränke, ohnehin schon sehr knappen Quantität, und außerdem konnte ihm nur alle 6 Tage 1/2 Quart verkauft werden. Von den Arzneymitteln waren mehrere Artikel schon längst aufgegangen, und der ganze noch übrige Bestand reichte höchstens bis zum 1sten Julius. Fleisch, sowohl geräuchertes als frisches, welches leztere besonders für das Lazareth bestimmt wurde, war mit Einschluß alles Viehes, welches die Bürgerschaft besaß, und welches ebenfalls in Beschlag genommen war, nur bis zum 5ten Julius vorräthig, der gesammte Victualien-Bestand war den 6ten Julius aufgezehrt, der Cassen-Bestand wovon aber außer der Löhnung schon seit langer Zeit nichts bezahlt worden war, bis zum 20. Julius. Hätte nun unter diesen Umständen, -- und da die Besatzung, deren physische Beschaffenheit schon oben angeführt worden, den täglichen Wachtdienst, ungeachtet in den innern Festungswerken schon fast gar keine Posten mehr ausgestellt wurden, schlechterdings nicht mehr bestreiten konnte, -- der Feind, wie wohl zu vermuthen stand, die Festung auch nicht angegriffen, so mußten wir uns doch spätestens den 3ten Julius auf Gnade oder Ungnade ergeben.

Durch die am 18ten Junius abgeschlossene Capitulation erhielten wir nicht allein wöchentlich vom 18ten Junius bis 16ten Julius als den Termin der Uebergabe, zum Behuf des Lazareths 4 Ochsen, 10 Hammel, 150 Quart Butter, 40 Quart Wein, 10 Quart Reis, 4 Hüthe Zucker, überdies noch für diese ganze Zeit bis zum 16ten Julius 1 Oxhoft Weinessig, soviel Medicin und Hopfen als verlangt wurde, sondern die Mühle konnte wieder in Stand gesezt werden zu mahlen, und wurde dazu angewendet, aus dem noch vorräthigen Getreide Graupen zu mahlen. Es konnte jezt vor dem Thore Stroh erhalten werden, um unsern Kranken wieder, das so lange entbehrte Lager zu verschaffen zu können, auch gutes Trinkwasser erhielten wir wieder, und ohnehin sahe der Commandant auch wohl voraus, daß der Feind nach abgeschlossener Capitulation die Blokade nicht mit der frühern Strenge fortsetzen, und daß dadurch noch so manche Bedürfnisse, an denen es mangelte, in die Stadt eingeführt werden würden, und dergleichen mehr; nur auf diese Art war es möglich noch bis zum 1sten Julius zu subsistiren, und nur auf diese Art konnte die Festung um 13 Tage länger, als es sonst möglich gewesen wäre, erhalten werden. Hierzu kommt der Vortheil, daß der Commandant durch abgeschickte Officiers Se. Maj. den König und den Herrn Grafen von Götzen von unsrer Lage ganz genau unterrichten konnte, damit, wenn es irgend möglich war, von einem oder dem andern Orte aus, etwas für die Festung gethan werden könne. Es war allerdings ein glücklicher Zufall, daß grade zu dieser Zeit der Friede eintrat; allein, war es auch bloßes Glück, daß der Commandant sechs Monate die Festung erhielt, wodurch erst jener Umstand für uns ein Glück werden konnte? –

Es bedarf nach diesen Bemerkungen wol keiner Erörterung mehr, daß die Vertheidigung von Cosel von der Vertheidigung anderer Festungen unabhängig war, daß so wenig der Fall anderer Festungen ihren Fall befördert, als die Vertheidigungen anderer Festungen sie erhalten hat.

So sehr ich also auch der Vertheidigung von Neisse alle Gerechtigkeit wiederfahren lassen muß, und vollkommen einverstanden bin, daß Neisse sich brav, sehr brav gewehrt hat, so hat, wie aus dem vorhergehenden deutlich zu sehen, diese Festung doch nichts zur Erhaltung der Festung Cosel beigetragen.

Dies Glück verdankt sie allein dem Muth und der Beharrlichkeit ihrer Commandanten.

Cosel, den 15ten Julius 1808.

Franz von Wostrowsky.
Königl. Preuss. Hauptmann und der Verdienst Ordens Ritter.  


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1807]

[5]
Ueber die Kriegsvorfälle in Schlesien erschienen am 8. und 9. Febr. in Breslau folgende Tagsbefehle:

Der Major, Graf v. Spretti, welcher die Artillerie der 1. Baierschen Division, und jene der Belagerung von Kosel kommandirte, wurde gestern den 7. vor dieser Festung in der Batterie Nr. 3. durch eine zersprungene Haubitze getödtet. Se. Maj. der König von Baiern verlieren an ihm einen Offizier, der eben so sehr durch seine Talente, als durch seine Thätigkeit, und gänzliches Widmen für den Dienst sich ausgezeichnet hat: dieser Verlust ist den Franzosen, die mit ihm gedient haben, nicht minder fühlbar als den Baiern. . . .

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Von dem Ueberreste des Bayrischen (grossentheils nach Pohlen gezogenen) Armeekorps in Schlesien, erschienen folgende offizielle Berichte:

[6]

"Am 28. Jän. Morgens gegen 9 Uhr versuchte die Besatzung von Kosel mit ungefähr 300 Mann und 2 Kanonen den ersten Ausfall gegen die königl. Bayerischen Belagerungs-Truppen. Der Unterlieutenant des 1. Linien-Infanterie-Leibregiments, Baron Griesenböck, eilte, obwohl ihm der Feind fünfmale überlegen war, demselben beherzt entgegen, hielt ihn durch ein sehr wohl angebrachtes Feuer von weitern Vorrücken auf, und nahm, nachdem er selbst verwundet war, 2 Preussen mit eigener Hand gefangen. Durch seine Entschlossenheit und sein rasches Vordringen, da er als ein muthweckendes Beyspiel sich immer an der Spitze der Mannschaft befand, gewann die Batterie des Kapitain Peters, gegen welche eigentlich der Zweck der Ausfalls gerichtet war, Zeit, gegen den Feind mit Nachdruck zu wirken, und denselben in die Festung zurückzuweisen. Der Unterlieutenant Baron Griesenböck focht mit entschlossenem Muth; der Schützenlie tenant Ant. Bar. Gumppenberg bestrebte sich unter einem heftigen feindlichen Feuer mit vieler Anstrengung dem Feinde von Klodnitz aus in die Flanke zu kommen. Von der Artillerie haben sich bey dieser Gelegenheit die Kapitains Peters und von Hofstetten, der Oberfeuerwerker Kistel, der Kanonier-Korporal Thumann und der Bombadeur Kopp sehr gut benommen.

Am 7. März, nachdem das Belagerungskorps, ausgenommen das 4. und 5. Linien-Infanterie-Regiment, welche unter Kommando des Generalmajors von Raglovich, vor Kosel zurückgeblieben, abmarschirt, und die Belagerung in eine Blockade umgewandelt worden war, weil das eingetretene Thauwetter, und das dadurch entstandene tiefe Wasser in den Laufgräben und Batterien des mosigten Terräns, welches Kosel umgiebt, einen langen Aufenthalt nicht gestattete, und man demnach das Belagerungsgeschütz und den Artilleriepark abführen mußte, wurde der zweyte Ausfall mit 150 Mann gewagt; allein durch die zweckmässigen Verfügungen des Majors Wrede des 5. Linien-Infanterie-Regiment Preysing, und den Muth der Kompagnie des Kapitains von Stonor, welch letzterer sich bereits bey Großglogau rühmlichst ausgezeichnet hatte, zurückgeschlagen.

Am 8. Morgens gegen 8 Uhr unternahm die Besatzung den dritten Ausfall mit ungefähr 200 Mann. Der Feind ward abermal zurückgewiesen; er ließ 10 Todte in den Laufgräben und Batterien, und 25 Gefangene zurück. Dießseits wurden 8 Mann verwundet. Vom 5. Linienregiment Preysing haben sich die Majors Wrede und Baron Donnersberg mit vieler Einsicht benommen, und der Kapitain von Vallade, der Oberlieutenant Bacher, die Unterlieutenants Sack und von Schmidt sehr gut betragen. Der Korporal Strinzel und der Vizekorporal Muck des nehmlichen Regiments, von der Artillerie aber die Korporals Steinacher und Gilmaier, welche ungeachtet des starken feindlichen Feuers aus der Festung, ihr Geschütz im offenen Felde mit Unerschrockenheit und gutem Erfolge bedienten, haben sich besonders ausgezeichnet.

Den 13. März um halb 10 Uhr Morgens unternahm die Garnison mit einer Stärke von 1100 Mann den vierten Ausfall gegen das Observazionskorps des Generalmajors von Raglovich. Die Richtung des Feindes gieng hauptsächlich gegen Kobelwitz; seine Absicht war die Demolirung der Batterien. Obwohl er auf verschiedenen Punkten hartnäckig angriff, so konnte er doch, durch die Tapferkeit des 5. Linien-Infanterie-Regiments Preysing verhindert, seinen Zweck nicht erreichen, und ward mit Verlust zurückgetrieben. Der Kapitain von Stonor, welcher bey jener Gelegenheit Proben eines vorzüglichen Muthes zu geben fortfährt, rückte mit einiger Mannschaft gegen eine Schanze, welche von einem dreymal überlegenen Feinde vertheidigt war, und sie ward durch sein tapferes Beyspiel gestürmt und genommen. Ohne einer beträchtlichen Anzahl Todter, verlor der Feind 14 Mann an Gefangenen; dießseits wurden 10 Mann verwundet. Der Major von Wrede leitete die Truppen an diesem Tage wieder mit vieler Klugheit, der Unterlieutenant Schmidt gieng freywillig mit den Schützen vor, zeigte viele Vorsicht und Unerschrockenheit, und that dem Feinde nach Kräften Abbruch. Der Sergeant Vogel, der Korporal Dippel, und der Gemeine Mich. Wartenfelser zeichneten sich besonders durch das muthvolleste Betragen aus; auch verdiente der Feldwebel Fruhmann, die Sergeanten Dörfler und Kirsch, die Korporals Eckel und Dillinger, und der Gemeine Anton Ullinger belobt zu werden. Nun ist auch das 4. und 14. Linien-Infanterie-Regiment, eine Division des 6. leichten Infanterie-Bataillons, eine Kompagnie Fußjäger, das 3. Chev. Leg. Regiment, und die Batterie von Douwe von Schlesien und Pultusk in Pohlen abmarschirt."

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[7]

"Königsberg am 21. May (2. Jun.) Am 12. (24. May) machte der Kommandant von Kosel einen vortheilhaften Ausfall, und verschafte sich dadurch Proviant. Das Blokirungskorps von 1000 Mann hat sich hierauf marschfertig gemacht, und schien abziehen zu wollen." [Petersburger Hofzeitung.]


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neue Feuerbrände. Herausgegeben von dem Verfasser der vertrauten Brief über die innern Verhältnisse am Preussischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II. Ein Journal in zwanglosen Heften. Amsterdam und Cölln, 1807. Bei Peter Hammer.
  2. Kriegsgeschichte von Bayern unter König Maximilian Joseph I. Von Ed. Frh. v. Völderndorff u. Waradein, Major im Königlich-Bayerischen General-Quartiermeisterstabe. München, 1826. Gedruckt bey Michael Lindauer, K. Hofbuchdrucker.
  3. Wiener-Zeitung Nro. 41. Sonnabend, den 23. May 1807.
  4. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
  5. Wiener-Zeitung Nro. 16. Mittwoch, den 25. Februar 1807.
  6. Wiener-Zeitung Nro. 29. Sonnabend, den 11. April 1807.
  7. Wiener-Zeitung Nro. 59. Sonnabend, den 25. Julius 1807.
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