Bericht des Vice-Admirals Cronstedt an den König von Schweden wegen der Uebergabe von Sweaborg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Bericht des Vice-Admirals Cronstedt an den König von Schweden wegen der Uebergabe von Sweaborg, nach seinem vollständigen Inhalte.

Die Russische Besiznahme von Sweaborg ist die wichtigste Begebenheit des Finnländischen Kriegs gewesen. Von nachstehendem Bericht haben Deutsche Blätter nur einen kleinen Auszug gegeben. Hier folgt er wörtlich so, wie er in der Stockholmer Hofzeitung vom 6ten Mai enthalten ist.


Unterthänigster Rapport.

Nachdem der Feind unsre Avantgarde am 2ten März, um 5 Uhr des Morgens zurückgetrieben, so rückte er gegen Helsingfors vor, wo ich nur ein Bataillon vom Regiment Adlercreuz hatte, welches genöthigt war, nach der Festung zu retiriren. Unterwegs wurde es von Cosacken und feindlichen Dragonern verfolgt und 73 Mann davon zu Gefangenen gemacht, indem einige Posten an verschiedenen Orten ausgestellt waren, die nicht alle geschwind genug zum Bataillon stoßen konnten. Durch das Feuer der Kanonen aus der Festung, hörte das Nachsetzen auf.

Alle Verbindungen mit der Stadt hörte auf, und der Feind stellte seine Posten rings um die Festung.

Aus Mangel an geübten Truppen konnten wir nichts wider sie unternehmen. Fast täglich wurden einige Kanonensalven auf die leichten Truppen gegeben, welche recognoscirten.

Am 17ten März, um 2 Uhr des Nachmittags, fing der Feind an, aus einer, hinter Swartoe errichteten Batterie zu feuern, so daß 6 und 12 pf. Kugeln in der Festung niederfielen. Dies wurde von unsern Werken auf dieser Seite beantwortet, und die Kanonade dauerte bis Nachmittags 5 Uhr.

Am 18ten, 19ten und 20sten fuhr der Feind fort an jedem Tage verschiedene Stunden und sogar des Nachts mit Granaten, glühenden und andern Kugeln zu schießen, indem er zu Skat-udden eine große Batterie errichtet hatte.

Am 21sten März kam ein feindlicher Parlamentär an, der wie gebräuchlich auf dem Glacis empfangen wurde, und zwischen mit und dem feindlichen General eine Conferenz vorschlug, die auch am andern Tag, den 23sten zu Lonnan, einer kleinen Insel unter den Kanonen des Forts, Statt hatte. Der Hauptvorschlag war, daß von der Festung aus nicht auf die Stadt geschossen werden sollte, da sie innerhalb wenigen Tagen schon sehr beschädigt und verschiedene Bewohner derselben verwundet worden wären. Der Feind verpflichtete sich seine Batterien von dieser Linie wegzuziehen, und keine ambulatorische Feldstücke in dieser Direction zu haben.

Am 28sten März, bei Tagesanbruch bemerkte man, daß eine große Batterie auf den Bergen nahe bei Uleaborg, errichtet war, worauf man von der Festung aus eine Salve gab, welche von dieser Batterie, wie auch von der Batterie zu Skat-udden mit Bomben, Granaten und Kugeln beantwortet wurde.

Am 29sten, 30sten und 31sten, so wie am 1sten und 2ten April, bombardirte der Feind die Festung von seinen stehenden Batterien, und während der Nacht aus seinen beweglichen Batterien in verschiedenen Richtungen, wobei er immer eine Stellung nahm, wo unsre Kanonen von der Festung ihn nicht leicht erreichen konnten. Nur einmahl wagte es der Feind sich frei bei dem Glacis zu stellen.

Am folgenden Tage konnte man nach den todten Leuten und Pferden, welche bei dem Glacis lagen, den Verlust des Feindes für beträchtlich halten. Ohngeachtet des heftigen Bombardements, war der angerichtete Schaden nicht so groß wie man erwartete. Es war verschiedentlich Feuer ausgebrochen, aber immer wieder gelöschet; einige Dächer waren eingestürzt, einige Kanonen demontirt und sonstiger Schaden angerichtet. Von der Garnison waren 1 Officier und 5 Mann erschlagen, 31 gefährlich und andere leichter verwundet.

Officiere und Soldaten feuerten die Kanonen mit lobenswürdiger Kaltblütigkeit ab, sie hatten überdies durch das Wachen in den Festungswerken und bei der Artillerie, wie auch durch das Aufeisen, welches in dieser strengen Jahrszeit sehr mühsam ist, einen sehr fatiguanten Dienst, so daß in diesem Augenblick 515 Kranke im Hospitale sind; bei einer schwachen Garnison, ein empfindlicher Verlust.

In diesen 10 Tagen, war ungeachtet aller möglichen Oeconomie, ein Drittel Pulver verbraucht. Es waren zu Skaniock, Kalfholm xc. wie ein Deserteur der während der Nacht ankam, aussagte, Batterien aufgedeckt, außer den beweglichen Stücken.

Am 2ten April des Nachmittags kam ein feindlicher Parlamentär an, und man bestimmte eine Conferenz auf den folgenden Tag an dem obenerwähnten Orte. Der Russische General schlug für die Festung eine Capitulation vor, im Fall, wenn die See offen käme, keine Unterstützung anlangte.

Nach verschiedenen Conferenzen und Berathschlagungen mit dem Kriegsrath, wurde an diesem Tage beifolgende Convention (sie ist bereits im Mai-Stücke des Journals S. 499. mitgetheilt) abgeschlossen.

Ew. Maj. werden geruhen in Erwägung zu ziehen, daß diese Festung, in dem mangelhaften und unvollkommnen Zustande worin sie ist, bloß gebauet um eine Attake während des Sommers abzuhalten, im Winter sehr viel von ihrer Stärke verliert, wenn die See von allen Seiten den Zugang erlaubt. Alle Werke müssen besezt werden, welche bei ihrer Ausdehnung, wo keines durch das andere leicht vertheidigt werden kann, ein beträchtliches Reservecorps nothwendig macht, welches aber die gegenwärtige Garnison nicht aufstellen konnte; da ich überdies in allen Werken die disponible Mannschaft vertheilt hatte, so waren keine Leute vorhanden, welche die Kranken ersetzen konnten, wozu noch kam, daß die Garnison blos aus Recruten besteht, ausgenommen der Königin Regiment und ein Bataillon Jägerhorn, wo wir also nicht darauf rechnen konnten, den Feind, wenn er einen Sturm wagen sollte, mit Musqueten abzuhalten. Es fehlten ferner Officiere für das Reservecorps, so daß nur 5 - 6 Officiere bei 600 Mann waren, obgleich ich von den andern Regimentern so viele Officiere nahm als möglich. Die Officiere von der Flotte wurden in den Werken als Artilleristen gebraucht; dennoch konnte kaum in jeder Bastion ein Officier und 2 Kanoniere bei 3 Kanonen gestellt werden. Da der Feind viele Batterien um den Platz errichtet hatte, so mußten auch andere Werke mit Kanonen versehen werden, wodurch die Consumption des Pulvers noch grösser würde geworden seyn, und da in den lezten 10 Tagen ein Drittel des ganzen Vorraths verbraucht worden war, so konnten wir nur noch rechnen, daß wir auf 15 Tagen Pulver hatten, wo alsdann die Garnison genöthigt gewesen wäre zu capituliren, wenn nicht Feuer und Abnahme der Mannschaft uns noch eher dazu genöthigt hätte.

Da es ferner nicht möglich war, Succurs vor Ablauf dieser Zeit zu erwarten, so hielt ich es für Pflicht, zum Besten Ew. Maj. und des Staats, diesen Platz, welcher mir anvertraut worden war, so lange zu vertheidigen, als dieser Succurs durchaus nothwendig war. Dieses waren die besten Bedingungen, die ich erhalten konnte. Die Unterhandlung wurde vom Feinde angefangen, von mit oft unterbrochen und von ihm wieder erneuert; denn ich war immer entschlossen, die Festung, so lange als möglich zu vertheidigen.

Was Langon betrifft, so ist diese Insel so beschaffen, daß wenn der Feind die hölzernen Baracken angesteckt hätte, ich aus Mangel an Quartieren sie hätte verlassen müssen. Bei der gegenwärtigen Lage der Sachen kann sie immer wieder genommen werden, weil sie von den andern Inseln bestrichen wird.

Ew. Maj. werden geruhen zu erwägen, daß der Ruhm der Schwedischen Waffen, durch die bisherige Vertheidigung dieses Platzes nicht verdunkelt wird; vorzüglich wenn Sie den Zustand des Orts und seine Lage in Erwägung ziehen -- wie schlecht er mit allem Nothwendigen versehen war --, wie viel in 3 Wochen geschehen mußte, um ihn in Vertheidigungsstand zu setzen; und daß, wie der Feind zu Helsingfors ankam, wir nur 200 Mann zur Vertheidigung einer Festungs-Seite rechnen konnten. Während dieser Zeit mußten neue Kanonen aufgeführt werden, um die Vertheidigungsmittel zu vermehren. Mit einer ungeübten Garnison konnten wir keinen Ausfall wagen, um den Feind an der Vollendung seiner Batterien zu hindern; diejenigen, welche die Kanonen bedienten, hatten wegen des Kreuzfeuers auf den Wällen keinen Schutz. Ich wage zu hoffen, daß diese Garnison ihre Schuldigkeit gethan hat. Weit regelmäßigere Plätze, in einem bessern Vertheidigungszustande, besser verproviantirt, mit einer größern und besser geübten Besatzung versehen, sind genöthigt worden, in kürzerer Zeit sich zu ergeben.

(Unterz.) Cronstedt.
Sweaborg den 7ten April.


Durch einen der Capitulation wegen Sweaborg beygefügten Separat-Artikel ward noch bestimmt, daß Rußland die Schuld der Schwedischen Militär-Casse zu Sweaborg zu berichtigen übernehme, die nicht über 100,000 Thlr. Banco betrüge.

Da Se. Maj. (heißt es zulezt in der Stockholmer Hofzeitung) erfahren haben, daß der Vice-Admiral Cronstedt, gegen die ihm ertheilten Befehle und nach Haltung eines Kriegsraths, wobei alle Officiere vom Range gegenwärtig waren, eine Convention mit dem Commandirenden Chef der feindlichen Armee abgeschlossen hat, in welcher er sich an gewisse Bedingungen bindet, und im Fall, vor dem 3ten April kein Succurs komme, die Festung und die ansehnliche Flottille, nebst den Magazinen dem Feinde zu übergeben verspricht: So haben Sr. Maj. dies Verfahren von der Beschaffenheit gefunden, daß der besagte Vice-Admiral so wie alle die daran Theil genommen, durch den Mißbrauch Ihres hohen Zutrauens, sich des Charakters treuer Schwedischer Männer unwürdig gemacht haben. Dem zufolge erachteten es Se. Maj. für dienlich, unterm 4ten d. M. zu erklären, daß gedachter Vice-Admiral und alle, die sich einem solchen erniedrigenden Verfahren nicht widersezt haben, aus ihrem und des Staats-Dienste entlassen sind.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

<references?

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
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