Declaration des Russisch Kaiserl. Hofes gegen Schweden.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Vormals überraschte Gustav III. Rußland durch den Krieg, indem er am 23sten Januar 1788, plötzlich in Finnland einbrach, und diesmal scheint der Nachfolger Gustavs, durch den Krieg von Seiten seines Schwagers auf dem Russischen Kaiserthrone überrascht, so deutlich und wiederholt ihm auch längst vorher erklärt war, daß derselbe erfolgen würde, wenn keine Aenderung des Systems von Schwedischer Seite einträte. Am 14ten Aug. 1790 war jener Krieg durch den Frieden von Wärelä beendigt, den Schwedischer Seits der Baron Gust. Moriz von Armfelt und Russischer Seits der General, Baron von Igelström unterzeichnete. *) Nach einem 17jährigen Frieden ist nun zwischen Rußland und Schweden der Krieg von neuem ausgebrochen, der diesmal entscheidende Folgen haben dürfte. Die Veranlassung zu dem Kriege, enthält nachstehende Kaiserl. Russische

Declaration:

Als der Kaiser die Gewaltthätigkeit erfuhr, welche sie England gegen Dännemark erlaubte, so ließ Er, mit Recht darüber aufgebracht, seinem Character getreu und auf das Wohl seines Reichs stets sorgfältig bedacht, dem Könige von Großbrittannien zu erkennen geben, daß Er bei diesem schmählichen Verfahren, bei diesem beispiellosen Raub nicht gleichgültig bleiben könne, den sich England gegen einen König, seinen Verwandten, seinen Freund und den alten Alliirten Rußlands, erlaubt hatte. *)

*) Qu‘il ne resteroit pas insensible à cet outrage, à cette spoliation sans exemple, que l'Angleterre venoit de se permettre contre un roi, son Parent, son Ami, et l'antique Allié de la Russie.

Se. Kaiserl. Majestät theilten diesen Entschluß dem Könige von Schwden in einer Note mit, die am 24sten Sept. des vorigen Jahrs, dem Ambassadeur desselben übergeben wurde.

Ein im Jahr 1780 zwischen der Kaiserin Catharine und dem Könige Gustav dem Dritten contrahirter Tractat, und ein zweiter, der zwischen dem Kaiser Paul und dem jetzt regierenden Könige geschlossen worden, **) enthielten die gegenseitige förmliche Verpflichtung: den Grundsatz aufrecht zu erhalten, daß die Ostsee ein geschloßnes Meer ist, und dies Meer und dessen Küsten vor allen Feindseligkeiten und Gewaltthätigkeiten zu bewahren und zu dem Ende alle in ihrer Macht befindlichen Mittel anzuwenden. Indem Se. Majestät diese beiden Tractaten erwägten, so hielten Sie sich nicht nur für befugt, sondern selbst für verpflichtet, von Schweden, dessen Cooperation gegen England zu reclamiren.

Der König läugnete die angeführten Verpflichtungen nicht ab; allein er verweigerte jede Cooperation, so lange die Französischen Armeen sich nicht von den Küsten der Ostsee entfernt hätten und die Häfen Deutschlands nicht dem Englischen Handel offen wären. *)

*) Et que les ports allemands ne seroient ouverts aus commerce anglais.

Es war die Frage davon, die von England begangene Gewaltthätigkeit, die ganz Europa aufgebracht hat, zu unterdrücken. Der Kaiser verlangte von dem Könige von Schweden dessen auf Tractaten gegründete Cooperation, und, statt aller Antwort, schlug ihm dieser Monarch vor, die Ausführung der erwähnten Tractaten bis auf einen andern Zeitpunct hinaus zu setzen, sich jetzt dahin zu verwenden, England den Handel aller Deutschen Häfen zu verschaffen, mit einem Wort, eben dem England zu dienen, gegen welches Vertheidigungs-Maaßregeln ergriffen werden sollen. Es ist folglich schwer, die Partheilichkeit des Königs von Schweden für England stärker zu beweisen, als es von ihm selbst geschieht.

Unterm 16ten November ließen Se. Majestät eine zweite Note übergeben, worin dem Könige in Erinnerung gebracht ward, daß Allerhöchstdieselben mit England gebrochen hätten und durch welche man den König von neuem um seine Cooperation ersuchte.

Diese Note blieb fast zwei Monate unbeantwortet, und die Antwort, welche endlich am 9ten Januar dem Ministerio Sr. Kaiserl. Majestät übergeben ward, trägt das Gepräge der vorhergehenden.

Weit entfernt, Sich über Seine Mäßigung Vorwürfe zu machen, ist es vielmehr dem Kaiser angenehm, bisher alle mögliche Mittel erschöpft zu haben, um Se. Schwedische Majestät zu dem einzigen, Ihren Staaten angemessenen System zu bewegen; der Kaiser aber ist endlich seinen Völkern, so wie der Sicherheit seines Reichs schuldig, die das höchste Gesetz ist, die Cooperation Schwedens mit Rußland und Dännemark gegen England nicht länger eine unentschiedne Frage seyn zu lassen.

Der Kaiser ist benachrichtigt, daß das Cabinet von St. James Dännemark durch Furcht wieder mit seinem System zu verbinden gesucht, und es bedroht hat, daß der König von Schweden Truppen nach Seeland senden würde, wogegen diesem der Besitz von Norwegen zugesichert werden sollte.

Da der Kaiser ferner erfahren hat, daß, wie Ihn der König ohne Antwort ließ, er insgeheim eine Allianz zu London unterhande te, so haben Se. Majestät eingesehen, daß das Wohl Ihres Reichs schlecht gesichert seyn würde, wenn, indem der Kampf zwischen England und Rußland anfinge, der König von Schweden, dieser Nachbar der Russischen Staaten, mit dem Anschein der Neutralität, die Gesinnungen seiner bekannten Ergebenheit für England eine Zeitlang bedecken wollte. Se. Kaiserl. Majestät können, die Lage Schwedens in Rücksicht Rußlands, nicht unbestimmt lassen und können folglich dessen Neutralität nicht verstatten.

Da die Dispositionen des Königs klar gewiesen sind, so bleibt also Sr. Kaiserl. Majestät nichts weiter übrig, als unverzüglich zu allen den Mitteln zu schreiten, welche die Vorsehung Ihnen anvertraut hat, um das Wohl Ihres Reichs zu sichern, und Sie thun dies dem Könige und ganz Europa kund.

Indem der Kaiser so die Pflichten erfüllet, die Ihm das Wohl seines Reichs auferlegt, ist er bereit, die zu ergreifenden Maaßregeln in eine Maaßregel der Klugheit zu verwandeln, wenn sich der König unverzüglich mit Rußland und Dännemark verbindet, um bis zum Seefrieden England die Ostsee zu verschließen. Er ladet selbst, und zwar zum letztenmal, mit aller Wärme wahrer Freundschaft den König, seinen Schwager, ein, *) nicht länger anzustehen, seine Verpflichtungen zu erfüllen und das System anzunehmen, welches dem Interesse der Nordischen Mächte angemessen ist.

*) Il invite même, pour la derniere fois le Roi, son Beau-Frere et avec toute la chaleur de la veritable amitié etc.

Was hat übrigens Schweden gewonnen, seitdem sein Monarch dem Interesse Englands ergeben ist?

Nichts würde den Kaiser mehr betrüben, als Schweden und Rußland vereinigt (desunies) zu sehen, und es hängt noch von Sr. Schwedischen Majestät ab, eine Parthei, aber auf der Stelle, zu ergreifen, welche die beiden Staaten in genauer Allianz und in völliger Eintracht erhalten wurde.

Gegeben zu St. Petersburg, den 10ten Februar 1808.

*) Man sehe diesen Friedensschluß im Jahrgange des Journals 1790, S. 985 ff.
**) Man sehe denselben im Jahrgange 1800, S. 222 xc. und 357 xc.


Declaration des Königl. Schwedischen Hofes gegen Rußland.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Wir haben im vorigen Stücke des Journals S. 291 die Russisch-Kaiserliche Declaration gegen Schweden mitgetheilt. Hier folgt nach dem bekannten System unsrer Partheylosigkeit die Schwedische Gegen-Declaration. Wir theilen sie, da unser Journal das historische Archiv der Tagsbegebenheiten ist, unverändert so mit, wie sie zu Stockholm in Französischer und Schwedischer Sprache und übersetzt in den Kopenhagener Zeitungen erschienen ist. Eine solche Mittheilung giebt Kennern Gelegenheit, das Ganze desto besser zu würdigen, und wir folgen hierin dem Beispiele, welches in Frankreich gegeben wird, wo man Actenstücke von der Gegenseite selbst zuerst mit jener Offenheit und Liberalität publicirt, die seine erhabne unsterbliche Kaiser Regierung charakterisiren. Die Gegen Erklärungen und Bemerkungen, die obige Declaration veranlassen dürfte, werden zu seiner Zeit mit gleicher Treue mitgetheilt werden.

Declaration:

"Russische Truppen haben einen feindlichen Einfall in das Schwedische Finnland gemacht. Die erste Kunde davon erhielt Se. Majestät durch einen Telegraphbericht, die zweite durch eine, Namens Sr. Majestät des Kaisers von Rußland in dieser Provinz ausgestreute Proclamation, welche Abtrünnigkeit und Aufruhr predigt. Feindseligkeiten, denen keine Kriegserklärung voran gegangen war, aus keinem alten Groll entsprungen, angefangen mit Bestechungen, geleitet durch einen Vaterlandsverräther (Georg Sprengporten) an der Seite des Obergenerals, sind an sich schon Handlungen, wovon es wenig Beispiele giebt, und die allgemeinen Abscheu erwecken müssen; wenn man ihnen aber das noch so neuerlich zwischen beiden Höfen geknüpfte Freundschaftsband entgegensetzt; wenn man sieht, daß sie hämischer Weise gegen die erprobte Aufrichtigkeit und Treue eines Alliirten gerichtet werden, so giebt es weder Gefühle noch Namen, die die Ungerechtigkeit derselben ausdrücken können. Sie stehen allein in der Geschichte; sie sind die Krone aller Greuel unsers Zeitalters!

Zu der Zeit, da der unterdrückten Fürsten und Staaten Schicksal die Theilnahme des Russischen Hofes zu erregen schein, da er die Gefahren zu ahnen anfing, die dem ganzen Europa drohten, wurden Se. Majestät durch gleichgestimmte Gefühle mit ihm in Verbindung gezogen, die auf das Zutrauen zu einem Nachbarn, einem Freund, einem unabhängigen Herrscher begründet waren. Se. Kaiserl. Majestät hatten Verbindungen angeknüpft, die dem gemeinschaftlichen Bedürfnisse heilsam waren; Sie hatten von Frankreich die Erfüllung eingegangener Verbindlichkeiten zu fordern; Sie hatten Macht, ihre und aller Rechte zu behaupten.

Der König verband sich mit dem Kaiser -- und nun findet er sich von ihm angegriffen, gerade weil er sein Bundesgenosse war. Nie konnte ein Fürst Bündnisse mit größerer Hoffnung ihrer Unverbrüchlichkeit eingehen. Der Kaiser war persönlich durch Frankreich hartnäckige Weigerung, einen geschlossenen und unterzeichneten Tractat zu erfüllen, und durch eine bei vielfachen Gelegenheiten bewiesenen Mangel an Achtung beleidigt. Gereizt war die Russische Nation, die man öffentlich als Wilde und Barbaren verschrie 1): was nur einer Regierung heilig seyn kann, vereinigte sich mit der gemeinsamen Sache. Wie konnte man anders als für unwiderruflich halten, was der Kaiser erklärt hatte; "Er wolle einen jeden Friedensantrag, er sey mehr oder minder vortheilhaft für ihn, verwerfen, der nicht mit des Russischen Namens Ehre, des Vaterlandes Sicherheit, der Bündnisse Hei igkeit und des gesammten Europas Ruhe vereinbar sey." 2)

Die Gegenwart hat schon darüber gerichtet, und die Folgezeit wird es noch mehr fühlen, ob diese großen Absichten durch den Tilsiter Friedenstractat erreicht worden sind. Der König blieb auf dem Kriegsschauplatz und, den Bedingungen der Convention 3) gerade entgegen, wurde Er weder von einem Waffenstillstand noch von einem Frieden unterrichtet, bis der Tractat abgeschlossen war.

Da die Mittheilung, mit einem unbestimmten Antrage, zu dem Frieden 4) mit beizutragen, verbunden, geschehen war, so ließen Se. Majestät aufs neue Vorschläge zu einem Waffenstillstand, der zu einer Bedingung des Friedenstratats hätte gemacht werden müssen, thun, aber sie bekamen eine verneinende Antwort. Se. Maj. befanden sich nicht im Stande, ihre Deutsche Provinzen zu vertheidigen, und waren gezwungen, sie zu räumen.

Nach diesem Verlust, dessen Grund in Rußlands Abtrünnigkeit lag, sahen Se. Maj. sich ganz vom Kriegsschauplatz entfernt, und suchten nun ihn ihrem Königreiche die Ruhe zu genießen, die dessen geographische Lage Ihnen zu versprechen schien. Sie hatten treulich ihre Verbindlichkeiten mit Rußland erfüllt, und erwarteten, daß man Ihnen, der Verschiedenheit der Systeme ungeachtet, für das Vergangene werde Gerechtigkeit wiederfahren lassen.

Der König hatte die Unternehmungen der Russischen Armeen mit seinen Kriegsschiffen unterstützt, hatte dem Kaiser seine Zeughäuser geöffnet; er hatte die heimlichen Anerbietungen, die Frankreich Regierung mitten in der Hitze des Kampfes that, da Rußlands Provinzen und Hauptstadt ganz entblößt waren, abgewiesen und sogleich mitgetheilt; worunter auch diese war, ihm, falls er mit Rußland brechen wolle, alle von Carl XII. verlornen Provinzen, sammt allen Umründungen, die Schweden sich wünschen könne, wieder zu verschaffen 5). Se. Majestät sind wol über aller Lob dafür erhaben, daß Sie so unmoralischen Reitzungen widerstanden; aber Sie erwarten, daß die Gewaltthätigkeiten, die eine von Ihnen mit so vielem Glimpfe behandelte macht gegen Ihre Staaten begeht, ein um so strengeres Urtheil finden werden.

Geheime Artikel des Tilsitter Tractats, die man sogleich ahnete und die das Russische Ministerium hernach selbst eingestand, fingen an sich nach und nach zu offenbaren. Das leere Hirngespinst, dessen sich die Französische Regierung zur Unterjochung des festen Landes bedient hat, die Gefahr vor dem Englischen Handel, ward dem Norden vorstellig gemacht, um auch dort die Unterdrückung und das Elend einzuführen, die von Hafen zu Hafen, von Staat zu Staat, sich bereits über das übrige Europa verbreitet hatten. Keine Regierung wird ihrer eignen Einsicht, ihrer eignen Erfahrung, keine Nation ihrer eignen Betriebsamkeit überlassen, kein Zwischenzustand wird erkannt zwischen Vasall und Feind.

Friedensverträge und Bündnisse, Bündnisse und Unterwerfungen sind einerlei, und von Paris aus werden den vermeintlich unabhängigen Alliirten, Systeme, Gesetze und Anordnungen vorgeschrieben, welche, das System der Oberherrschaft befördernd, angreifen, was in der Gesellschaft und unter ihnen selbst am heiligsten ist.

Solchergestalt bereitet man zu Petersburg schon im Herbst des verwichenen Jahrs einen Bruch mit England vor. Während man die Jahrszeit abwartet, wo solches mit Sicherheit geschehen konnte, that man dem Könige, vermittelst einer Note vom 6ten Oct. den Vorschlag, mitzuwirken, die Ostsee auf dieselbe Weise, worüber man 1780 eins war, fremden Kriegsschiffen zu verschließen. Se. Maj. ließen unterm 13ten Nov. erwiedern, es sey unmöglich den Frieden der Ostsee zu schützen, so lange die Französische Macht einen so großen Theil der südlichen Häfen derselben beherrschte, und dort ihr ausschließendes System ausübte.

Er lud folglich Se. Kaiserl. Maj. ein, die Franzosen erst dahin zu vermögen, solche zu verlassen, und als der nämliche Vorschlag am 27sten desselben Monats erneuert ward, als eine in der Convention von 1780 gegründete Verpflichtung, bewies man kurz, daß durch die Convention von 1801 zwischen Rußland und England, welcher der König auf die dringende Einladung Rußlands und unter der Garantie desselben beygetreten sey, Se. Maj. damals unmittelbar mit England Verpflichtungen getroffen, die Sie vernünftiger Weise nicht brechen könnten, so lange ihrerseits diese Macht die ihrigen erfülle; daß die auf die bewaffnete Neutralität gegründete Verpflichtungen, die Ostsee zu verschließen, mit jener wegfalle, und auf die gegenwärtigen Umstände um so weniger anwendbar sey, als die Dänische Flotte, auf die man dabei gezählt hatte, nicht mehr existirte, und die Engländer in spätern Zeiten die Fahrt durch den großen Belt entdeckt hätten; daß aber Schweden, wenn es gleich nicht durch eine Ausrüstung dazu beitragen könne, die Ostsee zu schützen, es übernehmen wolle, durch Unterhandlungen bei England zu bewürken, daß es kein Kriegsschiff dahin senden wolle, falls sich keine andre Macht rüstete, oder falls nicht andre Feindseligkeiten dasselbe nöthigten, als Hülfsmacht dahin zu kommen.

Verlangen wollen, daß Schweden Rußland zum Bollwerk dienen solle, nachdem es solchem gefallen hat, England herauszufordern, daß Schweden seine Flotte und seinen Handel aufopfern solle, um Kronstadt und Reval zu vertheidigen, das wäre doch in der That zu viel. Auch fingen die Rüstungen auf den Russischen Grenzen zugleich mit diesen Vorschlägen an. Der König sah ihnen ruhig zu, so lange man keine Beschwerde anführte und so lange die Vorschläge nichts Entscheidendes enthielten.

Uebrigens vermittelst einer Convention zu schützen, eine Aussicht auf Ruhe und Vortheile für Rußland und den ganzen Norden dar, welche man nicht ohne große Verantwortung unbeachtet lassen konnte. Freier, als während des ganzen Krieges, hätten die Russischen Häfen sich für einen Absatz ihrer Erzeugnisse geöffnet, desgleichen man bisher nicht gekannt. Annäherung beider Höfe gegen einander, Handelsthätigkeit, Ruhe nach einem unglücklichen Kriege, einige Beifallsäußerungen nach einem unglücklichen Frieden, dies aller enthielt das Anerbieten des Königs für den Kaiser. Solches geschah im vollen Vertrauen auf die Einwilligung Englands. Se. Maj. erwarteten die Bestätigung derselben, lange ehe die so gefürchtete Englische Flotte die Rache in die Ostsee tragen konnte.

Man drang auf Antwort: der Ambassadeur des Königs sollte das gemeinschaftliche Interesse am 15. Febr. in einer besondern, ihm versprochenen Audienz darstellen, als man die Communication der Ambassade mit Schweden mit Gewalt abschneidet und die Russ. Truppen mit folgenden Proclamationen (hier folgen die Russische Proclamationen an die Bewohner von Schwedisch-Finnland, eine andere an die Prediger an der Grenze 6) und noch eine an die Schwedische Armee 7)) in Finnland einfallen.

Nun beurtheile jede loyale Regierung, ein jeder tapferer und rechtschaffener Krieger, ein jeder getreue Unterthan, dieses Verfahren. Ein hinterlistiger Einfall in das Land eines friedlichen Nachbaren, welchem Ausruf zur Empörung vorangegangen ist, ist unerhört, sogar in diesen letzten Zeiten, die an Beispielen von Gewaltthätigkeiten und Ungerechtigkeiten so reich sind.

Das Russische mit Frankreich alliirte Reich ist nicht mächtig genug, um sich durch die Formalitäten des Völkerrechts einigem Widerstande in einer durch die Jahrszeit angeschnittenen Provinz auszusetzen. Es bedarf der Ueberraschung und Bestechung. Die Regierung sucht durch Verheißung der Freiheit das Volk in Masse zu erkaufen; der General will die Soldaten Stückweise erstehen, wie er auf den Märkten zu St. Petersburg oder Riga Leibeigne hat erhandeln können.

Getreue Bewohner Finnlands! Achtungswerthes Volk, Euer König hat während seiner ganzen Regierung, die Aufklärung, den Ackerbau und den Wohlstand eures Landes befördert, ein treuloser Nachbar droht euch in die vergangenen Jahrhunderte wieder zurück zu stoßen. Eure Nachbarschaft war ihm ein Vorwurf geworden, sein Schwerdt schwebt über euren Häuptern, seine blutige Hände sind nach eurem Eigenthum, seine Mordfackeln über eure Wohnungen ausgestreckt, seine Verheißungen bedeuten nichts, als seinen Wunsch, sich ohne Gefahr zu nahen. Betrübt über das Unglück des Kriegs, aber gestärkt durch das Bewußtseyn, die Ursach derselben nicht zu seyn, weiß Euer König, daß eure Herzen unverändert, euer Muth unerschüttert bleiben wird, bis er Seine und seines Alliirten Kraft anwenden kann, euch zu schützen und zu rächen.

Stockholm, den 11ten März 1808.

1) "Völker, die durch ihre Sitten und barbarischen Gebräuche den Haß aller gebildeten Nationen erwecken müssen. Tagsbefehl in Wien, den 23. Brumaire J. 14, 14ten Nov. 1805. Diese wilden Horden, deren verheerende Hülfe zum letztenmal von Europäischen Regierungen herbeygerufen werden soll (25. Bülletin der großen Armee vom 16 Nov. 1805) Herrschte die griechische Tiara von der Ostsee bis zum mittelländischen Meere, von einem Schwarm Fanatiker und Barbaren angegriffen sehen (Proclamation aus dem Hauptquartier zu Warschau, den 29sten Jan. 1807.)
2) Maifest vom 30sten August 1806.
3) "Haben die Feindseligkeiten einmal ihren Anfang genommen, so verpflichten sich beide hohe contrahirende Partheien aufs bestimmteste und förmlichste, nicht anders als nach gemeinschaftlicher Uebereinkunft, die Waffen niederzulegen, oder mit der Französischen Regierung den Frieden zu unterhandeln. Convention vom 2/14 Jan. 1805. Art. IX.
4) Brief des Generals Budberg an den Kammerjunker und Kabinetssekretär, Baron Wetterstedt vom 10ten Jul. 1807.
5) Anerbietungen wegen Norwegen, gelangt an einen Schwedischen Kriegsgefangenen Offizier im Nov. 1806 von Bernadotte. Desgleichen wegen Arrondissements durch den Französischen Minister Bourrienne an den Chargé d Affaires Netzel, am 14. Nov. 1806. Anerbietungen solcher Grenzen, die Schweden wünsche, da es ein Gegengewicht Rußlands seyn müßte, durch den General Grandjean an den Obersten Baron Tawast, d. 27 Nov. 1807.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[3]

Schweden.

Ein unterm 18. Jul. von Stralsund erlassenes Schreiben von dem Herrn v. Alopeus, Russisch-Kaiserl. Minister am Königlich-Schwedischen Hofe, an den in Hamburg befindlichen Russisch-Kaiserlichen Generalconsul, Hrn. Stender, giebt die bestimmte Versicherung, daß alle Russische Schiffe, die nach dem hergebrachten Seerecht Russisches Eigenthum sind, von den Schwedischen Kriegsschiffen gewiß respectirt werden, und daß im entgegengesetzten Falle durch ihn (den Hrn. Minister) aufs kräftigste dagegen protestirt werden würde. Sie können indessen nicht in Preussische Häfen einlaufen, so lange selbige von Schweden blokirt gehalten werden.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
  3. Wiener Zeitung. Nro. 64. Sonnabend, den 9. August 1806.
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