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Bunzlau.Bearbeiten

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Bunzlau, Schlesischbunzel, Kreisstadt am Fluß Bober, in Schlesien, Fürstenthum Jauer. Es wird da allerhand schönes braunes, auch mit goldn, und silbern. Blumen eingebranntes irdenes Geschirr. ausserdem bunte und weise Leinewand, viele feine und gröbere Tücher verfertigt, und vozügrlich gut bearbeitetes Pelzwerk verarbeitet. Die Zahl der Einwohner betrug im J. 1794. 3,261 Katholiken und Lutheraner. Beyde Theile haben ihre Kirchen und Schulen. Nahe dabey ist der Queckbrunn, der wegen seines klaren und gesunden Wassers von den schlesischen Dichtern oft besungen worden ist. Eine Meile davon reiset man über den Queiß, der Schlesien von der Lausitz scheidet.


Zeitgeschichte der Stadt.Bearbeiten

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1776 erhielt der Rathsthurm eine neue Kuppel mit Knopf und Windfahne.

1777 vermachte W. Diprand Freih. v. Richthofen auf Malitsch dem Waisenhause 6000. Rthlr. für 3 junge Edelleute.

1788 wurde der alte Kirchhof bey St. Hedwig vor dem Oberthore einem Töpfer verkauft.

1790 erbaute man von einem Vermächtniß des Lederhändlers Obermeier auf dem Begräbnißplatze vor dem Nikolaithore eine neue Kirche.

1791 den 18. Aug. verheerte eine Feuersbrunst in der Obervorstadt das Hentschelsche, Weinholdsche und Rothsche Vorwerk, etliche Häuser und 8 Scheunen. Weinholds achtjähriger Sohn verbrannte.

1792 wurde der Bau des neuen Waisenhauses an die Stelle des alten Zahnschen beendet und auch nebst der Bibliothek die Buchdruckerey dahin verlegt.

1798 den 21. Oct. brannten in der Obervorstadt fünf Scheunen weg; bald darauf noch zwey Scheunen beym Kobeltschen Vorwerke; den 5. Nov. das Ueberschärsche Vorwerk und den 26. Decbr. 7 Scheunen bey dem Schloßteiche; wahrscheinlich boßhafte Brandstiftung.

1799 erfolgte ein Neubau des katholischen Pfarrhauses.

1801 den 24. Mai bequartirte Bunzlau 1800 aus Napoleons Gefangenschaft zurückkehrende Russen. Der General hieß Markof.

1802 starb 67 Jahre alt der in der Erd- und Sternkunde hocherfahrne Weber Hüttig.

1803 schenkte der König dem Waisenhause ein jährliches Hülfsgeld von 5000 Rthlr.

1804 kaufte der König für 1000 Rthlr. Hüttigs Kunstwerk und schenkte es dem Waisenhause; dieses aber veräusserte es wieder an den General v. Pellet. Es wurde 1813 von den Franzosen vernichtet.

1805 verbrannte ein Wetterschlag die Häuser der Ackerbesitzer Sauer und Gabriel beym Waisenhause. Im Herbste starb 66 Jahre alt der zweite berühmte Künstler Bunzlaus in Absicht der Mechanik und Uhrmacherey. -- Tischlermeister Jakob. Den 15. Nov. reiste Kaiser Alexander I. durch die Stadt nach Brünn.

1807 den 19. Febr. kamen die ersten Franzosen und mit ihnen alle Kriegsdrangsale, welche Bunzlau seitdem betroffen haben. Die Kriegskosten, welche diese Stadt von 1805 - 1808 mit Einschluß der Truppenverpflegung getragen, machen die fast unglaubliche Summe von 349545 Rthlr.

1808 den 26. Decbr. brannte die Sandschenke vor dem Oberthore nieder.

1809 den 17. Sept. hielt man nach 3 Jahren wieder ein Königschiessen, allein der größte Theil der Schützen-Kleinodien hatte verkauft werden müssen um Stadtschulden bezahlen zu helfen.

1810 den 10. März wurde der Hirtanger und die Viehweide an der Löwenberger Straße veräussert.

1812 den 29. Mai reiste Kaiser Napoleon durch Bunzlau nach Rußland und wurde mit allen Ehren bewillkommet. -- Am 13. Decbr. kam er zurück in bescheidenster Stille, trat im schwarzen Adler ab, aß Kartoffeln und Schöpsenbraten und eilte dann schnell nach Sachsen. Welch ein Unterschied! -- Vom Bleulschen Legat richtete man in diesem Jahre das vom Könige geschenkte Dominikaner-Kloster zur evangel. Schule ein.

1813. Mit diesem Jahre begann für Bunzlau eine Reihe der schrecklichsten Drangsale, wie sie gewiß wenig vaterländische Städte erlitten haben.

Den 25. Febr. ging der König nebst dem Kronprinzen durch die Stadt nach Breslau.

Den 16 - 30. März dauerten die Durchmärsche und Bequartierung der russischen und preußischen Truppen.

Den 18. April kamen Alexander, Kutusow und der ganze Generalstab. Tages drauf wurde im evangel. Schulhause russischer Gottesdienst gehalten.

Den 22. April reisete Friedrich Wilhelm durch die Stadt und besuchte den krank zurückgebliebnen Fürsten Kutusow, dem er seinem Leibarzt zuschickte. Jedoch

Den 28. April Abends starb der edle Krieger; seine Leiche wurde einbalsamirt, den 9. Mai nach Petersburg abgeführt und sein Eingeweide auf eine Anhöhe zu Tillendorf beerdigt.

Den 25. Mai Nachmittags 4 Uhr rückte Napoleon mit seinen Garden ein, worauf bald Verwüstung und Plünderung anfing.

Den 27. Mai ging Napoleon zwar ab, allein die Durchmärsche und Räubereyen seines Heeres dauerten fort bis zum Waffenstillstande.

Den 7. Juny zog Napoleon durch die Stadt nach Sachsen, und Marmont nahm während des Waffenstillstandes darinne Quartier. Die Bürgerschaft mußte 2300 Rthlr. Kriegssteuern zahlen. Doch ließ Napoleon die geraubten Mündelgelder zurückzahlen.

Den 22. July befahl der Kommandant die Stadt zu bevestigen, wobey 2000 Sappeurs arbeiteten und täglich 2000 Landleute helfen mußten. Vor dem Oberthore riß man nieder 16 Häuser; vor dem Nikolsthore 7 Häuser nebst der neuen Begräbnißkirche und vor dem Niederthore 17 Häuser. Ausserdem wurden 21 Scheunen, 14 Gärten und 6 in Gärten verwandelte Zwinger größtentheils ganz verwüstet und die schönsten Bäume umgehauen.

Den 28. July machte man aus beiden Kirchen Magazine, demohngeachtet reichten die Lebensmittel nicht zu und überall zeigte sich Mangel, welcher Krankheiten verursachte und die Friedhöfe füllte.

Den 10. August traktirte Marmont auf städtische Kosten sein Offizier Korps. Eine gezwungene Erleuchtung folgte, wo unter den Inschriften die "Alle Völker, welche Napoleon regiert, sind glücklich" wahrlich auffiel. Der Intendant schenkte den Armen 100 Rthlr.

Den 19. Aug. brachen die Franzosen auf, weil ferner Kanonendonner das Anrücken der Verbündeten meldete.

Den 20. Aug. war zwar Nachmittags die Stadt von Feinden leer, aber nun erfolgten schreckliche Explosionen der von ihnen gesprengten Werke und drohten ihr völligen Untergang. Die Erschütterung der auffliegenden Pulvervorräthe deckte Dächer ab, zersprengte Thüren, Fenster und Oefen, und eine Saat von Trümmern bedeckte Ring und Gassen. Glücklicherweise verlor kein Mensch das Leben. Abends 9 Uhr kamen die Russen und

Den 21. Aug. Morgens kam es um die Stadt zum Treffen, welches bis Nachmittags 2 Uhr dauerte und unentschieden blieb, weil die Verbündeten sich wieder zurückzogen. Die Feinde blieben zwar da, betrugen sich indessen menschlicher, und nur Lebensmittel wurden erpreßt.

Den 28. Aug. eilten Makdonald, Souham und 20 andre General mit dem armseligsten Gefolge durch die Stadt, und

Den 29. Aug. folgte das nachsetzende Heer der Russen und Preußen. Tillendorf brannte nieder.

1814. Militärhospitäler erzeugten und verbreiteten Anfangs dieses Jahres das Nervenfieber und mancher Einwohner in und um Bunzlau verlor das Leben. Neue Durchmärsche von Gefangenen, und Preußen oder Russen machten der Bürgerschaft großen Aufwand. 1256 Rthlr. engländsche Entschädigungsgelder wurden vertheilt und auf den Wiederbau der zerstörten Häuser mit verwendet. –

Den 5. July ging General Sacken durch die Stadt und schenkte dem Steinmetz Böhm 32 Dukaten, um das von den Franzosen zertrümmerte Denkmal des Fürsten Kutusow neu anzufertigen. Die Tochter des genannten Generals, welche am 9. July kam um ihres Vaters Sterbehaus und die Ruhestätte seines Eingeweides in Tillendorf zu besuchen, legte noch 24 Dukaten zu.

Am 22. July reisten die Großfürsten Michael und Nikolaus durch und

den 26. July übernachtete der russische Feldmarschall Barklai de Tolli.

Den 27. Aug. wurde das steinerne Grabmal der Eingeweide des Fürsten Kutusow zu Tillendorf feierlich eingeweiht.

Den 18. Sept. hielt der Löwenberger Superintendent Schröder in Bunzlau Kirchen- und Schulenvisitation. Es war die erste unter preußischer Regierung.

Den 7. Novbr. erhielt die Stadtkämmerey ein königl. Geschenk von 1200 Rthlr. und die Tuchmacherinnung 100 Rthlr. zur Wiederherstellung ihrer Rahmen.

Den 31. Decbr. schenkte der König abermals der Stadt 7000 und Tillendorf 3000 Rthlr. zum Aufbau verwüsteter Häuser.

1815 den 21. Jan. erhielt Bunzlau und 60 umliegende Dörfer ein abermaliges Geschenk aus England von 7000 Rthlr. Am 15. Febr. empfingen auch die Ackerbesitzer vom Könige 350 Rthlr. -- Der Schulunterricht im Waisenhause wurde nach Pestalozzis Lehrart geformt, auch eine Bibelanstalt errichtet. Auch vermehrte sich in diesem Jahre der Fond des Waisenhauses durch ein Geschenk von 5400 Rthlr., welches England gab, damit 5 Waisen, deren Väter bey Waterloo geblieben, aufgenommen und verpflegt wurden.

1816 verlegte man das Liegnitzer Schulenseminar nach Bunzlau und verband es mit dem dasigen Waisenhause.

1819 ließ der König dem russischen Fürsten Kutusow auf dem Ringe ein prachtvolles Denkmal von Gußeisen errichten. -- Die Stadt Bunzlau enthält jetzt 431 Häuser und zählt 3500 Einwohner.



Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Zeitgeschichte der Städte Schlesiens mit Abbildungen herausgegeben von D. Christ. Friedrich Emanuel Fischer und Carl Friedrich Stuckart. Schweidnitz bei Carl Friedrich Stuckart. 1820.
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