Brandenburg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Brandenburg, alte Stadt in der Mittelmark, und Hauptstadt des Kurfürstenthums am Fluß Havel, welche sie in zwey Theile absondert, nämlich in Alt- und Neubrandenburg. Der Distrikt zwischen beiden Städten heißt Venedig, weil die Häuser auf Pfählen stehen. Beyde Städte werden seit 1716. von einem vereinigten Magistrat regiert, jeder Theil hat aber deswegen doch seine besondern Besitzungen und Einkünfte. In der Alt- und Neustadt zusammen waren im J. 1785. 1297. Häuser, 4 Kirchen, 2 Schulen und mit Einschluß des Militair 12,154 Einwohner, ohne das Militair aber 10,077; die Bürger sind von der Conscription zum Soldatenstande frey. Die Stadt hat viele Fabriken, welche besonders durch Aufnahme der ausgewanderten Franzosen gewonnen haben. In der Barchent Fabrik arbeiten 642 Personen; ausserdem finden sich noch viele Strumpfwirker, Strumpfstricker und eine Fabrik zu bunten Papier. Die Havel hat hier eine Schleuße, welche so wie der Zoll dem Könige und Magistrat gemeinschaftlich gehört. Von dem ehemaligen Bißthum ist noch das Domcapitel vorhanden, welches aus dem Domprobst, 6 Domherren und 6 Canonicis besteht. Die erledigten Stellen wurden von dem Könige und dem Capitel abwechselnd, jezt vom König allein besetzt. Alle müssen von altem Adel seyn, und bey den grösern Stellen ist der Beweis von 32 Ahnen nöthig. Sie werden öfters für 18 - 20000 Thaler erkauft. Zum Dom gehört noch das Rittercollegium, wo junge Adeliche auf ihre Kosten, doch mit einiger Unterstützung unterrichtet, genährt und gebildet worden.


Lokalmiszellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Brandenburg: das Invalidenhaus; die Kasernen; die Havelbrücke; die ihres Alterthums wegen merkwürdige Katharinenkirche; ihr Taufstein und ihre Bibliothek; der Dom zu Burg-Brandenburg mit den Lucas-Kranachschen Gemälden; die Ritterakademie, die schöne Aussicht vom Horlunger Berg, die beyden Clubs, wo ein Fremder durch ein Mitglied eingeführt werden muß. Rekahn, berühmt durch des nun verstorbenen, würdigen Herrn von Rochow Schuleinrichtungen, ist eine Stunde von hier.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Der Passagier auf der Reise in Deutschland und einigen angränzenden Ländern, vorzüglich in Hinsicht auf seine Belehrung, Bequemlichkeit und Sicherheit. Ein Reisehandbuch für Jedermann von Kriegsrath Reichard, aus Verfasser des Guide des voyageurs en Europe. Berlin, 1806. Bey den Gebrüdern Gädicke.
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