Fandom


Brasilien.Bearbeiten

[1]
Brasilien, große Landschaft im südlichen America, die gegen Norden an den Amazonenfluß und an das Atlantische Meer, gegen Osten an das nämliche Meer, gegen Süden an den Silberfluß (Rio de la Plata) und gegen Westen an eine Kette von Gebirgen gränzt, die es vom Spanischen Amerika trennet. Es wurde zuerst entdeckt, 1497 da Americo Vespucci, in spanischen Diensten, die Küsten besichtigte. Drey Jahre darauf ward der portugiesische Admiral Cabral, 1500 auf seiner Fahrt nach Ostindien, durch Sturm dahin getrieben. Er gab dem Lande den Namen Santa Cruz; (H. Kreuz;) aber in der Folge ward es Brasilien genennet, von der Menge des Brasilien- oder Bresilholzes, so daselbst wächst, und das schon über 300 Jahre vor der Zeit, da Europäer dorthin kamen, unter solchem Namen bekannt war. Die Portugiesen nannten solches Holz Brasil, von Brasa, glühende Kohle, weil es ohngefähr dergleichen Farbe hat. Im Jahre 1501 gieng Vespucci, im Portugiesischen Diensten, wieder dahin, und entdeckte den Meerbusen den er nach Allen Heiligen (Bahia de todos los Santos) benannte, und in einem folgenden Zuge legte er allda eine Festung an, und machte das Land der Krone Portugal unterwürfig. Die ersten Colonisten waren fast blos Verbrecher, die man aus Portugal dahin schickte; diese stifteten viele Unordnungen und erschwerten das Aufkommen des Etablissements. In der Folge gieng es besser, da die Krone sich dieser Aequisition mit mehrerer Aufmerksamkeit annahm und Mißbräuche und Mängel verbesserte. In der für Portugal nachtheiligen Periode, da es vom Ende des sechszehnten Jahrhunderts unter den Königen von Spanien stund, lief es Gefahr, so wie seine östindischen Etablissements, also auch Brasilien zu verliehren indem die Holländer, als Feinde des Königs von Spanien, auch die Portugiesen auf den nämliche Art behandelten. Der Erzbischof, Don Michael de Texeira, that was der zaghafte Gouverneur hätte thun sollen, und rettete wenigstens noch einen beträchtlichen Theil Brasiliens für seine Nation. Das übrige behaupteten die Holländer, vorzüglich durch die Tapferkeit und Klugheit des Fürsten Johann Moritz von Nassau. Allein dieser Besitz war von keiner Dauer. Das eroberte Brasilien stund nicht unmittelbar unter den Generalstaaten, sondern unter der westindischen Compagnie. Diese war nur auf Sparen und Gewinnen bedacht, und sorgte nicht für die Sicherheit. Der Fürst von Nassau ward darüber so mißvergnügt, daß er seine Stelle verließ; und die Compagnie schickte, statt seiner, Leute, die den Handel, aber auch sonst nichts, verstunden, und die der Compagnie, deren Gewinn nun auf 100 Procent stieg, ihrer Meynung nach, die herrlichsten Vortheile verschaften. Allein durch Härte bey ihren Unterthanen verhaßt, aus Gewinnsucht verblendet, und von Mitteln zur Vertheidigung entblößt, wurden die Holländer, durch eine von den Portugiesen unterstützte Empörung wieder aus ihren Eroberungen getrieben und mit dem J. 1654 kam das ganze Land wieder in portugiesische Hände.

Brasilien wurde ehemals in folgende 9 Capitanias oder Gouvernements abgetheilt: 1) Para an der Mündung des Amazonenflusses, 2) Marannon, 3) Fernambuco, 4) Bahia, 5) Rio-Janeiro und 6) St. Paul, alle an der Küste; 7) Minas-Geraes, 8) Goyaz und 9) Matto-Grosso im innern Lande, wovon die leztere am tiefsten liegt und an die Spanischen Besitzungen gränzt. In den neuern Zeiten aber machte man den südlichen Theil von Rio Janeiro, welcher ohnehin durch St. Paul von dem nördlichen getrennt ist, zur eignen Provinz 10) St. Catharina. Und da durch die Theilung der innern Länder zwischen Spanien und Portugal im J. 1787 große Striche des Amazonenlandes oder von Montana Real bey den Flüssen Madera und Topajoso an die leztere Krone gekommmen sind; so erwuchsen noch zwey Gouvernements, 11) Rio Grande und 12) Cuiaba. Die beyden leztern sind aber noch ganz unbekanntes Land. Von diesem Lande führet seit der Regierung K. Johannes IV. der portugiesische Kronprinz den Titel. Der portugiesische Statthalter von Brasilien hatte ehemals den Charakter eines Vicekönigs, den aber Pombal, unter der Regierung K. Josephs, abschafte. Nun führt der Befehlshaber von Rio Janeiro den Namen eines Gouverneurs, von welchem die Gouverneurs der übrigen Provinzen in gewisser Rücksicht, in vielen Fällen aber unmittelbar von dem Hofe zu Lissabon abhängig sind. Jede Provinz hat ihre eignen Gerichte; von welchen man sich in zweyter Instanz an die Appellationshöfe zu Rio Janeiro und Bahia und in höchster Instanz nach Lissabon wenden kann. Die 6 Bischöfe in Brasilien stehen unter dem Erzbischof von Bahia. Ausser den Ureinwohnern, davon die südlichen Tapuyer und die nördlichen Topinamben heissen und sehr rohe sind, findet man in dem Lande europäische Portugiesen, (deren Zahl am geringsten ist,) Creolen oder solche, die von portugiesischen Aeltern in Brasilien gebohren sind, Mestizen, d. i. solche, die von gemischter, portugiesischer und brasilianischer Herkunft sind, und endlich Negern, deren jährlich 40-50,000 aus dem nicht allzuweit entfernten Afrika und den dortigen portugiesischen Colonien dahin gebracht werden. Man rechnet auf Brasilien 400,000 Weise, 600,000 Negersclaven, und gegen 200,000 Indianer.

Das Land ist sehr fruchtbar; seine wichtigsten Produkte aber sind das Gold und die Diamanten. Von jenem ist die Einfuhr nach Portugal erst seit dem Schlusse des 17ten Jahrhunderts beträchtlich. Man findet es auf dem Boden der Flüsse und in den von Regenströmen ausgeschwemmten Gräben. Die Sclaven, meistens Negern, so zu dessen Aufsuchung gebraucht werden, müssen täglich ihrem Herrn eine Achtels Unze Gold liefern. Was sie darüber finden, gehöret meistens ihnen; und bey manchen war dieses sehr beträchtlich. Das Gold, das jährlich auf diese Art in Brasilien gesammlet und nach Lissabon geschickt wird, (das nicht mitgerechnet, was an die Spanier zu Buenos Ayres gegen Silber vertauscht wird oder heimlich nach Europa gehet,) wird auf ohngefähr 25 Millionen französis. Livres geschäzt, wovon der König den fünften Theil bekommt. Vieles von diesem Golde wird in Brasilien selbst gemünzt. Was zu Rio Janeiro geschlagen wird, ist mit einem R, und das zu Bahia oder St. Salvador mit einem B gezeichnet.

Noch später, als das Gold, wurden die Diamanten in Brasilien entdeckt. Sie werden eben so, wie jenes, in den Betten der Flüsse und Gängen der Regengüsse gefunden; aber nicht so allgemein durch das ganze Land. Anfangs, da man sie nicht kannte, wurden sie, ey dem Waschen des Goldes mit dem davon abgesonderten Sande und Kieß weggeschüttet. Nur nach und nach und besonders durch das Urtheil europäischer Juweliere überzeugte man sich, daß diese Steine wahre Diamanten wären, davon viele den ostindischen gleich kämen. Um den Werth derselben durch die allzugroße Menge, die man nach Europa bringen könnte, nicht zu verringern, fand der König von Portugal rathsam, das Aufsuchen derselben einzuschränken und einer gewissen Compagnie, welche nicht mehr als 800 Sklaven dazu gebrauchen soll, ein ausschliessendes Recht darüber zu ertheilen. Dennoch sollen jährlich für 3 - 4 Millionen franz. Livres Diamanten nach Europa kommen.

Der Brasilianische Handel ist wichtig und nimmt noch immer zu. Die Ausfuhr bestehet, nebst dem Golde und Diamanten, vornehmlich in Zucker, welcher feiner ist, als der, den die französischen, englischen xc. Pflanzungen liefern, Taback, Häuten von Hornvieh, wovon jährlich wenigstens 20,000 nach Europa kommen, Bresil- oder Fernambukholz, Materialwaaren und Salz, welches bey allem Ueberfluß sehr theuer ist, weil es die Regierung verpachtet hat. Was aus Europa nach Brasilien kommt, ist nicht ein Fünfzehntel portugiesisches Produkt. Es gehen dahin allerhand wollene Zeuge aus England, Frankreich, Holland; Leinwand und Spitzen aus Holland, Frankreich, Deutschland; seidene Zeuge aus Frankreich und Italien; Strümpfe, Hüte, Bley, Zinn, Eisen, Kupfer und allerley daraus verfertigte Manufakturen aus England; Oel aus Spanien; und Wein, nebst einigen Früchten, ist beynahe alles, womit es von Portugal aus versehen wird. Die Portugiesen sind dabey, wie ihre Nachbarn, die Spanier, meistens Commissionnäre fremder und insonderheit englischer Kaufleute, da diese nicht unmittelbar und Brasilien handeln dürfen. Man berechnet die Einkünfte des Königs von Portugal aus Brasilien auf 9 Millionen Gulden.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1812]

Rio-Janeiro, den 24sten Januar.

Es scheint sicher, daß ein Krieg zwischen diesem Lande und dem spanischen Amerika ausbrechen wird. Es ist ausser Zweifel, daß, wie die Truppen von Brasilien aufbrachen, um Monte-Video zu befreyen, ihre Absicht war, diesen Platz zu besetzen und zu behalten. Indeß wollte Ellio, obgleich ein Feind von Buenos-Ayres, nicht zugeben, daß die portugiesischen Truppen einen Theil der Garnison des Platzes ausmachten, wie ihr Chef es vorgeschlagen hatte. Wie der Friede unterzeichnet wurde, erwartet man, daß sich diese Truppen zurückziehen würden; unter verschiedenen Vorwänden blieben sie aber in der Nachbarschaft von Monte-Video; nun griff sie der General von Buenos-Ayres plötzlich an, und zwey hundert Mann unsrer besten Truppen mußten über die Klinge springen.


Rio-Janeiro, den 14ten Februar.

Wir haben Nachrichten von Rio de la Plata erhalten. Zwischen den Spaniern und Portugiesen sind mehrere Gefechte, jedoch ohne eine allgemeine Schlacht, wozu beyde Nationen vorbereitet waren. Als Ursache zu diesen Feindseligkeiten werden die Ansprüche unsers Hofes auf alles nördlich dem Rio de la Plata gelegene Land angegeben, wodurch das westliche Reich des Hauses Braganza eine neue Gränze erhalten soll.


Buenos-Ayres, den 9ten Juny.

Zwischen den Einwohnern dieser Stadt und dem Prinz Regenten von Brasilien ist ein Waffenstillstand geschlossen worden. Die Truppen des Letztern, die auf das Gebiet des Pflataflusses vorgerückt waren, haben Befehl erhalten, nach dem brasilianischen Gebiet zurückzukehren.


London, den 12ten September. [2]

In einem von Rio-Janeiro im Anfange des July geschriebenen Briefe lieset man Folgendes:

"Der Prinz Regent scheint geneigt, ein friedliches System nicht aus Neigung, sondern aus Mangel an Gelde anzunehmen. Die Flotte, die bloß ein unnützer Paradegegenstand ist, wird, wie man glaubt, abgetakelt und die Officiers werden entlassen werden."


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 241. Montag, den 7/19. Oktober 1812.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.