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Breslau.Bearbeiten


Breslau,[1] Hauptstadt im Fürstenthum dieses Namens am linken Ufer der Oder. Mitten hindurch fließt der kleine Fluß Ohlau, der sich daselbst mit der Oder vereinigt. Sie besteht aus 2 Theilen der Alt- und Neustadt, und aus 5 Vorstädten: der Sand (auf einer Oder-Insel), die Ohlauer- Schweidnitzer- Nikolai- und Oder-Vorstadt, hat starken Mauern und Festungswerke, 6 Thore und 6 kleinere Pforten. In der Stadt waren im Jahr 1794. 268 öffentliche Gebäude, 2003 Privathäuser und in den Vorstädten 1093, ohne die Scheunen. Merkwürdige Gebäude sind: das königliche Schloß, Oberamtshaus, Rathhaus, Börse, Zuckerraffinerie und die Casernen, denn es liegen gewöhnlich über 6000 Mann hier in Garnison; ausser diesen 26 katholische, 8 lutherische und 1 reformirte Kirche. Die Kathedral-Kirche zu St. Johann hat 17 Capellen, liegt auf der Dominsel ausserhalb der Stadt, und ist der Sitz des einzigen Bischofs in Schlesien. Er führt den Titel: Fürst zu Neisse und Herzog von Grottkau. Gegenwärtig ist der Prinz Johann Christian von Hohenlohe im Besitz dieser Würde. Das Domkapitel besteht aus 7 Prälaten, 21 Domherren und 15 Vicarien. Das Hochstift stund ehemals unter Gnesen, jezt aber unmittelbar unter dem Pabste. -- Die hiesige katholische Universität hat Kaiser Leopold 1702. gestiftet: sie hat nur zwey Fakultäten, die theologische und philosophische, gegen 400 Studenten, 14 Lehrer, mit einem Director, und zugleich ein damit verbundenes Gymnasium. Für die Protestanten ist das Gymnasium zu St. Elisabeth mit 6 Classen, das Realgymnasium zu St. Maria Magdalena mit einer schönen Bildergallie; und die reformirte Friedrichsschule, welche unmittelbar unter dem Könige steht, ein Naturalien-Cabinet, und schöne astronomische Instrumente besizt. Auch eine jüdische Schule mit 5 Lehrern ist vorhanden, in welcher die Deutsche, Hebräische, Polnische und Französische Sprache, Schreiben, Rechnen, Zeichnen, Geographie, Geschichte xc. gelehrt werden. Die Stadt hat auch 16 Spitäler und Armen-Anstalten, und für Studirende so viele Stipendien, als wohl ausser Nürnberg keine Stadt in Deutschland besizt. Breslau ist der Sitz eines Ministers über das Kameralwesen, und eines andern über die Justitz, keiner ist von dem andern abhängig; auch der hohen Landescollegien, der Oberamtsregierung, der Kriegs- und Domänenkammer, des Oberkonsistoriums xc. Die Stadt wird durch 1182 Laternen erleuchtet. Im Jahr 1795. betrug die Bevölkerung in der Stadt 45,945 und in den Vorstädten 15,208 Menschen. Die Handlung ist sehr beträchtlich, und würde wegen der günstigen Lage noch beträchtlicher seyn, wenn nicht das Regierungssystem manche Beschränkungen nothwendig machte. Die Hauptartikel sind Leinewand, wovon die jährliche Ausfuhr über eine Million Thaler, und von Tuch- und Wollenwaaren, deren Ausfuhr gegen 600,000 Thaler beträgt. Ausserdem ist Breslau die Stappelstadt, welche alle umliegenden Gegenden mit Specereyen versieht; und auf der andern Seite durch Weine aus Ungarn, noch mehr aber durch Wachs, Pelzwaaren, Leder xc. aus Rußland, einen sehr beträchtlichen Umsatz macht. An eignen Fabricken zählt Breslau 3 große Zitz- und Cattundruckereyen, 4 blaue Tücherdruckereyen, 4 Wollenzeug, 3 Seiden- 1 ächte Türkischgarn- 1 Nähnadel- und mehrere Fabricken, eine Zuckerrafinerie. Die Zahl der Juden beträgt 2,270. Im J. 1741. kam diese Stadt unter preussische Bothmässigkeit, und der König bestätigte der Stadt, nach erfolgtem Frieden mit Oesterreich, nicht nur ihre Privilegien, sondern begnadigte sie auch damit, daß sie der Ordnung nach, die dritte Hauptstadt unter allen Hauptstädten seiner königlichen und kurfürstlichen Lande seyn sollte. Zu noch besserer Aufnahme der Handlung, wurden ausser den 2 Jahrmärkten und 2 großen Wollenmärkten, noch 2 ordentliche Jahrmessen, die erste auf Lätare, und die zweyte auf Mariä Geburt angelegt. Den 22sten Nov. 1757. wurde die Stadt von den kaiserl. königl. Truppen eingenommen, mußte sich aber nach der Schlacht bey Leuthen, und zwar den 20sten December wieder an die Preussen ergeben. Den 1sten August 1760. wurde die Stadt aufs neue von dem kaiserlich königlichen General Laudon berennet, der sich aber nach Hineinwerfung vieler Bomben und Haubitzgranaten drey Tage nachher wieder zurück zog.


Breslau..Bearbeiten


Breslau,[2] die Hauptstadt von Schlesien, 51 Gr. 6 Minuten 30 Secunden nördlicher Breite, 34 Gr. 42 Min. 38 Sec. Länge, am Einflusse der Wohlau in die Oder, getheilt in die Alt- und Neustadt und fünf Vorstädte, enthält 78 Gassen, 3 große Plätze, 3338 Häuser, über 60,000 Einwohner, worunter 3000 Juden. Kathedralkirche zu St. Johann, mit dem Sitz des einzigen Bischofs in Schlesien, der zugleich Fürst zu Neisse ist; überhaupt 28 catholische, 13 lutherische und eine reformirte Kirche, 14 Klöster, catholische und seit 1811 protestantische Universität, welche letztere von Frankfurt an der Oder hierher verlegt wurde, 12 catholische Schulen, 2 lutherische Gymnasien und 2 Schulen, die reformirte Friedrichsschule, Stadt- und Landschulen-Seminarien, chirurgische Schule, Hebammenschule, Provinzial-Kunstschule, Provinzial-Bauschule, judische Friedrich-Wilhelms-Schule u. s. w., schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur, 14 Bibliotheken, 5 Münz- und Kunstsammlungen, Naturaliensammlungen u. s. w.; Sitz der Landescollegien, des Oberlandesgericht, der Regierung u. s. w.; Zitz- und Kattundruckerei, Wollenzeug-, Seiden-, echt türkische Garn-, Nähnadel-, Zucker-, Tuch-, Leder-, Kattun-, Spitzen- und Kanten-, Steingut-, Farben-, Tabaks-, Krapp-, Lackir- und Spiegelfabriken; Glasschleiferei, Salpeter- und Potaschsiederei; Scheidewasserbrennerei, Wachsbleiche, Töpfergeschirr. Wichtiger Handel, zwei Messen, königliches Bankcomptoir. Die Einfuhr wird auf 16½ und die Ausfuhr auf 17 Millionen Thaler berechnet. 19 Hospitäler, Waisenhäuser u. s. w. Im Jahre 1741 kam diese Stadt unter preußische Botmäßigkeit, und Friedrich II. bestätigte nach erfolgtem Frieden nicht nur ihre Privilegien, sondern machte sie auch zur dritten Stadt seines Reichs. Den 22sten Nov. 1757 wurde sie von den Oesterreichern eingenommen, aber nach der Schlacht von Leuthen mußte sie sich am 20sten Dec. wieder an die Preußen ergeben. Im August 1760 wurde sie vom General Laudon berennt, jedoch ohne Erfolg. Im Jahre 1806 erfuhr die Stadt eine abermalige Belagerung von den baierschen und andern Truppen des Rheinbundes, und sie ging nach einer tapfern Vertheidigung am 7ten Jan. 1807 durch Capitulation über. Durch den tilsiter Frieden kam die Stadt an Preußen zurück; doch hat sie aufgehört, eine Festung zu seyn.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1807]

Breslau vom 9. May.[3] An Demolirung der hiesigen Festungswerke hatten bisher 1800 bis 2000 Landleute gearbeitet; damit jedoch der Feldarbeit die jetzt nöthige Bestellung nicht entzogen werde, ist jene Zahl um die Hälfte vermindert worden. Jetzt wird unter andern an Ebenung des Glacis vor dem Schweidnitzer Thore gearbeitet, wo sich das Monument des ehemaligen tapfern Vertheidigers von Breslau (des Generals Tauenzien) befindet. Diesem schönen Platz, dessen Monument vor aller Beschädigung gesichert ist, hat der Prinz Hieronymus k. H., aus Achtung gegen die Verdienste des Generals Tauenzien, den Namen Tauenziens-Platz beygelegt; er bedient sich desselben zur Musterung der Truppen, und hat auf demselben noch gestern das so eben hier eingerückte königl. sächs. Infanterieregiment von Niesemeuschel die Revüe passiren lassen.


Von Reisende.Bearbeiten

Friedrich Schulz. [4]

[1793]

Von Oels bis Breslau (4 M.) bleibt der Weg wie auf der vorigen Station. Breslau selbst zeigt sich auch schon, wenn man die Hälfte des Weges zurück gelegt hat. Schon hier sieht man, daß man in keine neumodische Stadt zu gelangen im Begriff ist: ihre Thürme sind von der ältesten Form, und die spitzigen, schmalen, hoch herauslaufenden Dächer scheinen von gleichem Alter zu seyn. Man kommt endlich durch ein Sandmeer hinein, eine Unbequemlichkeit, die diese Stadt mit Berlin, Dresden und Warschau ganz gemein hat.

Man hat sich auch nicht geirrt, wenn man von außen schon die Bauart des Innern für gothisch erkennte. Die Häuser sind, im Durchschnitt, drey bis vier Stock hoch, und strecken ihre, zum Theil thurmartige, bunte, ausgezackte Giebel nach der Straße hinaus. Ueber dem Wanderer schweben hoch in der Luft ansehnliche Balken, die, zu Dachrinnen ausgehauen, aus den Einschnitten der Giebel hervorragen; und neben ihm fahren, von Strekke zu Strecke, gewaltige Schlangen von Holz aus den untern Geschossen hervor, die zu Bierzeichen dienen und wahrscheinlich dieser Stadt ganz eigenthümlich sind, aber ihr Aeußeres wirklich nicht aufputzen.

Die Straßen der Stadt sind im Ganzen mehr breit als enge. Das Pflaster ist leidlich, und für die Reinlichkeit wird auch etwas gethan. Die Stadt hat mehrere Plätze, unter denen der Salzring der geräumigste ist und gut in die Augen fällt. Auf demselben und in den daran stoßenden Straßen ist es so lebhaft, daß viele Gegenden in Berlin wie todt erscheinen würden, wenn man sie gegen einander halten wollte. Eins starke Garnison, ein starkes Handels- und Manufaktur-Personale, die königlichen Kollegien der Provinz, zwey lutherische Gymnasien, eine katholische Universität xc. führen der Stadt dieses Gewimmel zu, das den größesten Theil ihrer Straßen bedeckt und in Marktzeiten das Meßgetümmel von Leipzig fast erreicht.

Das Aeußere der arbeitenden Einwohner kündigt eine gewisse Wohlhabenheit an, und ihr Gang, ihr schnelles Wesen, ihr lebhafter Blick, deuten auf Fleiß, Betriebsamkeit, Talente. Auch sind die Schlesier eine der fäigsten Nationen deutscher Zunge, und sie gewinnen sehr (selbst die Bauern) wenn man sie mit ihren Landsleuten, den Preußen, Märkern und Pommern vergleicht, die ein gewisses schwerfälliges, ich möchte sagen melancholisches, Wesen verrathen. Die Schlesier nähern sich in Sprache und Humor mehr den Anwohnern des Rheins und anderer Weinländer, dahingegen die Kinder der genannten Provinzen sich mehr den Westphälingern und Holländern anschließen. Diese leichte Gemüthsstimmung der Schlesier hat denn auch ihre natürlichen Folgen. Der Umgang der geringern Klassen unter einander ist aufgeweckt, lustig, geräuschvoll; sie tanzen, spielen allerley Instrumente, haben Volkslieder -- eine unerhörte Erscheinung in den eigentlich- brandenburgischen Provinzen, wo zu Hause und in den Krügen geistliche Lieder gesungen und alle übrige Schelmlieder genannt werden. Unter den gemeinen Schlesiern findet man sogar eine Art von Galanterie, welche unter ihren vorhin genannten Landsleuten unerhört ist, die nur heirathen, um zu heirathen, deren Bräute gar kläglich heulen, wenn die Ringe gewechselt werden, mit einem Worte: denen die Begriffe einer schwerfälligen Theologie, und ein dickes, träges Blut diese Verbindung tragisch machen, die doch einen großen Zusatz sinnlicher Freuden verlangt, wenn sie ihren eigentlichen Zweck erreichen soll. So pedantisch sind die Schlesier (darum doch gute Christen) bey weitem nicht, und es giebt auf dem Lande und unter dem Volke selten einen Bräutigam, der nicht, eine längere oder kürzere Zeit vorher, in einer verliebten Verbindung mit seiner Braut gestanden hätte.

Der gesellschaftliche Ton des Adels und der höhern Staatsbeamten vom Civile und Militare, die zusammen halten, unterscheidet sich in Breslau von dem Ton eben dieser Klassen in allen übrigen beträchtlichen preußischen Provinzialstädten, z. B. in Königsberg, Stettin, Magdeburg, nur durch fast unmerkliche Schattierungen. Thee, Spiel und Tanz sind auch hier ihre Erholung. Eine gewisse Steifigkeit und Breite in den Manieren fällt hier einigermaßen auf, wenn man an die Berliner Gesellschaften aus diesen Ständen denkt. Dem Anzuge der Damen und ihrem Geschmacke fehlen auch noch mehrere Grade zu der Eleganz der Hauptstadt. Uebrigens findet man in diesen Zirkeln von Zeit zu Zeit einzelne Gelehrte, die dazu gezogen werden, aber ihren Gattinnen ist der Zutritt verwehrt, hier, wie überall; aber auch hier läßt man den männlichen Mitgliedern dieser Klassen die Gerechtigkeit wiederfahren, daß sie nicht Schuld daran sind.

Breslau ist das Athen Schlesiens. Es hat von jeher eine Menge von Gelehrten und Bellettristen hervorgebracht und genährt, und schließt eben jetzt noch von beyden Gattungen eine beträchtliche Anzahl ein, unter denen Namen sind, welche die deutsche Nation verehrt. Die Musik ist in dieser Stadt, wie überhaupt in den meisten Theilen von Schlesien, immer gepflegt worden. Auch die Theologie hat hier mehrere Lichter gehabt und hat sie noch. Es war mir in der That etwas auffallend, in der Hauptstadt einer preußischen Provinz noch so viel fleißige Kirchengänger unter allen Ständen zu finden, die es freylich oft genug bloß darum seyn mögen, weil es Ton ist, oder weil sich die Nachbarn darum bekümmern. Auch hat der lutherische Kirchengebrauch in Breslau noch auffallend viel von dem katholischen. Diesen Umstand, wie den erstern, erklärt man sich aber leicht aus der nahen Nachbarschaft beyder Bekenntnisse, die weniger eifrig scheinen, da wo sie allein sind.

Breslau besitzt einen großen Schatz an literarischen, alt- architektonischen, artistischen, naturhistorischen, technologischen xc. Seltenheiten und Merkwürdigkeiten, die aufzuzeichnen nicht in meinem Plane liegt. Ich nenne unten ein paar Bücher, die dergleichen in Menge enthalten und in Breslau meine Führer gewesen sind. *)

*) Von Breslau, dokumentierte Geschichte und Beschreibung; daselbst 1780 - 1783. Zölners Briefe über Schlesien, Krakau, Wilicza und die Grafschaft Glatz xc. Berlin, 2 Theile, 1792 - 93.

Der Umfang der Stadt ist sehr beträchtlich, und man giebt ihn, alle Vorstädte dazu gerechnet, zu zwey Meilen an. In eben dieser Größe liegt wohl der Grund, daß Breslau keine übermäßig starke Festung seyn kann, obgleich man, seit dem siebenjährigen Kriege, ihre Werke ziemlich vervielfältigt und erweitert hat. Bey dem allen scheinen mir die Befestigungen nur da zu seyn, damit die Stadt nicht von jedem unbeträchtlichen feindlichen Haufen überrennt werden möge; eine förmliche Belagerung würde sie so lange nicht aushalten, würde man ihr auch wohl ungerne zuziehen, da Breslau in der That mehr zu verlieren hat, als manche Residenz. Es müßte denn seyn, daß der Feind sich hinein geworfen hätte und das Schicksal der Stadt an das seinige binden wollte, um sie wenigstens zu Grunde zu richten oder richten zu lassen, wenn er sie nicht behalten könnte.

Den 23sten May reisete ich, nach einem nur viertägigen Aufenthalte, von Breslau ab. Meinen Weg nahm ich auf Hirschberg.


Von Reisende..Bearbeiten

Christian Ulrich Detlev von Eggers [5]

Breslau ist die dritte Königliche Residenzstadt und eine ansehnliche Festung. Sie liegt an der Oder, in welche die durch die Stadt fließende Ohlau fällt, in einer sehr fruchtbaren Gegend 44 ¾ Meilen von Berlin. Bis auf eine Meile weit um die ganze südliche und westliche Seite sind große Pflanzungen von Küchengewächsen und Felder mit Färberröthe.

Die Stadt ward schon im zehnten Jahrhundert von den Slaven erbauet, und Bredslaan oder Vredslaan genannt, woraus nachmals der Polnische Name Wrotzlaw entstand. Sie erhob sich in der Folge zu einer ansehnlichen Macht, trieb starken Handel, und ward Mitglied der Hanse zu der glänzendsten Zeit dieses Bundes. Auch unter den Oesterreichischen Regenten blieb sie trotz aller Einschränkungen der Nachbar immer der Mittelpunkt eines bedeutenden Handels. Unter der Preußischen Regierung hob er sich noch mehr. In den letzteren Jahren hat er zwar durch die ungünstigen Beschränkungen im Kriege etwas gelitten; aber er bleibt noch immer sehr ansehnlich. Man rechnet die Einfuhr in Breslau auf 16,300,000 Rthlr., die Ausfuhr auf 16,6000,000 Rthlr. Es würde also jährlich 300,000 Rthlr. gewinnen; von diesen kommen reichlich 60,0000 Rthlr. auf den Wechselhandel. Nach Polen und Rußland gehen viele Rasche. Aus Polen zieht Breslau viele Haasenfelle und Wachs, die es nach Hamburg sendet; von dort her bekam es sonst viele Englische Waaren, die wieder nach Polen gehen. An Leinwand allein geht jährlich beinahe für 2 Millionen Rthlr. nach Hamburg und Stettin. Auf den jährlichen Wollmärkten werden jährlich gegen 90,000 Stein Schlesischer Wolle gebracht. In dem Besitz des Handels mit Färberröthe ist Breslau allein. Die Stadt hat viele Künstler und einige wichtige Manufakturen und Fabriken. Die vorzüglichsten sind die Nähnadelfabrik, 1763 durch Schwabacher errichtet, die Stahlfabrik, die Tuch- Ziz- und Kattunmanufakturen, eine sehr gute Englische Blaudruckerei, die Ledergärbereien, die Zuckersiederei. Aus den Manufaktur und Fabrikenfond werden fremde Handwerker und Fabrikanten und neue Anlagen beträchtlich unterstützt; insonderheit mit Maschinen und Geräthschaften versehen.

Man sieht der Stadt noch ihr Alter sehr an. Zwar giebt es viele schöne Häuser, auch einige Partheien, die sich durch regelmäßige Bauart auszeichnen; aber die meisten Gassen sind schmal und krumm, die Häuser zum Theil alt und unfreundlich. Die Stadt ist nicht weitläuftig gebauet. Sie hat gegen 5,500 Häuser und 62,000 Menschen, die Besatzung nicht gerechnet. Die Häuser sind hoch; in den meisten wohnen mehrere, zum Theil viele Familien. Man zeigte mir eins, das gegen 30 Familien hat. Fast in der Mitte der Stadt ist ein großer öffentlicher Platz, er wird aber durch das Rathhaus und die daran stoßenden Häuser durchschnitten. So sind es jetzt drei Plätze, die jeder seinen Namen haben; der Markt oder große Ring, beständig mit Buben besetzt, der Salzring, der Neumarkt.


PanoramaBreslauParadePlatz BNW


[Der Parade Platz in Breslau]

Es ist viel Wohlhabenheit in der Stadt. außer den Fabriken und dem Handel, machen auch die vielen Königlichen Collegien für Schlesien, die größtentheils hier sind, und die sehr begüterten Katholischen Stifter, eine bedeutende Circulation. Gleichwohl sind die Lebensmittel viel wohlfeiler, als in Berlin. In den Gebirgen aber sind die nothwendigsten Waaren viel theurer als in Breslau; das Korn oft um die Hälfte, ja noch einmal so theuer.

Breslau ist jetzt der Hauptsitz der Bildungsanstalten für die Katholische Geistlichkeit. Sie hat eine katholische Universität, mit einer theologischen und einer philosophischen Facultät; auch ein damit verbundenes Gymnasium. Ferner sind hier ein fürstliches Stift Premonstratenser-Ordens zu Vincent, ein Fürstliches Hospital der Kreuzherrn mit dem rothen Stern zu St. Mathias, zwei Fürstliche Jungfrauen-Stifter, zwei Nonnen-Klöster und 5 männliche Ordensklöster, mit den Kirchen auf der Dohminsel und in den Vorstädten 28 katholische Kirchen. Lutherische Kirchen sind 8, eine reformirte, ein griechisches Bethaus, eine Judensynagoge, zwei lntherische Gymnasien, ein reformirtes, ein Stadt- und Land-Schulen-Seminarium, 4 katholische Hospitäler, 8 lutherische 1 reformirtes, ein Armen- und Arbeitshaus, worin seine Tücher und Strümpfe verfertigt werden. Zu Breslau befinden sich auch eine Börse, eine Bildergallerie bei der lutherischen Magdalenenschule, drei Stadtbibliotheken, eine anatomisches Theater, sieben Buchhandlungen, eine ökonomisch-patriotische Gesellschaft, die für Schlesien ungemein viel Gutes gewirkt hat. Das Schauspielhaus ist geräumig und bequem, aber es liegt zu entfernt und hat bei Feuersgefahr zu wenig Ausgänge. Man hat zwei künstliche Bäder, sehr gut eingerichtet und höchst reinlich. Bei dem einen ist ein Garten für Brunnentrinker; bei dem andern ein physischer Apparat zur Electrizität und zum Galvanismus. Die Krankenhäuser auf dem Burgfelde, von Schummel nach dem Würzburger Julius-Hospital errichtet, und die bei den barmherzigen Brüdern und den Elisabether-Nonnen haben viel vorzügliches.


PanoramaBreslauDomKreutzKirche1400 BNW


[Der Dom und die Kreutzkirche in Breslau.]

Auf der Dohminsel, nordostwärts der Stadt, von der Festung umgeben, ist das bischöfliche hohe Dohmstift zu St. Johannis und das Collegiatstift zu St. Crucis. Der Bischof, der erste Landstand in Schlesien, nennt sich Fürst zu Neiße und Herzog zu Grotkau; er steht unmittelbar unter dem Pabst. Zwischen der Dohminsel und der Stadt liegt die Sandinsel, ebenfalls von der Festung eingeschlossen, wo sich ein fürstliches Stift und ein Nonnenkloster Augustiner-Ordens befindet. Die bischöfliche Dohmkirche enthält sehenswürdige Bildhauerarbeit und Gemählde. Auf dem Thurm der Elisabethkirche zeigt man eine der größten Glocken, 14 Ellen im Umfang, 4 Ellen hoch, ½ Elle dick, aber dennoch kleiner als die Wiener und Erfurter. Die Leopolds-Universität -- ehemals ein Jesuiter-Collegium -- ist im Styl der Wiener Kaiserburg erbauet. Der vortrefliche Promotionssaal, noch seinem Stifter zu Ehren Aula Leopoldina genannt, wird auch zu Conzerten gebraucht. Die berühmte Mara und Marchetti sollen ihn den meisten Hörsälen Deutschlands für Vokalconzerte vorziehen. Die al Fresco Malerei darin ist Meisterhaft, sowohl in der Haltung der Figuren als im Kolorit.

Um Breslau sind mehrere schöne Gärten und angenehme Orte zur geselligen Vergnügen. Unter den etwas entlegeneren schönen Garten-Anlagen zeichnen sich besonders aus Dyrnfurth an der Oder, eine Herrschaft des Grafen Hoym, und Scheidnig ein großer, reizender Park des Fürsten von Hohenlohe-Ingelfingen, Gouverneur von Breslau, bei einem freundlichen Dorf an einem Arme der Oder. Schade, daß die Jahreszeit es nicht gestattete, sie aus eigener Ansicht kennen zu lernen.


Galerie.Bearbeiten

Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. National-Zeitung der Deutschen. 23tes Stück, den 4ten Juny 1807.
  4. Reise eines Liefländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau, Dresden, Karlsbad, Bayreuth, Nürnberg, Regensburg, München, Salzburg, Linz, Wien und Klagenfurt, nach Botzen in Tyrol. Berlin, 1795. bei Friedrich Vieweg dem ältern.
  5. Reise durch Franken, Baiern, Oesterreich, Preußen und Sachsen von E. U. D. Freyherrn von Eggers Oberprocureur der Herzogthümer Schleßwig und Holstein. Ritter von Dannebrog. Leipzig, bei Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1810.
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