Ueber den Angriff der Engländer auf Buenos-Ayres.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Frey aus dem Spanischen übersetzt von J. D. Mutzenbecher, aus der außerordentlichen Madridter Hofzeitung vom 26. Nov. 1807.

Nachstehendes sind die Spanischen Officialberichte über die letzte unglückliche Expedition der Engländer gegen Buenos-Ayres; Berichte, die zur Zeitgeschichte gehören, deren Detail bisher in Deutschland unbekannt geblieben ist, und die zur Aufklärung bei dem Processe dienen können, der jezt in England gegen den General Whitelocke wegen der verunglückten Expedition gegen Buenos-Ayres verhängt ist.

"Don Sanjago Liniers, Commandant der Spanischen Macht auf Buenos-Ayres, hat an Se. Durchlaucht den Prinzen Generalissimus, Admiral, über den glorreichen Erfolg Sr. Majestät Waffen bei dem Angriff, den der Feind im Julius dieses Jahrs auf jenen Platz machte, nachfolgenden Bericht erstattet: *)

Durchlauchtigster Herr!

Seitdem ich die Ehre hatte, E. D. H. unterm 13ten des verwichenen Maimonats den Zustand, in welchem sich die zur Vertheidigung dieser Hauptstadt versammelten Volontair-Truppen befanden, bekannt zu machen, und durch den Muth und die Ausdauer ohne gleichen, welche ich in den Enthusiasmus aller derselben wahrnahm, die gegründetste Hoffnung nährte, einen vollkommnen Sieg über die Feinde zu erlangen, habe ich das Vergnügen, E. D. H. jetzt zu berichten, daß wir diesen auf das vollständigste errungen haben und theile Ihnen die nähere Umstände davon mit.

Die Feinde fuhren fort, Anstalten zur Einschiffung der Truppen, welche diese Stadt angreifen sollten, zu treffen; und obwohl ich durch die genauesten und zuverlässigsten Berichte von vertrauten Personen in Montevideo wußte, daß die Anzahl derselben über 6000 Mann sey, ungerechnet die Reserve-Truppen, welche von London unter dem Befehl des Generals Crawfurd angekommen waren und die man nicht hatte ausschiffen lassen, publicirte ich am 25sten des folgenden Monats Junius, nachdem ich alle Truppen die General Revue hatte passiren lassen, die Proclamation, von welcher ich ein Exemplar mit No. 1. bezeichnet beifüge, worin ich ihnen erklärte, daß die Feinde nur 4000 Mann stark wären; diese List wäre jedoch bei Truppen nicht einmal nöthig gewesen, deren Tapferkeit einen ihnen an Zahl weit überlegenen Feind besiegte, und die im Geist meiner Proclamation beschlossen hatten, zu siegen oder zu sterben.

Am 23sten zeigten sich schon die feindlichen Transportschiffe in beträchtlicher Anzahl; wovon man mich aus dem Hafen und von den Wachtthürmen an der Küste aufs pünktlichste unterrichtete; den 27sten erschienen im Angesicht der Hauptstadt mehr als 80 segelnde Schiffe, und schienen ihre Richtung nach Balisas zu nehmen; nachdem aber verschwanden sie und steuerten nach dem Meerbusen von Barragan, wo sie am 28sten ihre Truppen auszuschiffen anfingen und sich bemühten, den Banado zu passiren. Dies aller erfuhr ich aufs umständlichste. Keine Stellung konnte vortheilhafter seyn, um sie anzugreifen; allein da ich erwog, daß, um dies auszuführen, ich meine Armee sehr vermindern und wenigstens um ein Drittel schwächen müßte, und überdem Gefahr lief, daß der Feind sich in diesem Fall wieder einschiffen und mich mit Vortheil an einem der Stadt näher gelegenen Punkte (der Meerbusen ist von der Stadt 14 Meilen entfernt) angreifen mögte, so begnügte ich mich damit, ihn durch einige Piquets meiner Cavallerie beobachten zu lassen. Ungeheuer waren die Schwierigkeiten, welche die Engländer auf ihrem Marsche zu bekämpfen hatten, obwohl sie durch die Dürre, welche seit einem Monat geherrscht hatte, schon sehr verringert waren; es währte bis zum 1sten dieses Monats, ehe sie die Quilmes erreichten, einen Punkt, den ich verlassen hatte, indem ich ein Detaschement und die Artillerie, welche dort aufgestellt gewesen waren, nach der Brücke von Barracas, auf das östliche Ufer des Riachuelo sich zurückziehen ließ. Den nämlichen Tag setzte ich mich mit allen meinen Truppen und der Artillerie im Marsch, um eine gute Stellung zu nehmen, formirte meine Schlachtordnung N & S, und stellte den rechten Flügel etwas schräge, theils weil mir diese Lage günstig war, theils in Hinsicht der Beschaffenheit des Terrains. Mein rechter Flügel stand unter dem Commando des Obersten D. Cesar Balviani und führte eine rothe Fahne: den linken commandirte D. Bernardo de Velasco gleichen Ranges und Gouverneur von Paraguay und der Missions-Inseln; dieser führte eine weiße Fahne; das Centrum aber, welches der Oberst D. Xavier Elio anführte, eine blaue. Die Feldstücke und Haubitzen, 44 an der Zahl, ließ ich zwischen der Linie aufführen, und die vom schweren Caliber, deren ich 4 hatte, auf der linken Seite. Ich formirte eine zweite zur Reserve, welche aus zwei Divisionen mit 6 Achtpfündern und 2 Haubitzen bestand, und beschloß mit dem Augenblicke des Angriffs mich an die Spitze der Division zur Rechten und den Schiffshauptmann und Gouverneur von Cordova D. J. Gutierrez de la Concha an die Spitze der zur Linken zu stellen, um so dem Feinde in die Flanken zu fallen. Die Nacht war schrecklich; es war eine empfindliche Kälte, und es regnete in Strömen; meine Truppen ertrugen dies muthvoll, und als ich während der Nacht verschiedene Ronden machte, fand ich sie allenthalben in der frohsten Stimmung. Die Feinde brachten diese Nacht in den St. Domingoschen Niederlagen zu. Den 2ten marschirte ich mit Tagesanbruch hundert Schritt vorwärts, doch behielt ich die nemliche Ordnung bei. Den ganzen Morgen beobachteten kleine Abtheilungen meiner leichten Reuterei die Bewegungen des Feindes, und scharmuzierten mit seinen Vorposten; um 10 Uhr rapportirte man mir, daß er sich in Marsch gesetzt habe, und da ich nicht zweifelte, daß er mich angreifen würde, durchlief ich die Reihen und feuerte den Muth meiner Soldaten an, indem ich ihnen zurief: Sant Jago *) und Sieg ist heute unsre Losung und ihm gehen wir entgegen! Diesen Zuruf erwiederten sie mir sogleich mit solchem Freudengeschrei, daß ich nicht einen Augenblick zweifele, den vollkommensten Sieg errungen zu haben, wenn mich der General Whitelocke angegriffen hätte; allein er defilirte links und meine Kundschafter meldeten mir, er scheine über den Riachuelo gehen zu wollen, entweder bei dem schmalen Uebergange oder bei Burgos. Sogleich brach ich die Colonne rechts, und bot ihm zum zweitenmale die Schlacht in einer Stellung an, die mit meiner vorigen einen graden Winkel bildete; mein rechter Flügel lehnte sich nemlich an den schmalen Uebergang, und meine Reserve hatte ich zur Vertheidigung der Brücke zurückgelassen; allein er täuschte meine Erwartung nochmals und ging in einer mehr westlich gelegenen Furth über den Fluß. Mein Entschluß war gleich gefaßt; ich hoffte ihm seinen Marsch abzuschneiden, kehrte demnach mit der zweiten und dritten Colonne über die Brücke zurück, während ich die erste, das Reserve Corps und die Artillerie in der vorigen Stellung ließ, weil ich Nachricht erhalten hatte, daß ein andres Corps seine Richtung auf diese Brücke zu nähme; allein so sehr ich mich auch bemühete, meinen Marsch mit den erwähnten zwei Colonnen zu beschleunigen, so konnten meine ermatteten Soldaten auf dem sumpfigen Terrain doch nur langsam vorrücken; dies bewog mich, meine Division der Artillerie mit der Cavallerie zusammenzuziehen, an deren Spitze ich mich stellte, so die Höhe von Barranea erreichte, und mich mit ihr in den Höhen der Miserere postirte, wohin, wie man mir meldetet, die Feinde in Anmarsch wären, welche mit unglaublicher Schnelligkeit einen Marsch von 4 Meilen gemacht hatten. Wirklich zeigten sich auch einige leichte Truppen, auf welche ich feuern ließ und sie sogleich zerstreute. Zu gleicher Zeit vereinigte sich mit mir der Chef der weißen Colonne, die aber nur das Regiment von Biscaja und das incomplete der Arribenos, eine halbe Escadron Husaren, einige Bergsoldaten (minones) und die Escadron Jäger bei sich hatte; bald darauf kam die Englische Colonne, welche aus 1500 Mann bestand, heran, postirte sich hinter einen Wald von Feigenbäumen, welchen ich vor mir hatte, und unterhielt ein starkes Musketenfeuer, welches ich mit meiner Artillerie und 500 Mann Infanterie (denn die 200 Arribenos waren bloß mit Piken bewaffnet) lebhaft erwiederte. Die verzögerte Ankunft des Restes der zwei Colonnen brachte mich, je mehr die Nacht heranrückte, in eine sehr kritische Lage; ich befahl daher mit der Artillerie sich zurückzuziehen; eine Bewegung welche unter dem lebhaftesten Feuer, durch welches die Pferde getödtet wurden, nichts anders als mit einigem Verlust ausgeführt werden konnte; ich verlor drei Feldstücke, welche ich vernagelt zurücklassen mußte; mein Adjutant D. Manuel de Arce, verlor durch einen Schuß seinen Achselband, und da ich mich zerstreut und abgeschnitten sah, fand ich mich genöthigt, einer Abtheilung Reuterei durch enge Pässe, welche mich von der Stadt entfernten, zu folgen; darüber ward es ganz Nacht und fing an zu regnen. Dies Gefecht, ob es gleich für uns etwas nachtheilig war, ist doch vielleicht die Ursache unsers nachmaligen Sieges gewesen; denn da die Feinde in demselben mehr als 300 Mann und 9 Officiere verloren hatten, und wohl wissen mußten, daß die Truppen, mit welchen ich gegen sie gefochten hatte, nur erst meine Avantgarde ausmachten, so zögerten sie vorzurücken und hemmten sogar den Marsch der andern Colonne, von welcher ich wußte, daß sie gerade auf die Stadt losging, die sie gewiß auch noch in der nemlichen Nacht angegriffen haben würden, wenn ihnen der Muth und die Erbitterung meiner Truppen, welche sie bei jenem Gefecht erfahren hatten, nicht Schrecken eingeflößt hätte.

*) Sant Jago, der heilige Jacob ist der Schutzpatron der Spanier, den sie beim Angriff ihrer Feinde anrufen. Der Uebersetzer.

Mein Vereinigungspunct war die Kollegiatbastion; aber die Dunkelheit der Nacht verhinderte mich sie zu erreichen, und da mich die beständige Gefahr auf irgend einen feindlichen Vorposten zu stoßen, vom Wege dahin abführte, so entschloß ich mich in einem Hause zu übernachten; hier habe ich die unglücklichste Nacht meines Lebens zugebracht. Beim Anbruch des Tages, am 3ten begab ich mich nach der erwähnten Bastion, woselbst ich einige 12-Pfünder von der Batterie de la Recoleta vorfand, und die mit den Stücken, welche ich gerettet hatte, zusammen 11 ausmachten. Unverzüglich marschirte ich nach der Stadt, in welcher sich alle übrigen Truppen, die der rechten Colonne mit inbegriffen, versammelt hatten und schon auf den Dächern der Häuser an den acht Eingängen des Platzes vertheilt waren, an deren Ende nach meinem Vertheidigungsplan die Artillerie aufgefahren war. Alle unsere leichten Truppen, verschiedene Volontairs von dem Corps der Patrizier und Veteranen waren zerstreut in kleinen Gefechten engagirt. Der Schiffshauptmann D. Juan Gutierrez de la Concha hatte sich mit dem Corps der Seesoldaten in die Citadelle zurückgezogen, und die Compagnie Grenadiers vom Regiment Gallizien den Stiermarkt besetzt. Ich hatte nemlich alle Kriegstransportschiffe in den Riachuelo zurückkehren und die Truppen ausschiffen lassen, theils weil ich sie zur Vertheidigung der Stadt in Hinsicht der Menge der Feinde als unzulänglich ansah, theils weil ich mich mit dem Schiffsvolk und der Besatzung derselben, welche zusammen ein Corps von 400 Mann ausmachten, verstärken wollte. So ließ ich ebenfalls einen Brander, den ich bereit gehalten hatte, anzünden, nachdem ich die feuerfangenden Stoffe vorher hatte ins Wasser werfen, und auch eine genommene Fregatte in Brand stecken lassen, welche das Feuer der Batterie hemmte. Denselben Tag kam ein Parlementär von dem Englischen General an, der mir Vorschläge manchen wollte; worauf unsrer Seits erwiedert wurde, daß er solche schriftlich machen mögte. Dies geschah in einem Briefe, wovon sich die Abschrift unter den Beilagen mit No. 2. bezeichnet befindet, und da ich außerhalb der Stadt war, übernahm es der Oberst D. Xavier Elio, in meinem Namen mit Energie und dem gehörigen Anstand auf ein Schreiben zu antworten, in welchem nur der größte Uebermuth Bedingungen dictiren konnte, als diejenigen waren, den Platz zu übergeben, und nicht allein die Militärpersonen, sondern auch die Civilbeamten als Kriegsgefangene zu betrachten; ohne irgend eine andere Concession, als freie Religionsübung und Schutz des Privateigenthums; er that dies, indem er ihn wissen ließ, daß keinem Vorschlag Gehör gegeben werden würde, der auf Streckung der Waffen abziele, daß ich mit Truppen umgeben sey, die bereit wären, für die Vertheidigung des Vaterlandes ihr Leben zu opfern, und daß die Stunde gekommen sey, wo sie diesen Patriotismus an den Tag legen würden. Diese Antwort findet sich unter den Beilagen sub 3.

An diesem Tage und den 4ten, fiel außer einigen partiellen Gefechten nichts von Bedeutung vor; ich benutzte diese Zeit, um einige Laubgräben von 6 Ellen breit und 4 tief den acht Straßen des Platzes gegenüber eröffnen zu lassen, und ließ an unsrer Seite, um die Communication zu erleichtern, einige dicke Bretter überlegen; ferner ließ ich die Steine, welche uns das aufgerissene Straßenpflaster verschaffte, auf die Dächer hinaufbringen, nachdem ich eine gute Anzahl Granaten und Feuerraketen daran hatte befestigen lassen. Der Englische General ließ mir nochmals Anträge machen, die in der Beilage No. 4. sich befinden, und worin er, nachdem er seine Macht prahlerisch erhoben hatte, mich abermals aufforderte, unter ehrenvollen Bedingungen zu capituliren, und zwar wie er sagte, aus Gründen der Menschlichkeit und um Blutvergießen zu vermeiden. In meiner Antwort, wovon die Copie mit No. 5. bezeichnet ist, erklärte ich ihm mit Kraft und Würde, daß, so lange ich noch Munition hätte, so lange sich der Geist, der die Garnison und die Einwohner beseele, erhalten würde, würde ich keinen Vorschlag zur Uebergabe annehmen; überdieß hätte ich Mittel in Händen, seinen Angriffen zu widerstehen, und was die Rechte der Menschlichkeit, auf die er sich beriefe, anlange, so wären diese wol durch ihn, den Aggressor, verletzt, nicht durch mich, der ich nur trachte, die Pflichten der Ehre zu erfüllen.

Den 5ten um 6 Uhr des Morgens fing die Attake bei der Citadelle an, und wurde bald allgemein; drei und eine viertel Stunde hielten sich die unsrigen, obwohl sie durch mehr als 2000 Mann, die sich durch alle Eingänge dieses Punkts hineindrängten, angegriffen waren; es wurde dabei getödtet, der Cornet D. Joseph Rivas und verwundet, die Schiffslieutenants L. Candido Lasala, D. Antonio Leal de Ibarra, der Lieutenant von der Fregatte D. Benito Correa, der Fähndrich D. Manuel Villavicenao und 5 Offiziere von andern Corps. Dem Commandanten Concha ging eine Kugel durch den Huth, und er erhielt eine Contusion an der Schulter durch einen Streifschuß. Da er schon mehr als 200 Mann, sowohl an Todten als Verwundeten verloren hatte, und sein ganzer, bedeutender Vorrath von Artillerie-Munition verschossen war, dachte er darauf sich zurück und weiter in die Stadt hineinzuziehen: Da er sich aber von Feinden umringt sah, vermogte er dies nicht zu bewerkstelligen und wurde mit dem Capitain der Fregatte Don. Juan Angel Michelena, den Schiffslieutenants D. Candido Lasala, D. Joseph Posadas und D. Jacinto Romarate; den Fregattenlieutenants D. Manuel Iglesias, D. Benito Correa, D. Domingo Allende und D. Joseph Miranda, den Schiffscornets D Federico Lacos und D. Joseph Aldana und D. Martin Asas zu Gefangenen gemacht.

Glücklicher fielen für uns die Angriffe auf die übrigen Punkte der Stadt aus; alle Augenblicke wurden ansehnliche Trupps Soldaten und Offiziere, in den Straßen und Häusern, worin sie sich zu verschanzen suchten, zu Gefangenen gemacht. Diese Gefangennehmung und die Hitze der Spanischen Soldaten, zogen uns einige Unfälle zu. Während einer verstellten Unterhandlung, wurde mein erster Adjudant, der Schiffslieutenant D. Baltasar Unquera, beim St. Domingo Kloster getödtet, und der Adjudant des Obersten D. Favier Elio, der Capitain der Stadt-Artillerie D. Joseph de Pazos schwer verwundet. Mein Adjudant D. Manuel de Arce der an meiner Seite zum erstenmal und rühmlich focht, und der sich in dem Gefechte bei Miserere durch seinen Muth außerordentlich hervor gethan hatte, fand auch seinen Tod in der Straße de las Catalinas. Endlich, da ich wußte, daß sich in dem erwähnten St. Domingo-Kloster, der General Crawfurd mit mehr als 1000 Mann befände; so ließ ich ihn zur Uebergabe auffordern und ihn zugleich versichern: daß er sich von mir nicht die Nachgiebigkeit versprechen dürfe, die in einem ähnlichen Fall der Gouverneur der Canarischen Inseln gezeigt habe, sondern daß ich entschlossen sey, das Kloster der Erde gleich zu machen. Voll Uebermuth antwortete er meinem Adjudanten, daß, weit entfernt sich zu ergeben, hätte er vielmehr erwartet, daß ich zu capituliren willens sey und er würde mit dem Bajonnet vorrücken. Auf diese Antwort ordnete ich eine allgemeine Attake an, ließ Artillerie auffahren und von dem Fort aus Bresche in den Thurm schießen, welches ihn denn sehr bald zwang, die weiße Fahne aufzupflanzen; und da ich den Commandanten der blauen Colonne abschickte, ergab sich der General Crawfurd mit 930 entwaffneten Soldaten zu Gefangenen. Unter diesen Umständen, da ich schon 2000 Gefangene hatte und 105 Offiziere, worunter, außer dem erwähnten General, auch verschiedene Obersten waren, und annehmen konnte, daß die Zahl der Getödteten und Verwundeten, sich höher noch belaufen würde, glaubte ich Rücksicht nehmen zu müssen, daß der Verlust eines einzigen meiner Soldaten, des rechtschaffenen Bürgers, des treuen Unterthans oder Familienvaters mit dem traurigen Ruhme, auch die Reste der feindlichen Armee zerstört zu haben, nicht aufgewogen werde könne, und daß, selbst wenn mir dies glücke, ich mich in der Unmöglichkeit befinden würde, so viele Gefangene zu bewachen, abgesehen von den ungeheuren Kosten, die ihre Unterhaltung verursachen würde, endlich auch die Wiedereroberung von Montevideo eine neue Expedition erfordern würde: dies alles wohl erwogen, entschloß ich mich, in Uebereinstimmung mit den Obersten Velasco und Elio, dem Civil-Fiskal D. Manuel Genaro de Villota und der ganzen Municipalität, einen Parlementair an den Englischen General zu senden, ihm die Vortheile, welche ich über seine Truppen erlangt hätte, vor Augen zu legen, und um ihm einen neuen Beweis der Spanischen Großmuth und Menschlichkeit zu geben, anzubieten, daß, wenn er sich wieder einschiffen und mir den Platz von Montevideo übergeben wolle, ich nicht allein alle ihm, sondern auch die dem Generalmajor Beresford abgenommenen Gefangenen zurück zugeben willens sey. Dies Schreiben befindet sich copirt unter den Beiträgen sub No. 6. Seine Antwort, die unter No. 7. beigefügt ist, bezweckte nur, ohne sich auf meinen Vorschlag einzulassen, die Erlangung eines Waffenstillstands von 24 Stunden: ich ließ ihm darauf mündlich sagen, daß ich, da meine Menschenfreundlichen Ansichten von ihm nicht anerkannt würden, die Schrecken des Kriegs in einer viertel Stunde erneuern würde. Ich fing auch wirklich das Feuer wieder an, aber kaum war eine Stunde verflossen, so erschien ein Parlementair mit einem Briefe des Englischen Befehlshabers, der mit No. 8. bezeichnet ist, worin er von mir einen Waffenstillstand nur auf so lange begehrte, bis er mir einen Officier von Rang schicken würde, um über die Punkte meiner zur Aussöhnung gemachten Vorschläge zu unterhandeln. Wir schlossen auch wirklich  unsern Tractat mit geringen Modificationen ab, und der Bevollmächtigte bat mich um eine Frist bis den andern Mittag um 12 Uhr, um die Genehmigung des Befehlshabers zur See einzuholen; diese traf um die bestimmte Stunde ein; sie ist unter No. 9. beigefügt; nach ihrer Darbringung wurde der Tractat ausgefertigt und unterzeichnet; ich begleite ihn unter No. 10.

Ich finde keine Worte gnädiger Herr, um Ihnen die beispiellose Tapferkeit und den Enthusiasmus aller Corps zu beschreiben; jeder Einzelne hat sich auszuzeichnen bestrebt: Officiere und Soldaten drängten sich mit Begierde zu den gefahrvollsten Posten, und übertrafen die regulairen Corps an Disciplin und Subordination. Alle sind des Lobes gleich würdig; aber ich behalte mir vor, in einer besondern Depesche, in welcher ich die ausgezeichneten Thaten eines jeden Corps und jedes Einzelnen detailliren werde, diese der Gerechtigkeit gemäß zu empfehlen, damit Se. Majestät mit der Milde, die Ihre Gnadenbezeugungen zu begleiten pflegt, solche, wie Sie für gut erkennen mögen, einem edeln Volke zu Theil werden lassen, das mit der höchsten Beharrlichkeit, während 11 Monaten, seine Industrie, seinen Handel und seine häusliche Bequemlichkeit, aufopferte, um sich in Führung der Waffen zu üben, die es mit Ehren getragen hat, indem es Sr. Maj. durch die Vertheidigung der Hauptstadt und durch den Widerstand, den es gegen den Feind geleistet, eine der herrlichsten Besitzungen erhalten hat, ohne welchen dieser gewiß weiter vorgedrungen seyn würde.

Weit über alles Lob erhaben, das ich ihnen beilegen könnte, ist das Betragen der Einwohner dieses Orts, die nicht angestanden haben, ihre Ruhe, ihr Interesse und selbst ihr Leben aufzuopfern, um ein Muster der Treue gegen den besten Souverain und ein Beispiel des Patriotismus für alle diejenigen aufzustellen, die das Glück haben, seine Unterthanen zu seyn und durch die weisesten Gesetze der Welt regiert zu werden.

Die Municipalität hat ihrer Seits alles gethan, um diesen Enthusiasmus zu erhalten, indem sie während dieser Zeit die Gelder zu den Bedürfnissen herbei schaffte und durch die thätigste Mitwirkung andern ein Beispiel gab. Von dem Augenblick des Angriffs an, verließen die Mitglieder derselben den Platz nicht mehr, trugen die nöthige Sorgfalt für die Versorgung und Bewachung der Gefangenen und für die Pflege der Verwundeten, und dies alles mit Verachtung der Gefahr, die sie umgab, und von welcher ich zu verschiedenen mahlen den ersten Richter D. Martin de Alzaga, den Geschwornen D. Manuel Ortiz de Basualdo und den Schöppen D. Miguel de Agnero, besonders bei der Gelegenheit, wie eine Kugel dem ersten vor die Füße fiel, benachrichtigen ließ. Der Civil-Fiskal D. Manuel Genaro de Villota zeigte sich auch am 5ten mit der größten Kühnheit auf dem Platze, und war einer von denen, welche beim Abschluß des Tractats gegenwärtig waren.

Eben so wenig darf ich unerwähnt lassen, wie thätig der Oberst D. Cesar Balviani mich unterstützt hat, um die Stadt in Vertheidigungsstand zu setzen. Seit der Epoche der Wiedereroberung, hat er unter meinem Commando gestanden, und wie ich schon bei einer andern Gelegenheit E. D. H. berichtete, die Pflichten eines Generalmajors und Generalquartiermeisters übernommen und diesen Chargen mit Geschicklichkeit vorgestanden; er ist einer der Offiziere, der nach London als Geißel zur Erfüllung der Tractate geht. Ferner muß ich rühmlichst nennen: der Obersten D. Bernardo de Velasco, Gouverneur von Paraguay und der Missionsinseln, D. Favier Elio, Commandanten auf dem platten Lande von Montevideo und den Schiffshauptmann D. Juan Gutierrez de la Cosietia, Intendanten von Cordova, welche durch ihre Einsichten und militairische Kenntnisse, zur Erlangung eines so vollständigen und merkwürdigen Sieges sehr viel beigetragen haben, eines Sieges, der durch Volontär Truppen errungen ist, über eine Armee von 10000 Mann auserwählter Soldaten, bei der sich 5 Generals und eine große Anzahl angesehener Offiziere befanden, die an einem einzigen Tage an Getödteten, Verwundeten und Gefangenen mehr als 4000 Mann verlor. Ueber unsern Verlust erhalten E. D. H. eine specificirte Liste, welche mit No. 11. bezeichnet folgt; unter den Todten beklagen wir den Commandanten des Regiments Arribennos D. Pio de Gana, der sich durch seine Thätigkeit, seine Tapferkeit und seine Vaterlandsliebe vor vielen seines Ranges ausgezeichnet hat, und den Schiffslieutenant D. Candido de Lasala an den Folgen seiner Wunden. Mir selbst blieb die Genugthuung, das ausgeführt zu haben, was ich E. D. H. in meinem Briefe vom 10ten September des vorigen Jahres vorlegte und welches Ihr Secretär D. Antonio Samper mir auf Ihren Befehl in dem Briefe vom 27sten März dieses Jahres aufgetragen.

Nach den Greuelscenen des Krieges folgten die rührenden Auftritte der menschenfreundlichsten Theilnahme, die sich in der höchsten Sorgfalt und Pflege der Verwundeten äußerte.

Ich machte den Englischen Befehlshabern eine Visite, welche sie mir erwiederten und einem köstlichen Gastmahl beiwohnten, zu welchem alle Regimentschefs, die Magistratspersonen, die Prälaten, Beamten und die vornehmsten Bürger gezogen wurden. Der General Whitelocke, der nicht wußte, wie sehr er mir seine Dankbarkeit für die edelmüthige Behandlung seiner Gefangenen und die menschenfreundliche Verpflegung seiner Verwundeten bezeugen sollte, bat mich, einen Degen als Zeichen derselben anzunehmen, wovon er seinen Hof benachrichtigen würde; ich erwiederte diese Artigkeit durch einige kostbare Stücke aus der Naturgeschichte, welches, wie ich hoffe, von E. D. H. gebilligt werden wird, da in Ihnen, wie in jedem guten Spanier mit der Tapferkeit auch die höflichen, seinen Sitten und Lebensart vereinigt sind. Gott erhalte E. D. H. noch viele Jahre!

Buenos Ayres, den 31sten Julius 1807.
Durchlauchtigster Herr xc.
Sanjago Liniers.

Se. Majestät, um die außerordentlichen Beweise der Treue, welche die Stadt gegeben und die Dienste, welche D. Santiago Liniers und die übrigen Officiere geleistet habe, zu belohnen, haben befohlen, daß außer den sonst üblichen Prädikaten der Stadt, ihr der Ehrentitel Excelencia (die vortrefliche) beigelegt werden und ihre Capitularen Ew. Gnaden benannt werden sollen: daß jedes Mitglied des Tribunals welches sich ausgezeichnet hat, befördert werden: daß dem General D. Santiago Liniers, das Patent als Marechal de camp zugefertigt werden und er die Würde eines Vicekönigs bekleiden soll: daß die benannten Offiziere, jeder in seinem Range, um einen Grad erhöht werden und daß der neue Vicekönig, für die übrigen Personen, welche sich ausgezeichnet haben, Belohnungen vorschlagen möge.


*) Don Sanjago Liniers dient seit dem 16ten November 1775 ununterbrochen in unserer Armee; er ließ sich damals unter die Seecadetten aufnehmen, und hat sich bei den vornehmsten Expeditionen jener Zeit bis zum Jahr 1788 befunden, wo er als Capitän einer Fregatte mit einer Escadre nach Montevideo bestimmt ward und daselbst mit verschiedenen wichtigen Commando's beauftragt verblieb.
(Der Beschluß künftig.)


Liste der Getödteten, Verwundeten und Vermißten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

No. 11. Liste der Getödteten, Verwundeten und Vermißten unter den Truppen von 25 verschiedenen Corps und Abtheilungen, welche bei der Vertheidigung dieser Hauptstadt und in den mit dem Feinde vom 2ten bis den 6ten dieses Monats gehabten Gefechten employirt wurden.

Officiers. Gemeine.
Getödtet, Verwundet. Getödtet, Verwundet, Vermißt.
11. 26. 291. 488. 105.
Buenos-Ayres, den 31sten Julius 1807.
Manuel Gallego.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[2]

Großbrittanien.

Am Sterbetage des Hrn. Fox kündigten auf den Abend die Canonen des Parks eine wichtige Nachricht an, die durch eine ausserordentliche Hofzeitung bekannt wurde, daß nehmlich Sir Home Popham am 25. Jun. bey Buenos Ayres, dem Hauptorte des Spanischen Bisthums la Plata, gelandet, die beyden Tage darauf die Spanier durch General Beresford geschlagen, und am 21. Jun. die Stadt und Festung Buenos Ayres eingenommen habe. Nach einer angestellten Recognoscirung des Flusses la Plata, und eines gehaltenen Kriegsraths über den beßten Platz zu landen, wurde beschlossen, es auf Buenos Ayres, und zwar etwa 8 Seemeilen von St. Guilmer zu thun. Hier geschah die Landung ohne allen Widerstand. Der Feind hatte 2000 Mann und 8 Feldstücke, aber meistens bestand seine Mannschaft aus Cavallerie. Unsere Truppen konnten nur einen Mann hoch gestellt werden, da wir nicht so viel hatten, als der Feind, und doch eine gleich grosse Linie formiren mußten. Wir hatten 2 Sechspfünder auf jeder Flanke, 2 Haubitzen im Centrum, und 150 Mann mit 2 Feldstücken deckten unsern Rücken. Wir wurden vom Feinde mit einem lebhaften Canonenfeuer empfangen; da wir aber schnell avancirten, kamen wir bald unter den Schuß, und da auch ein Theil unserer Truppen ihm in die Flanke fiel, ergriff er die Flucht, und hinterließ uns 4 Feldstücke mit einem Munitionswagen. Als nun vorgerückt wurde, fand man die Brücke über den Fluß Chuela von den Spaniern abgebrannt. Sie hatten an dem Fluß Canonen aufgepflanzt, weshalb der General Beresford die Truppen zurückzog, um sie nicht unnützerweise zu exponiren. Ungeachtet es sich nun am andern Morgen ergab, daß wir keine eigentliche Deckung hatten, der Feind aber in allen Büschen und Schlupfwinkeln versteckt war, wurde der Uebergang über den Fluß dennoch, und zwar durch Böte forcirt; und da des Feindes Feuer schlecht dirigirt war, auch bald zum Schweigen gebracht wurde, so überliessen uns die zur Vertheidigung am Ufer aufgestellten 2000 Mann Spanische Miliz bald das Feld. Nun wurde, da sich kein Widerstand mehr zeigte, die Festung Buenos Ayres zur Uebergabe aufgefordert. Der Commandeur derselben verlangte anfänglich 2 Stunden Bedenkzeit, und als ihm diese nicht eingeräumt wurden, schickte er gewisse Bedingungen dem General Beresford entgegen, die dieser auch annahm, und ihm versprach, die Capitulation zu unterschreiben, wenn er in der Stadt seyn würde. Dies geschah am 2. Jul., wo sie zwischen Sir Home Popham und General Beresford Englischer Seits, und dem Spanischen Gouverneur Joseph Ignaz de la Quintana geschlossen wurde. Sie besteht aus 10 Artikeln, und enthält die gewöhnliche Bedingung vom Schutze der Religion, des Privateigenthums, und der Privilegien. Die Truppen sind Kriegsgefangen; die Officiere können entweder dort bleiben, wann sie dem König von England Treue schwören, oder auch Nach England gehen. Alle Küstenfahrzeuge werden ihren Eigenthümern zurückgegeben, und alles öffentliche Eigenthum wird den Engländern überliefert. Man fand in Buenos Ayres 45 eiserne und 47 metallene Canonen, 550 Faß Pulver, 2064 Flinten, 4079 Pistolen, 1208 Säbeln xc. Ausserdem ließ der Vicekönig auf seiner Flucht noch 7 Canonen, 139 Flinten xc. zurück. In dem Schatze fanden sich noch 205,115 Dollars vorräthig, da bereits sowohl an baarem Gelde als an Silber 1 Million 86,208 Dollars hierher geschickt worden, und auf dem Schiffe Narcissus zu Plymouth angekommen sind. Was noch an Quecksilber und sonstigem Waarenwerth in den Magazinen gefunden ward, beträgt zwischen 2 und 3 Millionen Dollars. Unsere Macht, welche diese wichtige Eroberung bewerkstelligte, bestand aus 1635 Mann, worunter 1466 Gemeine, welche nur 2 Haubitzen und 6 Canonen bey sich hatten. Unser Verlust betrug in allem 16 Mann, worunter nur 1 Todter, die übrigen verwundet und vermißt. Dieser geringe Widerstand und Verlust beweiset, wie wenig feindselig die Einwohner gegen die Engländer gesinnt waren. Auch hatte General Beresford alle Mittel angewandt, sich ihrer Herzen zu bemächtigen; er hatte 180 Küstenfahrzeuge, die mit ihren Ladungen genommen, und gute Preisen waren, und an anderthalb Millionen Dollars betrugen, ganz unerwartet zurückgegeben, und noch anderes Gut, welches man wegführen wollte, und Privateigenthum war, zurückbringen lassen, weil dies ohnehin geschützt wäre. Sogleich nach der Einnahme dieser mit 30,000 Einwohnern bevölkerten Stadt, deren Land mit Pferden und Hornvieh bedeckt ist, erließ General Beresford eine Proclamation, worin er einige drückende Handelsabgaben abschaffte, und den Handel mit den Englischen Provinzen in Südamerica, nahmentlich mit Trinidad, sowohl für die Einwohner von Buenos Ayres, als für alle Spanier zu eröffnen versprach, die noch etwa unter Brittische Herrschaft kommen sollten xc.

[3]
Großbrittanien.

Am 15. Sept. wurden die Schätze, welche die Fregatte Narcissus aus Südamerica gebracht hat, in Portsmouth gelandet, und unter Bedeckung nach der Bank in London abgeschickt. Acht Wägen waren damit beladen, und wurden in feyerlicher Procession durch die Stadt geführt. Die Matrosen eröffneten den Zug, und zogen 2 Canonen, wobey sie eben die Kleidung trugen, die sie bey der Besitznahme von Buenos Ayres getragen hatten. Die Wägen waren mit den Spanischen Fahnen, über denen eine Brittische Wimpel wehete, geziert, und die Fahnen wurden von Matrosen gehalten. In den Wägen befanden sich aus dem Spanischen Kronschatze 208,519 Dollars. -- Philippinische Compagnie 108.000 -- Postamt 56,323. -- Tabaksadministration 94,323. -- Zollhaus 57,000. -- Von dem Agenten der Philippinischen Compagnie 100,000. -- 514 lederne Beutel, von Luxan gebracht durch Capitain Arbuthnot, jeder 3000 Doll. 342,000. -- Zwey lederne Beutel 5932. -- Ein Goldbaren 562. -- 71 Silberbaren 113,000. Zusammen 1,086,208 Dollars. In dem Schatze zu Buenos Ayres blieben noch zum Gebrauche 205,115 Doll. Die Vorräthe in den Königl. Magazinen an Quecksilber und anderen schätzbaren Waaren betrugen noch zwischen 2 bis 3 Millionen Dollars. Diese Schätze sind aber nicht die einzigen, die man von dorther erwartet, und wenn es wahr ist, daß Sir Home Popham diese Expedition ohne Befehl der Regierung unternommen habe, so hat er nicht nur etwas ausgeführt, was man sowohl im Americanischen als im vorigen Kriege nicht zu Stande brachte, weil man die Expedition gegen das Spanische Südamerica nicht vom Cap aus vornahm, sondern er hat der Regierung zu einer nicht berechenbaren Quelle von Schätzen und Vortheilen verholfen. Von Buenos Ayres wurden sonst jährlich 3 Registerschiffe, größtentheils mit Gold und Silber, nach Spanien expedirt; ferner ist der Platafluß von seiner Mündung an eine beträchtliche Strecke Landes einwärts schiffbar, und die Buchten und Seen gewähren dem aus- und inländischen Handel eine erstaunliche Lebhaftigkeit. Eine dieser Seen, Cascaros genannt, ist über 20 Meilen lang, und größtentheils schiffbar. In Englands Händen werden die bisher so sehr verheimlichten physischen und moralischen Vortheile jener Besitzung bekannter werden; Brittische Capitalien werden grosse Handlungsunternehmungen dahin begünstigen, wozu die Nachbarschaft mit Paraquay, Peru und Chili, und die dasigen kostbaren Waaren und Producte besonders einladen. Die Spanier vernichteten bisher die Producte, die sie nicht ausführen konnten, zum grossen Nachtheile der Pflanzer, welches jetzt gewiß nicht mehr geschehen wird. Auch für die Tabakraucher ist diese Eroberung von Gewinn, weil dort der beßte Tabak in der Welt gewonnen wird, und der Bau desselben sehr erweitert werden kann. Unsere Regierung wird daher gewiß nichts unterlassen, um diese wichtige Besitzung zu erhalten, und Sir Popham, der noch Verstärkungen zur weitern Expedition erwartet, möglichst zu unterstützen. Es heißt auch wirklich, daß ein Theil der zu Plymouth eingeschifften Truppen nach Buenos Ayres gehen wird. Jetzt, wo wir festen Fuß in Südamerica haben, fängt die Expedition des Miranda an, von Wichtigkeit zu seyn, und die Aufmerksamkeit zu erregen. Man hat aber noch bis jetzt keine Nachrichten von einem wiederholten Versuche desselben. Die letzten Nachrichten sind vom 18. Jul., wo ein Officier am Bord des Leander von Trinidad geschrieben haben soll, daß ein gewisser Don Pedro Minto, ein Freund des Miranda, 15,000 Mann versammelt habe, und mit ihnen vor Carraccas angekommen sey. Die Spanier sollen sich zurückgezogen haben, und General Minto bittet, daß die Engländer zu ihm stossen mochten, um etwas wichtiges unternehmen zu können. Die Neuyorker-Zeitung, die diese Nachricht enthält, meldet auch, daß am 18. Jul. zu Trinidad Befehl zum Einschiffen der Englischen Truppen ertheilt worden war. Die Seemacht daselbst bestand aus 2 Fregatten von 18 bis 20 Canonen, 2 Briggs, 4 Schoonern, und 5 oder 6 Canonenböten, wozu noch 2 Fregatten erwartet wurden.

[4]
Großbrittanien.

Die Eroberung von Buenos-Ayres gab in England zu sehr beträchtlichen Handlungsspeculationen Anlaß. Unter andern waren seit Eingang der Nachricht davon die Preise des Calicos in London um 10 Procent gestiegen; die Kaufleute schickten ganze Schiffsladungen nach dem Platastrohm ab, wobey sie besonders auf den Schleichhandel mit den übrigen Südamericanischen Provinzen rechneten. Sir H. Popham hatte sowohl nach dem Vorgebirg der guten Hoffnung, als nach England, Cutter abgeschickt, um Verstärkungen zu begehren.

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Großbrittanien.

Am 23. Nov. gieng endlich die Expedition unter General Crawfurd, von welcher schon so lange gesprochen wurde, von Falmouth unter Segel. Sie bestand aus 3 Linienschiffen, 2 Fregatten und 6 Cuttern, Briggs xc.; ingleichem aus 35 Transportschiffen, welche zusammen ungefähr 5500 Mann Landtruppen am Bord hatten. Man glaubte im Publikum, sie soll zuförderst Verstärkungen in Buenos Ayres landen, und hierauf um das Cap-Horn nach der Südsee gehen, um Angriffe auf die Küsten von Chili oder Peru zu versuchen. Andere hielten sie gegen Vera-Cruz im Mexicanischen Meerbusen bestimmt.


[1807]

London, den 13. Dez.. [6] (Ueber Tönningen.)

General Beresford und der Admiral Sir Home Popham haben nun auch den bedeutenden Handelsplatz Montevideo am La Platafluß, Buenos Ayres gegenüber genommen. Man erwartet nächstens die offizielle Berichte, und die weitern Umstände über diese Eroberung.

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Von Lissabon her hatte man bis zum 14. Jan. nichts näheres über die Wiedereinnahme von Buenos Ayres durch die Spanier erfahren. Zu Plymouth verhörte man am 7. Jan. über diesen Gegenstand den Kapitän und den Superkargo einer Spanischen, von Montevideo nach Spanien bestimmten, Polakre, welche auf der Höhe von Ferrol genommen, und nach Plymouth aufgebracht worden war. Sie erklärten, daß sie vor ihrer Abfahrt von Montevideo am 17. Sept. gehört hätten, Buenos Ayres sey am 12. Aug. wieder genommen worden. Sie setzten hinzu, Sir Home Popham habe mit drey Linienschiffen vor Montevideo gekreuzt, und die Polakre sey des Nachts vor seiner Eskadre vorbeygesegelt.

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Vom Vorgebirg der guten Hoffnung waren am 16. Aug. fünf, und am 20. Aug. sieben Transportschiffe, unter Bedeckung des Kriegsschiffes Lancaster, und 2500 Mann Landtruppen am Bord, nach Buenos Ayres abgegangen. Die Expedizion des Gen. Crawfurd hatte am 6. Dez. ihre Fahrt von Madera weiter fortgesetzt.

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Am 18. Jan. schickte die Admiralität eine Telegraph-Depesche an den Lordmajor mit der vom Lord Collingwood erhaltenen Nachricht, daß Buenos Ayres wieder erobert, und die Englische Armee zu Gefangenen gemacht worden sey. Viele wollen diese Nachricht noch bezweifeln, weil Sir Home Popham noch keine Depesche darüber eingeschickt hat.

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Die Madrider Hofzeitung vom 16. Januar liefert sehr umständliche Nachrichten über die Wiedereroberung von Buenos Ayres, aus einer am 10. Jan. zu Algeziras zum Protokoll gegebenen eidlichen Aussage eines Spaniers, der am 17. Sept. Montevideo am Bord einer Goelette verließ, welche am 31. Dez. bey Kap Spartel von den Engländern genommen wurde. Dieser Spanier, Nahmens Don Manuel Ruiz de Gaona, besaß seit 22 Jahren ein Handelshaus zu Buenos Ayres, und war bey den letzten Vorfällen Augenzeuge, und zum Theil mithandelnde Person. Er erzählte: Am 10. wurde Buenos Ayres angegriffen, und ob sich gleich die Engländer hartnäckig vertheidigten, so vermochten sie sich doch nicht länger, als bis zum 12. zu halten, wo der Schiffskapitän Liniers an der Spitze seines Korps in die Stadt drang, sie von Strasse zu Strasse trieb, und sie endlich im Fort zur Uebergabe auf Diskrezion zwang. Nur mit Mühe konnte er seine Leute abhalten, sie alle niederzumachen. Er wurde auf der Stelle zum Kommandanten der Stadt und Festung ausgerufen, und der Vizekönig, der sich bey der ersten Aufforderung der Engländer entfernte, und sich nun wieder einfand, wurde mit Verachtung zurückgewiesen. Die Spanier verloren bey dieser Unternehmung 200 Mann an Todten und Verwundeten, die Engländer 400, und 1200 Gefangene. Ihre Seemacht im Flusse bestand aus 3 Linienschiffen, 1 Fregatte, 3 kleinern Kriegsschiffen und 5 bis 7 Transportfahrzeugen. Sie hatten durch ihr Betragen zu Buenos Ayres, wo sie mehrere Häuser plünderten, die Einwohner sehr gegen sich erbittert, und dadurch zu ihrer Niederlage selbst beygetragen. Als die Goelette mit den Berichten über die Wiedereroberung nach Spanien abgieng, hatte man bereits ein Korps von 8000 Mann organisirt, und fürchtete wenig mehr von den fernern Unternehmungen der Engländer. Gedachte Depeschen wurden aber, ehe die Goelette in Englische Hände fiel, ins Meer geworfen.

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Commodore Popham hat nunmehr seinen offiziellen Bericht über den Verlust von Buenos Ayres erstattet. Nach demselben war Pueridon, ein Mitglied der Munizipalität, durch welche die Engländer verdrängt wurden. Er wandte grosse Kunst und Geschicklichkeit an, das Volk zu einer allgemeinen Insurrekzion vorzubereiten. Die Waffen in der Stadt wurden für den Augenblick der Akzion versteckt; die Mißvergnügten versammelten sich jede Nacht; Pueridon ertheilte ihnen Instrukzionen, und brachte den niedrigen Theil des Volks in Lande durch das viele Geld auf, welches er von der Nordseite des Flusses her erhielt. Oberst Liniers, ein Französischer Offizier in Spanischen Diensten, sammelte mit Erfolg Leute zu Colonia. Jeder, der sich weigerte, der Verschwörung (Conspiracy) seinen Beystand zu leisten, ward mit unmittelbaren Tode bedroht. Der Fortgang der Revoluzion war so schnell, daß Popham erst am 31. Jul. zu Ensenada, auf seiner Rückkehr von Monte Video, durch eine Depesche des Generals Beresford die Nachricht erhielt, daß er in kurzem eine Insurrekzion besorge. General Beresford hatte den Feind in einiger Entfernung von der Stadt angreifen wollen. Allein die Regenströhme, welche vom 6. bis 8. August fielen, machten die Wege allein für Kavallerie passirbar. Der Feind konnte sich inzwischen bey seiner Menge Kavallerie der Stadt von mehrerne Seiten nähern, ohne daß die Brittische Armee Gelegenheit hatte, ihn anzugreifen. Am 10. August ward das Kastel von Buenos Ayres aufgefordert. Am folgenden Tage landete Commodore Popham, während unsere Schiffe auf die Spanischen Posten feuerten. Ausser der Spanischen Armee, die alle Zugänge der Stadt besetzte, waren alle Einwohner der Stadt bewaffnet, und standen oben in den Häusern und Kirchen, um einen Krieg im Hinterhalte zu führen. Der Feind suchte eine Generalakzion zu vermeiden, und seine Leute so zu stellen, daß sie auf unsere Truppen feuern konnten, während sie selbst in Sicherheit waren. Die hohe und unabhängige Sprache, sagt der Commodore am Schlusse seines Berichtes, in welcher die Kapitulazion entworfen ist, und die Bedingungen, die General Beresford einem Offizier diktirte, der sich an der Spitze von Myriaden von Leuten befand, werden ihm in England unendlich Ehre machen. Der Brittische Verlust beträgt an Getödteten und Verwundeten zusammen 165 Mann, worunter 2 getödtete und verwundete Offiziers. Dieser Verlust rührte von den Einwohnern her, die sich auf den Dächern der Häuser und Kirchen befanden. Der Feind hat gegen 700 Mann Todte und Verwundete. Die feindliche Stärke war nach den letztern Angaben folgende: Pueridon hatte 8 bis 10,000 Mann im Lande gesammelt, Liniers hatte 800 bis 1000 Mann herbeygeführt, und die Stadt hatte 1000 Mann unter den Waffen. Bis auf 3 Fahrzeuge, worunter ein Kanonenboot, sind alle Englische Schiffe von Buenos Ayres abgegangen. Zwey Transportschiffe wurden hernach wieder dahin abgesandt, um unsere kriegsgefangenen Truppen einzuschiffen; wegen der S hierigkeiten aber, die der Gouverneur von Monte Video machte, und wegen seines spätern unehrenvollsten Betragens ist dieses Einschiffen bisher nicht erfolgt.

Da nach dem Verluste von Buenos Ayres noch verschiedene dahin bestimmt gewesene Truppen unter dem Oberstlieutenant Backhouse vom Vorgebirge der guten Hoffnung angekommen waren, so beschloß man, am 28. Oktober einen Angriff auf Monte-Video zu machen; dieser schlug aber fehl, da man wegen der Seichte des Wassers der Stadt nicht nahe genug kommen konnte. Durch das Feuer der Spanier auf die Englischen Schiffe wurden bloß 22 Mann verwundet. Dagegen ward am: 29. Oktober durch 400 Mann der Ort Maldonado, der einen vortrefflichen Hafen hat, eingenommen. Der feindliche Verlust betrug gegen 50 Mann, und der Brittische 2 Todte und 4 Verwundete. Auch ward am 30. Okt. die befestigte Insel Guretti eingenommen. Die Besatzung bestand aus 104 Mann. Man fand daselbst 20 Vier und zwanzig Pfünder xc.

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Zur Wiedereroberung von Buenos Ayres ist beschlossen, eine neue starke Expedizion, unter dem Kommando eines ausgezeichneten Offiziers, nach dem la Platastrome zu senden. Gen. Beresford und seine Offiziere befanden sich nach den letzten Berichten noch zu Buenos Ayres, die Gemeinen aber waren ins Innere des Landes abgeführt worden. Die früher nach dem la Platastrome abgeschickten Verstärkungen hatten sich am 10. Nov. bey der kapverdischen Insel St. Jago befunden.

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Am 16. Febr. kam Sir Home Popham unvermuthet am Bord des Rolla, einer Spanischen Prise, zu Weymouth an, und wurde sogleich in Verhaft genommen. Er hatte Maldonado am 27. Dez. verlassen, nachdem der von der Regierung zu seiner Ablösung geschickte Admiral Stirling am Bord des Samson den 1. Dez. in Platastrohme angelangt war. Pophams Ueberfahrt dauerte also nur 53 Tage, ein ungewöhnlich kurzer Zeitdauer. Bey seiner Abreise waren die Spanier fortwährend mit Anstalten beschäftigt, um sich gegen die ferneren Unternehmungen der Engländer zu sichern, zu welchem Ende sie besonders Montevideo von der Landseite befestigten. (Montevideo liegt 45 Stunden von Maldonado.) Zugleich wurden die Milizen durch viele Spanische Offiziers, welche aus dem Innern des Landes herbeygekommen waren, geübt, und man sah zu Maldonade einem Angriffe von ihnen entgegen. Der Gouverneur von Montevideo hatte in einer Proklamazion allen neutralen Schiffen, weil man sie des Spionirens beschuldigte, anbefohlen, in einem bestimmten Zeitraum den Platastrohm zu verlassen, und in Folge dieses Befehls waren mehrere Nordamerikanische Kauffahrer zu Montevideo unter Beschlag gelegt worden. Die Engländer hielten hierauf ihrerseits deren gleichfalls 14 an. Das Schiff Samson hatte um die Mitte Dezembers seine Fahrt nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung fortgesetzt, um den General Grey hinzubringen, der General Baird im dortigen Kommando ablösen soll. Sowohl General Baird als Sir Home Popham hatten bekanntlich die Expedizion nach dem Platastrohme ohne Authorisazion des Ministeriums veranstaltet, welches ihnen deshalb das Kommando entzog. Von der Eskadre des Kommodore Domully, an deren Bord sich General Achmuty mit Verstärkungstruppen befindet, war bis zum 27. Dez. erst ein Schiff zu Maldonado angekommen.

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Der Gouverneur der Insel Helena, Patten, der ohne Erlaubniß der Regierung einen Theil seiner Besatzung zur Expedizion gegen Buenos Ayres mit hergegeben hatte, war auch abgesetzt worden. Indessen schienen die Minister doch die, auf dieser so sehr gemißbilligten Expedizion gemachten, Eroberungen so lange als möglich behaupten zu wollen; es hieß in London, General Whitelok werde in Kurzem mit 1400 Mann neuen Verstärkungstruppen nach Maldonado abgehen, und den Gen. Crawfurd, der früher hingeschickt wurde, im Kommando ablösen.

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Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
  2. Wiener Zeitung. Nro 81. Mittewoche, den 8 Octtober 1806.
  3. Wiener Zeitung. Nro 82. Sonnabend, den 11. October 1806.
  4. Wiener Zeitung. Nro 83. Mittewoche, den 15. October 1806.
  5. Wiener Zeitung Nro. 101 Mittewoche, den 17. December 1806.
  6. Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 1. Donnerstag, den 1. Jan. Anno 1807.
  • Wiener-Zeitung Nro. 12. Mittwoch, den 11. Februar 1807.
  • Wiener-Zeitung Nro. 13. Sonnabend, den 14. Februar 1807.
  • Wiener-Zeitung Nro. 16. Mittwoch, den 25. Februar 1807.
  • Wiener-Zeitung Nro. 18. Mittwoch, den 4. März 1807.
  • Wiener-Zeitung Nro. 22. Mittwoch, den 18. März 1807.
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