Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Ofen.[]

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Ofen, ungar. Buda, slaw. Budin, königl. Freystadt, in der Pilischer Gespanschaft, in Ungarn, an dem östlichen Ufer der Donau, hieß ehemals Neuofen, zum Unterschied von der ehemaligen Stadt und dem nunmehrigen Flecken Altofen. Sie bestehet aus der obern Stadt, die befestiget ist, und nebst dem Schlosse auf einem felsigten Berg liegt; der Wasserstadt, die unter dem Berge zwischen Norden und Osten, sehr schön gebauet ist, und aus welcher man, auf einer Schiffbrücke, über die Donau, in die Stadt Pest kommt; dem Neustifte, in welchem die 52 Schuh hohe Dreyfaltigkeitssäule zu bemerken ist; und der Raitzenstadt, (Taban,) welche fast ganz von Raitzen bewohnet wird, dahingegen in den übrigen Theilen so wohl Ungarn, als Deutsche ansässig sind. In dieser Raitzenstadt hat ein unirter griechischer Bischof seinen Sitz. Die Zahl der sämtlichen Einwohner beläuft sich auf 21,665 und ihre Contribution auf 30,308 fl. 40 Kr. Das Schloß dieser Stadt wählte K. Ludwig I zu seiner Residenz, und K. Matthias I legte allda eine berühmte Bibliothek an, die aber, nach der Türkischen Eroberung, 1526 zernichtet ward. Ob sie gleich damals von den Türken bald wieder verlassen wurde, so kam sie doch 1530 wieder in ihre Hände, und konnte ihnen, ungeachtet der wiederholten Belagerung, nicht eher entrissen werden, als im J. 1686 da sie von den Kaiserlichen, und den mit ihnen vereinigten Bayerischen und Brandenburgischen Truppen, unter dem Herzog von Lothringen, mit Sturm erobert ward. In dieser Belagerung wurde das Schloß, welches noch eher, als die Stadt mit Sturm übergieng, ruinirt, und blieb in solchem Zustande, bis es auf Befehl der K. K. Maria Theresia wieder hergestellt und der neuen Universität eingeräumet wurde. Diese ward im J. 1777 von Tyrnau nach Ofen verlegt und mit den herrlichsten Anstalten versorgt, worunter verschiedene Kunst- und Naturaliensammlungen, wie auch eine zahlreiche und mit seltnen und kostbaren Werken reichlich versehene Bibliothek zu rechnen sind. Die Güter und Einkünfte des ehemaligen Jesuiterordens in Ungarn sind zur Erhaltung dieser Universität bestimmt, welche auch alle Lehrbücher, deren man sich auf den ungarischen Gymnasien und Schulen bedienen muß, verfertigen, drucken und austheilen läßt. Am 25. Jun. im J. 1780 wurde sie mit großer Feyerlichkeit eingeweihet; in der Folge aber nach Pest versezt. In der Schule der griechischen Gemeine in der Raitzenstadt wird die alte und die neue griechische Sprache gelehrt. Das ehemalige Bergschloß Plintenburg, Blendenburg oder Wischegrad, (Visegrád,) bey Ofen, ist gegenwärtig ein Steinhaufen. Auch von der darunter liegenden ehemals so ansehnlichen Stadt, an der Donau, wo ein prächtiges königl. Schloß war, ist nur noch ein geringer Ueberrest, der ein Marktflecken heißt, vorhanden. Das meiste ward in den Türkenkriegen verwüstet. Zu Ofen findet man berühmte Bäder, das Kaiser- Sprenger- Raitzen- Bruck- und Blocksbad genannt, welche in Hautkrankheiten, Krämpfen, Lähmungen xc. von guter Wirkung sind. Die Gegend der Stadt hat vortrefflichen Weinwachs.


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

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Am 22. Sept. Abends um 9 Uhr wurden die Bewohner von Ofen und Pest plötzlich durch ein von Nordost gegen Südwest gerichtetes heftiges Erdbeben in Schrecken gesetzt; die Gebäude schwankten, Leute, die im Bette lagen, wurden empfindlich gerüttelt, Gläser und ähnliche Sachen auf den Tischen stürzten um, von den Dächern fielen die Ziegel, und von dem einen der 2 Thürme auf der Pfarrkirche in der Wasserstadt das beynahe zwey Klafter lange Kreuz herab. Aus Furcht, vor dem Einsturze der Zimmer liefen die Leute auf die Strassen heraus, und aus dem Theater in Pest drängten sich voll Schrecken die Menschen mit solchem Ungestüm ins Freye hervor, daß einige Unglücksfälle die Folge davon waren. Indessen gieng dies drohende Phänomen ohne weiteren nahmhaften Schaden vorüber. In Pest nahm man dasselbe weit stärker wahr, als in Ofen, und hier wieder mehr in der Wasserstadt als in der Festung.

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Es verdient bemerkt zu werden, das das jüngst erwähnte Erdbeben in Ofen die Quellwässer von den warmen Bädern merklich stärker erhitzt, und verbessert habe. Am auffallendsten äusserte sich diese Wirkung in dem sogenannten Kaiserbade, wo überdies noch durch die Erderschütterung 4 Badeabtheilungen, welche, seitdem man vor einigen Jahren den benachbarten Teich abließ, ganz erkaltet und unbrauchbar geworden waren, wieder ihre vorige Hitze und Nutzbarkeit erlangten. (Vereinigte Ofner- und Pester-Zeitung.)


[1812]

Wien, den 1sten April. [4]

Der Ofener Josephimarkt ist sehr kläglich ausgefallen, und in der Nacht vom 26sten März wüthete bey Ofen ein Orkan mit solcher Heftigkeit, daß die Menschen in ihren Betten gerüttelt wurden, als wäre ein Erdbeben. Die Schiffbrücke nach Pest war zerrissen und an Gebäuden und Gärten großer Schaden angerichtet.


Vermischte Nachrichten.

Aus Ofen wird folgendes physikalische Ereigniß gemeldet: "Am 25sten dieses, Nachts, erhob sich hier und in der Gegend ein heftiger, äusserst kalter Wind, der dann nach Mitternacht zum furchtbaren Orkan wurde, und vielfache, mitunter bedeutende Beschädigungen an Dächern und Gebäuden, in Gärten xc. verursachte. Die Gewalt, mit welcher er die Wohnungen erschütterte, war so ergreifend, daß die Menschen in ihren Betten gerüttelt wurden, nicht anders, als wenn dies von einem Erdbeben herrührte. Kein Wunder daher, daß auch die Donauschiffbrücke zwischen hier und Pesth seiner Gewalt nicht widerstehen konnte. Mehr als der halbe Theil derselben wurde durch ihn angerissen. Dadurch wurde plötzlich unsere Kommunikation mit Pesth gesperrt und den ganzen Donnerstag über unmöglich gemacht, indem wegen des anhaltend heftigen Windes auch die Surrogatpassage mittelst Kähnen völlig unterbleiben mußte."


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Wiener Zeitung. Nro 79. Mittewoche, den 1. October 1806.
  3. Wiener Zeitung. Nro 82. Sonnabend, den 11. October 1806.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 89. Freytag, den 12. April 1812.
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