Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Caen.[]


Caen,[1] Hauptstadt in der Nieder-Normandie, an den Flüssen Orne und Odon. Sie ist eine große, wohlgebaute und reiche Handelsstadt, zu welcher mit der Fluth Schiffe von 160 Tonnen, durch den angelegten Canal gelangen können. Sie hat 6 Thore, 4 Vorstädte, 4 öffentliche Plätze, eine alte unregelmäsig angelegte Citadelle, und 39,000 Einwohner (im J. 1802); ferner 12 Pfarrkirchen, ein schönes Hospital, ehemals eine Universität, welche nun in ein Lyceum verwandelt ist, eine Academie der Wissenschaften, und zwey aufgehobene sehr reiche Benedictinerabteyen. Die Manufakturen bestehen vorzüglich in seinen Tüchern, Wollenzeugen, Spitzen, Strümpfen und Mützen, Hüten, Toback, Fayence, und in sehr gutem Cyder, welcher, so wie Papier und Eisen, die großen Ochsen und die Pferde der an Wieswachs reichen Gegend, häufig von hier ausgeführt werden. Sie wurde allmählig verschönert, indem man unbemittelten Leuten ihre Häuser auf gemeine Kosten bauete, und ihnen so viel Platz darinnen eingab, als sie nöthig hatten; das übrige wurde vermiethet; und wann an Miethgeld so viel eingegangen war, als die Baukosten betrugen, so wurde ihnen das ganze Haus überlassen. Auf solche Art sind ganze Gassen in schönster Gleichheit von lauter Quadersteinen erbauet. Diese Art, verschuldete Familien bey ihren Häusern zu erhalten, war fast in ganz Frankreich eingeführt. Jezt ist Caen die Hauptstadt im Departement des Calvados, und der Sitz des kommandirenden Generals der 14ten Division.

Caen ist zugleich der Hauptort eines Arrondissements, zu welchem folgende Cantons gehören: Caen, Bourguebus, Creuilly, Douvres, Evrecy, Tilly sur Seulles, Troarn, und Villers-Boccage.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
Advertisement