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Von Reisende.Bearbeiten

Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg

Mailand, den 15ten November 1791.

Auf unserm Wege von Padua hierher besuchten wir vorgestern die große Karthause, die eine kleine deutsche Meile von jener Stadt entfernt ist, und nah an der Landstraße liegt, von welcher eine sehr schöne Allee lombardischer Pappeln zu ihr führt. Nirgends sah ich Bäume dieser Art so schön. Das Gebäude macht schon von weitem einen Eindruck von seiner Größe, welcher zunimmt, wenn man in der Nähe seine zwar gothische aber auffallende Pracht ansieht.

Sie ward gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts von Giovonni Galeazzo Visconti, erstem Herzoge von Mailand, erbauet, dessen Sarg in der Kirche steht. Sein Bildniß liegt, in weißem Marmor gehauen, auf dem Sarge, neben ihm steht die Bildsäule von Francesco Sforza. Die Fasade der Kirche ist von weißem Marmor, mit vielen geschmacklosen bassi rilievi geschmückt. Die Arbeit der meisten ist roh, und sie stellten in seltsamen Gemisch Gegenstände der heiligen und der weltlichen Geschichte vor. Diese letzteren verrathen zum Theil eine große Unwissenheit. Ich sah Alexanders Medaillon mit der Ueberschrift: Imperator Alexander magnus, und las über einem andern Kopfe: Magnus Pompejus Thessaliae Rex.

Die Kirche ist von ungeheurer Pracht und Größe. Sie hat siebzehn Altäre, deren jeder, wo ich nicht irre, mit einem Gemählde gezieret ist. Einige dieser Altäre von weißem Marmor sind mit außerordentlich schöner mosaischer Arbeit von buntem Marmor, Jaspis, Onyx, Lapis Lazuli u. s. w. künstlich ausgelegt.

Unter den Gemählden ist ein großes von Perugino, dem Meister Rafaels.

Der vorige Kaiser hat dieses Kloster den Karthäusern genommen und Cisterziensern eingeräumt.

Die ganze Gegend zwischen Pavia und Mailand, ist eine vollkommene Fläche, welche das Auge noch mehr ermüden würde, als sie würklich thut, wenn sie nicht mit ziemlich vielen Bäumen bepflanzt wäre. Der Landstraße zur Seite fließt, oder steht vielmehr auf diesem flachen Lande, ein Kanal, der den Ticino mit dem Po verbindet. Er ist zur Zeit Philipps des Dritten Königs von Spanien, gegraben worden.

Auf dieser Ebne erhielten die Kaiserlichen unter Karl des Fünften Regierung im Jahr 1525, nicht fern von der Karthause, den berühmten Sieg über die Franzosen, in welchem Franz der Erste gefangen ward.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien. von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg. Königsberg und Leipzig, bei Friedrich Nicolovius, 1794.
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