Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Karl, Fürst von Ligne.[]

Ligne, (Fürst Karl von) geboren am 23. May 1735 Feldmarschall in Oesterreichischen Diensten, Ritter des goldenen Vliesses, Kommandeur des Theresienordens xc. diente mit Erfolg, namentlich 1789, gegen die Türken unter dem Feldmarschall Grafen von Haddik. Er ist jedoch in dem letzten Kriege ausser Thätigkeit geblieben, hält sich fortwährend in Wien auf, und ist gegenwärtig Kapitain der deutschen Garde.

Durch seine 30 Bändchen starken Melanges militaires et literaires hat er sich rühmlich bekannt gemacht, und stand mit der Kaiserinn Katharina und dem alten Könige von Preussen in freundschaftlichem Briefwechsel.


Der dreyzehnte December 1814.[]

Gestorben Karl, Fürst von Ligne, K. K. österreichischer Feldmarschall xc.

Er zeichnete sich als Feldherr, Litterator, Geschichtschreiber, Moralist, Philosoph, Dichter und schöner Geist bedeutend aus. In seinen Jünglingsjahren widmete er sich mit grosser Anstrengung dem Studium der klassischen Litteratur und den Kriegswissenschaften. So vorbereitet trat er 1755 in österreichische Kriegsdienste, nahm Theil an den Schlachten von Collin, Görlitz, Breslau, Leuthen und an der Belagerung von Schweidnitz im Jahr 1757. --1758 eroberte er mit stürmender Hand den sogenannten grossen Garten von Dresden; 1760 war er bey der Einnahme von Berlin und bey der Schlacht von Torgau. Im Jahr 1764 wurde er General-Major und 1771 Feldmarschall-Lieutenant. In der Periode zwischen dem siebenjährigen und dem Ausbruch des Türkenkriegs widmete er sich neben seinen Berufsgeschäften ganz der Litteratur, machte schöne Reisen durch Italien, Frankreich, Deutschland, Polen und die Schweitz, und wurde von den größten Geistern Europa's, von Montesquien, D'alembert, Rousseau, Voltaire, Friedrich II. xc. hochgeschätzt und vertraulich behandelt. Seine militairische Thätigkeit endete sich mit der Einnahme von Belgrad 1789. Er lebte nun ganz den Wissenschaften, und opferte seinem Trieb zur Geselligkeit. Seine grossen Kenntnisse, sein treffender Witz, seine Lebhaftigkeit, mit eben so viel Ruhe gepaart, seine Kunst, das Gespräch gleichsam in ein Spiel zu verwandeln, in dem er seine Gegner gerne gewinnen ließ, und seine ungemeine Herzensgüte, empfahlen ihn überall. Jedem verwundeten Herzen wußte er Balsam einzuträufeln, mit jedem frohen froh zu seyn. Sein Haus war eine Freystätte für Unglückliche, und eben so sehr für Fröhliche offen. Der Ruf seines Genies war in aller Welt, und sein Herz war geliebt in seinen nächsten Umgebungen. Achtzig Jahre lebte er, und als Greis noch, wie Anakreon, mit Rosen bekränzt. -- Die meisten seiner gehaltvollen Schriften erschienen in französischer Sprache, der er meisterhaft schrieb, und sie bleiben beständige Denkmäler seines vortreffliche Geistes und Herzens.

Der Fürst war am 29sten May 1735 zu Brüssel gebohren und stammte aus einem der edelsten Häuser Belgiens, dessen Glieder schon in den Zeiten der Kreuzzüge berühmt waren. Sein militärischer Geist offenbarte sich schon sehr frühe; denn in der Kinderstube hörte er mit Vergnügen das Getöse der Schlacht von Fontenoy 1745, und er ergötzte sich bey dem Anblick der Beschiessung von Brüssel im Jahr 1748, daher er auch die Kriegswissenschaften bis an sein Ende leidenschaftlich liebte.


Prinz de Ligne, kais. königl. österr. F. M.[]

Der 13. December 1814.

Ein äusserst merkwürdiger Name unserer Zeit, der als er am heutigen Tage zu Wien in seinem 79. Jahre, bedauert von allen, die ihn kannten, zu seyn aufhörte, 60 davon in Verbindung mit den ersten Staatsmännern, Heerführern und Gelehrten der zweyten Jahrhunderts gestanden, und mit ihnen zum Theil selbst im Cabinette, Felde, und am Schreibtisch auf seine Zeit eingewirkt hatte.

Er stammte aus einem der edelsten Häuser Belgiens. Brüssel war der Ort, 1735 das Jahr, seiner Geburt. Aeusserst eifrig widmete er seine Jugendjahre der Erlernung der ernsten und schönen Wissenschaften, und dem Studium dessen, was der künftige Krieger wissen musste. Im 20. Jahre trat er in österreichische Kriegs-Dienste. Der siebenjährige Krieg bot dem feurigen tapfern Fürsten, eben so viel Gelegenheit zu Auszeichnungen, als er Eifer zeigte jede zu benützen. Besonders rühmlich wurde sein Name in den heissen Tage bei Collin, Leuthen, Hochkirchen, Dresden (1759), und Maxen genannt. Nach Beendigung des 7jährigen Krieges wurde er General-Major. Die Jahre von 1766 bis 1787 brachte er meistens in Frankreich, wo er am königlichen Hofe äusserst beliebt war, und auf Reisen nach England, Italien, Preussen, Russland u. s. w. zu. Kaiser Joseph II. wählte den Fürsten zum Begleiter auf seiner Reise mit der russischen Kaiserin Katharina nach dem Cherson 1787. Im Türkenkriege befehligte er unter Loudon einen Theil der Armee. Sein ältester Sohn fiel als ein junger Held im J. 1792 im Gefechte bei Boux. Zurückgezogen aus dem Getümmel der grossen Welt verlebte der Fürst sein Greisenalter theils zu Wien, theils zu Teplitz bei seinem Schwiegersohne dem Fürsten Clary, theils auf dem Kahlenberge in der Nähe von Wien, wo er ein Landgut hatte. Hier und in Teplitz pflegte er grösstentheils den Sommer zuzubringen.

30 Bände sehr lesenswerther Schriften, voll merkwürdiger Aufklärungen über seine Zeit beurkunden ihn als einen denkenden, scharfsinnigen und witzigen Kopf. Sein Umgang war äusserst liebenswürdig und aufheiternd.

Er war des röm. Reichs Fürst, erster Pair von Flandern, Pair, Marschall, Baillif und souverainer Offizier der Land- und Grafschaft Hennegau, Gouverneur von Mons, Pair von Namur und Artois, Grand von Spanien erster Klasse, und k. k. wirklicher geheimer Rath, Kämmerer und General-Feldmarschall, Ritter des goldenen Vliesses, Commandeur des militärischen Marien-Theresien-Ordens, Inhaber des 30. Infanterie-Regiments ect. ect.


Quellen und Literatur.[]

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
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