Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Die Feuillans.[]

So wurden eigentlich die Mitglieder eines von Johann de la Barriere nach der Benediktinerregel gestifteten Mönchsordens genannt, weil sie einen Zweig mit Blättern (feuilles) im Arme zu tragen pflegten.

Ein politischer Klub, der sich im Sommer 1791 zu Paris bildete, und seine Sitzungen in einem Gebäude dieser ehemaligen Mönche hielt, bekam daher den Namen der Gesellschaft der Feuillans.

Die Mitglieder dieser Gesellschaft machten sichs zum vorzüglichsten Geschäft, über die neue Konstituzion zu wachen, und der Jakobiner Einhalt zu thun. Sie blieben den Grundsätzen der gemäßigten Monarchie getreu, und wollten Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten.

Barnave, der Liebling des Volkes, bis nach der Rückkehr Ludwig des Sechszehnten von Varennes, am 20. Juni 1791, wo man ihm vorwarf, daß er sich durch zärtliche Blicke der Königin habe gewinnen lassen -- spielte bei den Feuillans eine vorzügliche Rolle. La Fayette, Bailly, und viele andere Männer von erprobter Rechtschaffenheit und nicht gemeinen Talenten gehörten zu ihren Mitgliedern, und verwendeten ihr ganzes Ansehen, um die Gesellschaft empor zu bringen; aber nie wollten es ihnen recht damit glücken. Der Kontrast zwischen ihr und dem Jakobinerklub war zu auffallend.

Bei den Jakobinern wurde gewöhnlich unter Lärmen und Toben ein Vorschlag gemacht, und entweder mit feurigem Enthusiasmus augenblicklich angenommen, oder mit lauten Unwillensbezeugungen sogleich verworfen: bei dem Feuillans hingegen gingen die Verhandlungen einen ruhigen Gang; kaltblütige Ueberlegungen traten an die Stelle von jähen Aufwallungen der Leidenschaft, und sanscülottische Marktschreiereien waren ein für alle Mahl verboten.

Die Pariser entschieden für die Jakobiner, und die Provinzialstädte folgten dem Beispiele der Hauptstadt. Ueberall fand man die Versammlungssäle der Feuillans wenig besucht; und die Zahl ihrer Anhänger verminderte sich noch mehr, da sie, nach einem hitzigen Streite mit den wilden Jakobinern, beschlossen hatten, alle Zuschauer bei ihren Sitzungen auszuschliessen. Die Verhandlungen selbst verloren dadurch an Interesse; man fing an sich mit Kleinigkeiten zu beschäftigen, verhandelte diese mit langweiliger Kälte, verlohr alle Energie, und überließ auf diese Art seinen Gegnern freiwillig das Feld. Die Partei der Jakobiner drang zwar auch, dem äußern Vorgeben nach, auf die Aufrechthaltung der im Jahr 1791 eingeführten monarchisch-konstituzionellen Regierungsverfassung, arbeitete aber im Geheim an dem Umsturze des Thrones, entweder um dem Herzog von Orleans die höchste Gewalt in die Hände zu spielen, oder eine republikanische Verfassung einzuführen. Sie waren damals unter dem Namen der Orleanisten und Brissotisten bekannt, und vergrösserten sich besonders unter der verwirrten Regierung der zweiten Nazional-Versammlung ungemein stark.

Die Auswanderung des La Fayette und vieler anderer der Feuillans, der Sturz des Königthums und der neu versammelte Nazional-Konvent führten endlich den gänlichen Sturz der Feuillans herbei; und seitdem hat sich diese Gesellschaft nie wieder erhohlen können.


Feullans.[]

Feuillans, ursprünglich die Mitglieder des von Johann de la Barrierre 1577 nach der Benedictiner-Regel gestifteten Mönchsordens (in Deutschland Barfüßer genannt), welche einen Zweig mit Blättern (feuilles) im Arme tragen.

Zur Zeit der französischen Revolution erhielt (1791) ein politischer Club diesen Namen (weil er sich in einem Klostergebäude jener Mönche versammelte), welcher hauptsächlich über die Erhaltung der neuen Constitution wachte und den Grundsätzen der gemäßigten Monarchie treu blieb. Barnave, Lafayette, Bailly u. a. rechtschaffene Männer waren Mitglieder dieses Clubs, der aber in der Folge gestürzt wurde.


Quellen und Literatur.[]

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
Advertisement