Coburg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Coburg,[1] Hauptstadt des Fürstenthums dieses Namens an der Itsch, nebst einem Fürstlichen Schloß, die Ehrenburg genannt. Es sind hier die Fürstlichen hohen Landescollegia des Hauses Sachsen Coburgsaalfeld. Die Stadt an sich ist mittelmäßig, aber durch die in die Länge gebauten Vorstädte, (die vor dem 30jährigen Kriege, in dem Coburg viel litte, sich noch weiter erstreckten,) erhält sie mehrere Größe. Man zählt in der Stadt und den Vorstädten 43 Gassen, 5 Kirchen, 730 Wohnhäuser und ohngefähr 7,000 Seelen. Der Stadtrath ist einer der vornehmsten Landstände. Der Markt ist ein schöner Platz, auf dem sich die Regierung und das Rathhaus ausnehmen. In dieser Stadt ist ein akademisches Gymnasium, welches Herzog Joh. Casimir stiftete, und 1605 feyerlich einweihete. Zufolge eines Kaiserlichen Privilegiums von 1677 ist dieses Gymnasium mit allen Rechten und Freyheiten einer Universität versehen. Es besizt 2 öffentliche Bibliothecken und ein Naturalienkabinet. 1804 wurde es in ein gewöhnliches Gymnasium verwandelt. Ausser demselben und dem damit vereinigten Pädagogium ist in Coburg auch eine Rathsschule von 7 Classen. Ausser andern Nahrungszweigen findet sich daselbst eine Wollen-Manufaktur und Handel mit der guten einheimischen Wolle in das Vogtland. In der Nähe ist auch ein Schusser-Fabrik und ein Blaufarbenwerk.

Ausserhalb der Stadt, auf einem hohen Berge, liegt die sogenannte Festung Coburg mit starker Mauer und 5 Bastionen.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1807]

Staatsbegebenheiten. [2]

Koburg. Am 28. Jul., Nachmittags um 4 Uhr, kehrte der regierende Herzog Ernst in seine Residenz zurück. An einer neugebauten, zum Schießplatze hinführenden, Brücke, wo sich die stattlich-berittenen Schützenkompagnien von Koburg und Neustadt aufgestellt hatten, wurden Se. Durchlaucht von dem ehrwürdigen Feldmarschall, Prinzen Friedrich von Sachen-Koburg und Saalfeld, unter Begleitung des Obermarschalls von Wangenheim, des Obristlieut. von Hartenbrock und des Majors von Speshard empfangen. Der Herr Herzog verließ sogleich seinen Wagen, um sich unter die Menge seiner treuen Unterthanen zu begeben. Sechzig aufblühende Mädchen, weiß gekleidet und mit Guirlanden geschmückt, bildeten hier mit ihren Reihen ein schön gewundenes VIVAT, und überreichten dem heitern Fürsten im Namen der Stadt einen Blumenkranz und ein Gedicht, während zwey als Genien gekleidete Kinder aus ihren Füllhörnern Blumen auf die Pfade des guten Regenten streuten. Von hier aus erhob sich der festliche Zug in die Stadt. An dem schön geschmückten Thore empfieng der Magistrat den wiedergegebenen Fürsten mit herzlichen Wünschen. Vom Thore aus gieng der Zug durch die Reihen der Viertelsmeister, einer großen versammelten Anzahl Bürger und der Schuljugend nach dem Schloß, wo der Fürst von der herzogl. Familie, dem Gouvernement, den höchsten Landesstellen, dem Hofstaat, der höhern Geistlichkeit, dem Direktor und den Professoren des akademischen Gymnasiums empfangen wurde. Bald darauf hatten die Aufwartungen mehrerer Stände und insbesondere auch der Kaufmannschaft Statt. Sie überreichten gedruckte Glückswünsche, deren sieben an der Zahl erschienen sind. Dem frohen Tage folgte eine freywillige, fast allgemeine Beleuchtung der Stadt und eines Theils ihrer Umgebungen.


[1812]

Koburg, den 2ten April. [3]

Gestern nahm die erste Messe hier ihren Anfang. Ob es gleichwohl im Sprichwort heißt, aller Anfang ist schwer, so kann man doch von dieser ersten Messe behaupten, daß sie mit ziemlich guten Vorbedeutungen angefangen hat. Ausser den Fabrikanten und Meßleuten aus der Nähe, bemerkte man deren auch viele aus Böhmen und Sachsen. Was die ästhetischen Meßleute, als Bärenführer, Seiltänzer, Orgelmänner und eleganten Frauenzimmer betrifft, so hat sich bis Dato noch nichts davon verspüren lassen.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. National-Zeitung der Deutschen. 34tes Stück, den 10ten August 1807.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 103. Montag, den 29. April 1812.
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