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Curaçao.Bearbeiten

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Curaçao, Curassau, kleine Insel oder vielmehr Felsenmasse innerhalb der Antillischen Inseln nur wenige Meilen von der Spanischen Küste Venezuela entfernt. 1634 nahmen sie die Holländer den Spaniern ab, und behielten sie durch den Westphälischen Frieden. Die Insel ist dürre, und hat kein anders als Regenwasser, bringt also nur wenig Zucker, Baumwolle und Bedürfnisse des Lebens hervor, aber sie ist doch äusserst wichtig wegen des Schleichhandels, welcher von hier aus mit den Spanischen Unterthanen der benachbarten Küste getrieben wird. Sie erhalten von den Holländern Europäische Waaren um weit niedrigern Preiß, als die Spanier sie ihnen wegen der Abgaben liefern können, und geben dagegen ihre Landesproducte, Cacao, Indigo und andere Farbwaren zurück. Zur Zeit des Kriegs erstreckt sich dieser Schleichhandel über alle Antillische Inseln der Engländer und Franzosen, weil sie hier einen sichern Platz zum gegenseitigen Absatz ihrer Waaren finden. An der Südostseite der Insel liegt der sichere und bequeme Hafen St. Barbara, dessen Eingang aber beschwerlich ist. An demselben befindet sich die einzige Stadt der Insel Wilhelmstadt. Sie ist nicht groß, aber gut gebaut und voll von Niederlagen und Magazinen. Das Fort Amsterdam beschüzt den Eingang des Hafens. Ausser dieser Stadt enthält die ganze Insel nur wenige Dörfer und Pflanzungen. Die Menschenzahl beträgt 2000 Weise, 5000 Negersklaven und einige eingebohrne Indier. In der Stadt sind aber noch ausserdem immer eine Menge fremde Kaufleute. Unter dem Gouverneur stehen noch die benachbarten kleinen Inseln Aruba, Bonaire und Aves. Im Anfange des Jahrs 1804 machten die Engländer einen vergeblichen Angriff aus die Insel Curaçao.


Besetzung von Curassao durch die Engländer.Bearbeiten

[2]
Der 22. September 1800.

Bresseau, konsularischer Agent zu Guadeloupe, entwarf 1800 den Plan, mitten im Frieden die westindische Insel Curassao, Besitzung der batavischen Republik, einer mit Frankreich befreundeten bundesgenossischen Macht, ohne allen gegebenen Anlass zu überfallen und zu erobern. Johann Rudolph Lauffer, ein Schweitzer, ein streng rechtlicher, wissenschaftlich ausgebildeter, leutseliger Mann, eben so hoch geachtet als gefürchtet, vom Volke zuletzt nur Vater Lauffer genannt, war Gouverneur der Insel, und hatte die schwere Aufgabe zu lösen, selbe seiner Regierung zu erhalten. Seine Lage war verzweiflungsvoll. Er war plötzlich und auf die schändlichste Weise von vielfach überlegenen Truppen einer mit Holland verbundenen Macht nach den herzlichsten Freundschafts-Versicherungen angegriffen worden, und von ihnen auf allen Seiten zu Wasser und zu Lande umringt. Durch Lieferungen, die er gastfreundschaftlich an sie gemacht hatte, waren seine Vorräthe an Lebensmitteln ganz erschöpft. Es hatte seit 18 Monaten nicht geregnet, die meisten Wasserplätze waren in der Gewalt der Franzosen. Das Heerdenvieh war theils umgefallen, theils vom Feinde weggetrieben worden. Die Sklaven empörten sich, und gingen zu selbem über. Es mangelte an Munition und Gewehren auf das äusserste. Der durch reichliche Nahrung kräftige und frische Feind, ermuthigt durch Hoffnung grosser Beute, führte den angekündigten Krieg auf eine alles verwüstende staatsumwälzerische Weise. Domingos Grässlichkeiten standen bevor. Der Gouverneur blieb unerschütterlich, entschlossener zu sterben,als die Colonie zu übergeben. Sein Untergang war unvermeidlich. Da wurden die Engländer, damals wirklich im Krieg mit der batavischen Republik begriffen, die Retter ihrer Unterthanen.

Die englische Fregatte Nereide Capitain Watkins erschien vor der Insel, und bot den auf das äusserste gebrachten Vertheidigern, gegen das Guadeloupeser Korsaren- und Negergesindel, an welches Niemand ohne Grauen denken konnte, ihren Schutz an, wenn die Insel mit Beibehaltung ihrer Administration englische Besatzung aufnehmen wolle. Es blieb keine Wahl, der Vorschlag wurde angenommen. Da später noch mehrere bewaffnete Fahrzeuge eintrafen, fuhr panischer Schrecken unter die Guadeloupesen, die vor der Zerstörung und Gefangennehmung ihrer Fahrzeuge zittern mussten. Eilfertig schiffte sich der schändliche Bresseau mit dem grössten Theil seines Volkes und Raubes in der Nacht vom 22. September 1800 ein und floh. Lauffer behielt den Civil- und batavischen Militär-Oberbefehl. Nach dem Frieden von Amiens zog die englische Besatzung wieder ab.

Gouverneur Lauffer, nach Europa berufen, um sich zu rechtfertigen, wurde den 25. Wintermonat 1805 im Haag vor ein Kriegsgericht gestellt, das ihn auf das ehrenvollste von jeder Anklage und jedem Vorwurfe frey erklärte. Da in seiner Abwesenheit ein anderer Gouverneur ernannt wurde, bot man ihm eine Pension an, die er grossherzig ausschlug. Die französischen Agenten auf Quadeloupe wurden durch Entsetzung von ihren Stellen bestraft. Mehr geschah nicht, wie dringend auch die batavische Regierung auf die grösste Genugthuung angetragen hatte.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
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