Departement der Seine und Marne.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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5. Das Departement der Seine und Marne, das den Namen von den beiden beträchtlichsten Flüssen, die es durchströmen, erhalten hat, ist aus Theilen von Ile-de-France und Champagne, nämlich aus den Landschaften Gatinais-Français und Ober- und Nieder-Brie gebildet; es hat einen Flächenraum von 108 Quadratmeilen, auf welchem 300,000 Menschen leben. Dieses Departement ist jetzt in die fünf Gemeindebezirke von Melun, Coulommiers, Meaux, Fontainebleau und Provins abgetheilt, welche zusammen 561 Gemeinden in 29 Kantonen in sich fassen.

Zu bemerken:

1) Melun, Hauptstadt des Departements, 10 franz. Meilen von Paris, an der Seine, welche dieselbe in zwei Armen durchströmt, und sie in drei Theile theilt, welche durch zwei steinerne Brücken, jede von 8 Bogen, mit einander verbunden sind, so daß die Stadt in Rücksicht ihrer Gestalt und Lage viele Aehnlichkeit mit Paris hat. Sie ist alt, nicht sehr ansehnlich und hat nur 6000 Einwohner. Außer drei Pfarrkirchen war hier noch eine Collegiatkirche, und mehrere Klöster und Abteien. es sind hier Kattunfabriken, Gärbereien und eine Glasfabrik. Nach Paris wird besonders auf der Seine ein ansehnliche Handel getrieben.

Melun ist der Geburtsort des gelehrten Bischofs Jacob Amyot.

2) Coulommiers, kleine gewerbsame Stadt von 3600 Einwohnern, am Flüßchen Grand-Morin.

3) Meaux, alte ziemlich ansehnliche Stadt mit 6800 Einwohnern, zu beiden Seiten der Marne, mit fünf Vorstädten. Sie ist jetzt wieder der Sitz eines Bischofs, dessen Domkirche von sehr merkwürdiger Bauart ist. Es wird hier mit Landesprodukten, besonders mit dem geschätzten Käse von Brie, wovon hier die Hauptniederlage ist, starker Handel nach Paris getrieben.

4) Fontainebleau, Stadt mit 9400 Einwohnern in einem Walde nicht weit von dem rechten Ufer der Seine in und an einem schönen Walde. Diese Stadt ist durch das dabei gelegene, vormals königliche, jetzt kaiserliche Lust- und Jagdschloß entstanden; auch bestehen die brei Hauptstraßen, wovon die eine zu dem Schlosse hinführt, beinahe aus lauter Wirthshäusern. Es ist hier eine Fayence- und eine Porzellanfabrik. Mit ganz vortrefflichen Trauben, Obst, Seife, Wachholder-Conserve, auch mit Holz wird auf der Seine ziemlicher Handel nach Paris getrieben.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neueste Länder- und Völkerkunde. ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Zweiter Band. Frankreich. Weimar, im Verlage des geographischen Instituts, 1806. = Neueste Kunde von Frankreich. Nach dessen gegenwärtigem Zustande aus Quellen dargestellt von Theophil Friedrich Ehrmann. Weimar, im Verlage des F. S. privil. Landes-Industrie-Comptoirs. 1806.
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