23. Das Departement der Isere hat seinen Namen von dem Flusse Isere, der es durchströmt, begreift die vormals theils zu Ober-, theils zu Unter-Dauphiné gehörigen Ländchen Graisivauban und Viennois, und hat einen Flächenraum von 102 Qu. Meilen mit etwa 442,000 Einwohnern.

Dieses Dept. ist jetzt in die vier Gemeindebezirke von Grenoble, St. Marcellin, La-Tour-du-Pin und Vienne abgetheilt, und enthält 558 Gemeinden in 44 Kantonen.

1) Grenoble, Hauptstadt des Depts. (vormals des Ländchens Graisivauban und von ganz Dauphiné überhaupt) alte, ansehnliche und berühmte Stadt mit 21,000 Einwohnern in einer schönen Ebene am Fusse des Gebirgs, an der Isere, welche hier den Drac aufnimmt, 122 fr. M. von Paris. Der größere Theil der Stadt liegt auf dem linken Ufer der Isere, der kleinere, welcher St. Laurent oder la Perriere heißt, auf dem rechten; zwei Brücken führen über die Isere und eine über den Drac. Die Stadt ist etwas befestigt, und im Durchschnitte genommen hübsch gebaut, und hat manche ansehnliche Gebäude, auch schöne öffentliche Plätze und anmuthige Spaziergänge. Das Quartier Bonne ist das schönste der Stadt. Der Platz la Grainette ist groß und schön, und dient zum Getraidemarkte; auf dem Platze Breuil steht das Rathhaus mit einem schönen Garten; das vormalige Palais des Parlaments ist ein altes Gebäude, auf einem beinahe runden Platze; der Gouvernementspallast ist ansehnlich, so auch die Schatzkammer; der Uhrthurm ist ebenfalls zu bemerken. Der ehemalige bischöffliche Pallast ist ein sehr schönes Gebäude. Außer der alten Domkirche sind hier noch mehrere andere Kirchen und vormalige Klöster; ferner ein Hauptspital mit einigen von ihm abhängenden milden Anstalten und ein Militärspital. Auch ist hier ein Lyceum, eine Artillerieschule, ein Kunstmuseum u. s. w. Das Zeughaus liegt an einem Ende der Stadt an der Isere und bildet eine Art von Citadelle. Das alte feste Schloß la Bastille steht auf dem Berge, an dessen Fuße die Stadt liegt und hat eine herrliche Aussicht; auf der halben Höhe desselben Berges liegt der alte Thurm Du Rabot.

Hübsche Spaziergänge bei der Stadt sind der Mail und der Cours.

Man fabrizirt hier Leinwand, grobe Tücher, Wollenzeuche, Kattun und Zitz, Leder, sehr geschätzte lederne Handschuhe, feine Drechslerarbeiten, Metallwaaren, u. dgl.

Der Handel ist beträchtlich.

Die Stadt ist sehr alt und der Sitz eines Bischoffs, der oberen Gewalten und Tribunale des Depts. des Generalstabs der 7ten Militär-Division u. s. w.

Das Thal, in welchem diese Stadt liegt, ist angenehm und fruchtbar; auch findet man Metallminen. Fünf Stunden von hier lag die berühmte große Karthause.


2) St. Marcellin, kleine Stadt mit 3000 Einwohnern nicht weit von der Isere, hat einige Fabriken und treibt Handel.

3) La-Tour-du-Pin, kleine Stadt mit 3000 Einwohnern an der Bourbe, hat einige Fabriken.

4) Vienne, alte ansehnliche Stadt mit 11,000 Einwohnern, am linken Ufer des Rhone; sie liegt in amphitheatralischer Gestalt an dem steilen Abhange eines Hügels, ist aber im Ganzen genommen schlecht gebaut. Man findet hier sehr schätzbare Alterthümer. Die Industrie blühet, sie beschäftigt über 4000 Personen. Die ganze Vorstadt Pont-Eveque ist mit Werkstätten von Metallarbeitern aller Arten angefüllt, u. s. w.

Hauptorte von Bezirken.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neueste Länder- und Völkerkunde. ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Zweiter Band. Frankreich. Weimar, im Verlage des geographischen Instituts, 1806. = Neueste Kunde von Frankreich. Nach dessen gegenwärtigem Zustande aus Quellen dargestellt von Theophil Friedrich Ehrmann. Weimar, im Verlage des F. S. privil. Landes-Industrie-Comptoirs. 1806.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.