Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Departement der oberen Garonne.[]


33.[1] Das Departement der oberen Garonne hat diesen Namen von dem Flusse Garonne, der auf den Gränzen dieses Depts. in den Pyrenäen entspringt und dasselbe der Länge nach durchströmt. Es begreift das vormalige Ländchen Toulousain in Ober-Languedoc nebst dem vormals zu Gascogne gehörigen Ländchen Comminges; liegt an den Pyrenäen, folglich an der spanischen Gränze, und hat einen Flächenraum von 135 Qu. M., auf welchem über 432,000 Menschen leben.

Dieses Dept. ist jetzt in die fünf Gemeindebezirke von Toulouse, Castel-Sarrazin, Villefranche, Muret und St. Gaudens abgetheilt, welche zusammen 691 Gemeinden in 42 Kantonen enthalten.

1) Toulouse, Hauptstadt des Depts. (vormals von ganz Languedoc) alte, ansehnliche, große und reiche Stadt mit 56,000 Einwohnern, am rechten Ufer der Garonne, aus welcher hier der große Südcanal ausgeht, in einer sehr schönen, fruchtbaren Ebene, 160 franz. M. von Paris. Sie ist gut gebaut und hat mancherlei Merkwürdigkeiten. Ihre Gestalt ist beinahe rund; die Vorstadt St. Cyprien ist von derselben nur durch den Fluß getrennt, über denselben führt eine Brücke, welche eine der schönsten in Europa ist; sie ist mit einer Triumphpforte geziert, durch welche man auf einen sehr schönen Platz kömmt, auf welchem vormals die Statue K. Ludwigs XIV. zu Pferde stand. Die Stadt und Vorstadt sind ummauert; die erstere hat mehr als eine Stunde im Umfange und 9 Thore. Die Straßen sind meistens breit und gut gepflastert; die Häuser sind beinahe alle drei von vier Stockwerke hoch und zum Theil von roth gefärbten und weiß gestreiften Backsteinen erbaut. Der öffentlichen großen Plätze sind mehrere. Längs der Garonne hin, ist ein schöner Kai mit einem Cours. In dem Flusse liegt die Insel Tonnes. Die ganze Stadt hat nur zwei öffentliche Springbrunnen. Der bemerkenswerthen Gebäude sind mehrere. Außer der alten Domkirche sind hier mehrere Pfarrkirchen, vormalige Abteien u. s. w. Der vormalige erzbischöfliche Pallast ist groß und prächtig; das Schloß Narbonnais, vormals die Residenz der alten Grafen von Toulouse, nachher der Sitz des Parlaments, ist ein festes Kastell; auch das Hotel des vormaligen Großpriors ist schön; das Rathaus, vormals Capitol genannt, dessen Fassade kurz von der Revolution prächtig neu erbaut worden, ist eines der schönsten in Frankreich; in demselben ist auch das Theater und ein Arsenal. Die beiden großen Hospitäler sind weitläuftige Gebäude; außer denselben ist hier noch ein Waisenhaus und andere wohlthätige Anstalten. Auch die Mühlen an der Garonne sind merkwürdig. Ueberdies trifft man hier noch hübsche römische Alterthümer. Von literarischen Anstalten zeichnen sich besonders ein Lyceum und ein Kunstmuseum aus. Es sind hier Seidenstoff- und Damastfabriken, Flanell- und Kattundruckereien, Gaze-, Basin-, Wollenzeuch-, Baumwollen und Tuchfabriken u. s. w. Die umliegende Gegend erzeugt Seide, Getraide, Wein und Wolle; der Handel ist jedoch bei weitem nicht so beträchtlich, als er bei der vortheilhaften Lage der Stadt seyn könnte.

Außer den oberen Gewalten des Depts. ist diese Stadt auch der Sitz eines Erzbischofs, der Generalstabs der 10ten Militär-Division, eines Unter-Commissärs der Marine u. s. w.

2) Castel-Sarrazin, hübsch gelegene Stadt mit 6000 Einwohnern, am rechten Ufer der Garonne; treibt ziemlichen Handel.

3) Villefranche, kleine Stadt mit 2000 Einwohnern, nicht weit vom großen Canale.

4) Muret, kleine Stadt mit 3200 Einwohnern an der Garonne.

5) St. Gaudens, kleine Stadt mit 4000 Einwohnern, in einer weidereichen Gebirgsgegend.

Hauptorte von Bezirken.

6) Bagneres (mit dem Beinamen de Luchon) Städtchen mit 1200 Einwohnern im Thale Luchon, am Füße der Pyrenäen, mit warmen Bädern.


Quellen.[]

  1. Neueste Länder- und Völkerkunde. ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Zweiter Band. Frankreich. Weimar, im Verlage des geographischen Instituts, 1806. = Neueste Kunde von Frankreich. Nach dessen gegenwärtigem Zustande aus Quellen dargestellt von Theophil Friedrich Ehrmann. Weimar, im Verlage des F. S. privil. Landes-Industrie-Comptoirs. 1806.
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