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Departement der Somme.Bearbeiten


6. [1] Das Departement der Somme am brittischen Kanale, welches den beträchtlichsten Theil der Picardie in sich begreift, hat den Namen von dem großen, schiffbaren Küstenflusse Somme, welcher es von Osten nach Westen durchströmt. Sein Flächeninhalt beträgt 112 Quad. Meilen und die Volksmenge 465,000 Menschen. Dieses Departement ist in fünf Gemeindebezirke, nämlich von Amiens, Abbeville, Doulens, Peronne und Montdidier abgetheilt, welche zusammen 848 Gemeinden in 41 Kantonen in sich schließen.


1) Amiens, die große, ansehnliche Hauptstadt dieses Departements (vormals von ganz Picardie) mit 40,000 Einwohner, liegt an der Somme, welche dieselbe in drei Armen durchfließt, über welche eben so viele Brücken führen; 30 fr. M. v. Paris, 14 vom Meere. Sie hat über eine Stunde im Umkreise, enthält 5980 Feuerstellen und hat eine angenehme Lage. Die Straßen sind beinahe alle breit, gerade und zum Theil mit schönen Häusern besetzt. Der ansehnlichen öffentlichen Plätze sind funfe, welche alle zugleich Marktplätze sind.

Die Schiffslände, wo die von Abbeville kommenden Schiffe, welche die Waaren vom Meere herbringen, anlegen, ist am untern Ende der Stadt an der Michaelsbrücke, wo sich die Arme der Somme wieder vereinigen. Die Stadt ist mit einem alten Walle umgeben, der einen angenehmen Spaziergang bildet, und wird durch eine große Citadelle beschützt. Die Stadt ist der Sitz der obern Gewalten des Departements, jetzt auch wieder eines Bischoffs; die Kathedralkirche ist ein altes ansehnliches, im 13ten Jahrhunderte erbautes Gebäude, dessen Schiff als ein Meisterstück der gothischen Baukunst bewundert wird; es ist 366 Fuß lang und, ohne die Seitengebäude 49 Fuß 9 Zoll breit; außerdem sind hier noch 14 Pfarrkirchen und mehrere vormalige Stiftskirchen, Abteien und Klöster. Zu den ansehnlichen Gebäude gehören auch das Rathhaus, die vormalige Intendanz u. s. w. Merkwürdig ist die Maschine, durch welche die Stadt mit Wasser versehen wird. Die vorzüglichsten Merkwürdigkeiten dieser Hauptstadt sind aber ihre Manufakturen, die sehr zahlreich und wichtig sind. Man fabricirt nämlich hier in Menge aller Arten Zeuche von englischer Façon, die man vortrefflich nachzuahmen weiß, Plüsche, Kamelotte, Flanell, Molletons, Baumwollensammet, Piqués, Tücher und Wollenzeuche, wollene Tapeten, Sersche, Atlas, und andere Seidenzeuche, Bänder, feine und grobe Leinwand, Hüte, Strümpfe, Mützen, Seife, Leder von verschiedenen Arten u. s. w. Auch die Pasteten von Amiens werden sehr geschätzt. Mit diesen und anderen Waaren und Handelsproducten wird ein sehr ansehnlicher Handel getrieben, den die schiffbare Somme besonders begünstigt. Ins Ausland gehen diese Waaren vorzüglich über Rouen, St. Valery und Dünkirchen. Der Speditionshandel ist ebenfalls sehr wichtig.

In der Staatengeschichte von Europa ist sie erst neuerlich durch den am 25. März 1802 zwischen Frankreich und Großbritannien geschlossenen Frieden noch berühmter geworden.

2) Abbeville, Hauptort eines Bezirks (vormals der Grafschaft Ponthieu), ansehnliche und wichtige Stadt mit 18000 Einwohnern, in einem angenehmen, fruchtbaren, 4000 Schritte breiten Thale an der Somme, die sich hier in mehrere Arme theilt; 9 fr. M. von Amiens, 4 vom Meere, von wo die Flut bis hierher 6 Fuß hoch steigt. Die Stadt ist gut befestigt, und kann unter Wasser gesetzt werden; sie besteht aus drei Theilen, hat 5 Thore, und 4500 Häuser, worunter mehrere hübsche, aber auch viele alte und schlechte sind. Bei dem alten Schlosse, das als Gefängniß dient, quillt eisenhaltiges mineralisches Wasser. Der Brücken zählt man sechzig, worunter 40 steinerne. Die Strassen sind ziemlich hübsch. Der ansehnlichen großen Plätze zählt man viere. Der Gerichtspallast ist ein hübsches Gebäude; das Rathhaus und die St. Wolframskirche sind auch zu bemerken. Besonders wichtig und zahlreich sind die hiesigen Fabriken, welche Tuch, Wollenzeuche, Sersche, Ratin, Berkan, Plüsch, Damastleinewand, feine und gemeine Leinwand, Seilwerk, Strümpfe, Borten, Seife, Leim xc. verfertigen. Diese Fabriken beschäftigen eine große Zahl von Arbeitern und verbreiten Wohlstand in der Stadt; die wichtigste und berühmteste derselben wegen ihrer vortrefflichen Waaren ist die Tuchfabrik von Van Robais, welche prächtige Gebäude einnimmt. Der hiesige Handel ist auch von großer Wichtigkeit; die kleinern Kauffahrteilschiffe können auf die Somme bis hierher heraufgehen.

3) St. Valery (mit dem Beinamen: sur Somme) kleine Stadt von 3600 Einwohnern und Seehaven, auf der Südseite der Somme.

4) Doulens, kleine feste Stadt mit 3000 Einwohnern und einer Citadelle an der Authie.

5) Peronne, Hauptort eines Bezirks, befestigte Stadt mit 3700 Einwohnern, in einer Sumpfgegend an der Somme und Cetoulte.

6) Ham, vormals befestigtes Städtchen mit 1720 Einwohnern in einer Sumpfgegend an der Somme, merkwürdig wegen seines alten festen Kastells, das als Staatsgefängniß dient.

7) Montdidier, Hauptort eines Bezirks, alte Stadt mit 4000 Einwohnern auf einem Hügel, an dessen Füße das Flüßchen Don fließt.

8) Roye, feste Stadt mit 3200 Einwohnern am Flüßchen Avre.


Quellen.Bearbeiten

  1. Neueste Länder- und Völkerkunde. ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Zweiter Band. Frankreich. Weimar, im Verlage des geographischen Instituts, 1806. = Neueste Kunde von Frankreich. Nach dessen gegenwärtigem Zustande aus Quellen dargestellt von Theophil Friedrich Ehrmann. Weimar, im Verlage des F. S. privil. Landes-Industrie-Comptoirs. 1806.
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