Departement der Unteren-Pyrenäen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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50. Das Departement der Unteren-Pyrenäen hat diesen Namen von seiner Lage an dem unteren Theile der Pyrenäen, und ist aus den vormaligen Landschaften Nieder-Navarra, Béarn, Basque Français und einem kleinen Thale von Chalosse zusammengesetzt. Es ist ein Gebirgsland, hat einen Flächenraum von 139 Qu. M. mit 386,000 Einwohnern, und liegt an und in den Pyrenäen, zwischen Spanien, dem Biscajischen Meere und den Departementen der Heiden, des Gers und der oberen Pyrenäen

Dieses Dept. ist jetzt in die fünf Gemeindebezirke von Pau, Bayonne, Oléron, Mauleon und Orthez abgetheilt, welche zusammen 660 Gemeinden in 40 Kantonen enthalten.


1) Pau, Hauptstadt des Depts. (vorm. von Bearn), alte, ziemlich ansehnliche Stadt mit 8800 Einwohnern, am Gave von Pau in einer sehr schönen, angenehmen Gegend, 177 fr. M. von Paris; sie ist ziemlich hübsch und war ehemals die Residenz der Könige von Navarra; in dem hiesigen alten Schlosse ist K. Heinrich IV. geboren worden, dessen Andenken unter den hiesigen Einwohnern noch in Segen steht. Von der alten, sehr hohen und merkwürdigen Brücke von 7 Bogen, die über den Gave gebaut ist, hat man eine entzückende Aussicht. Auf dem Marktplatze steht ein schöner Springbrunnen mit 6 Röhren. Sehr schön ist auch der Freiheits- (vormals Königs) Platz, auf welchem die Bildsäule K. Ludwigs XIV. stand.

Man fabricirt hier Tücher, Leinwand, Schnupftücher und Hüte. Der Handel ist ziemlich beträchtlich.

2) Bayonne, Hauptort eines Bezirks (vormals von Labourd), hübsche und feste See- und Handelsstadt mit 13,000 Einwohnern, eine Stunde vom Meere, an den Flüssen Adour und Nive, welche sich unterhalb der Stadt vereinigen, 21 fr. M. von Pau und 180 von Paris. Sie gewährt einen sehr schönen Anblick, und hat mit hübschen Gebäuden besetzte öffentliche Plätze. Die genannten Flüsse theilen sie in drei Theile, welche durch Brücken mit einander verbunden sind; auch ist hier ein sehr schöner öffentlicher Spaziergang. Die Domkirche ist die einzige Pfarrkirche der Stadt. Die Befestigung ist ansehnlich; sie besteht hauptsächlich aus zwei Schlössern und einer Citadelle. Der Haven ist gut und sicher; doch ist die Einfahrt etwas gefährlich. Die Einwohner treiben Fischerei und Handlung; über die Hälfte derselben sind Juden. Der Handel ist sehr ansehnlich.

Die Stadt ist jetzt der Sitz eines Bischofs, eines Unter-Präfects, eines Civil- und eines Handelsgerichts, eines Marine-Commissärs, eines Marine-Syndicats u. s. w. In dieser Stadt sind die nach ihren benannten Bayonnette erfunden worden.

3) Oléron, gewerbsame Stadt mit 5500 Einwohnern auf einer Anhöhe am Zusammenflusse der Gaves von Ossau und Aspe, in einem weinreichen Thale.

4) Mauleon, Städtchen mit etwa 1000 Einwohnern, am Gave von Saizan.

5) St. Jean-Pied-de-Port, Städtchen mit 1200 Einwohnern und einer Citadelle, an der Nive.

6) Orthez, alte gewerbsame Stadt mit 6800 Einwohnern, an einem Abhange am Gave von Pau, 9 fr. M. von Pau, mit einem alten Schlosse.


Dekrete.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1808]

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Ein anderes Dekret, datirt Pau den 22. Jul., enthält in 4 Titeln und 30 Paragraphen verschiedene Verfügungen zu Gunsten des Departements der untern Pyrenäen und der Stadt Pau. Unter andern soll eine Strasse von Paris nach Madrid, über Pau, Oleron und Saragossa angelegt, und wegen der jenseitigen Arbeiten mit der Spanischen Regierung eine Unterhandlung eröffnet werden. Ueber die Adour und Nive sollen verschiedene hölzerne Brücken geschlagen, die Gave durch Dämme beschränkt, nach Eaux bonnes eine Strasse angelegt, und daselbst 2 Badhäuser gebaut, in Pau und Ortez Verschönerungen vorgenommen, die Stutterey von Pau zur zweyten Klasse erhoben werden u. dgl.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neueste Kunde von Frankreich. Nach dessen gegenwärtigem Zustande aus Quellen dargestellt von Theophil Friedrich Ehrmann. Weimar, im Verlage des F. S. privil. Landes-Industrie-Comptoirs. 1806.
  2. Wiener-Zeitung. Nro 71. Sonnabend, den 3. September 1808.
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