Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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29. Das Departement des Gard hat seinen Namen von dem Flusse Gard oder Gardon, der es durchströmt, begreift einen Theil von Nieder-Languedoc, und wird auf der Gränze von dem Rhone benetzt. Sein Flächenraum beträgt 105 Qu. Meilen, und die Volksmenge 310,000 Seelen.

Dieses Dept. ist jetzt in die vier Gemeindebezirke von Nimes, Uzez, Alais, und Vigan abgetheilt, welche zusammen 365 Gemeinden in 38 Kantonen enthalten.

1) Nimes oder Nismes, Hauptstadt des Depts. sehr alte, merkwürdige Stadt mit 40,000 Einwohnern, in einem fruchtbaren, von zwei Reihen Hügeln eingeschlossenen, von Nordosten nach Südwesten geöffnetem Thale, 5½ franz. Meilen nordwestlich von Arles, 168 von Paris. Diese Stadt hat 4500 Feuerstellen, der Umfang ihrer Mauern beträgt nicht viel über 6000 Fuß; sie hat 9 Thore, eine Citadelle, und außer der vormaligen bischöflichen Domkirche nur zwei Pfarrkirchen, aber mehrere jetzt eingezogene Klöster. Das Ganze bildet ein ungeheures, unregelmäßiges, länglichtes Viereck, das sich von Norden nach Süden ausdehnt und aus zwei Haupttheilen besteht, nämlich der eigentlichen Stadt und den acht Vorstädten, die wenigstens doppelt so groß sind; den Umfang des Ganzen schätzt man auf nahe an 3000 Toisen. Die Stadt selbst ist schmutzig, und stellt ein Labyrinth von engen, sich in unzähligen Richtungen durchkreuzenden Straßen dar; die Häuser sind zwar von Stein, aber klein und unbequem; regelmässiger, schöner, lustiger und sogleich gesünder sind die Vorstädte, vorzüglich die von Crucimele und Richelieu.

Uebrigens hat die Stadt wenig Merkwürdiges aus den neueren Zeiten, die öffentlichen Gebäude, außer dem Rathhause, merkwürdig wegen seiner Uhr, und der Domkirche, sind unbedeutend, und die großen Plätze sind unregelmäßig. Ihre vorzüglichsten Merkwürdigkeiten sind die trefflichen römischen Alterthümer, die sich hier noch vorfinden, z. B. die Tourmagne, ein uralter Wartthurm auf einer Anhöhe, an deren Fuße sich die sogenannte Fontäne von Nimes befindet, mit einem prächtigen Spazierplatze, wo man römische Bäder gefunden und wieder erneuert hat; hier ist auch der Dianentempel oder das Pantheon. Eine vierfache Allee, der Cours führt dahin. Das sogenannte viereckte Haus, ein alter Tempel; das prachtvolle Amphitheater u. s. w.

Es ist hier ferner ein großes Hospital, ein Krankenhospital; eine Anstalt für Hausarme; ein Lyceum mit einer öffentliche Bibliothek, eine Academie; eine medicinische Gesellschaft, eine Hebammenschule; eine Ackerbau-Gesellschaft, zwei Schauspielhäuser u. s. w.

Sehr wichtig sind die hiesige Fabriken, besonders die Seidenmanufacturen; man zählt nämlich 120 Bandmacher, 4000 Strumpfwirker, 2300 Strumpfnäherinnen und Strumpfstrickerinnen, 3000 Taffet- und Büratfabrikanten, 1000 Floretseidenstreicher, 160 Färber; außerdem sind noch über 2000 Personen meist weiblichen Geschlechts, mit dem Abwinden der Seidencocons, und mit dem Spinnen, Haspeln, Zwirnen der Seide u. s. w. beschäftigt. Ferner sind hier 60 Tuchscheerer und Tuchbereiter, einige 30 Weber und Spitzenklöpplerinnen, 950 Gärtner und Gartenarbeiter, einige 40 Gärber u. s. w. Es sind hier ferner 3 große Zitfabriken, 50 bis 60 Baumwollespinnereien, 20 Branntweinbrennereien u. s. w.

Der Handel ist sehr lebhaft; die Hauptartikel desselben sind Seide und Seidenwaaren.

Außer den oberen Gewalten und Gerichtshöfen des Departements, ist hier auch ein Handelsgericht.

2) Beaucaire, hübsche, angenehm gelegene Stadt mit 8500 Einwohnern am rechten Ufer des Rhone, gegen Tarascon über; sie ist wegen ihrer großen Messe berühmt.

3) Aiguesmortes, kleine befestigte Stadt mit 2800 Einwohnern, an einem Canale, eine starke Stunde vom Meere.

4) Uzez oder Uzès, sehr alte Stadt mit 6000 Einwohnern, am Auzon, in einer Gebirgsgegend, hat Fabriken und treibt Handel.

5) Alais, sehr alte Stadt mit 8000 Einwohnern, am Gardon und am Fuße der Sevennen, hat wichtige Seidenmanufacturen und andere Fabriken.

6) Levigan, Stadt mit 4000 Seelen, an der Arre, nahe am Berge Eperon in dem Sevennen. Hauptorte von Bezirken.

Quellen und Literatur[]

  • Neueste Länder- und Völkerkunde. ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Zweiter Band. Frankreich. Weimar, im Verlage des geographischen Instituts, 1806. = Neueste Kunde von Frankreich. Nach dessen gegenwärtigem Zustande aus Quellen dargestellt von Theophil Friedrich Ehrmann. Weimar, im Verlage des F. S. privil. Landes-Industrie-Comptoirs. 1806.
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