Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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28. Das Departement des Var hat seinen Namen von dem Flusse Var, der es gegen Osten begränzt, begreift den östlichen Theil von Nieder-Provence, liegt am Mittelmeere, hat einen Flächenraum von 136 Quad. Meilen und eine Volksmenge von nicht mehr als höchstens 270,000 Seelen. Dieses Departement ist in die vier Gemeindebezirke von Draguignan, Toulon, Brignolles und Grasse getheilt, welche zusammen 210 Gemeinden in 32 Kantonen enthalten.


1) Draguignan, Hauptstadt, alte Stadt mit 6300 Einwohnern in einer sehr anmuthigen und fruchtbaren Ebene am Flüßchen Pis, 187 fr. M. von Paris. Es sind hier Fabriken von groben Tuche, Gärbereien und eine Seifensiederei u. s. w.

2) Saint-Tropez, Seestadt mit 3650 Einwohnern am Busen von Grimaud.

3) Fréjus, alte sehr herabgekommene Stadt mit 2350 Einwohnern in einer sumpfigen, ungesunden Gegend am Flüßchen Argens und am Meere.

4) Toulon. *) Hauptort eines Bezirks, wichtige, feste Seestadt, mit 30,000 Einwohnern, an einer Bai, an welchen die Inselchen, die beiden Brüder liegen, am Mittelmeere, 11 fr. M. von Marseille, 197 von Paris. Sie hat eine vortreffliche Lage, ist wohlbefestigt und ein berühmter Kriegshaven; sie war vormals der Sitz eines Bischoffs. Die Stadt ist groß und wird in die Altstadt und Neustadt abgetheilt. In jener ist das schöngebaute Rathhaus und eine schöner Spaziergang.

Die neue Stadt hat einen trefflichen öffentlichen Platz, der zum Paradeplatze dient, und mehrere schöne Gebäude. Der Hospitäler sind hier überhaupt drei. Der Haven ist in den alten und neuen abgetheilt, mit einem schönen Kai und zwei Dämmen (Moles) eingefaßt, ist sehr geräumig und gewährt einen äußerst überraschenden Anblick. Hier sieht man das große See-Arsenal, die Schiffswerften, besonders die große Schiffsdocke von Grognart; die Seilerbahn, die Marineschulen, die Gewehrfabrik, die Seemagazine, den Artillerie-Park, die verschiedenen Werkstätte und Arbeitshäuser, die Schmieden, die Segelfabrik, die Stückgießerei, die Wohnung der Galeerensklaven, oder den Galeerenhof, die Bäckerei u. s. w. Jeder von beiden Häven hat einen engen Eingang und wird von starken Batterien beschützt; vor dem Haven lieht die vortreffliche Rheede und an und bei derselben mehrere Forts und Kastelle, als das Fort la Malgue, das Fort St. Louis, der große Thurm, das Fort Aiguillette u. s. w., so daß die Stadt von der Seeseite her nicht angegriffen werden kann.

Die Engländer bemächtigten sich derselben im J. 1793 durch Verrätherei, wurden aber bald wieder daraus vertreiben.

Es sind hier mehrere Fabriken; auch wird außer der Fischerei und dem Küstenhandel in Friedenszeiten ein beträchtlicher Handel nach der Levante und nach Amerika getrieben.

Diese Stadt ist jetzt der Sitz eines Unterpräfekts, eines Civil- und eines Handelsgerichts, eines Seepräfekts, eines Gesundheitsraths, eines Lyceums, einer Seeakademie, eines Seehospitals, eines Lazareths u. s. w.

Die Gegend um die Stadt her, ist sehr schön und fruchtbar.

5) Hyeres, Seestadt mit 7000 Einwohnern, 3⅔ fr. Meilen von Toulon, am Abhange eines Hügels, 5/4 Stunden vom Meere, in einer ungemein reizenden Gegend, unter einem herrlichen Himmelsstriche.

Die Hyerischen Inseln, welche in einem herrlichen Becken, das eine gute Rheede bildet, etwas 4½ französische Meilen von Hyeres liegen, sind wegen ihres schönen Klima's und ihrer Fruchtbarkeit berühmt. Es sind ihrer viere, nämlich Porquerolles, Porteros, Titan oder Levant, und Bagneau.

6) Brignolles, ziemlich große, offene und sehr gewerbsame Stadt mit 9000 Einwohnern , in einer angenehmen Gegend, zwischen Bergen.

7) Grasse, ansehnliche Stadt mit 12,000 Einw. am Abhange eines Hügels an den Seealpen, hat viele Fabriken und treibt beträchtlichen Handel

Hauptorte von Bezirken.

8) Antibes, alte, feste Seestadt mit 4100 Einwohnern am Meere, 4½ fr. M. von Grasse; sie hat einen befestigten Haven und treibt Handel.

9) Cannes, angenehm gelegene Seestadt mit 2700 Einwohnern, im Hintergrunde eines Meerbusens.

Die Lerinischen Inseln gegen Antibes über, sind klein, von geringer Bedeutung, auch wenig bewohnt. Die vorzüglichsten dieser Inselchen sind: St. Marguerite, St. Honorat, die Inselchen Formigue und Grenille.


Quellen und Literatur.[]

  • Neueste Länder- und Völkerkunde. ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Zweiter Band. Frankreich. Weimar, im Verlage des geographischen Instituts, 1806. = Neueste Kunde von Frankreich. Nach dessen gegenwärtigem Zustande aus Quellen dargestellt von Theophil Friedrich Ehrmann. Weimar, im Verlage des F. S. privil. Landes-Industrie-Comptoirs. 1806.
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