Rochambeau.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Rochambeau, Sohn des Vorhergehenden, diente als Feldmarschall im Feldzuge von 1792 unter Biron. Er benahm sich tapfer und einsichtsvoll bey dem Rückzuge, welchen die französische Armee den 16. April nach einem Angriffe auf Mons machen mußte. 1793 ging er nach Amerika und vertheidigte zu Anfange des Jahrs 1794 Martinique gegen die Engländer. Nachdem er daselbst noch im Jahr 1795 gedient hatte, kam er nach Frankreich zurück und wurde zu Anfange des Jahrs 1796 zum Generalgouverneur von St. Domingo ernannt. Er traf daselbst den 11. May ein und hatte unter seinen Befehlen den Generalen Lavaux für den nördlichen, Toussaint Louvertüre für den westlichen und Rigand für den südlichen Theil der Insel. Außerdem war er von den 4 Kommissären Sonthonax, Leblanc, Giraud und Raimond begleitet, hatte aber nur 400 Mann waffenfähiger Truppen, bestehend aus 250 Kanonieren und 150 Unteroffizieren, die die Regimenter des Schwarzen und Mulatten bilden sollten, Er fand den Norden der Insel durch heftige Unruhen bewegt; die schöne Capstadt hielt nicht mehr als 200 Weiße in ihren Mauern, die nach der Feuersbrunst von 1793 zurückgekehrt waren, und etwa 12 wiederaufgebaute Häuser. Die englischen Truppen, auf allen Punkten zusammen, beliefen sich, die Farbigen mit eingerechnet, auf 20,000 Mann. Rochambeau, der ohnedem aller Hülfsmittel entblößt war, sah sich noch überdieß im Widerspruch mit seinen Divisionsgeneralen und mit den Zivilkommissären, die mit einer heftigen Proklamation gegen alle Seemächte, neutrale sowohl als feindliche, auftraten. Endlich setzten ihn Sonthonax und seine Kollegen, da sie sahen, daß er ihre Plane nicht theilen wollte, ab, und schickten ihn, als Gefangenen, nach Europa zurück. Er kam zu Anfange des Septembers 1796 zu Bordeaux an, wurde auf das Schloß Ham gesetzt und mußte die Befehle des Direktoriums abwarten, das ihm den 26. September seiner Freyheit wieder gab und nach Paris lud, wo er sich rechtfertigte. 1802 wurde Rochambeau abermals in der Expedition gegen Domingo angestellt und trug viel zu den Fortschritten des General Leclerc, namentlich bey der Einnahme von Fort-Louis, bey. Er zog hierauf in die Schlangentiefe (la Ravine à couleuvre,) wo Toussaint Louvertüre mehr als 3000 Mann versammelt hatte und sich mit diesen zu vertheidigen dachte; Rochambeau griff ihn aber mit solchem Ungestümm an, daß er ihn, nach einem Verlust von 800 Mann auf dem Schlachtfelde, zu einem ordnungslosen Rückzuge nöthigte. Hierauf nahm er durch einen nicht weniger kräftigen Angriff Port au Prince und sodann Fort-Dauphin. Bey dem Angriffe dieses letztern ließ er seine Truppen mit so vieler Vorsicht ans Land steigen, daß die Schwarzen, unversehens überfallen und auf allen Punkten verfolgt, ihre ganze Artillerie, alle Kanonen von Fort St. Joseph in Stiche ließen, und die Stadt räumten, ohne selbst Zeit zu haben, dieselbe in Brand zu stecken. Nach dem Tode des Generals Leclerc erhielt Rochambeau das Oberkommando der Expedition; und da er mit einer erschöpften Armee, die keinen neuen Zuschuß erhielt, unmöglich die Oberhand gewinnen konnte, überließ er endlich im Jahre 1803 die Insel der Armee Dessalines. Auf seiner Fahrt fiel er den Engländern in die Hände, wurde im Februar 1804 nach England gebracht und ward der Gegenstand schwerer Denunziationen wegen seines Verfahrens auf Domingo. Es war selbst die Rede, daß er zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden sollte, welches jedoch nicht erfolgte. Seit seiner Rückkehr nach Frankreich ist er ausser Thätigkeit geblieben.


Divisions-General Rochambeau.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Der Sohn des berühmten Marschalls Grafen von Rochambeau, dessen Nahmen in den Annalen des Krieges durch den Sturm auf Mahon 1756, durch die Schlachten bey Crevelt, bey Minden, bey Corbach, Klosterkamp 1760; bey Vellinghausen 1762; durch manche glänzende Waffenthat im Amerikanischen Freyheitskriege xc. ; hellflammend strahlt, und der zurück gesetzt im Sturme der Französischen Revolution 1794 starb.


Marie Joseph Donat von Vimeur von Rochambeau, der gegenwärtige Divisions-General, ist zu Rochambeau im Departement der Loire und Cher im Aprill 1755 geboren; sein berühmter Vater ließ ihm die beste Erziehung geben; dem Berufe seines Vaters folgend, trat er früh in Militär-Dienste, und zwar zur Infanterie, ein. Im Jahre 1785 war er bereits Commandant des Regiments Royal-Auvergne. Im Jahre 1792 wurde er zum General befördert, und bey der Nord-Armee angestellt, wo er im Monathe März 1793 das Patent als Divisions-General erhielt.

Er blieb nur einige Monathe in dieser Anstellung bey der Nord-Armee, während welcher Zeit er sich besonders bey dem Rückzuge der Französischen Armee nach dem mißlungenen Angriffe auf Mons auszeichnete. Gegen Ende des Jahres 1793 wurde er zum provisorischen General-Gouverneur der Inseln unter dem Winde (îles sous le vent) ernannt, die, vom Freyheitstaumel ergriffen, im vollen Aufstande waren. Die Instruction, welche ihm mit gegeben wurde, enthielt, alles Mögliche anzuwenden, um Frankreich die Colonien zu erhalten, die Engländer aus denselben zu verjagen, und die Anführer zu bestrafen. Er leistete diesem Auftrage Genüge, und zeichnete sich glänzend bey der Vertheidigung von Martinique gegen die Engländer aus. Gegen Ende des Jahres 1795 kehrte er nach Frankreich zurück, um Rechenschaft über seine Handlungen abzulegen.

Im Eingange des Jahres 1796 wurde er zum General-Gouverneur von St. Domingo ernannt, wo er am 11. May eintraf. Er wurde von den vier Commissären, Sontonax, Leblanc, Giraud und Paimond, begleitet, und hatte die drey Divisions-Generale, Lavaux, Toussaint Louverture und Rigaud, unter seinen Befehlen; die disponibeln Truppen, die man ihm beygab, bestanden aus 250 Kanonieren und 150 Unter-Officieren, als Skelett zur Bildung der Regimenter der Schwarzen und Mulatten, während dessen die Gesammtzahl der Englischen Truppen, die Farbigen mit eingerechnet, sich auf 20,000 Mann belief. Er übertrug an General Lavaux das Commando für den Nördlichen, an Toussaint Louverture für den westlichen, und an Rigaud für den südlichen Theil der Insel. Diese drey Commandanten waren nicht allein uneinig unter sich selbst, sondern auch noch im stäten Widerspruche mit Rochambeau, der, entblößt von allen Hülfsmitteln, ohne dieß schon unwillig genug über seine Lage war. Die vier Commissäre glaubten, eine heftige Proclamation gegen alle Seemächte, so wohl neutrale als feindliche, würde mit dem schönsten Erfolge für den beabsichtigten Zweck gekrönet werden. Rochambeau widersetzte sich dieser Idee. Die Proclamation wurde erlassen, und da er in keinerley Hinsicht die Plane der Commissäre theilen wollte, so wurde er auf Santonax Antrag und der Uebrigen Beystimmung arretirt, und von ihnen als Gefangener nach Europa zurück geschickt.

Bey seiner Ankunft zu Bordeaux wurde er ins Gefängniß geworfen, erhielt aber bald vom Vollziehungsrathe die Freyheit, und den Befehl, nach Paris zu kommen. Er vertheidigte sich, blieb aber abgesetzt und ohne Anstellung. Erst in Februar 1800 ertheilte ihm die Consular-Regierung den gehabten Grad eines Divisions-Generals wieder, und schickte ihn in dieser Eigenschaft zur Italiänischen Armee unter Massena's Commando, wo er dem Corps des General-Lieutenants Suchet untergeordnet wurde. Er zeichnete sich bey der Vertheidigung des Brückenkopfes an der Var, so wie bey Vienne und Simiers, rühmlichst aus. Im Jahre 1801 trat er unter Brune's Commando über, focht auszeichnend bey Roveredo, Bassano und Castel-Franco, und trug wesentlich zu den Siegen bey, die den Waffenstillstand von Treviso bewirkten.

Im Jahre 1802 ging Rochambeau zum zweyten Mahle, dieses Mahl jedoch nur als Divisions-General unter Leclerc's Commando, nach St. Domingo ab.

Er bestieg eines jener Schiffe, welche die Landungstruppen zur Eroberung von Fort-Louis (Fort de la Liberté) führten. Die Ausschiffung von den Truppen fand am 6. Februar (15. Pluviose) früh um 7 Uhr Statt. Die Neger wollten sich der Landung widersetzten, sie wurden aber zerstreut, und das Fort mit den übrigen Verschanzungen ward stürmend genommen. Rochambeau wurde vom General Leclerc, seines tapferen Benehmens bey diesem Angriffe wegen, als einer der ausgezeichnetsten Generale in dessen Rapport angerühmt. Er schlug hierauf den sich ihm auf dem Abhange der Schlangentiefe (Ravin à Couleuvre) mit 3000 Mann entgegen stämmenden, nun die feindliche Partey befehligenden, Toussaint Louverture, tödtete ihm 800 Mann, und warf ihn zurück. Eben so glänzend zeichnete er sich bey dem Angriffe auf Port-au-Prince und Fort-Dauphin aus.

Die Colonie von St. Domingo befand sich somit in Französischen Händen. General Leclerc suchte nun die Wunden zu heilen, die ein verheerender Krieg diesem unglücklichen Lande geschlagen hatte; als mit einem Mahle der Pesthauch des gelben Fiebers neuen Jammer über Domingo brachte. Leclerc ward das Opfer desselben, und mit ihm ein großer Theil der Französischen Truppen. Rochambeau übernahm nun an Leclerc's Stelle als ältester Divisions-General das Ober-Commando der Colonie, in welchem er auch förmlich durch einen Beschluß der Consular-Regierung im Januar 1803 bestätiget wurde.

Doch konnte er sich nicht lange auf diesem Posten erhalten! - Das gelbe Fieber hatte die Französische Armee auf ein Drittel reducirt; die Engländer blokirten neuerdings Domingo; die Neger griffen zu den Waffen, Dessalines trat als ihr Chef mit der Fahne des Aufruhres an ihre Spitze, und die Franzosen waren zu schwach, um gegen die wüthenden Neger im freyen Felde halten zu können. Sie mußten sich daher in die Städte und Forts werfen, um nur einiger Maßen von ihren Feinden gedeckt zu seyn. Rochambeau befand sich daher mit seinem Commando in der fatalsten Lage, die einen Feldherrn treffen kann; es erübrigte ihm, nach dem Vorhergesagten, nichts, als mit Dessalines zu capituliren, und ihm die Insel zu überlassen. Er schloß diese Capitulation, und schiffte sich mit dem Reste seiner Truppen nach Europa ein, hatte aber auf der Fahrt das Unglück, den Engländern in die Hände zu fallen, die ihn im Februar 1804 nach England brachten, und ihm, sonderbar genug, wegen seines Verfahrens auf Domingo den Prozeß machen wollten. Sie ließen es aber bey der Drohung bewenden. Erst im Jahre 1809 kam er in sein Vaterland zurück, blieb einige Zeit außer Thätigkeit, wurde aber in dem Kriege gegen Rußland 1812 bey der großen Armee wieder als Divisions-General angestellt, und commandirt gegenwärtig eine Division, die im Januar 1813 aus Frankreich über den Rhein ging, und die Richtung nach Hanau nahm.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[3]

Frankreich.

Nach einem im Publiciste ausgezogenen Schreiben eines Französ. Kriegsgefangenen in England hat General Rochambeau, der vermöge seiner 1803 zu Cap Francais geschlossenen Capitulation, gleich damahls mit seinen Truppen in Frankreich gelandet werden sollte, der aber bisher in England zurückgehalten wurde, nunmehr Erlaubniß erhalten, auf sein Ehrenwort nach Frankreich zurückzukehren. Er verdankt dies der Verwendung seines Vaters, des Marschalls Rochambeau, welcher diese Begünstigung von der Englischen Regierung, als Vergeltung des großmüthigen Betragens, welches er 1781 nach der Capitulation von Yorktown gegen Lord Cornwallis beobachtet hatte, begehrte.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. A.F. Rittgräff. Die Helden des Tages, oder biographische Notizen über die hervorstechendsten Personen der gegenwärtigen Zeitverhältnisse. Berlin 1813.
  3. Wiener Zeitung. Nro. 65. Mittewoche, den 13. August 1806.
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