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PanoramaDreifaltigkeitskircheNMW


Von Reisende.Bearbeiten

Friedrich Schulz. [1]

[1793]

Dem Wohlstande gemäß und um der Majestät der herrschenden Kirche nicht zu nahe zu treten, habe ich die Gotteshäuser der beyden protestantischen Bekenntnisse, hier Dissidenten genannt, die sie, mit Ausschluß der Glocken, auf ihrem Boden duldet, unter der Reihe der rechtgläubigen Kirchen oben nicht genannt; ich thue es also hier besonders, nicht bloß der Vollständigkeit wegen, sondern weil die lutherische Kirche in Absicht ihrer Bauart und die reformirte in Absicht ihrer auffallenden Kleinheit es wohl verdienen.

Die lutherische Kirche *) ist erst seit wenigen Jahren vollendet. Sie verdankt ihren Aufbau den Beyträgen der hiesigen lutherischen Gemeinde, und anderer in Pohlen und Europa, und den Geschenken einzelner protestantischen Kapitalisten in Warschau. Auch der König und einige Große haben zum Theil ansehnliche Beysteuern dazu gegeben.

*) Vergl. Berl. Monatstsschr. Juny 1792. S. 568.

Ihre Anlage fiel einem Baukünstler, Namens Zug, in die Hände, der schon als ein guter Meister bekannt war, und durch ihre Erbauung sich den Ruf eines vortreflichen erwarb. Ihre Form ist rund, und diese ist mit einer so großen Leichtigkeit ausgeführt, daß die Rotonde in Berlin und die Frauenkirche in Dresden als ziemlich schwerfällig dagegen erscheinen. Das Innere ist ungemein heiter und ohne alle unnütze Verzierung. Die Emporkirchen ruhen auf Säulen von guten Verhältnissen. Unten sind die Stühle amphitheatralisch angebracht, so daß sie drey Theile des Cirkels einnehmen und an beyden Seiten da aufhören, wo der Alter den vierten Theil ausfüllt. Ueber diesem befindet sich die Kanzel und über dieser die Orgel. Diese drey Stücke sind die einzigen in der Kirche, die eine mäßige Verzierung an Gold und Farben haben. Die Wände sind weiß, die Stühle grau. In den Nischen, oberhalb dem Amphitheater der Sitze, sind drey oder vier besondere Betstübchen für -- Vornehmere (in der Kirche!) angebracht; sonst sitzt der Rest der Gemeine jedes Standes und Alters unter einander gemischt, in den untern Stühlen. Zum Lobe des Baumeisters darf ich nicht vergessen, den Umstand anzuführen, daß einige alte, strenge Christen, als die Kirche fertig war, sie tadelten, mürrisch den Kopf schüttelten und meynten: das sey ein Theater, aber keine Kirche.


Quellen.Bearbeiten

  1. Reise eines Liefländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau, Dresden, Karlsbad, Bayreuth, Nürnberg, Regensburg, München, Salzburg, Linz, Wien und Klagenfurt, nach Botzen in Tyrol. Berlin, 1795. bei Friedrich Vieweg dem ältern.
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