FANDOM


Nachrichten von der großen Armee.

Drey und zwanzigstes Bulletin.Bearbeiten


Moscau, den 9ten Oct. [1]

Die vom Könige von Neapel commandirte Avantgarde steht an der Nava, 20 Stunden von Moscau. Die feindliche Armee steht bey Kaluga. Es fallen täglich Scharmüzel vor. Der Vortheil war in jedem derselben auf Seiten des Königs von Neapel, welcher den Feind jederzeit aus seinen Positionen vertrieb.

Die Cosaken schwärmen auf unsern Flanken umher. Eine Patrouille von 150 Dragonern von der Garde, vom Major Marthod commandirt, fiel auf dem Wege von Moscau nach Kaluga in einen Hinterhalt von Cosaken. Die Dragoner säbelten deren 300 nieder und machten sich Luft, verloren aber 20 Mann, die auf dem Schlachtfelde blieben und gefangen wurden, worunter auch der schwer verwundete Major.

Der Herzog von Elchingen ist zu Bogorodok. Die Avantgarde des Vicekönigs ist zu Troitza auf die Straße nach Dmitrow.

Die Fahnen, welche die Russen in verschiedenen Treffen den Türken abgenommen haben, und mehrere im Kreml gefundene kostbare Sachen sind nach Paris abgeführt worden. Auch eine reich mit Diamanten verzierte Madonna hat man gefunden und nach Paris geschickt.

Wie es scheint, ist Rostopschin wahnsinnig. Zu Woronowo hat er Feuer an sein Schloß gelegt und folgende Schrift an einen Pfahl hinterlassen:

Ich habe dieses Landhaus binnen 8 Jahren verschönert und im Schoose meiner Familie glücklich darin gelebt. Die Bewohner dieses Landguts, 1700 an der Zahl, verlassen dasselbe bey Eurer Annäherung (sie sind schon wieder zurück), und was mir betrifft, so lege ich Feuer an mein Haus, damit Eure Gegenwart es nicht verunreinige. Franzosen, ich habe Euch meine beyden Häuser zu Moscau mit meinem, eine halbe Million Rubel betragenden Mobiliarvermögen hinterlassen, hier aber findet Ihr nichts, als einen Aschenhaufen.
(Unterz.) Fedor Rostopschin, Woronowo.


In der That hat er auch Feuer an sein Landhaus gelegt, indeß ist Niemand seinem Beyspiele gefolgt. Alle Häuser in der Gegend von Moscau sind unverletzt geblieben.

Der Palast des Fürsten Kurakin ist einer von denjenigen, die man vor dem Feuer schützen vermocht hat. Der General Graf Nansouty bewohnt ihn. Nach vieler Mühe ist es auch gelungen, aus den Hospitälern und in Brand gesteckten Häusern einen Theil der russischen Kranken zu retten; es bleiben nun noch ungefähr 4000 dieser unglücklichen übrig. Die Anzahl derer, welche im Brande umgekommen sind, ist ungemein beträchtlich.

Seit 8 Tagen scheint die Sonne, und es ist wärmer als zu Paris in dieser Jahreszeit. Man merkt nicht, daß man im Norden ist.

Der Herzog von Reggio, welcher zu Wilna sich befindet, ist vollkommen wieder hergestellt. Der Obergeneral Bagration ist an den Wunden, die er in der Schlacht an der Moscau erhalten hatte, gestorben.

Der Brand von Moscau wird von der russischen Armee gemißbilligt. Die Urheber dieser Greuelthat sind ein Abscheu der Russen. Sie betrachten Rostopschin als ein Geschöpf gleich Marat. Er mag sich in Gesellschaft des Engländers Wilson trösten.

Der Generalstab wird die Details des Treffens von Smolensk und der Schlacht an der Moscau drucken lassen, und diejenigen bekannt machen, die sich ausgezeichnet haben.

Der Kreml ist mit 30 Stück Geschütz besetzt worden, und bey allen Eingängen sind Verschanzungen aufgeworfen. Er bildet so eine Festung. Die Backöfen und Magazine sind darin angebracht worden.

[>>>]


Einzelnachweise. Bearbeiten

  1. Leipziger Zeitung Nr. 219. Sonnabends den 7. November 1812.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.