Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Dreyzehntes Bülletin der kaiserl. königl. Französischen Armee.[]

Ebersdorf, den 28. May 1809.

In der Nacht vom 26. auf den 27. wurden unsere Brücken über die Donau durch das Wasser und durch abgebrochene Mühlen neuerdings fortgetrieben, und man hatte noch nicht Zeit gehabt, das Pfahlwerk zu endigen, und die grosse eiserne Kette zu befestigen. Heute ist eine der Brücken wieder hergestellt; man hofft, die andere werde es morgen seyn. Der Kaiser ging gestern auf das linke Ufer, um die Verschanzungen, welche man auf der Insel in der Lobau angelegt, zu besichtigen, und um mehrere Regimenter vom Korps des Herzogs von Rivoli in der Stellung in dieser Art von Brückenkopf zu sehen.

Am 27. mittags brachte der Kap. Bataille, Adj. des Prinzen Vicekönigs, die angenehme Nachricht von der Ankunft der Armee von Italien zu Bruck. General Lauriston ging ihr entgegen, und die Vereinigung fand auf dem Semering Statt. Ein Jäger vom 9. Regiment, welcher vor einer Rekognoszirungs-Patrouille der Armee von Italien herlief, traf einen Jäger von einem Peloton des 20. Regiments, welches vom General Lauriston abgeschickt war. Nachdem sie sich eine Zeitlang genau beobachtet hatten, erkannten sie sich als Franzosen, und umarmten sich. Der Jäger vom 20. Regiment marschirte nach Bruck, um sich zum Vicekönig zu begeben, und der vom 9. nahm seinen Weg zum General Lauriston, um ihn von der Annäherung der Armee von Italien zu benachrichtigen; mehr als 12 Tage lang hatten die beyden Armeen keine Nachrichten von einander.

Am 27. Abends war der General Lauriston zu Bruck im Hauptquartier des Vicekönigs. Der Vicekönig bewies während des ganzen Feldzuges eine Kaltblütigkeit und einen Ueberblick, welche einen grossen Feldherrn prophezeyen. In dem Berichte der Thaten, welche die Armee von Italien während den letzten 20 Tagen verherrlichten, bemerkte Se. Maj. mit Vergnügen die Vernichtung des Jellachischen Korps. Es ist der nämliche General, der an die Tyroler jene übermüthige Proklamazion ergehen ließ, die ihre Wuth entzündete, und ihre Dolche schliff; verfolgt von dem Herzog von Danzig, bedroht durch den Brigade-General Dupellin, welchen der Herzog von Auerstädt über Mariazell hatte vorbrechen lassen, fiel er in eine Schlinge vor der Armee von Italien.

Der Erzherzog Johann, welcher noch vor Kurzem im Uebermaaß seines Dünkels sich durch sein Schreiben an den Herzog von Ragusa erniedrigte, hat gestern am 27. Grätz geräumt; kaum nahm er noch 20 bis 25,000 Mann von jener schönen Armee mit sich, welche in Italien eingerückt war. Der Stolz, die Schmähungen, die Aufforderungen zum Aufruhr, alle seine Handlungen, die den Charakter der Raserey sich trugen, schlugen zu seiner Schande aus. Die Völker Italiens betrugen sich so, wie die Völker von Elsaß, der Normandie oder der Dauphiné gethan haben würden; sie begleiteten unsere Soldaten bey ihrem Rückzuge mit ihren Wünschen und Thränen; sie führten die verlaufenen Soldaten auf abgelegenen Wegen und bis auf 5 Tagemärsche zu der Armee zurück. Wenn einige gefangene oder verwundete Franzosen oder Italiener durch die Städte und Dörfer vom Feinde geführt wurden, so leisteten ihnen die Einwohner Hilfe, und suchten während der Nacht sie zu verkleiden und zu retten. Die Proklamazionen und Reden des Erzherzogs Johann flößten nur Verachtung ein, und man würde Mühe haben, die Freude der Völker der Piave, des Tagliamento und Friauls darzustellen, als sie die Armee des Feindes in Unordnung fliehen, und die Armee des Souveräns und des Vaterlandes siegreich zurückkehren sahen. Bey Untersuchung der Papiere des Intendanten der Oesterreichischen Armee, welche zugleich Chef der Regierung und der Polizey war, und der zu Padua mit 4 Wagen gefangen wurde, entdeckte man die Beweise der Liebe der Völker Italiens für den Kaiser. Jedermann hatte die angebotenen Stellen ausgeschlagen, Niemand wollte Oesterreich dienen, und unter 7,000,000 Menschen, woraus die Bevölkerung Italiens besteht, fand der Feind nur 3, die der Verführung nachgaben. Die Italienischen Regimenter, welche sich in Polen auszeichneten, und in Catalonien an Unerschrockenheit mit den ältesten Französischen Truppen wetteiferten, bedeckten sich in allen Gefechten mit Ruhm. Mit grossen Schritten eilen die Völker Italiens dem letzten Ziel einer glücklichen Veränderung entgegen. Dieser schöne Theil des Kontinents, an welchen sich so grosse und herrliche Erinnerungen knüpfen, welchen der Hof zu Rom, eine Wolke von Mönchen, und innere Spaltungen zu Grunde gerichtet hatten, erscheint wieder mit Ehre auf dem Schauplatze von Europa.

Alle von der Oesterreichischen Armee einlaufenden Nachrichten bestätigen, daß ihr Verlust in den Tagen vom 21. und 22. ungeheuer war. Der Kern der Armee ist vernichtet. Nach Aussage der Wiener Schönen hat der General Danube (Donau) die Oesterreichische Armee gerettet. Krain, Steyermark und Kärnten, das Salzburgische Land, Ober- und Unterösterreich sind ruhig und entwaffnet.

Triest, diese Stadt, wo die Franzosen und Italiener so viele Beleidigungen erfuhren, ist besetzt worden. Die Englischen Kolonial-Waaren wurden konfiszirt. Ein Umstand bey der Einnahme von Triest ist dem Kaiser besonders angenehm gewesen. Dies war die Befreyung der Russischen Eskadre. Sie hatte Befehl erhalten nach Ankona abzusegeln, aber von den Winden zurückgehalten, war sie in der Gewalt der Oesterreicher geblieben. Die Vereinigung der Armee von Dalmazien ist nahe. Der Herzog von Ragusa hat sich sogleich in Marsch gesetzt, da er erfuhr, daß die Armee von Italien am Isonzo stehe. Man hofft, er werde vor dem 5. Juny zu Laybach seyn. Der Räuber Schill, der sich, und das mit Recht, den Titel General in Englischen Diensten gab, ist, nachdem er den Namen des Königs von Preussen eben so prostituirt hatte, wie die Satelliten Englands den Namen Ferdinands zu Sevilla prostituiten, verfolgt worden. Der König von Westphalen hatte, ausser 15,000 seiner eigenen Truppen, eine Division Holländer und eine Division Franzosen. Der Herzog von Valmy hat schon zu Hanau 2 Divisionen des Observazions-Korps unter den Befehlen der Generale Rivaud und Despeaux vereinigt, die aus den Brigaden Lameth, Clement, Taupin und Vaufreland bestehen. Die Beruhigung in Schwaben macht das Obeservazions-Korps in Schwaben, das zu Augsburg steht, und wobey sich mehr als 3000 Dragoner befinden, zu einer weitern Bestimmung fähig.


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Quellen und Literatur.[]

  • Wiener-Zeitung. Verlegt von den v. Ghelenschen Erben. Nro. 58. (1809)
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