Begebenheiten in Dresden, vom 13ten bis 27sten März 1813.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Nachricht von den schrecklichen Drangsalen, welche den Rückzug der französischen Armee aus Rußland begleiteten, machte uns mit Recht für das Schicksal unsrer braven Landsleute besorgt, welche diesen unbeschreiblich mörderischen Feldzug mitgemacht hatten. Dreisigtausend Sachsen waren mit Napoleon ausgezogen; mehr wie 20,000 waren gefallen, oder dem Feinde in die Hände gerathen. Die traurigen Ueberreste dieses schönen Heeres näherten sich jetzt, von den siegreichen Russen verfolgt, unsern Thoren und kamen den 9ten März, unter Anführung des franz. Generals Reynier, mit der Division Durutte hier an, und machten Anstalt die Stadt und vorzüglich den Uebergang über die hiesige Elbbrücke zu vertheidigen. Der König nebst der Königl. Familie war schon früher (den 25. Febr.) nach Plauen im Voigtlande abgegangen und hatte die gemessensten Befehle hinterlassen, die Schonung der Residenz zu beachten; doch ließen die Anstalten des französischen Generals leider das Gegentheil fürchten. Man fing an das Pflaster der Elbbrücke beim 4ten Pfeiler aufzureißen und Anstalten zur Sprengung der Brücke zu machen. Die Schwäche des Reynierschen, aus kaum 3500 Mann bestehenden Corps, ließ durchaus den Gedanken an eine ernstliche Vertheidigung der Brücke, gegen eine siegreiche weit überlegene Armee nicht aufkommen; durch die Zerstörung der schönsten Brücke Europas konnten die Russen höchstens einige Stunden aufgehalten und vielleicht veranlaßt werden, die Stadt feindlich zu behandeln, kurz es konnten die allertraurigsten Folgen, ja der gänzliche Ruin Dresdens durch übereilte und zweckwidrige Maaßregeln herbeigeführt werden, und dieser lebhafte Gedanke, welcher vorzüglich die niedere Klasse der Einwohner durchdrang, veranlaßte einen Auflauf, wobei mehrere französische Offiziers und Gemeine gemißhandelt und das auf der Brücke gemachte Loch wieder zugeworfen wurde. Hierauf begab sich der Pöbel vor das Quartier des General Reynier im Brühlschen Palais und ließ seinen gereizten Mißmuth an den Fensterscheiben aus, welche er einwarf und mit Lermen und Toben bis in die Nacht fortfuhr, obgleich zahlreiche Militair-Detaschements von Infanterie und Kavallerie das Brühlsche Palais besetzten. Den Tag darauf wurde ein Mandat gegen den Aufruhr öffentlich angeschlagen uud ohngefähr 12 Personen verhaftet, welche sich bei dem Aufruhr vorzüglich thätig bewiesen hatten. Diese Arretirten wurden zu mehrerer Sicherheit auf den Königstein in Verwahrung gebracht. Die Brücke war den Tag darauf mit mehreren Truppen besetzt und die Arbeiten zur Sprengung in der darauf folgenden Nacht wieder angefangen; das ausgegrabene Loch ward den andern Morgen mit einem starken Kavallerie- und Infanterietrupp von 80 Mann umgeben. Eine gedruckte Ermahnung diente ebenfalls dazu, das Volk zu beruhigen, und es wurden nach diesem ersten Aufwallen weiter keine Bewegungen bemerkt.

Den 13ten März kam der Marschall Davoust mit einer Verstärkung von einigen tausend Mann Infanterie und 8 Kanonen hier an. Der General Reynier trat ihm den Oberbefehl über sämmtliche in und um die Stadt sich befindlichen französischen Truppen ab, behielt aber, wie man sagt, das ausschließliche Kommando über sein, aus den Sachsen und einer französischen Division bestehendes, Corps und verlegte sein Hauptquartier ¼ Stunde vor der Stadt, in den sogenannten Reisewitzischen Garten. Der Marschall Davoust bezog nun das von Reynier verlassene Brühlsche Palais und fing an die militairischen Operationen zu leiten, welche von jetzt an einen weit raschern Gang nahmen. Die Arbeiten zur Sprengung der Brücke wurden Tag und Nacht fortgesetzt, bis jetzt sind bereits 5 Löcher in der Gegend des 4ten Pfeilers von circa 8 - 10 Fuß Tiefe gegraben. Die immer noch hier befindliche Prinzessin Elisabeth soll die Erlaubniß nachgesucht haben, das auf der Brücke befindliche Cruzifix wegnehmen zu lassen, jedoch zur Antwort erhalten haben: es wäre vor der Hand noch nichts zu fürchten, und das Cruzifix könne noch stehen bleiben. Auch verbreitete sich das Gerücht, die Meissner Brücke sei abgebrannt.

Den 14ten. Auch heute sind wieder einige Tausend Mann Pohlen, Franzosen, Neapolitaner und Würzburger nebst einem kleinen Artillerietrain angekommen. Die Arbeiten auf der Brücke werden mit verdoppeltem Eifer betrieben. Einige tausend Franzosen sind den Russen entgegengegangen, doch ist es zu keinem erheblichen Gefecht gekommen. Das Schießen auf den Vorposten dauert fort, auch sind heut mehrere Blessirte eingebracht worden. Der Postenlauf nach Berlin und Schlesien ist gänzlich unterbrochen. Heute Nachmittag nach 4 Uhr ward den Bewohnern der Stadt das schwarze und weiße Thor gesperrt; nur die draussenwohnenden, welche Geschäfte halber sich in der Stadt befanden, durften noch auspassiren.

Die Communication mit denen auf dem rechten Elbufer liegenden Orten ist beinahe gänzlich abgeschnitten, wenigstens sehr schwierig; bald wird vielleicht auch die Communication der Altstadt mit der Neustadt durch Sprengung der Brücke aufgehoben werden. Ein großer Theil der Bewohner der Neustadt haben ihre Wohnungen verlassen, weil ihnen ihr Aufenthalt zu unsicher schien. Noch immer bringt man Meubles und andre Effekten nach der Altstadt in vermeintliche Sicherheit; doch wenn das Gerücht von der Schlagung einer russischen Schiffbrücke in der Gegend von Schandau sich bestätigen sollte, so würden die Russen früher in der Altstadt als in der Neustadt seyn und die Sprengung der Brücke nicht statt finden können.

Den 15ten. Heut wurde dem Publikum folgende gedruckte Bekanntmachung insinuirt, *) doch blieb alles beim Alten. Die Brücke wurde trotz den, mit großem Eifer fortgesetzten Arbeiten an den Minen-Löchern, nicht gesperrt, auch war das weiße sowohl als das schwarze Thor wieder offen. Auch heute kamen einige hundert Mann bayersche und polnische Kavallerie an, als woran es der Garnison bisher vorzüglich fehlte, da außer wenigen sächsischen Lanziers und Husaren seit dem Abmarsch der Kürassiergarde und des Regiments Zastrow Kürassier gar keine Kavallerie hier war. Das Plänkeln auf den Vorposten dauerte fort, und heut Nachmittag ward unter einem großen Zulaufe des Volks ein gefangener und stark blessirter Kosak, der 1ste den wie hier sahen, auf einem Leiterwagen eingebracht. Mehrere Bürger beeiferten sich ihm Geld zu reichen, welches er freundlich annahm und durch Geberden seine Dankbarkeit zu erkennen gab. Man sagt, die Franzosen, welche ihn gefangen nahmen, hätten 50 Louisd'or bei ihn gefunden, aber was sagt man nicht alles, und zumal jetzt? wo man unaufhörlich auf den Wogen unverbürgter, zuweilen ganz unsinniger und einander widersprechender Gerüchte umhergeworfen wird. Mehrere Einwohner machten Anstalten, ihre Häuser durch Balken, Riegel u. s. w. zu verrammeln. -- Ob diese Maaßregeln gut und zweckmäßig ist -- wird die Zukunft lehren. Täglich kommen einzelne Landleute herein, welche übrigens nicht über das Betragen der Russen klagen. Das Abbrennen der Meissner Brücke bestätigt sich. Es befinden sich jetzt 11,000 Mann fremde Truppen hier. Die Sachsen sind in die Vorstadt vor dem Pirnaischen Thore verlegt worden; die Altstadt hat viel Pohlen und Italiener und die Neustadt meistens Franzosen zur Einquartiren bekommen; jedoch bivouakiren täglich mehrere tausend Mann vor der Neustadt, welche ihre Vorposten bis auf 2 Stunden vorpoussirt haben. Die Russen haben die ihrigen zurückgezogen, und stehen, den bekannt gewordenen Nachrichten zufolge, über 3 Stunden von uns.

.*) Bekanntmachung. Alle Communication in die Gegend des rechten Elbufers ist bis auf weitere Ordre aufgehoben, und am wenigsten soll Jemand bis an die Vorposten sich hinaus wagen, um nicht als Feind angesehen zu werden.

Nur wer Geschäfte in Neustadt hat, mag noch dahin passiren.

Uebrigens hat jeder Einwohner auf den ersten Kanonenschuß, der auf der rechten Elbseite fällt, sich sofort nach Hause zu begeben.

Dresden, den 15. März 1813.

Den 16ten. Der heutige Tag brachte uns nichts Neues. Mehrere Privatpersonen erhielten Briefe durch expresse Boten von Wittenberg, Torgau und den umliegenden Gegenden; doch kaum war dieses laut geworden, als der Marschall Davoust durch einen Adjutanten diese Briefe zur Durchsicht abfordern ließ. Der General Reynier ist, wie man vernimmt, nach Leipzig, einige Sagen unmittelbar nach Paris abgereist. Ein ganz leises Gerücht von der nahen Uebergabe Torgaus verbreitet sich im Publikum. Sämmtliche zur Garnison der Stadt gehörige Truppen müssen außer den ziemlich beschwerlichen in Wachten, Bivouaks, Patrouillen xc. bestehenden Garnisondienst, Vor- und Nachmittag exerziren, welches ungemein nöthig zu seyn scheint, da es meistens ganz junge neue Leute, zum Theil wahre Kinder sind. Dieß gilt vorzüglich von den Franzosen, unter denen viel 15 bis 16jährige Conscribirte sind, welche nie eine Flinte losschossen; auch zwei Bataillons ganz neue und wenig exerzirte Sächsische Recruten müssen fleißig exerziren. Die Arbeiten auf der Brücke gehen ihren alten Gang. In Friedrichstadt, in der Gegend des Geheges, wo schon seit 6 Tagen 2 Kanonen stehen, wird geschanzt, wahrscheinlich um eine Batterie dort anzulegen. Die Russen machen keine weitern Bewegungen; jedoch sagt man, sie erwarten 3 Pontonbrücken und viel schweres Geschütz, um sodann den Uebergang über die Elbe an einem andern Punkte einige Meilen von Dresden zu bewerkstelligen. Allein wer verbürgt dieß? -- woher dieß Gerücht? -- vom Markte, von der Brücke, -- von einem Viehhändler u. s. w. -- Kurz täglich bewegen tausend Gerüchte die neugierige Menge, die jedes mit Begierde verschlingt, bis ein neueres das neue, ein neuestes das neuere und endlich der Augenschein alle miteinander für Lügen erklärt und der Leichtgläubigkeit des Publikums spottet, welches jedoch jeden Tag eine neue Empfänglichkeit für Neuigkeiten mitbringt, die dann gewöhnlich nicht besser und glaubwürdiger als die ersten sind.

Der 17te verfloß in einer düstern Spannung. Die Russen hätten sich gänzlich zurückgezogen, heißt es; -- die Arbeiten zur Sprengung der Brücke wurden eifrig fortgesetzt und näherten sich ihrer Vollendung. Die Truppen exerzirten Vor- und Nachmittags, auch ward eine Kavallerierecognoscirung vor dem schwarzen Thore vorgenommen. Das schwarze und weiße Thor waren gesperrt.

Den 18ten. Die Thore blieben gesperrt. Nachmittags bemerkte man eine ungewöhnliche Bewegung unter den Truppen, welche von heute an Fleisch und Brod aus den Magazinen bekamen und nun nicht mehr von den Wirthen verpflegt wurden. Nachmittags um 5 Uhr war Musterung über die in der Neustadt liegenden Truppen. Ein Divisionsgeneral besah sie. Diese Truppen waren sämmtlich in sehr gutem Stande, gut gekleidet, gut genährt und auch gut exercirt. Die Thore blieben fortwährend gesperrt und das Gerücht verkündigte, die Russen arbeiten an einer Schiffbrücke zwischen Meißen und Dresden, auch hätten sie sich unsrer Stadt wieder genähert und einige hundert Mann Infanterie von denen draussen befindlichen Truppen gefangen genommen. Den ganzen Nachmittag wurden die Kranken aus dem Neustadt befindlichen Hospital nach der Altstadt geschafft und die Unruhe unter den fremden Truppen deutete auf etwas, was man den Einwohnern verbarg. Auch hieß es der Kaiser Alexander sei in Sorau eingetroffen, der Kaiser Napoleon würde in Leipzig erwartet und käme sodann hierher. Jedermann legte sich besorgt, in Erwartung der Dinge die da kommen sollten, zu Bette.

Den 19ten wurde es sehr früh schon lebhaft auf den Straßen. Sämmtliche in Neustadt liegenden Truppen, Artillerie, Gepäck u. s. w. defilirten über die Brücke und stellten sich auf dem Markte und in den Straßen auf. Beifolgender Befehl *) wurde ganz früh den Bürgern bekannt gemacht, das Schloßthor und alle Zugänge zur Brücke wurden gesperrt, jedoch wußte man immer noch nicht gewiß was alles dieß zu bedeuten habe. Die Straßen wimmelten trotz den herumreitenden Patrouillen von Leuten; einige wollten Signalschüsse gehört haben, andre nicht, doch behielt am Ende das Gerücht von der Sprengung der Brücke die Oberhand; Jedermann erwartete eine fürchterliche Explosion; der größere Theil der Läden ward zugemacht, und die auf dem alten Markt aufgestellten Truppen fingen gegen 8 Uhr an mit klingendem Spiel zum Willsdruffer Thor hinaus zu defiliren. Plötzlich verbreitete sich die Versicherung von Mund zu Mund, die Brücke sey schon gesprengt; -- und wirklich war es so. Man strömte über den Taschenberg auf den Platz bei der Hauptwacht und der katholischen Kirche, denn das Schloßthor und der Platz zwischen der Brücke und dem Schloß waren besetzt, und überzeugte sich von der Wahrheit des gefürchteten Vorgangs. Der 4te Pfeiler nebst den beyden anliegenden Bogen waren gesprengt und hatten bei ihrem Sturze, den Theil der Elbe, welcher durch diese 2 Bogen floß, dergestalt mit Schutt und Steinen verschüttet, daß man trocknen Fußes von diesseits nach jenseits kommen konnte, wenn man nemlich mit einer Leiter von dem noch stehenden Pfeiler disseits herab und eben so zu dem jenseits befindlichen wieder heraufstieg.SLUB Dresden. -- Niemand als nur die ganz in der Nähe wohnenden hatten etwas von der Explosion gehört, welche nur mit einem dumpfen in sich verhallenden Knall begleitet war. -- Kein Haus, ja keine Fensterscheibe war beschädigt; das Kruzifix vom 5ten Pfeiler war den Abend vorher in der Stille abgenommen worden, auch hatten die nächstliegenden Pfeiler und andern Theile der Brücke gar keinen Schaden erlitten. -- Bald nach der Sprengung fing man an, an einem Aufwurf unmittelbar, am gesprengten Ende, in Altstadt zu arbeiten, wozu die Erde aus dem Zwinger und links dem 1sten Pfeiler weggenommen wurde, -- der Zwinger und der Brühlsche Garten waren mit mehrern Kanonen besetzt, auch blieben noch mehrere französische, und fast alle sächsischen Truppen in der Stadt, (wie man sagt das Reyniersche Corps) die übrigen, bei weitem der größere Theil waren abmarschirt; -- die Communication war jedoch nicht ganz unterbrochen, denn bald sah man einzelne Gondeln in der Gegend des Bades einzelne Leute übersetzen, ob mit oder ohne Erlaubniß des französischen Kommandanten weiß ich nicht; auch waren noch französische Truppen in Neustadt. Das Haupthospital war im Zeughause, und die Sterblichkeit darin ist ungemein. Von den Russen weiß man nichts, auch nicht ob die Franzosen ganz weg sind oder nur in der Nähe eine Position am Ufer der Elbe genommen haben.

.*) Auf Befehl des Herrn Prinzen von Eckmühl wird sämmtlichen Einwohnern zur Nachachtung andurch bekannt gemacht, daß sobald heute morgen drei Kanonenschüsse gehen, jedermann sich schleunigst nach Hause zu begeben, und nicht eher als drei Stunden nach Ablauf dieser Kanonenschüsse seine Wohnung zu verlassen hat.

Dresden, am 19. März 1813.

Bei sämmtlichen Miethbewohnern herum zu geben.

Der Rath zu Dresden.

Den 20ten. Nach dem gestern erfolgten Anmarsche des M. Davoust mit den nach und nach seit dem 15. hier eingerückten Truppen, blieb zur Besatzung das Reyniersche Corps unter dem Gen. Durutte zurück, welcher der Stadt seine Gesinnungen durch beyfolgende Bekanntmachung *) eröfnete. Es war heute ein außerordentlich schöner Tag; eine Menge Dresdner machten von beiden Seiten der Stadt das diesseitige Elbufer zu einer sehr lebhaften Promenade, um das Wesen und Treiben der russischen Vorposten und der Kosacken zu sehen, welche dicht am jenseitigen Ufer hin und her ritten, herüber schrieen und mit ihren langen Piken den Zuschauern winkten. -- Die mit Pallisaden umgebene Neustadt ist noch mit sächsischen und französischen leichten Truppen besetzt, welche denen sich zu sehr nahenden Kosacken dann und wann ein Paas Büchsenschüsse entgegen schickten, worauf sie denn mehrentheils zurück sprengten, jedoch gleich wieder kamen. Im Gehege war eine französische Batterie von 6 Piecen hinter einem Aufwurf aufgefahren, auch standen längs dem diesseitigen Ufer Infanterie und Kavallerie Vorposten, erstere in Löchern worin sie vor feindlichen Schüssen sicher waren. Auch fanden sich viele Officiere zu Fuß und zu Pferde hier ein, welche dicht am Ufer umher gingen und ritten. Ein Franzos, welcher lange einzelne russische Schimpfwörter hinüber gerufen hatte, endete die Unterhaltung, indem er den Kosaken den Hintern zeigte, zu gleicher Zeit richteten einige Officiere ihre langen Fernröhre nach dem jenseitigen Ufer, welche die Russen wahrscheinlich für Flinten ansahen, mit welchen man nach ihren zielte; sie glaubten also zuvorkommend seyn zu müssen und fingen mit ihren kleinen Karabinern an herüber zu schießen und verwundeten trotz der grossen Entfernung, einen Schneidergesellen in die Schulter, welchem man die Kugel, die nicht tief eingedrungen war, sogleich wieder herauszog; einen andern Mann schossen sie durch den Stiefel jedoch auch nicht gefährlich, und das Pferd eines franz. Officirs bekam einen Streifschuß. Es sammelten sich immer mehr Kosaken am Ufer, welche Lust bezeigten, sich auf Unkosten der Gegenüberstehenden um Schießen zu üben, da aber diese sämmtlich in Masse ausrissen, so hatte es ein Ende, eben als die Franzosen mit Kanonen antworten wollten. -- Die in Neustadt hinter den Pallisaden befindlichen Schützen setzten jedoch drüben das Plänkeln fort; 3 von ihnen wagten sich ganz heraus, bis nahe an die Kosacken heran und schossen unaufhörlich, jedoch ohne Erfolg auf sie; plötzlich sprengten 3 Kosacken in Carriere auf sie zu, und waren höchstens noch 15 - 20 Schritt von ihnen entfernt, als sie mit wenigstens 10 Büchsen-Schüssen von den andern auf dem Walle und hinter den Pallisaden stehenden Schützen begrüßt wurden, welches sie den nöthigte wieder umzukehren, ohne daß jedoch einer gefallen wäre. Rechts der Altstadt, dem Linkischen Bade gegenüber, wimmelte es ebenfalls diesseits von Zuschauern und, in Löchern placirten, Schildwachen und jenseits von Kosacken; auch hier fielen einzelne Schüsse jedoch ohne Erfolg; bei Antons war eine ziemliche starke Wacht von leichter Infanterie, auch einige Kavalleristen. Gegen Abend machte der franz. General Durutte eine Recognoscirung längs dem Ufer. Die drüben in Neustadt stehenden Truppen haben einige große Kähne, um sich nöthigenfalls über die Elbe zurückzuziehen.

.*) Publicandum. Auf ausdrücklichen Befehl des dermaligen hiesigen Herrn Interims-Commandanten en Chef, des Kaiserl. Königl Französischen Herrn Divisions-General Durutte, wird hiermit allen Einwohnern hiesiger Stadt und Vorstädte öffentlich bekannt gemacht, daß in dem Falle, wenn die feindlichen Truppen sich nähern und die diesseitigen Posten auf dem Elbufer bei hiesigee Stadt zu beunruhigen sich beigehen lassen würden, die sämmtlichen hiesigen Einwohner sich ruhig verhalten und friedlich in ihre Wohnungen sofort zurückkehren sollen.

Diejenigen, welche sich unterfangen würden, um die auf irgend einem Punkte vereinigten Truppen umher zu schleichen, werden für Spione angesehen werden, und wenn sich mehrere in Gruppen versammelten, die sich nicht auf das erste Signal wieder zerstreuten, sind die Truppen bereits beordert, auf sie zu feuern, und sie dadurch zur Entfernung zu nöthigen.

Jeder Vernünftige wird die durch die jetzigen Zeitumstände herbeygeführten dringende Nothwendigkeit dieser Anordnung selbst fühlen, unsere durch neuerliche Erfahrungen noch ängstlicher gewordene stadtväterliche Vorsorge für unsere geliebten Einwohner aber läßt uns keinen Augenblick säumen, ihnen diese ernstlichen Maasregeln bekannt zu machen und sie nochmahlen zu deren genauester Befolgung zu ermahnen.

Jeder Hauswirth hat solches sofort seinen Miethbewohnern mitzutheilen. Dresden, den 20. März 1813.

Der Rath zu Dresden.

Den 21. war es wie gestern, geschossen ward wenig, Nachmittag gegen 2 Uhr wurde Generalmarsch geschlagen, die Truppen stürzten zum Theil noch unangezogen auf ihre Allarm-Plätze. Sämmtliche Pferde zu den Kanons, Munitions- und Bagage-Wagen standen angeschirrt fertig, und das Gerücht behauptete, die Kosacken wären bei Pillnitz über die Elbe geschwommen und würden bald in der Pirnaischen Vorstadt seyn. Alles stürzte nach den Zwingerwällen, ins Gehäge, auf den Brühlschen Garten und ans Elbufer; allein man sah nur einzelne Kosacken und alles war wie gewöhnlich. Endlich hieß es, ein Russischer Parlamentair habe die Neustadt aufgefordert, die Russischen Truppen einzulassen; allein deshalb konnte man wohl unmöglich Generalmarsch schlagen und die ganze Stadt allarmiren lassen. -- Es ist vielmehr zu glauben, daß der franz. Commandant keinen andern Grund hierzu hatte, als die Truppen daran zu gewöhnen, damit selbige nöthigen Falls ihre Allarm Plätze gehörig zu finden wissen. Das Gerücht von der Aufforderung der Neustadt scheint sich zu bestätigen. Die Truppen blieben bis spät in die Nacht auf den Allarm Plätzen. Der Aufwurf auf der Brücke war heute fertig. Gegen Abend ward ein Russischer Parlamentair mit verbundenen Augen in einer Gondel über die Elbe und sodann in einer zugemachten Sänfte zum General Durutte geführt. Die Folge dieser Unterredung war, daß

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den 22. Mittags russische Truppen die Neustadt besetzen und daß in Dresden nebst der 1 Meile rechts und 1 Meile links an der Elbe hinliegenden Gegend die Feindseligkeiten vor der Hand aufhören sollten. Bekämen die Franzosen innerhalb 4 Tagen keine Verstärkung, so würden sie Dresden ganz den Russen überlassen und sich zurückziehen. Sämmtliche Sächsische Infanterie, auch ein Theil der wenigen Cavallerie sind wie es heißt nach Torgau abgegangen, um die dortige Garnison zu verstärken. Die Russen gehen häufig in Neustadt spatzieren. Uebrigens ist alles ruhig. Sie betragen sich dem Vernehmen nach musterhaft. Beifolgender Anschlag *) machte dem Publikum diese Begebenheit kund.

.*) Den hiesigen Einwohner wird andurch Nachstehendes bekannt gemacht:

Die Russisch Kayserlichen Truppen werden heute Mittags 12 Uhr die Neustadt besetzen, und zu Schonung beider Städte werden, sowohl auf dem rechten als auf dem linken Elbufer innerhalb einer deutschen Meile von der Brücke an Stromaufwärts, und einer dergleichen Meile Stromabwärts keine Feindseligkeiten weiter statt finden.

Mit dieser Uebereinkunft ist jedoch die Nothwendigkeit unzertrennlich verbunden, daß von heute Mittag 12 Uhr an, alle und jede Communication zwischen der Alt- und Neustadt gänzlich aufhört, und daß derjenige, welche demohngeachtet über die Elbe zu kommen suchen sollte, sofort von den Truppen arretirt, und als Spion behandelt werden wird.

Es hat daher Jedermann sich hiernach gehörig zu achten. Dresden, am 22. März 1813.

Der Rath zu Dresden.

Den 23. war alles ruhig. Um die abgegangenen Sachsen einigermaßen zu ersetzen, rückten heut mehrere hundert Mann bayersche Infanterie hier ein. Doch mag jetzt die Garnison der Altstadt Dresden in weniger mehr als 2000 Mann und circa 16 bis 18 Kanonen bestehen. Bei den Russen bemerkt man weder Artillerie noch Infanterie. Alles was man bisher sahe waren Kosacken. –

Heute ist wieder ein Parlemantair da gewesen, man weiß aber nicht was er gebracht hat.

Der 24. verfloß ganz ruhig. Das heitere Wetter lockte eine ungemeine Menge Menschen auf den Brühlschen Garten, worauf sich nur noch 2 Kanons befinden, auf den Zwingerwall und an das diesseitige Elbufer. Außer einigen Schildwachen wurde man wenig von den Russen in Neustadt gewahr. Man bemerkt noch immer weder Infanterie noch Kanonen.

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Den 25. nichts neues. Der Franzosen werden immer weniger. Sie marschiren in kleinen Trupps ab, so daß jetzt nur noch sehr wenig hier sind. Unsre ganze Garnison besteht aus den neuangekommenen Bayern. Uebrigens findet man in unsrer Stadt jetzt zwey lebhafte Contraste. Der Platz vor der gesprengten Brücke, stellt das lebhafteste Bild des Krieges dar. In der Mitte brennt Tag und Nacht neben einer bretternen Wachthütte, ein Wachtfeuer, um welches stehende und liegende Soldaten immer abwechselnde militairische Gruppen bilden. Bayersche Dragoner welche beständig auf und ab reiten; links der hohe, mit 5 Kanonen besetzte Zwinger Wall, mehr im Vorgrunde die Hauptwacht, in der Mitte die auf die Brücke aufgeworfne und mit 1 Kanon besetzte Schanze, rechts der ebenfalls mit 2 Kanonen versehne Brühlsche Garten, drüben in Neustadt russische Dragoner und Kosackenposten bringen eine ungemein Mannigfaltigkeit in dieses interessante Gemählde; der ganze übrige Theil der Stadt lebt in der tiefsten und friedlichsten Ruhe, und nur in den erwähnten Gegenden sieht man bei der jetzigen heitern Witterung ein beständiges Wogen der neugierigen Menge. Gestern Nachmittag wurden die Einwohner von dem Wiederanfang der unterbrochenen Feindseligkeiten durch anliegenden Anschlag *) benachrichtigt. Es scheint aber als on sich Niemand dafür fürchte. Man hat sich schon an die jetzige Lage der Dinge gewöhnt und erwartet die Zukunft mit Gleichgültigkeit und Ergebung.

.*) Da mit dem heutigen Abend die Feindseligkeiten zwischen den kriegführenden Truppen wieder eintreten könnten; so werden alle und jede Einwohner hiesiger Stadt und Vorstädte ernstlichst und wiederholt anermahnet, bey jedem entstehenden militairischen Allarm sich sofort in ihre Wohnungen zu begeben, damit nicht allein die Truppen auf keine Weise behindert, sondern auch sie selbst nicht Unannehmlichkeiten oder wohl gar eigner Lebensgefahr ausgesetzt werden möchten; besonders wird an die Lehrmeister der Innungen, die an sie bereits mündlich ergangene Verwarnung wegen Innehaltung ihrer Gesellen und Lehrlinge, bei eigner Verantwortung und dreytägiger Gefängnißstrafe, wiederholt, und sich auf die bereits vorlängst deshalb erlassenen Anschläge bezogen, so wie die Hauswirthe angewiesen werden, des Abends halb Zehn Uhr die Hausthüren zu verschließen, inmaaßen nach dieser Zeit Jeder, der nicht durch seinen Beruf oder andere unaufschiebliche Umstände hierzu genöthigt ist, ohne Unterschied der Person sich zu gewärtigen hat, von den Patrouillen angehalten und nach Befinden, wenn er sich nicht gehörig legitimiren kann, zum Arrest gebracht zu werden. Dresden, den 25. März 1813.

Der Rath zu Dresden.

Den 26sten. Eine allgemeine Bewegung unter den hier befindlichen Truppen schien auf außerordentliche Ereignisse zu deuten. Nachmittag gegen 2 Uhr marschirte die Hälfte der Bayern ab. Die übrigen folgten ihnen Truppweis, ja einzeln. Die Russen seien bei Zehren über die Elbe gegangen, hieß es. Bey einbrechender Nacht wurden die Kanonen vom Zwinger Wall, der Brückenschanze und dem Brühlschen Garten abgeführt, ohne daß ein Schuß gesehen war. Die Eilfertigkeit der abziehenden Ueberreste der Garnison war ungemein groß. Um Mitternacht war weder Franzose noch Bayer mehr in der Stadt, und Jedermann athmete freyer und sah mit froher Erwartung dem künftigen Tage entgegen.

Den 27ten. Ein schöner und heitrer Morgen ging nicht allein an unserm Horizont, sondern in den Herzen jedes gutdenkenden Dresdners auf. Das drohende Ungewitter, welches unserer guten Stadt vielleicht ein Lübecksches oder Moskausches Schicksal zubereiten konnte, war vorübergezogen. Zwar lag ein Theil der schönen Elbbrücke, welche seit Jahrhunderten, selbst während des zerstöhrenden 30 jährigen, und des 7 jährigen Krieges von Heerführern aller Art als ein wundervolles Monument menschlicher Anstrengung, Genie und Fleißes, respectirt worden war, in Trümmern; doch war Niemand in seinem Eigenthum gekränkt und die Stadt geschont worden. -- Die in Neustadt stehenden Russen waren nicht sobald den Abzug der Franzosen gewahr geworden, als mehrere Officiere auf Kähnen herüber kamen. Sogleich war auch die Communication mit der Neustadt wieder eröffnet und eine Menge Gondeln bedeckte den Elbstrom, um Freunde und Verwandte nach einer 9 tägigen Trennung wieder mit einander zu vereinigen. Ueberall hörte man frohe Grüsse und Erkundigungen. Man jauchzte einander ein herzliches Willkommen entgegen, welches jeder gutmüthig und freundlich erwiederte. Kurz es war ein Festtag, den Jedermann um so fröhlicher feyerte, da nicht der Kalender, sondern das Herz ihn einsetzte. -- Gottlob! eine trübe Zeit ist überstanden; -- ein heitrer Morgen lächelt uns wieder, der drückende, aussaugende Sirocko hat uns verlassen und ein frischer, erquikkender Nordwind gießt neues Leben und neue Kräfte in unsre hoffenden Herzen.


Volksaufstand in Dresden.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Der zehnte März 1813. [2]

Am 9ten März fiengen die Franzosen an, über dem vierten Pfeiler der prächtigen Elbebrücke nach der linken Seite des Flusses hin das Pflaster aufreissen zu lassen. Wie ein Lauffeuer gieng die Sage herum: die Brücke werde zerstört werden. Am Morgen des folgenden Tages insultirte das Volk einen besoffenen französischen Soldaten, der mit einem sächsischen Husaren Händel angefangen hatte, und dies gab die Veranlassung, daß sich immer mehrere auf dem Platz, wo das Pflaster aufgerissen wurde, sammelten und an dem Rumor Antheil nahmen. In den Nachmittagsstunden wurde der Zulauf zu den Arbeiten an der Brücke stärker und das Murren lauter. Endlich wiedersetzte man sich thätlich der Arbeit, rieß den Werkleuten Spaten und Hacken aus den Händen, drängte die Schildwachen zurück, übermannte einen französischen Officier und warf seinen Tschako ins Wasser. Nur durch einen sächsischen Officier ward er gerettet, sonst hätte man ihn vielleicht dem Tschako nachgeworfen. Wollten die Arbeiter fortfahren, so wurde das Toben und Lärmen dagegen immer stärker. "Fort mit den Franzosen!" tönte es von allen Seiten und jeder, der sich zeigte, wurde wenigstens beschimpft. Nun wirbelten in der Neustadt die Trommeln, die Besatzung stellte sich in den Strassen auf und so ward wenigstens für den Augenblick von der einen Seite Ruhe, indeß von der andern auch die Arbeiten an der Brücke eingestellt wurden. Kaum brach der Abend an, so entstand der Aufruhr aufs neue. Ein lautes Geschrey: "Fort mit den Franzosen! Reynier heraus!" ertönte unaufhörlich auf dem Brückenplatz. Man warf dem Kommandanten die Fenster ein und der Unfug dauerte so lange, bis Reuter und Fußvolk die Zugänge zu den Straßen besetzten. Endlich Nachts nach zehn Uhr verlor sich die Volksmenge und gieng, ohne weiter ein Unheil anzurichten, auseinander.


Die Russen besetzen die Neustadt von Dresden.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Der zwey und zwanzigste März 1813. [3]

Brown University Library.

Nach der Sprengung der Brücke blieben noch ohngefär hundert Mann von dem sächsischen und französischen leichten Fußvolk in der Neustadt, welche die beyden Thore und die Ueberreste der Wälle besetzten; die russische leichte Reiterey stund in der Gegend und am 20ten März zeigten sich die ersten Kosacken vor den Thoren. Am 21ten wurde wegen Uebergabe der Neustadt zwischen dem Obersten Davidoff und den französischen Generalen Durutte und Lecoq unterhandelt und am 22ten Mittags um zwölf Uhr nahmen die Russen die Neustadt in Besitz. Dabey wurde bedungen, daß zur Schonung der Stadt innerhalb einer deutschen Meile auf und abwärts von Dresden keine Feindseligkeit Statt finden und ein vier und zwanzig Stunden vorher aufzukündender Waffenstillstand geschlossen werden solle.


Ankunft des Kaisers von Rußland und des Königs von Preussen in Dresden.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Der vier und zwanzigste April 1813. [4]

Brown University Library.

Mittags gegen Ein Uhr trafen die beeden Monarchen nicht weit von der Stadt zusammen, bewillkommten sich mit einem Handschlag und zogen zu Pferd an der spitze ihrer Leibwachen gegen das sonst so prächtige, nun so wüste gewordene Dresden. Am Thor, wo zwo durch Blumengewinde verbundene Säulen errichtet waren, wurden sie von dem Stadtrath und den Geistlichen der drey christlichen Confeßionen empfangen. Weiß gekleidete Mädchen, welche Blumenkörbe trugen, standen in doppelten Reihen und streuten die Erstlinge des kommenden May's den Fürsten in den Weg. Unter dem Geläute aller Glocken und dem Zuruf des Volks, den sie mit freundlichem Dank erwiderten, zogen die Befreyer Europens ein. Fünf und zwanzig Bataillons der russischen Leibgarde, zwey Bataillons preussisches Fußvolk, ein preussisches Regiment Kavallerie und 60 Stücke Geschütz, zusammen ohngefähr 16000 Mann begleiteten sie, alle dürstend nach Sieg und schnaubend, die Schmach vom Jahr 1806 und den neuen verwegenen Einmarsch in das Land der Väter an Napoleon zu rächen.


Brown University Library.




Übergang der grossen Armée über die Elbe zu Dresden den 14. May, 1813.


Übergang der grossen Armée über die Elbe zu Dresden den 14. May, 1813.

Befehl an das Festungs-Kommando von Dresden.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Dresden, 12. August. [5]

In den acht Schanzen auf dem rechten Elbe-Ufer sind acht Baracken nach dem Modell der Baracken der jungen Garde zu erbauen; man hat aber stärkere Bäume dazu zu nehmen, so dass die Mannschaft in denselben nicht blos vor dem Kleingewehr-, sondern auch vor Kartätschen-Feuer gesichert ist.

Der Genie-Kommandant wird Befehl zur Abstechung dieser Baracken ertheilen; sie werden doppelt so gross seyn, als die der Garde und 40 Mann erhalten. Graf Lobau hat anzuordnen, dass jedes Bataillon der jungen Garde mit Erbauung einer solchen Baracke beauftragt, und dass sie morgen fertig werden.

Aehnliche Baracken sind gleichfalls in den fünf Schanzen auf dem linken Ufer zu erbauen. Die zwey Bataillons des westphälischen Regiments und die vier Bataillons des 11ten schützen- und 8tes 11ten Voltigeur-Regiments haben diese Baracken zu fertigen.

In jede dieser dreyzehn Schanzen ist ein Feldgeschütz einzuführen. Dieses Geschütz ist ohne Munitionswagen; allein in einem kleinen Magazin sind 200 Schüsse und 5,000 Infanterie-Patronen mit den erforderlichen Flintensteinen aufzubewahren. Von morgen an werden sich in jeder Schanze ein dienstthuender Kanonier und 24 Mann Wache befinden; alle fünf oder zehn Tage werden sie abgelöst. Der Kanonier wird sechs Leute von der Wachtmannschaft in den Handgriffen zur Bedienung des Geschützes unterrichten. Auch wird auf dem linken, sowie auf dem rechten Ufer ein mit der Aufsicht und dem Kommando über dieses Geschütze beauftragter Sergeant aufgestellt werden; sie werden die Magazine visitiren und täglich die in den Schanzen befindlichen Geschütze besichtigen.

In der grossen Lunette wird der tägliche Dienst bestehen, aus hundert Mann, einem Hauptmann von der Besatzung, einigen Offizieren und wenigstens einem Artillerie-Sergeanten, einem Korporal und vier Kanonieren.

Es sind so viele Erdsäcke und Schanzkörbe im Vorrath zu halten, um in wenigen Stunden die Ausgänge der fünf Strassen, die auf die Brêche von Wilsdruffen hinlaufen, zu verrammeln; vorläufig ist vor jedem dieser Ausgänge eine Schranke anzubringen, so dass diese Strassen alle Tage gesperrt sind. Im Falle einer Annäherung des Feindes wird man sich jener Erdsäcke und Schanzkörbe bedienen und hinter den Schranken achtzehn Fuss breite Traversen anlegen. Ferner wird man vor allen Thüren der Häuser, die der Brêche zugekehrt sind, Pfahlwerke anbringen, vorausgesetzt, dass die Kommunikation mit diesen Häusern dadurch nicht beeinträchtigt werde und dass sie noch einen andern Ausgang haben. In entgegengesetzten Falle sind die Pfahlwerke nur in der Nähe bereit zu halten, um sie innerhalb einer Stunde anbringen zu können. Ebenso sind auch Schanzkörbe und Erdsäcke bereit zu halten, um sie in alle Kreuzstücke stellen zu können, so dass, wenn der Feind erscheint, man sich in allen diesen Häusern festsetze und die Erdsäcke als Schiessscharten dienen. Ein gleiches Verfahren hat bey den Häusern, die der Pirnaer Brêche zugekehrt sind, einzutreten, doch Alles diess so, dass die Einwohner nicht dadurch in Unruhe versetzt werden.

Alle Handwerker sind am Graben des Pirnaer Thores zu verwenden, so dass dieser Theil durch einen mit Wasser angefüllten Graben verstärkt werde. Diese Arbeit muss allem Uebrigen vorangehen.

Alle Thüren der Gartenmauern, sowie sieben oder acht Thore der Vorstadt sind durch Pfahlwerke zu schliessen, so dass man durch diese Thore der Vorstadt nicht mehr einpassiren kann. Noch vor dem 18ten ist an jedes Thor und jede Schranke der Vorstadt ein Feldgeschütz mit einem dienstthuenden Kanonier und einigen aus den Wachen entnommenen Handlangern zu stellen. Diese Wachen werden 25 Mann stark seyn. Die hölzerne Brücke über den Wassergraben bey der Brêche gegen Wilsdrussen ist durch eine Schranke und einen spanischen Reiter zu decken und alle Abend sind die Bretter derselben abzunehmen. Nachts darf sie nicht gebraucht werden. Am Sonnenthor ist ein gutes Thor und eine Schranke anzubringen.

Mit der Rüstung des Festplatzes hat man so vorzuschreiten, dass, am 18ten, 80 Kanonen in Batterie, und 20 in Reserve stehen.

Ausser der sächsischen Artillerie-Kompagnie wird sich noch eine französische, 120 Mann stark, in der Festung befinden; ferner ein Oberst, ein Bataillons-Chef und fünf bis sechs Artillerie-Offiziere. Im Falle der Annäherung des Feindes werden Nachts die Zugbrücken aufgezogen, und, wenn die Stadt wirklich bedroht werden sollte, haben alle erwähnten Maassregeln einzutreten. Man wird sich der vier in der Contre-Escarpe am Pirnaer Thor gelegenen Häuser bemeistern und sie, nach Umständen, entweder niederreissen, oder militairisch besetzen.

Nach dem 18ten wird man alle grösseren und kleineren Schiffe in Königsstein und Dresden zusammenbringen lassen; was sich davon weiter unter, als halb Wegs nach Meissen, befindet, wird in Torgau verwahrt werden.

Die Barken lässt man fortbestehen; allein bey ihrem Sammelplatz ist eine Wache, eine Schildwache und eine Kanone aufzustellen.

Alle nicht bespannte, einer Reparatur bedürftige Bagage-Wägen, sowie die französische und sächsische Artillerie müssen auf den verschiedenen Esplanaden der Festungswerke Dresden's eingeschlossen werden. Sämmtliche Dêpots von Kranken, Verwundeten und Rekonvalescenten, die sich ausserhalb Dresden befinden, haben vom 18ten an dahin zurückzukehren, und Patrouillen der französischen und sächsischen Gend'armerie die Umgegend zu durchstreifen, um die vereinzelten Leute in die Stadt zu treiben.

Von Morgen, dem 13ten an, wird man alles Gehölz, im ganzen Umkreis und auf hundert Ruthen Entfernung von den auf dem rechten Ufer gelegenen Schanzen umhauen.


Wien Museum


[Durch Oesterreichische Marketender werden am 12ten Nov. 1813. Nachmittags, wieder Lebensmittel in die gerettete Stadt gebracht.]


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tagebuch der Begebenheiten in Dresden, vom 13ten bis 27sten März 1813. vom Einrücken des Marschall Davoust, bis zur Räumung der Stadt von den französischen und zur Ankunft der ersten russischen Truppen; von F. v. D. K. Sächsischem Hauptmann. Dresden, in der Arnoldischen Buchhandlung.
  2. Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  3. Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  4. Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  5. Napoleon's politisches und militairisches Leben, von ihm selbst erzählt vor dem Richterstuhle Cäsars's, Alexander's und Friedrich's des Zweyten. Aus dem Französischen. Tübingen, bey C. F. Osiander. 1828.


Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kriegsschauplatz im Jahre 1813. Enthält die geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt Dresden nebst einer umständlichen Schilderung des Königreichs Sachsen. Begleitet mit einer ausführlichen Karte. Breslau, 1813.
  • Tagebuch der Begebenheiten in Dresden, vom 13ten bis 27sten März 1813. vom Einrücken des Marschall Davoust, bis zur Räumung der Stadt von den französischen und zur Ankunft der ersten russischen Truppen; von F. v. D. K. Sächsischem Hauptmann.
  • Neueste Chronik von Dresden. Eine Uebersicht der merkwürdigsten Ereignisse vom Einzuge der Franzosen im März bis zur Befreyung der Stadt im November 1813. Von einem Augenzeugen.
  • Darstellung der Ereignisse in Dresden im Jahr 1813. Von einem Augenzeugen. Dresden, 1816. in der Arnoldischen Buchhandlung.
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